“Soulmates and other ways to die” ist ein dystopischer Roman der britischen Autorin Melissa Welliver. Sie entführt in eine Welt in der Zukunft, in der eine Mutation aufgetaucht ist, die zwei Seelenverwandte hervorbringt. Diese können an den unterschiedlichsten Orten leben und einander nicht kennen, sind aber dennoch untrennbar miteinander verbunden. Bricht sich dein Seelenverwandter das Bein, fühlst auch du — aber in abgeschwächter Form — den Schmerz. Stirbt dein Seelenverwandter, stirbst du allerdings auch! Die Welt gleicht einer drohenden Apokalypse und es werden immer weniger Menschen. Zoe hat ihr Leben daher komplett vorhergeplant und versucht sich ständig gegen alle Risiken abzusichern. Doch dann erfährt sie zufällig, wer ihr Seelenverwandter ist. Ausgerechnet ihr Mitschüler Milo, der ein ziemlicher Draufgänger ist und sogar gelegentlich von Klippen springt. Unmöglich, dass er ihr Seelenverwander ist, das muss ein Fehler sein. Die beiden tun sich zusammen, um ein Gegenmittel zu finden und kommen sich dabei langsam näher.… Eine erfrischend andere Dystopie, die sich zu lesen lohnt! Mit Charme, Humor, einem einfallsreichen Plot und jeder Menge Action. Dazu eine Enemies-to-Lovers-Romance — perfekte Unterhaltung für Jugendliche ab 14 Jahren und Erwachsene.
Im Jahr 2045. Seit 10 Jahren müssen die Menschen mit der KinTwin-Mutation leben. Diese ist plötzlich aufgetaucht und lässt Seelenverwandte entstehen. Manche von ihnen sind schon verheiratet, andere nicht. Aber sie sind “laut Studien auf romantische Art füreinander bestimmt” (Zitat aus “Soulmates and other ways to die” S.14). Das Problem ist je
doch, dass die Bevölkerung nun langsam am Aussterben ist. Denn, wenn dein KinTwin stirbt, dann stirbst du auch. Auch dieselben Schmerzen kann man empfinden. Allerdings nur 10% des Originalschmerzes. Dies gibt vor allem der jungen Zoe zu denken. “…ich hatte so gut wie jeden zweiten Tag irgendwo ein Zwicken oder Zwacken. Das verhieß nichts Gutes für seine Sicherheit und demnach auch nicht für meine eigene. Ich seufzte. Was, wenn mein KinTwin irgendwo lebte, wo es gefährlich war, zum Beispiel in einem kriegsgebeutelten Land? Es gab Fälle von KinTwins, die nicht einmal dieselbe Sprache sprachen, also war das durchaus möglich.” (Zitat S.14ff) Es gibt zwar eine App und ein neu gegründetes Unternehmen, das hilft seinen KinTwin zu finden, aber einfach ist dies nicht immer. Denn ob man ein Match hat, stellt sich oft erst durch einen Zufall, Unfall oder heftige Schmerzen heraus. “Aisha war ein paar Tage lang krank gewesen und dachte, dass sie eine Lebensmittelvergiftung hätte, bis ihre Mum sie eines Tages bewusstlos in ihrem Zimmer fand. Sie wurde mit Blaulicht ins Krankenhaus gebracht, wo noch ein anderes Mädchen mit einem Blinddarmdurchbruch eingeliefert worden war, deren Schmerzen am selben Tag angefangen hatten wie die Bauchschmerzen von Aisha. Sie machten den Test und Ta-da! — es war ein Match. Ihr erstes Date fand im Krankenhauscafé statt und seitdem sind sie zusammen.” (Zitat S.26) Zoe kennt ihren KinTwin daher noch nicht. Versucht sich bestmöglichst in ihrem Alltag
abzusichern. “Stressbedingte Erkrankungen zählten zu den häufigsten Todesursachen. Indem ich meine Gefühle im Griff behielt, hielt ich quasi einen Killer in Schach.” (Zitat S.10) Auch hat sie immer einen Notfallbeutel mit dabei, darin sind “Ersatzbatterien, ein Solarladegerät, drei Riegel komprimierter Protein-Mahlzeiten, eine Taschenlampe und eine Packung Jodtabletten” (Zitat S.12). Ihre Mutter hat ein Lager mit Lebensmittel und allerlei anderer wichtigen Utensilien errichtet, verlässt selbst äußerst selten das Haus. Doch dann passiert Zoe genauso ein