Was die österreichische Autorin Michaela Kastel da mit ihrem Roman “C’est la fucking vie” geschrieben hat, ist außergewöhnlich! Eine zerstörerische, heftige, verzweifelte, lebenspulsierende Liebesgeschichte, die ihresgleichen sucht. Im Mittelpunkt ein junges Mädchen, das exzessiv ihr Leben lebt, sich niemals verliebt, sondern nur von einer Bettgeschichte zu nächsten flüchtet. Das sich nun der Liebe und der Wahrheit stellen muss, als ihr bester Freund mehr von ihr will. Freiheit oder Beziehung? Ein Roman wie ein Tanz auf einem Drahtseil — in unvorstellbarer Höhe und ohne Sicherheitsnetz. Intensiv. Unvergesslich. Einmalig. Und absolut lesenswert! Für Jugendliche ab 16 Jahren und Erwachsene.
Die 17-jährige Sandra, genannt Sanni, weiß genau was sie vom Leben will: Spaß, unvergessliche Erinnerungen sammeln, sich treiben lassen und einfach nur genießen. Mitnehmen, was geht. Ohne nachzudenken. Ohne Kompromisse. Einfach mal ihren besten Freund Niko küssen, wenn ihr auf einer Party danach ist? Klar, warum nicht. “Das ist Leben. Dieser Kuss, dieses Glück, wir beide ineinander verschlungen. Es soll ewig dauern. Hier, jetzt, in dieser wunderschönen heißen Sommernacht ohne Sorgen. Das sind die Momente, die
das Herz stillstehen lassen. Für die man stirbt und in denen man weiterlebt, noch lange danach.” (Zitat aus “C’est la fucking vie” S.8) Dass Nikos aktuelle Freundin zufällig dabei zuguckt? Dumm gelaufen. Aber hey, die soll sich nicht so anstellen, das war doch nur Spaß! Niko und Sanni sind seit der Kindheit zusammen aufgewachsen. Haben ein sehr inniges Verhältnis. Damit scheinen seine Freundinnen, die er eine nach der anderen hat und die immer wieder nach einigen Monaten mit ihm Schluss machen, nicht klarzukommen. “Wieso immer diese Mauerblümchen? Was geben sie dir? Sicherheit? Sicherheit ist lahm. Sie bremst nur. Sie hält uns von Dingen ab, die zu waghalsig sind, um sie sich zweimal zu überlegen. Manchmal muss man einfach springen, verstehst du, sich fallen lassen, losrennen ohne zu überlegen” (Zitat S.35) Sanni hat mit so etwas gar keine Probleme. Sie verliebt sich nie. Hat regelmäßig One-Night-Stands und noch nie eine feste Beziehung. “Ohne Liebe
wäre alles ganz leicht. Ich hoffe, du kapierst das irgendwann.” (Zitat S.36) Mit ihren Freunden Alex, Tasche, Raffi, Manu und Tommy genießt sie nun den letzten Sommer, bevor sich ihre Wege nach dem Schulabschluss dann vielleicht trennen werden. Während Niko von seinen strengen Eltern zum Studium gedrängt wird, will sich Sanni über so etwas überhaupt keine Gedanken machen. Lieber in den Tag hineinleben oder mit Niko endlich nach Australien verreisen, so wie sie es schon lange geplant haben. Doch als sie ihren 18.Geburtstag feiert, passiert etwas, das ihr Leben völlig auf den Kopf stellt. Niko und sie kommen sich näher und das verändert alles. Aber kann Sanni ihre Freiheit für eine Beziehung so einfach aufgeben?
