“Shadowrunner: Aufbruch ins Reich der Schatten” ist der erste Teil einer zweibändigen Reihe von der deutschen Autorin Melissa C.Hill. Ein Mädchen mit einer unheilbaren Krankheit, die das Sonnenlicht meiden muss. Die 12-jährige Quinn darf ihr Haus nicht verlassen, wird von ihren Eltern im Homescooling unterrichtet. Doch als ihre Ratte ausbüxt, geht sie nach draußen und wird durch ein Schattenloch in eine andere Welt gesogen — nach Noctura, dem Reich der Schatten. Quinn erfährt, dass sie gar nicht krank ist, sondern das besondere Kräfte in ihr schlummern! Auf der Akademie für Shadowrunner wird sie nun ausgebildet, bildet zusammen mit zwei anderen Jugendlichen die “Erstklässler”-Generation. Aber warum verhalten sich die anderen, älteren Mitschüler so feindselig ihnen gegenüber? Bald erfährt Quinn, was dahintersteckt… Eine sehr faszinierende Welt, die die Autorin hier erschaffen hat. Mit einer äußerst sympathischen, taffen Heldin. Ein sehr unterhaltsamer Reihenauftakt! Für Jugendliche ab 10 Jahren.
Die 12-jährige Quinn führt ein völlig anderes Leben als ihre Mitmenschen. Das liegt daran, dass sie eine Erkrankung hat, wegen der sie das Sonnenlicht unbedingt meiden muss. Sonst reagiert ihre Haut und
vernarbt. “Schuld daran ist eine Krankheit, die so selten ist, dass sie nicht einmal einen Namen hat. Ihre Mutter hat als Ärztin ein einziges Mal mit einem Patienten zu tun gehabt, der unter den gleichen Symptomen litt wie Quinn. Aber sie hat alles darüber gelesen, was irgendwo zu finden war, und ist vermutlich die einzige richtige Expertin auf diesem Gebiet, die es auf der ganzen Welt gibt.” (Zitat aus “Shadowrunner: Aufbruch ins Reich der Schatten” S.17) Deshalb darf Quinn das Haus nicht verlassen und lebt mit ihren Eltern ziemlich abgeschieden. Auch wenn diese sich sehr viel Mühe geben. Sie unterrichten sie selbst zu Hause und haben im ganzen Wohnraum, in dem die Vorhänge stets zugezogen sind, Tageslichtbirnen angebracht. “Aber es ist einfach nicht dasselbe, wie mit Gleichaltrigen zur Schule zu gehen, unterschiedliche Lehrerinnen und Lehrer zu haben und Sportunterricht draußen auf dem Hartplatz. Genau wie Tageslichtbirnen eben nicht wirklich echtes Sonnenlicht sind.” (Zitat S.13) Quinn kann nur nachts raus gehen, hat einen völlig anderen Rhythmus. Aber mehr als ihren Garten sieht sie nicht, da ihre Eltern nicht wollen, dass sie diesen verlässt. Ihre Mutter hat ihre Arbeit aufgegeben, hilft ihrem Mann nachts in der
Bäckerei. Tagsüber schlafen sie dann alle. Quinn vermisst andere Kontakte. Hätte so gerne Freunde. Deshalb nimmt sie an einem Online-Selbstverteidigungskurs teil, bei dem sie einen Jungen namens Robin kennenlernt, mit dem sie zu chatten anfängt und der ihr wirklich sympathisch ist. Doch dann passiert das Undenkbare: eine ihrer beiden Ratten und treusten Weggefährten büxt eines Tages aus und läuft nach draußen. Quinn läuft instinktiv hinterher, um sie zu retten. “Da gibt der Boden unter Quinns Knien nach. Eigentlich ist das unmöglich. Sie befindet sich auf der geraden, glatten Steinfläche der Terrasse. Hinter ihr ist nichts als die Hauswand. Aber ihr Fuß geht eindeutig ins Leere. Panisch dreht Quinn den Kopf, um über ihre Schulter zu schauen. Von der Helligkeit immer noch geblendet, begreift sie zunächst nicht, was sie sieht. Ein Fleckchen Schatten, das besonders dicht und dunkel aussieht. Fast wie ein Loch im…” (Zitat S.46) Quinn stürzt in ein Loch und mitten in eine andere Welt. In Noctura trifft sie auch auf Robin wieder, der wie viele andere Jugendliche auf den Schattencampus geht. Auch er hat — ebenso wie Quinn — besondere Fähigkeiten. Aber