Unfall. Sie wird bei einer Massenkarambolage von einem Bus angefahren und landet im Krankenhaus. Einer ihrer Mitschüler — einer der beliebtesten und coolsten Typen der Schule — ist dort ebenfalls aufgenommen, weil er urplötzlich ohnmächtig wurde. Ein Test des Krankenhauses ergibt, Zoe und Milo sind KinTwins. Unmöglich! Sie haben so gar nichts gemeinsam. Milo ist einer der schlimmsten Draufgänger der Schule, liebt das Risiko und springt für den Adrenalinkick regelmäßig von Klippen ins Meer. Das muss ein Fehler sein. Aber der Test scheint echt zu sein, wie sich herausstellt. Bald erfahren die beiden von Madame Scissor. Hat sie wirklich eine Möglichkeit gefunden das Band zwischen KinTwins zu zertrennen? Fest steht, Zoe und Milo müssen diese Frau unbedingt finden. Auf ihrer Suche nach dem Heilmittel kommen sie einander jedoch unerwartet näher…
Das Cover wirkt fast ein wenig old-school, ein wenig retro. Die knalligen Orangetöne fallen jedoch auf. Dazu der Farbschnitt der Erstauflage mit dem Text am Buchblog: “Love is a choice”. Schon der erste Satz überrascht und katapultiert die Leser:innen in eine völlig andere Welt: “Es ist irgendwie schräg, wie schnell man sich an die Leichen gewöhnt.” (Zitat S.5) Der Plot in “Soulmates and other ways to die” ist äußerst gelungen. Zu Beginn darf man äußerst neugierig diese sich veränderte Ausgangslage entdecken. “Niemand unterhielt sich, aber das war normal. Man wollte kein Gespräch mit jemandem anfangen, der jeden Moment tot umfallen könnte” (Zitat S.12) Eine Todesrate, die sich verdoppelt hat. Leer stehende Häuser. Das Fahralter, das bereits auf 16 Jahre heruntergesetzt wurde, damit man überlebenswichtige Skills möglichst früh beherrscht. Aber auch Freizeiteinrichtungen, die nach und nach geschlossen werden: “Die Regierung schloss bereits Freizeitparks und die französischen Behörden hatten letztes Jahr alle Ski-Gebiete dichtgemacht, weil es Unfälle und Todesfälle gab, die in Zusammenhang mit KinTwins standen.” (Zitat S.23ff) Das Leben ist gefährlicher geworden. Das
Risiko zu sterben durch die KinTwin-Mutation viel höher. Manche Hintergründe muss man erst einmal einordnen. So fragte ich mich am Anfang, warum nicht einfach alle Menschen (über einen Bluttest ist dies möglich) getestet werden, damit sie ihre jeweiligen Seelenverwandten finden. Aber auch dies wird erklärt: “Die Mutation zeigt sich, wenn du dich in nächster Nähe zu deinem KinTwin befindest, deshalb können sie nicht einfach alle gleichzeitig testen. Es ist immer noch Glück im Spiel. Die Menschheit hat es doch vorher auch schon geschafft, ihre Seelenverwandten zu finden.” (Zitat S.27) Hierfür wurde ein Unternehmen namens KinTwin Discoveries gegründet, das eine Technologie zur Erkennung von KinTwins geschaffen hat. Erzählt wird der dystopische Roman aus zwei Perspektiven: Zoe und Milo kommen jeweils kapitelweise zu Wort und berichten in der Ich-Perspektive. Zwei sehr sympathische Figuren, in die man sich gut einfühlen kann und die beide eine glaubhafte Wandlung durchmachen. Milo, der anfängt, über seine Risikobereitschaft nachzudenken. “Es ist nicht so, dass mir nie in den Sinn gekommen war, dass mein KinTwin denselben Schmerz fühlte wie ich. Das wusste ich natürlich. Aber weil sie so vorsichtig war und ich deswegen nie
