Melissa Welliver — Soulmates and other ways to die

30.Dezember 2025

“Soul­ma­tes and other ways to die” ist ein dys­to­pi­scher Roman der bri­ti­schen Autorin Melis­sa Wel­li­ver. Sie ent­führt in eine Welt in der Zukunft, in der eine Muta­ti­on auf­ge­taucht ist, die zwei See­len­ver­wand­te her­vor­bringt. Die­se kön­nen an den unter­schied­lichs­ten Orten leben und ein­an­der nicht ken­nen, sind aber den­noch untrenn­bar mit­ein­an­der ver­bun­den. Bricht sich dein See­len­ver­wand­ter das Bein, fühlst auch du — aber in abge­schwäch­ter Form — den Schmerz. Stirbt dein See­len­ver­wand­ter, stirbst du aller­dings auch! Die Welt gleicht einer dro­hen­den Apo­ka­lyp­se und es wer­den immer weni­ger Men­schen. Zoe hat ihr Leben daher kom­plett vor­her­ge­plant und ver­sucht sich stän­dig gegen alle Risi­ken abzu­si­chern. Doch dann erfährt sie zufäl­lig, wer ihr See­len­ver­wand­ter ist. Aus­ge­rech­net ihr Mit­schü­ler Milo, der ein ziem­li­cher Drauf­gän­ger ist und sogar gele­gent­lich von Klip­pen springt. Unmög­lich, dass er ihr See­len­ver­wan­der ist, das muss ein Feh­ler sein. Die bei­den tun sich zusam­men, um ein Gegen­mit­tel zu fin­den und kom­men sich dabei lang­sam näher.… Eine erfri­schend ande­re Dys­to­pie, die sich zu lesen lohnt! Mit Charme, Humor, einem ein­falls­rei­chen Plot und jeder Men­ge Action. Dazu eine Enemies-to-Lovers-Romance — per­fek­te Unter­hal­tung für Jugend­li­che ab 14 Jah­ren und Erwachsene.

