Mercedes Ron — Culpa Mía: Meine Schuld

20.März 2024

Cul­pa Mía: Mei­ne Schuld” ist der ers­te Teil einer Tri­lo­gie und das dama­li­ge Debüt der argen­ti­ni­schen Best­sel­ler­au­torin Mer­ce­des Ron, die zunächst auf der Platt­form Watt­pad schrieb und dann einen Welt­erfolg mit ihrem Buch lan­de­te, wel­ches vor allem auf Tik­Tok viral ging. Es wur­de in zehn Spra­chen über­setzt und erschien 2023 als Film. Nun wur­de es auch ins Deut­sche über­setzt. Die Geschich­te eines Mäd­chens namens Noah, deren Mut­ter wie­der hei­ra­tet und die nach Kali­for­ni­en zu ihrer neu­en (rei­chen) Fami­lie zie­hen muss, was ihr gar nicht gefällt. Beson­ders ihren Stief­bru­der Nicho­las kann Noah über­haupt nicht aus­ste­hen. Er scheint jedoch nicht der vor­bild­li­che Jura­stu­dent zu sein, als den er sich aus­gibt. Der Bad Boy führt ein Dop­pel­le­ben mit rau­schen­den Par­tys, gefähr­li­chen Auto­rennen und Kampf­sport. Mit all dem möch­te Noah mög­lichst nichts zu tun haben. Doch dann kommt sie ihm unwei­ger­lich näher… Eine ver­bo­te­ne Lie­be, eine Ach­ter­bahn der Gefüh­le, jede Men­ge Fun­ken, die sprü­hen in einer Welt vol­ler Gla­mour, Geheim­nis­sen und tie­fen Abgrün­den. Wahn­sin­nig mit­rei­ßend, unter­halt­sam und pri­ckelnd geschrie­ben. Für Jugend­li­che ab 14 Jah­ren und Erwachsene.

17-jäh­ri­ge Noah ist über­haupt nicht begeis­tert, als sie von ihrer Mut­ter ver­kün­det bekommt, dass sie umzie­hen wer­den. Von Kana­da nach Kali­for­ni­en. Sechs Jah­re lang — nach der Tren­nung ihrer Eltern — waren sie ein ein­ge­spiel­tes Dream­team, haben das Zusam­men­le­ben per­fekt gemeis­tert und sind so etwas wie bes­te Freun­din­nen gewor­den. Doch auf einer Kreuz­fahrt, auf die Noah sie nicht beglei­ten konn­te, hat ihre Mut­ter einen Mil­lio­när Kasimiraken­nen­ge­lernt und auch gehei­ra­tet. Du weißt, was ich durch­ge­macht habe, was wir durch­ge­macht haben, und end­lich habe ich einen guten Mann gefun­den, der mich liebt und respek­tiert. Ich war lan­ge nicht mehr so glück­lich. Ich brau­che ihn, und ich weiß, du wirst ihn mögen. Außer­dem kann er dir eine Zukunft bie­ten, die für uns alle uner­reich­bar wäre. Du kannst auf eine Eli­te-Uni gehen, Noah.” (Zitat aus “Cul­pa mía: Mei­ne Schuld” S.12) Eine neue Schu­le ist Noah über­haupt nicht wich­tig. Viel schlim­mer ist, dass sie all ihre Freun­de, ihre Vol­ley­ball­mann­schaft und ihren Freund Dan in Kana­da zurück­las­sen muss. “Aber was soll­te ich tun? Ich war noch nicht voll­jäh­rig, bis zu mei­nem acht­zehn­ten Geburts­tag waren es noch elf Mona­te, drei Wochen und zwei Tage. Dann könn­te ich end­lich aufs Col­lege gehen, weg von mei­ner Mut­ter, die nur an sich dach­te, weg von den Leu­ten, mit denen ich fort­an mein Leben tei­len soll­te, zwei Men­schen, die ich nicht kann­te, und zu allem Über­fluss auch noch Män­nern.” (Zitat S.9) Zudem hat ihr neu­er Stief­va­ter auch noch einen Sohn. Den attrak­ti­ven 21-jäh­ri­gen Nicho­las. Mus­ter­gül­ti­ger Jura-Stu­dent. Noah kann ihn von Anfang an nicht aus­ste­hen, lie­fert sich hef­ti­ge Wort­ge­fech­te mit ihm. Sie wird sogar vor ihm gewarnt: “Wir sind zusam­men in die Schu­le gegan­gen, und ich kann dir ver­si­chern, er ist das ego­is­tischs­te und mie­ses­te Schwein unter der Son­ne.” Ha, offen­bar war ich nicht das ein­zi­ge Mit­glied im Club der Nicho­las-Fein­de. Mir ging es gleich bes­ser. “Ich wür­de ger­ne was Gutes über ihn sagen, aber der hat mehr Dreck am Ste­cken als sonst jemand, den ich ken­ne. Hal­te dich von ihm fern” (Zitat S.57) Genau das hat Noah vor. Doch all­mäh­lich kommt sie Nicho­las unwei­ger­lich näher. Und ent­deckt, dass er ein Dop­pel­le­ben führt, von dem sein Vater nichts ahnt…