etwas mitbekam, dachte ich nie darüber nach, dass jemand, der gar nichts dafürkonnte, wegen mir Schmerzen hatte, ganz egal, wie schwer sie sein mochten. Ein Blick in Zoes Gesicht hatte mir alles gesagt. Sie war nicht einfach nur stinksauer auf mich. Sie hatte Angst vor mir, vor meiner Leichtsinnigkeit. Ich hatte ihr jahrelang Schmerzen bereitet und dass sie jetzt wusste, wer ich war, machte es nur noch schlimmer. Scheiße. Ich würde mich auch hassen.” (Zitat S.91) Aber auch Zoe, die in einem Zuhause mit drei Sicherheitschlössern und Kameras lebt. “Sie sah auf die Monitore im Flur, die die Bilder unserer Außenkameras zeigten. Sobald sie sich sicher war, dass dort keine direkten Gefahren lauerten, ließ sie mich raus. Wenn es nach ihr ginge, würde ich immer noch zu Hause unterrichtet werden. Ich hatte ihr sanft verklickern müssen, dass sie nicht wirklich gut in Mathe und Naturwissenschaften war und dass ich, wenn ich gute Noten in diesen Fächern bekommen wollte, einen richtigen Lehrer brauchte.” (Zitat S.12) Während ihre Mutter nicht einmal das Haus verlässt, als Zoe im Krankenhaus liegt, erkennt Zoe allmählich, dass es doch nicht nur darum geht, irgendwie zu überleben, sondern auch darum zu leben. Die Lovestory ist sehr angenehm in die Geschichte mit eingebaut. Auch Queermess wird thematisiert “Sie hatte recht damit, dass das Matche
n der queeren Community viel gebracht hatte. Sogar die örtliche Pride-Demo fühlte sich anders an, seitdem es wissenschaftliche Beweise dafür gab, dass Liebe sich wirklich immer durchsetzte.” (Zitat S.31) Auch gibt es manch humorvolle Momente und erfrischend andere Betrachtungsweisen, wenn sich Männer in Foren beispielsweise über Periodenschmerzen austauschen, die sie nun gezwungenermaßen prozentual mitfühlen müssen oder Eltern gerade von den Match ihres Kindes (in dem Fall Milo) erfahren “Wie lautet ihr Nachname? Ich suche sie auf Social Media”, sagte Dad. “Oh, tolle Idee. Ich will wissen, wie meine zukunftigen Enkelkinder aussehen könnten”, rief Mum und holte ihr Handy raus.” (Zitat S.81) “Soulmates and other ways to die” liest sich aber vor allem äußerst spannend und actionreich. Ob Zugunglück oder spektakuläre Verfolgungsjagden über Dächer, hier wird unterhaltstechnisch einiges geboten! Das Ende ist in sich abgeschlossen und passend, enthält noch mal eine besondere Botschaft.
Wenn dir “Soulmates and other ways to die” gefallen hat und du englische Romane magst, kannst du noch die anderen Bücher von Melissa Welliver lesen, die bisher noch nicht ins Deutsche übersetzt wurden: “My Love Life And The Apocalypse”, “The Undying Tower” und “To the Death” (erscheint im März 2026). Auch die Bücher von Adam Silvera könnten eine Alternative für dich sein. Du möchtest noch mehr Dystopien lesen, die erfrischend anders geschrieben sind? Dann kann ich dir die Neuheiten “Evermind: Sie kennt dich” von Melissa C.Hill, “Tomorrow Land” von Antonia Michaelis und Peer Martin und “The Hive: Wenn die Königin fällt” von Anna February empfehlen. Sehr gelungen und einfallsreich fand ich zudem “Lichterloh: Stadt unter Ruß” von Sarah M. Kempen.
Bibliografische Angaben:Verlag: Magellan ISBN: 978-3-7348-5090-5 Erscheinungsdatum: 18.September 2025 Einbandart: Broschur Ausstattung: Erstauflage mit Farbschnitt Preis: 18,00€ Seitenzahl: 320 Übersetzer*in: Maria Schmidt Illustrator*in: Micaela Alcaino Originaltitel: "Soulmates and other ways to die" Originalverlag: Chicken House Britisches Originalcover:
Trailer zum Buch (auf Englisch):
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Kasimiras Bewertung:
(4,5 von 5 möglichen Punkten)
------------------------------------------------------- Britisches Originalcover: Homepage von Melissa Welliver

Verlag: Magellan
ISBN: 978-3-7348-5090-5
Erscheinungsdatum: 18.September 2025
Einbandart: Broschur
Ausstattung: Erstauflage mit Farbschnitt
Preis: 18,00€
Seitenzahl: 320
Übersetzer*in: Maria Schmidt
Illustrator*in: Micaela Alcaino
Originaltitel: "Soulmates and other ways to die"
Originalverlag: Chicken House
Britisches Originalcover:
Trailer zum Buch (auf Englisch):