Im Jahr 2045. Seit 10 Jah­ren müs­sen die Men­schen mit der KinT­win-Muta­ti­on leben. Die­se ist plötz­lich auf­ge­taucht und lässt See­len­ver­wand­te ent­ste­hen. Man­che von ihnen sind schon ver­hei­ra­tet, ande­re nicht. Aber sie sind “laut Stu­di­en auf roman­ti­sche Art für­ein­an­der bestimmt” (Zitat aus “Soul­ma­tes and other ways to die” S.14). Das Pro­blem ist jedoch, dass die Bevöl­ke­rung nun lang­sam am Aus­ster­ben ist. Denn, wenn dein KinT­win stirbt, dann stirbst du auch. Auch die­sel­ben Schmer­zen kann man emp­fin­den. Aller­dings nur 10% des Ori­gi­nal­schmer­zes. Dies gibt vor allem der jun­gen Zoe zu den­ken. “…ich hat­te so gut wie jeden zwei­ten Tag irgend­wo ein Zwi­cken oder Zwa­cken. Das ver­hieß nichts Gutes für sei­ne Sicher­heit und dem­nach auch nicht für mei­ne eige­ne. Ich seufz­te. Was, wenn mein KinT­win irgend­wo leb­te, wo es gefähr­lich war, zum Bei­spiel in einem kriegs­ge­beu­tel­ten Land? Es gab Fäl­le von KinT­wins, die nicht ein­mal die­sel­be Spra­che spra­chen, also war das durch­aus mög­lich.” (Zitat S.14ff) Es gibt zwar eine App und ein neu gegrün­de­tes Unter­neh­men, das hilft sei­nen KinT­win zu fin­den, aber ein­fach ist dies nicht immer. Denn ob man ein Match hat, stellt sich oft erst durch einen Zufall, Unfall oder hef­ti­ge Schmer­zen her­aus. “Aisha war ein paar Tage lang krank gewe­sen und dach­te, dass sie eine Lebens­mit­tel­ver­gif­tung hät­te, bis ihre Mum sie eines Tages bewusst­los in ihrem Zim­mer fand. Sie wur­de mit Blau­licht ins Kran­ken­haus gebracht, wo noch ein ande­res Mäd­chen mit einem Blind­darm­durch­bruch ein­ge­lie­fert wor­den war, deren Schmer­zen am sel­ben Tag ange­fan­gen hat­ten wie die Bauch­schmer­zen von Aisha. Sie mach­ten den Test und Ta-da! — es war ein Match. Ihr ers­tes Date fand im Kran­ken­haus­ca­fé statt und seit­dem sind sie zusam­men.” (Zitat S.26) Zoe kennt ihren KinT­win daher noch nicht. Ver­sucht sich best­mög­lichst in ihrem All­tag abzu­si­chern. “Stress­be­ding­te Erkran­kun­gen zähl­ten zu den häu­figs­ten Todes­ur­sa­chen. Indem ich mei­ne Gefüh­le im Griff behielt, hielt ich qua­si einen Kil­ler in Schach.” (Zitat S.10) Auch hat sie immer einen Not­fall­beu­tel mit dabei, dar­in sind “Ersatz­bat­te­rien, ein Solar­la­de­ge­rät, drei Rie­gel kom­pri­mier­ter Pro­te­in-Mahl­zei­ten, eine Taschen­lam­pe und eine Packung Jod­ta­blet­ten” (Zitat S.12). Ihre Mut­ter hat ein Lager mit Lebens­mit­tel und aller­lei ande­rer wich­ti­gen Uten­si­li­en errich­tet, ver­lässt selbst äußerst sel­ten das Haus. Doch dann pas­siert Zoe genau­so ein Unfall. Sie wird bei einer Mas­sen­ka­ram­bo­la­ge von einem Bus ange­fah­ren und lan­det im Kran­ken­haus. Einer ihrer Mit­schü­ler — einer der belieb­tes­ten und cools­ten Typen der Schu­le — ist dort eben­falls auf­ge­nom­men, weil er urplötz­lich ohn­mäch­tig wur­de. Ein Test des Kran­ken­hau­ses ergibt, Zoe und Milo sind KinT­wins. Unmög­lich! Sie haben so gar nichts gemein­sam. Milo ist einer der schlimms­ten Drauf­gän­ger der Schu­le, liebt das Risi­ko und springt für den Adre­na­lin­kick regel­mä­ßig von Klip­pen ins Meer. Das muss ein Feh­ler sein. Aber der Test scheint echt zu sein, wie sich her­aus­stellt. Bald erfah­ren die bei­den von Madame Scis­sor. Hat sie wirk­lich eine Mög­lich­keit gefun­den das Band zwi­schen KinT­wins zu zer­tren­nen? Fest steht, Zoe und Milo müs­sen die­se Frau unbe­dingt fin­den. Auf ihrer Suche nach dem Heil­mit­tel kom­men sie ein­an­der jedoch uner­war­tet näher…