Das Cover ist jetzt nicht wahn­sin­nig über­ra­schend, reiht sich ein in den “Ein­heits­ei­ner­lei” der ande­ren Roma­ne die­ses Gen­res, ist für die Ziel­grup­pe jedoch pas­send. Der Auf­kle­ber auf dem Cover macht bereits auf die Ver­fil­mung auf­merk­sam, die letz­tes Jahr anlief. Teil zwei und drei sind bereits in Vor­be­rei­tung (basie­rend eben­falls auf den Roman­vor­la­gen, die noch erschei­nen wer­den). “Cul­pa mía: Mei­ne Schuld” star­tet mit einem unheil­vol­len, kur­zen Pro­log, der bereits einen Aus­blick auf das, was noch kom­men wird, gibt: “Du hast doch voll­kom­men den Ver­stand ver­lo­ren”, fuhr ich sie an. Es stör­te mich, wel­che Wand­lung sich mit dem Mäd­chen voll­zog, das ich zu lie­ben glaub­te. Obwohl, wenn ich dar­über nach­dach­te… was sie tat und wie sie es tat… Das hat­te ich auch alles selbst getan, bevor ich sie ken­nen­lern­te. Ich hat­te sie in all das rein­ge­zo­gen. Ich war schuld dar­an, dass sie sich selbst zer­stör­te.” (Zitat S.7) Man ist schnell drin in der Geschich­te, die ohne gro­ßes Vor­ge­plän­kel und mit einer ange­neh­men, ein­fa­che­ren Spra­che beginnt. Noah (der Name als Mäd­chen­na­me ist zunächst noch etwas gewöh­nungs­be­dürf­tig) ist ein sehr sym­pa­thi­scher Cha­rak­ter. Ein Mäd­chen, das taff und nicht auf den Mund gefal­len ist. Ihre Gefüh­le wer­den sehr glaub­haft dar­ge­stellt: Ich hat­te Angst, ich wür­de jeden Moment auf­wa­chen und mich in mei­nem alten Zim­mer mit den übli­chen Klei­dern und dem schma­len Bett wie­der­fin­den; ande­rer­seits wünsch­te ich mir genau das, denn ich woll­te mein altes Leben zurück. Ich ver­spür­te einen der­ar­ti­gen Druck auf der Brust, dass ich mich auf den Boden sin­ken ließ, den Kopf auf die Knie leg­te und tief durch­at­me­te, bis der Wunsch zu wei­nen, nach­ließ.” (Zitat S.21) Der Roman ist sowohl aus Noahs, als auch aus Nicho­las Sicht in der Ich-Per­spek­ti­ve geschrie­ben. Schön gemacht ist auch, dass man­che Kapi­tel noch eine kur­ze Rück­blen­de auf die vor­an­ge­gan­ge­ne Sze­ne abbil­den und die Wahr­neh­mung dar­auf aus der jeweils ande­ren Per­spek­ti­ve schil­dern. Hier­durch ergibt sich ein noch inten­si­ve­res Bild auf das Gefühls­le­ben der Prot­ago­nis­ten. Beson­ders die Schlag­ab­täu­sche zwi­schen Noah und Nicho­las sind herr­lich zu lesen. Die bei­den schen­ken sich wirk­lich nichts und pro­vo­zie­ren sich zu Beginn bis aufs Äußers­te und sind immer wie­der für eine erfri­schen­de Abwechs­lung gut. “Seit ich sie am Abend gese­hen hat­te, ging sie mir nicht mehr aus dem Kopf. Ich weiß nicht, ob es der Reiz des Ver­bo­te­nen war — wir waren schließ­lich Stief­ge­schwis­ter — oder der Wunsch, sie kon­trol­lie­ren, das Feu­er, das sie ohne Unter­lass spruck­te, ersti­cken zu kön­nen und zu errei­chen, dass sie sich in mei­ner Gegen­wart wie alle ande­ren Frau­en ver­hielt, die ich kann­te. Noah war voll­kom­men anders. Sie lag mir nicht zu Füßen, sie bekam kei­ne zitt­ri­gen Knie, wenn ich sie ansah, sie gab nicht klein bei, wenn ich sie pro­vo­zier­te, im Gegen­teil, sie schlug noch hef­ti­ger zurück als ich. Das war ziem­lich frus­tie­rend… und auf­re­gend zugleich.” (Zitat S.130) Vie­le feu­ri­ge Momen­te zwi­schen den bei­den fol­gen und ein stän­di­ges Annä­hern und Zurück­wei­chen ist ein Haupt­merk­mal der Geschich­te. Neben dem The­ma Ins­zest (wobei die­ses fast noch etwas kon­flikt­rei­cher dar­ge­stellt wer­den hät­te kön­nen) spie­len auch ande­re Din­ge in “Cul­pa mía: Mei­ne Schuld” eine Rol­le. Denn nicht nur Nicho­las ist fami­li­är vor­be­las­tet — “Die Sache mit mei­ner Mut­ter war an uns bei­den nicht spur­los vor­über­ge­gan­gen, vor allem an mir nicht. Ich hat­te mit­an­se­hen müs­sen, wie sie fort­ge­gan­gen war, ohne sich auch nur ein­mal nach mir umzu­dre­hen. Seit­dem heg­te ich ein tie­fes Miss­trau­en gegen Frau­en. Sie inter­es­sier­ten mich allen­falls, um sie ins Bett zu krie­gen” (Zitat S.29) -, auch Noah hat ihr eige­nes Päck­chen zu tra­gen, was bereits rela­tiv früh ange­deu­tet wird (hier fehlt jedoch die Trig­ger­war­nung zu Beginn des Buches!): “Es war sechs Jah­re her, dass wir mit einem Mann — mei­nen Vater — zusam­men­ge­lebt hat­ten. Ich hat­te ich an denKasimira rei­nen Frau­en­haus­halt gewöhnt. Mein Leben war kein Zucker­schle­cken gewe­sen, vor allem nicht in den ers­ten elf Jah­ren: Die Pro­ble­me mit mei­nem Vater hat­ten mein Leben eben­so geprägt wie das mei­ner Mut­ter.” (Zitat S.18) Was in jenen elf Jah­ren pas­siert ist, das erfährt man erst all­mäh­lich in dem Roman. Die Span­nung stei­gert sich gegen Ende noch ein­mal enorm. Und ja, es gibt Stel­len, die sind manch­mal ein wenig kit­schig und ein paar Lie­bes­be­kun­dun­gen weni­ger wären manch­mal ange­brach­ter, aber den­noch ist “Cul­pa mía: Mei­ne Schuld” ein sehr unter­halt­sa­mes Lese­ver­gnü­gen und auch in sich abge­schlos­sen zu lesen.

