Melissa C. Hill — Shadowrunner: Aufbruch ins Reich der Schatten

22.Februar 2026

“Shadowrun­ner: Auf­bruch ins Reich der Schat­ten” ist der ers­te Teil einer zwei­bän­di­gen Rei­he von der deut­schen Autorin Melis­sa C.Hill. Ein Mäd­chen mit einer unheil­ba­ren Krank­heit, die das Son­nen­licht mei­den muss. Die 12-jäh­ri­ge Quinn darf ihr Haus nicht ver­las­sen, wird von ihren Eltern im Homes­coo­ling unter­rich­tet. Doch als ihre Rat­te aus­büxt, geht sie nach drau­ßen und wird durch ein Schat­ten­loch in eine ande­re Welt geso­gen — nach Noc­tu­ra, dem Reich der Schat­ten. Quinn erfährt, dass sie gar nicht krank ist, son­dern das beson­de­re Kräf­te in ihr schlum­mern! Auf der Aka­de­mie für Shadowrun­ner wird sie nun aus­ge­bil­det, bil­det zusam­men mit zwei ande­ren Jugend­li­chen die “Erstklässler”-Generation. Aber war­um ver­hal­ten sich die ande­ren, älte­ren Mit­schü­ler so feind­se­lig ihnen gegen­über? Bald erfährt Quinn, was dahin­ter­steckt… Eine sehr fas­zi­nie­ren­de Welt, die die Autorin hier erschaf­fen hat. Mit einer äußerst sym­pa­thi­schen, taf­fen Hel­din. Ein sehr unter­halt­sa­mer Rei­hen­auf­takt! Für Jugend­li­che ab 10 Jahren.

Die 12-jäh­ri­ge Quinn führt ein völ­lig ande­res Leben als ihre Mit­men­schen. Das liegt dar­an, dass sie eine Erkran­kung hat, wegen der sie das Son­nen­licht unbe­dingt mei­den muss. Sonst reagiert ihre Haut und ver­narbt. “Schuld dar­an ist eine Krank­heit, die so sel­ten ist, dass sie nicht ein­mal einen Namen hat. Ihre Mut­ter hat als Ärz­tin ein ein­zi­ges Mal mit einem Pati­en­ten zu tun gehabt, der unter den glei­chen Sym­pto­men litt wie Quinn. Aber sie hat alles dar­über gele­sen, was irgend­wo zu fin­den war, und ist ver­mut­lich die ein­zi­ge rich­ti­ge Exper­tin auf die­sem Gebiet, die es auf der gan­zen Welt gibt.” (Zitat aus “Shadowrun­ner: Auf­bruch ins Reich der Schat­ten” S.17) Des­halb darf Quinn das Haus nicht ver­las­sen und lebt mit ihren Eltern ziem­lich abge­schie­den. Auch wenn die­se sich sehr viel Mühe geben. Sie unter­rich­ten sie selbst zu Hau­se und haben im gan­zen Wohn­raum, in dem die Vor­hän­ge stets zuge­zo­gen sind, Tages­licht­bir­nen ange­bracht. “Aber es ist ein­fach nicht das­sel­be, wie mit Gleich­alt­ri­gen zur Schu­le zu gehen, unter­schied­li­che Leh­re­rin­nen und Leh­rer zu haben und Sport­un­ter­richt drau­ßen auf dem Hart­platz. Genau wie Tages­licht­bir­nen eben nicht wirk­lich ech­tes Son­nen­licht sind.” (Zitat S.13) Quinn kann nur nachts raus gehen, hat einen völ­lig ande­ren Rhyth­mus. Aber mehr als ihren Gar­ten sieht sie nicht, da ihre Eltern nicht wol­len, dass sie die­sen ver­lässt. Ihre Mut­ter hat ihre Arbeit auf­ge­ge­ben, hilft ihrem Mann nachts in der Bäcke­rei. Tags­über schla­fen sie dann alle. Quinn ver­misst ande­re Kon­tak­te. Hät­te so ger­ne Freun­de. Des­halb nimmt sie an einem Online-Selbst­ver­tei­di­gungs­kurs teil, bei dem sie einen Jun­gen namens Robin ken­nen­lernt, mit dem sie zu chat­ten anfängt und der ihr wirk­lich sym­pa­thisch ist. Doch dann pas­siert das Undenk­ba­re: eine ihrer bei­den Rat­ten und treus­ten Weg­ge­fähr­ten büxt eines Tages aus und läuft nach drau­ßen. Quinn läuft instink­tiv hin­ter­her, um sie zu ret­ten. “Da gibt der Boden unter Quinns Knien nach. Eigent­lich ist das unmög­lich. Sie befin­det sich auf der gera­den, glat­ten Stein­flä­che der Ter­ras­se. Hin­ter ihr ist nichts als die Haus­wand. Aber ihr Fuß geht ein­deu­tig ins Lee­re. Panisch dreht Quinn den Kopf, um über ihre Schul­ter zu schau­en. Von der Hel­lig­keit immer noch geblen­det, begreift sie zunächst nicht, was sie sieht. Ein Fleck­chen Schat­ten, das beson­ders dicht und dun­kel aus­sieht. Fast wie ein Loch im…” (Zitat S.46) Quinn stürzt in ein Loch und mit­ten in eine ande­re Welt. In Noc­tu­ra trifft sie auch auf Robin wie­der, der wie vie­le ande­re Jugend­li­che auf den Schat­ten­cam­pus geht. Auch er hat — eben­so wie Quinn — beson­de­re Fähig­kei­ten. Aber das erfährt sie erst nach und nach. Und war­um haben ihre Eltern sie eigent­lich ange­lo­gen? “Sie haben mich von der Son­ne fern­ge­hal­ten. Weil ich eine Krank­heit habe. Mei­ne Haut reagiert anders auf UV-Strah­lung als die ande­rer Leu­te. Sie ver­narbt und -” “Nein, Quinn”, unter­bricht Alle­gra sie, und ihre Stim­me klingt nun gar nicht mehr streng, son­dern fast sanft. “Robin hat recht: Es war der Schat­ten, vor dem dei­ne Eltern dich beschüt­zen woll­ten.” (Zitat S.64) Denn in Noc­tu­ra spie­len Schat­ten eine beson­de­re Rol­le. All­mäh­lich begreift Quinn die Zusam­men­hän­ge. Doch ihre Welt ist in gro­ßer Gefahr…