Das Cover wirkt fast ein wenig old-school, ein wenig retro. Die knal­li­gen Oran­ge­tö­ne fal­len jedoch auf. Dazu der Farb­schnitt der Erst­auf­la­ge mit dem Text am Buch­blog: “Love is a choice”. Schon der ers­te Satz über­rascht und kata­pul­tiert die Leser:innen in eine völ­lig ande­re Welt: “Es ist irgend­wie schräg, wie schnell man sich an die Lei­chen gewöhnt.” (Zitat S.5) Der Plot in “Soul­ma­tes and other ways to die” ist äußerst gelun­gen. Zu Beginn darf man äußerst neu­gie­rig die­se sich ver­än­der­te Aus­gangs­la­ge ent­de­cken. “Nie­mand unter­hielt sich, aber das war nor­mal. Man woll­te kein Gespräch mit jeman­dem anfan­gen, der jeden Moment tot umfal­len könn­te” (Zitat S.12) Eine Todes­ra­te, die sich ver­dop­pelt hat. Leer ste­hen­de Häu­ser. Das Fahr­al­ter, das bereits auf 16 Jah­re her­un­ter­ge­setzt wur­de, damit man über­le­bens­wich­ti­ge Skills mög­lichst früh beherrscht. Aber auch Frei­zeit­ein­rich­tun­gen, die nach und nach geschlos­sen wer­den: “Die Regie­rung schloss bereits Frei­zeit­parks und die fran­zö­si­schen Behör­den hat­ten letz­tes Jahr alle Ski-Gebie­te dicht­ge­macht, weil es Unfäl­le und Todes­fäl­le gab, die in Zusam­men­hang mit KinT­wins stan­den.” (Zitat S.23ff) Das Leben ist gefähr­li­cher gewor­den. Das Risi­ko zu ster­ben durch die KinT­win-Muta­ti­on viel höher. Man­che Hin­ter­grün­de muss man erst ein­mal ein­ord­nen. So frag­te ich mich am Anfang, war­um nicht ein­fach alle Men­schen (über einen Blut­test ist dies mög­lich) getes­tet wer­den, damit sie ihre jewei­li­gen See­len­ver­wand­ten fin­den. Aber auch dies wird erklärt: “Die Muta­ti­on zeigt sich, wenn du dich in nächs­ter Nähe zu dei­nem KinT­win befin­dest, des­halb kön­nen sie nicht ein­fach alle gleich­zei­tig tes­ten. Es ist immer noch Glück im Spiel. Die Mensch­heit hat es doch vor­her auch schon geschafft, ihre See­len­ver­wand­ten zu fin­den.” (Zitat S.27) Hier­für wur­de ein Unter­neh­men namens KinT­win Dis­co­veries gegrün­det, das eine Tech­no­lo­gie zur Erken­nung von KinT­wins geschaf­fen hat. Erzählt wird der dys­to­pi­sche Roman aus zwei Per­spek­ti­ven: Zoe und Milo kom­men jeweils kapi­tel­wei­se zu Wort und berich­ten in der Ich-Per­spek­ti­ve. Zwei sehr sym­pa­thi­sche Figu­ren, in die man sich gut ein­füh­len kann und die bei­de eine glaub­haf­te Wand­lung durch­ma­chen. Milo, der anfängt, über sei­ne Risi­ko­be­reit­schaft nach­zu­den­ken. “Es ist nicht so, dass mir nie in den Sinn gekom­men war, dass mein KinT­win den­sel­ben Schmerz fühl­te wie ich. Das wuss­te ich natür­lich. Aber weil sie so vor­sich­tig war und ich des­we­gen nie etwas mit­be­kam, dach­te ich nie dar­über nach, dass jemand, der gar nichts dafür­konn­te, wegen mir Schmer­zen hat­te, ganz egal, wie schwer sie sein moch­ten. Ein Blick in Zoes Gesicht hat­te mir alles gesagt. Sie war nicht ein­fach nur stink­sauer auf mich. Sie hat­te Angst vor mir, vor mei­ner Leicht­sin­nig­keit. Ich hat­te ihr jah­re­lang Schmer­zen berei­tet und dass sie jetzt wuss­te, wer ich war, mach­te es nur noch schlim­mer. Schei­ße. Ich wür­de mich auch has­sen.” (Zitat S.91) Aber auch Zoe, die in einem Zuhau­se mit drei Sicher­heits­chlös­sern und Kame­ras lebt. “Sie sah auf die Moni­to­re im Flur, die die Bil­der unse­rer Außen­ka­me­ras zeig­ten. Sobald sie sich sicher war, dass dort kei­ne direk­ten Gefah­ren lau­er­ten, ließ sie mich raus. Wenn es nach ihr gin­ge, wür­de ich immer noch zu Hau­se unter­rich­tet wer­den. Ich hat­te ihr sanft ver­kli­ckern müs­sen, dass sie nicht wirk­lich gut in Mathe und Natur­wis­sen­schaf­ten war und dass ich, wenn ich gute Noten in die­sen Fächern bekom­men woll­te, einen rich­ti­gen Leh­rer brauch­te.” (Zitat S.12) Wäh­rend ihre Mut­ter nicht ein­mal das Haus ver­lässt, als Zoe im Kran­ken­haus liegt, erkennt Zoe all­mäh­lich, dass es doch nicht nur dar­um geht, irgend­wie zu über­le­ben, son­dern auch dar­um zu leben. Die Love­sto­ry ist sehr ange­nehm in die Geschich­te mit ein­ge­baut. Auch Que­er­mess wird the­ma­ti­siert “Sie hat­te recht damit, dass das Matchen der quee­ren Com­mu­ni­ty viel gebracht hat­te. Sogar die ört­li­che Pri­de-Demo fühl­te sich anders an, seit­dem es wis­sen­schaft­li­che Bewei­se dafür gab, dass Lie­be sich wirk­lich immer durch­setz­te.” (Zitat S.31) Auch gibt es manch humor­vol­le Momen­te und erfri­schend ande­re Betrach­tungs­wei­sen, wenn sich Män­ner in Foren bei­spiels­wei­se über Peri­oden­schmer­zen aus­tau­schen, die sie nun gezwun­ge­ner­ma­ßen pro­zen­tu­al mit­füh­len müs­sen oder Eltern gera­de von den Match ihres Kin­des (in dem Fall Milo) erfah­ren “Wie lau­tet ihr Nach­na­me? Ich suche sie auf Social Media”, sag­te Dad. “Oh, tol­le Idee. Ich will wis­sen, wie mei­ne zukunf­ti­gen Enkel­kin­der aus­se­hen könn­ten”, rief Mum und hol­te ihr Han­dy raus.” (Zitat S.81) “Soul­ma­tes and other ways to die” liest sich aber vor allem äußerst span­nend und action­reich. Ob Zug­un­glück oder spek­ta­ku­lä­re Ver­fol­gungs­jag­den über Dächer, hier wird unter­halts­tech­nisch eini­ges gebo­ten! Das Ende ist in sich abge­schlos­sen und pas­send, ent­hält noch mal eine beson­de­re Botschaft.