Das Cover von “C’est la fucking vie” ist ein richtiges Kunstwerk geworden und sieht für ein Jugendbuch schon relativ erwachsen aus. Es ist stylisch, es ist frech (die pinke Schrift) und gleichzeitig — hinsichtlich der zarten Blüten — fast romantisch, gefühlvoll schön. Es umfasst die Gegensätze perfekt, die auch die
zunächst noch 17-jährige, dann volljährige Protagonistin ausmachen. Die Innenseiten sind knallpink — der Pappblock des Einbandes, auf den das Cover direkt geklebt wurde, fühlt sich angenehm in der Hand an, ist bündig mit dem Buchblock, fast wie ein Taschenbuch, nur hochwertiger. Der Roman wird durchgehend aus der Sicht von Sanni, in der Ich-Perspektive, erzählt. Eine Besonderheit ist hierbei, dass sie Niko immer mit “Du” anspricht, ihn sozusagen — passend zum Inhalt — in den Mittelpunkt rückt. Dass in “C’est la fucking vie” ein ganz anderes Milieu als in “gewöhnlichen” Jugendbüchern herrscht, merkt man bei Lesen relativ schnell: “Auf dem Weg ins Badezimmer stolperte ich über einen Dreier, der seinen Spaß offenbar mitten auf dem Flurteppich hatte und einfach dort eingeschlafen ist.” (Zitat S.11ff) Ausschweifende Partys, Drogen, Alkohol, Sex, ein Leben fast ohne Regeln und Konventionen. Da räumt der geschiedenen Vater von
Sanni, der mit seiner Sekretärin zusammen ist, schon mal des Öfteren das Haus, damit die Tochter in Ruhe feiern kann: “Ein überlegenes Lächeln stiehlt sich auf mein Gesicht. Hat sie es jemals mit zwei Männern im Mondlicht getrieben? Kennt sie das Gefühl, der Mittelpunkt des Universums zu sein?” (Zitat S.25) Bereits mit 16 haben ihre Eltern sie in eine eigene WG ziehen lassen. Sanni als Charakter sticht besonders hervor, ist anders, wild und voller Energie. Sprüht förmlich vor Lust auf das Leben und ist auch ziemlich selbstbewusst: “Ich weiß, dass ich gut aussehe. […] Ich bin schlank, ohne knochig zu sein, habe tolle Brüste und einen noch tolleren Po, weil ich mich ständig bewege, jogge, Bahnen schwimme, Sex unter freiem Himmel habe, und ich liebes es. Ich liebe die Freiheit, den Mut und das unkomplizierte Denken. Die Jugend strahlt mir aus den Augen und lässt mich leuchten wie einen Stern.” (Zitat S.12) Während man am Anfang noch staunt über ihren Freiheitsdrang
und ihr scheinbar völlig unkompliziertes Leben, so wird bald ersichtlich, dass auch Sanni nicht völlig gefühllos ist. Und gerade das ist das mitunter Faszinierende an der Geschichte, dieses langsame Erspüren von Emotionen, die zweifellos da sind. Blicke und Berührungen zwischen Sanni und Niko, die es schon immer gab zwischen den beiden und das allmähliche Einordnen und Kategorisieren ihrer Beziehung zueinander. Ein Prozess, der schmerzvoll für die Protagonistin und wie ein Kraftakt ist, aber unglaublich authentisch dargestellt wird. Gerade ihre Zerrissenheit zu erleben, liest sich absolut ergreifend, mitreißend und vereinnahmend. Man möchte “C’est la fucking vie” zeitweise gar nicht mehr aus den Händen legen! Auch die zuweilen kraftvolle Sprache, die Michaela Kastel verwendet, hat mir sehr gut gefallen: “Die vergangene Nacht brennt wie die glühenden Splitter eines eben explodierenden Traums hinter meinen Augen. […] Die Nacht hat niemals aufgehört und der Sonnenschein ist
bloß der Wahnsinn, dem wir langsam anheimfallen, dieses irreführende Leuchten, das sich um uns dreht, wenn der Alkohol zu sehr reinzieht oder wir zu viel von Raffis magischen Pilzen gefuttert haben.” (Zitat S.10) Aufgrund der vielen erotischen Szenen und unverblümten Direktheit über Sexualität zu schreiben, würde ich das Buch jedoch keinesfalls ab 14, wie der Verlag angibt, sondern erst ab 16 Jahren empfehlen. Das Ende ist glaubwürdig und passend.
Dir gefällt Michaela Kastels Erzählart? “C’est la fucking vie” ist ihr erster Young Adult-Roman. Für Erwachsene hat sie noch eine Liebesgeschichte geschrieben: “Die Sterblichkeit der Seele” und zwei Thriller: “Worüber wir schweigen” und “So dunkel der Wald”. Sich mit vi
elen Flirts ablenken, um sich nicht mit den eigenen Gefühlen auseinanderzusetzen? Das erlebst du in “Der Sommer, als du wiederkamst” von Emily Martin (richtig klasse! Geheimtipp), “Liebe ist wie Drachensteigen” von Ashley Herring Blake (bewegend und romantisch) und “Lemon Summer” von Kody Keplinger. Seit Kindheit zusammen aufgewachsen, beste Freunde und plötzlich verliebt? Das findest du in “Und wenn es kein morgen gibt” von Jennifer Armentrout (ein Feuerwerk der Emotionen!), “Lass ich nicht los” von Sarah Alderson (Geheimtipp!), „Küssen erlaubt, verlieben verboten“ von Patricia Schröder, „Summer of love“ von Abby McDonald und „Die Tiefen deines Herzens“von Antje Szillat (toll erzählt!). Der letzte Sommer nach dem Abschluss bevor das (berufliche) Leben wartet? Davon kannst du in diesen Büchern lesen: “Rabensommer” von Elisabeth Steinkellner, “Dieser Sommer gehört noch uns” von Heike Karen Gürtler und “School’s out: Jetzt fängt das Leben an!” von Karolin Kolbe.
Bibliografische Angaben:Verlag: Ueberreuter ISBN: 978-3-7641-7099-8 Erscheinungsdatum: 17.Februar 2020 Einbandart: Hardcover Preis: 18,00€ Seitenzahl: 384 Übersetzer: - Originaltitel: - Originalverlag: - Originalcover: - Die Autorin erzählt:
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Verlag: Ueberreuter
ISBN: 978-3-7641-7099-8
Erscheinungsdatum: 17.Februar 2020
Einbandart: Hardcover
Preis: 18,00€
Seitenzahl: 384
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