LesealternativenDir hat “Cul­pa mía: Mei­ne Schuld” gefal­len? Dann freue dich auf die Fort­set­zun­gen, in denen Noah und Nicho­las wie­der eine Haupt­rol­le spie­len wer­den: “Cul­pa mía: Dei­ne Schuld” erscheint bereits im Juni 2024 und “Cul­pa mía: Unse­re Schuld” wird im Okto­ber 2024 ver­öf­fent­lich wer­den. Gut könn­te ich mir als Lese­al­ter­na­ti­ve auch die Roma­ne von Simo­ne Elke­les vor­stel­len (z.B. die “Du oder…”-Rei­he oder die “Para­di­se”-Rei­he) oder die “After”-Rei­he von Anna Todd. Ein wenig muss­te ich auch an “Drei Meter über dem Him­mel” von Feder­i­co Moc­cia den­ken, das eben­falls in Spa­ni­en ver­filmt wur­de und ein gro­ßer Erfolg war. Hier­zu gibt es noch eine Fort­set­zung: “Ich steh auf dich”.

Bibliografische Angaben:
Schilder was wo wer wannVerlag: cbt
ISBN: 978-3-570-31654-2
Erscheinungsdatum: 13.März 2024
Einbandart: Broschur
Preis: 13,00€
Seitenzahl: 512
Übersetzer*innen: Sabine Giersberg, Ursula Bachhausen
Originaltitel: "Culpa mía"
Originalverlag: B de Bolsillo

Spanisches Originalcover: 












Trailer zum Film:
 

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Kasimiras Bewertung:

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(4 von 5 mög­li­chen Punkten)

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Spanisches Cover: Homepage von Penguin Libros

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