LesealternativenWenn dir “Soul­ma­tes and other ways to die” gefal­len hat und du eng­li­sche Roma­ne magst, kannst du noch die ande­ren Bücher von Melis­sa Wel­li­ver lesen, die bis­her noch nicht ins Deut­sche über­setzt wur­den: “My Love Life And The Apo­ca­lyp­se”, “The Undy­ing Tower” und “To the Death” (erscheint im März 2026). Auch die Bücher von Adam Sil­ve­ra könn­ten eine Alter­na­ti­ve für dich sein. Du möch­test noch mehr Dys­to­pien lesen, die erfri­schend anders geschrie­ben sind? Dann kann ich dir die Neu­hei­ten “Ever­mind: Sie kennt dich” von Melis­sa C.Hill, “Tomor­row Land” von Anto­nia Michae­lis und Peer Mar­tin und “The Hive: Wenn die Köni­gin fällt” von Anna Febru­ary emp­feh­len. Sehr gelun­gen und ein­falls­reich fand ich zudem “Lich­ter­loh: Stadt unter Ruß” von Sarah M. Kempen.

Bibliografische Angaben:
Schilder was wo wer wannVerlag: Magellan
ISBN: 978-3-7348-5090-5
Erscheinungsdatum: 18.September 2025
Einbandart: Broschur
Ausstattung: Erstauflage mit Farbschnitt
Preis: 18,00€
Seitenzahl: 320
Übersetzer*in: Maria Schmidt
Illustrator*in: Micaela Alcaino
Originaltitel: "Soulmates and other ways to die"
Originalverlag: Chicken House

Britisches Originalcover:












Trailer zum Buch (auf Englisch):
 

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Kasimiras Bewertung:

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(4,5 von 5 mög­li­chen Punkten)

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Britisches Originalcover: Homepage von Melissa Welliver

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