das erfährt sie erst nach und nach. Und warum haben ihre Eltern sie eigentlich angelogen? “Sie haben mich von der Sonne ferngehalten. Weil ich eine Krankheit habe. Meine Haut reagiert anders auf UV-Strahlung als die anderer Leute. Sie vernarbt und -” “Nein, Quinn”, unterbricht Allegra sie, und ihre Stimme klingt nun gar nicht mehr streng, sondern fast sanft. “Robin hat recht: Es war der Schatten, vor dem deine Eltern dich beschützen wollten.” (Zitat S.64) Denn in Noctura spielen Schatten eine besondere Rolle. Allmählich begreift Quinn die Zusammenhänge. Doch ihre Welt ist in großer Gefahr…
Das Cover erregt Aufmerksamkeit und ist passend gestaltet. Der fantastische Roman beginnt mit einem untypischen Satz, der sofort in die Geschichte zieht und das Anderssein der Protagonistin unterstreicht: “Quinn hasst den Sommer. Alles daran. Aber ganz besonders die langen, warmen Sommerabende, wenn die Sonne golden am Himmel hängt und einfach nicht untergehen will.” (Zitat S.9) Ein Mädchen, das nicht ins Son
nenlicht darf. Quinn berichtet durchgängig aus ihrer Sicht in personaler Erzählweise. Man ist sofort mitten drin in der Geschichte, die ohne großes Vorgeplänkel startet und Quinns außergewöhnlichen und anderen Alltag zeigt. Sobald sie in Noctura gelandet ist, startet der Fantasy-Anteil des Buches, welches in Kapitel eingeteilt ist und mit Überschriften versehen ist. Es liest sich sehr unterhaltsam und faszinierend, das Worldbuilding in Melissa C.Hills Geschichte. “Also, wir sind in einem Land namens Noctura. Genauer gesagt: an einer Schule, die ihr Schattencampus nennt und die nur Shadowrunner besuchen”, fasst Quinn zusammen. Die fremden Begriffe auszusprechen, verursacht ein sachtes Kribbeln in ihrem Nacken. Es ist keine Angst, sondern eher Aufregung. Was ist das für eine verrückte und faszinierende fremde Welt? Quinn will mehr darüber wissen. Alles, was es zu wissen gibt.” (Zitat S.58) Man braucht eine Weile, um alle Details zu erfassen und sich auf die neue Welt einzulassen. Hier wird man aber ebenso an die Hand genommen, wie Quinn, die immer mehr über die Hintergründe erfährt. Auch was sie mit dem Schatten um sie herum eigentlich so alles
anfangen kann. “Als Shadowrunner ist der Schatten so etwas wie dein Werkstoff. Du kannst Portale in ihm öffnen, ihn formen, ihm Leben einhauchen und ihn bewegen. Jedenfalls, wenn du erst mal ein wenig Übung hast und deine Schattenkraft kontrollieren kannst. Und das können wir dir hier am Schattencampus beibringen. Fünf Jahre Unterricht bei uns, und du wirst deine Kräfte bestens im Griff haben. Dann musst du dich nicht mehr vom Schatten fernhalten und kannst ein normales Leben führen.” (Zitat S.66) Es gibt außergewöhnliche Fächer wie Schattenmeditation, Schattenreisen und Animagination. In letzterem Fach soll sie aus Schatten etwas formen und diesem Leben einhauchen. Doch statt einem kleinen Tier, wie es die Lehrerin fordert, erschafft Quinn plötzlich einen ausgewachsenen Falken. “Shadowrunner: Aufbrauch ins Reich der Schatten” ist durchgängig unterhaltsam. Nur der Mittelteil hätte noch etwas mehr gestrafft werden können. Dort fehlte mir zuweilen das große Spannungselement. Wenn man früher erfahren hätte, warum Quinn, Morgan und Robin solche Außenseiter sind, hätte man hier besser die Hintergründe verstehen können. Dies geschieht erst weiter hinten im Buch. Doch im letzten Drittel zieht die Spannung dann wieder ordentlich an und eine Gefahr nach der nächsten offenbart sich den Freunden. Das Ende wird äußerst nervenaufreibend und fesselnd. Die Geschichte klingt passend aus, das offene Ende deutet jedoch bereits an, was die Leser:innen in Band 2 erwarten wird.
Bibliografische Angaben:Verlag: Oetinger ISBN: 978-3-7512-0666-2 Erscheinungsdatum: 12.Februar 2026 Einbandart: Hardcover Preis: 16,00€ Seitenzahl: 320 Illustrator*in: Marie Beschorner
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Verlag: Oetinger
ISBN: 978-3-7512-0666-2
Erscheinungsdatum: 12.Februar 2026
Einbandart: Hardcover
Preis: 16,00€
Seitenzahl: 320
Illustrator*in: Marie Beschorner