Das Cover erregt Auf­merk­sam­keit und ist pas­send gestal­tet. Der fan­tas­ti­sche Roman beginnt mit einem unty­pi­schen Satz, der sofort in die Geschich­te zieht und das Anders­sein der Prot­ago­nis­tin unter­streicht: “Quinn hasst den Som­mer. Alles dar­an. Aber ganz beson­ders die lan­gen, war­men Som­mer­aben­de, wenn die Son­ne gol­den am Him­mel hängt und ein­fach nicht unter­ge­hen will.” (Zitat S.9) Ein Mäd­chen, das nicht ins Sonnen­licht darf. Quinn berich­tet durch­gän­gig aus ihrer Sicht in per­so­na­ler Erzähl­wei­se. Man ist sofort mit­ten drin in der Geschich­te, die ohne gro­ßes Vor­ge­plän­kel star­tet und Quinns außer­ge­wöhn­li­chen und ande­ren All­tag zeigt. Sobald sie in Noc­tu­ra gelan­det ist, star­tet der Fan­ta­sy-Anteil des Buches, wel­ches in Kapi­tel ein­ge­teilt ist und mit Über­schrif­ten ver­se­hen ist. Es liest sich sehr unter­halt­sam und fas­zi­nie­rend, das World­buil­ding in Melis­sa C.Hills Geschich­te. “Also, wir sind in einem Land namens Noc­tu­ra. Genau­er gesagt: an einer Schu­le, die ihr Schat­ten­cam­pus nennt und die nur Shadowrun­ner besu­chen”, fasst Quinn zusam­men. Die frem­den Begrif­fe aus­zu­spre­chen, ver­ur­sacht ein sach­tes Krib­beln in ihrem Nacken. Es ist kei­ne Angst, son­dern eher Auf­re­gung. Was ist das für eine ver­rück­te und fas­zi­nie­ren­de frem­de Welt? Quinn will mehr dar­über wis­sen. Alles, was es zu wis­sen gibt.” (Zitat S.58) Man braucht eine Wei­le, um alle Details zu erfas­sen und sich auf die neue Welt ein­zu­las­sen. Hier wird man aber eben­so an die Hand genom­men, wie Quinn, die immer mehr über die Hin­ter­grün­de erfährt. Auch was sie mit dem Schat­ten um sie her­um eigent­lich so alles anfan­gen kann. “Als Shadowrun­ner ist der Schat­ten so etwas wie dein Werk­stoff. Du kannst Por­ta­le in ihm öff­nen, ihn for­men, ihm Leben ein­hau­chen und ihn bewe­gen. Jeden­falls, wenn du erst mal ein wenig Übung hast und dei­ne Schat­ten­kraft kon­trol­lie­ren kannst. Und das kön­nen wir dir hier am Schat­ten­cam­pus bei­brin­gen. Fünf Jah­re Unter­richt bei uns, und du wirst dei­ne Kräf­te bes­tens im Griff haben. Dann musst du dich nicht mehr vom Schat­ten fern­hal­ten und kannst ein nor­ma­les Leben füh­ren.” (Zitat S.66) Es gibt außer­ge­wöhn­li­che Fächer wie Schat­ten­me­di­ta­ti­on, Schat­ten­rei­sen und Ani­ma­gi­na­ti­on. In letz­te­rem Fach soll sie aus Schat­ten etwas for­men und die­sem Leben ein­hau­chen. Doch statt einem klei­nen Tier, wie es die Leh­re­rin for­dert, erschafft Quinn plötz­lich einen aus­ge­wach­se­nen Fal­ken. “Shadowrun­ner: Auf­brauch ins Reich der Schat­ten” ist durch­gän­gig unter­halt­sam. Nur der Mit­tel­teil hät­te noch etwas mehr gestrafft wer­den kön­nen. Dort fehl­te mir zuwei­len das gro­ße Span­nungs­ele­ment. Wenn man frü­her erfah­ren hät­te, war­um Quinn, Mor­gan und Robin sol­che Außen­sei­ter sind, hät­te man hier bes­ser die Hin­ter­grün­de ver­ste­hen kön­nen. Dies geschieht erst wei­ter hin­ten im Buch. Doch im letz­ten Drit­tel zieht die Span­nung dann wie­der ordent­lich an und eine Gefahr nach der nächs­ten offen­bart sich den Freun­den. Das Ende wird äußerst ner­ven­auf­rei­bend und fes­selnd. Die Geschich­te klingt pas­send aus, das offe­ne Ende deu­tet jedoch bereits an, was die Leser:innen in Band 2 erwar­ten wird.

Bibliografische Angaben:
Schilder was wo wer wannVerlag: Oetinger
ISBN: 978-3-7512-0666-2
Erscheinungsdatum: 12.Februar 2026
Einbandart: Hardcover
Preis: 16,00€
Seitenzahl: 320
Illustrator*in: Marie Beschorner

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Kasimiras Bewertung:

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(4 von 5 mög­li­chen Punkten)

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