Melissa Albert — Hazel Wood: Wo alles beginnt

Melissa Albert - Hazel Wood: Wo alles beginnt8.September 2018

Die ame­ri­ka­ni­sche Autorin Melis­sa Albert hat ihren ers­ten Debüt­ro­man ver­öf­fent­licht: “Hazel Wood: Wo alles beginnt”, der inter­na­tio­nal bereits hoch­ge­lobt wird. Eine mär­chen­haft (gru­se­li­ge), atmo­sphä­ri­sche Geschich­te mit abso­lu­ter Sog­wir­kung und von erzäh­le­ri­scher Bril­lanz. Über ein Mäd­chen, das auf der Suche nach Ant­wor­ten zurück zu ihren Wur­zeln gehen muss. Ein traum­haf­tes Werk. Genau so müs­sen Bücher sein! Für Jugend­li­che ab 14 Jah­ren und Erwach­se­ne.

Ali­ce hat ihre Groß­mutter nie getrof­fen. Ihre Groß­mutter, die berühm­te Schrift­stel­le­rin, die “Mär­chen aus dem Hin­ter­land” geschrie­ben hat. Mit den Mär­chen auf­ge­wach­sen, das ist ihre Mut­ter damals auf dem Anwe­sen Hazel Wood. Ali­ce hin­ge­gen ist immer nur umge­zo­gen. Mei­ne Mom und ich leb­ten wie Vaga­bun­den: Wir lie­ßen uns an aben­teu­er­li­chen Orten nie­der, blie­ben bei Freun­den, bis deren Gast­freund­schaft an den Ellen­bo­gen durch­ge­scheu­ert war, und zogen anschlie­ßend wei­ter.” (Zitat aus “Hazel Wood: Wo alles beginnt” S.11) Zudem schie­nen die bei­den vom Unglück ver­folgt zu wer­den. Woh­nun­gen, in denen sie woh­nen, wer­den auf ein­mal
 Melissa Albert - Hazel Wood: Wo alles beginntüber­flu­tet oder Ver­mie­ter ihres Gäs­te­hau­ses wer­den urplötz­lich krank. Des­halb zie­hen sie auch min­des­tens zwei Mal im Jahr um, denn wenn das Unglück sie fin­det, dann suchen sie schnell das Wei­te. Doch jetzt ist Althea Pro­ser­pi­ne — der Künst­ler­na­me ihrer Groß­mutter — uner­war­tet ver­stor­ben. Und Ali­ces Mut­ter ver­än­dert ihren Lebens­stil. Auf ein­mal haben sie eine Woh­nung in Brook­lyn und zie­hen auch nicht mehr um! Der Tod von Althea scheint alles ver­än­dert zu haben: “Weißt du, was das für uns bedeu­tet?” […] “Moment! Bedeu­tet das, wir erben Hazel Wood?” Das Anwe­sen mei­ner Groß­mutter, das ich bis­her nur auf Fotos gese­hen hat­te, fühl­te sich an wie ein Ort, an den ich mich aus einer ande­ren, einer selbst aus­ge­dach­ten Kind­heit erin­ner­te. […] “Gott, nein! Nie­mals. Es bedeu­tet, dass wir frei sind.” “Frei wovon?”, fra­ge ich dumm, aber sie gab kei­ne Ant­wort.” (Zitat S.12ff) Und noch etwas ist selt­sam. Denn in dem Café, in dem Ali­ce jobbt, taucht auf ein­mal ein Mann auf, den sie über­ra­schen­der­wei­se wie­der­erkennt. Als sie sechs Jah­re alt war, ist sie von einem Frem­den ent­führt wor­den, zu dem sie aber gewis­ser­ma­ßen frei­wil­lig ins Auto stieg und der sie mit aller­lei Geschich­ten auf einer lan­gen Auto­fahrt unter­hielt, bis die Poli­zei sie aMelissa Albert - Hazel Wood: Wo alles beginntufgriff und Ali­ce wie­der zurück zu ihrer Mut­ter gebracht wur­de. “Zu die­sem Zeit­punkt war ich bereits dahin­ter­ge­kom­men, dass der Mann nicht der war, der er zu sein behaup­te­te: ein Freund mei­ner Groß­mutter Althea, der mich zu ihr brin­gen woll­te. Schon damals leb­te Althea zurück­ge­zo­gen in ihrem gro­ßen Haus und ich hat­te sie noch nie getrof­fen. Sie hat­te kei­ne Freun­de, nur Fans, und mei­ne Mut­ter erklär­te mir, ein sol­cher Fan sei auch der Mann. Ein Fan, der mich dazu benut­zen woll­te, an meine Groß­mutter her­an­zu­kom­men.” (Zitat S.10) Frü­her hat sich Ali­ce eine Zeit lang vor­ge­stellt, der Mann wäre ihr Vater gewe­sen, über den ihre Mut­ter nie ein Wort ver­lo­ren hat. Doch war­um taucht er jetzt wie­der auf? Und ver­schwin­det eben­so schnell wie­der, als sie ihn erkennt? Am Tisch hin­ter­lässt er eine Feder, einen Kamm und einen klei­nen (Hühner-)Knochen. Als ihre Mut­ter dann auch noch spur­los ver­schwin­det, begibt sich Ali­ce zusam­men mit Elle­ry Finch — einem Jun­gen aus ihrer Schu­le — auf Spu­ren­su­che und geht zurück zu ihren Wur­zeln, um her­aus­zu­fin­den, was all das bedeu­tet und wel­ches Geheim­nis ihre Groß­mutter umgibt. Und begibt sich in gro­ße Gefahr…

Melissa Albert - Hazel Wood: Wo alles beginntSchon das Cover von “Hazel Wood: Wo alles begann” wirkt mit dem zar­ten Glit­zer­ef­fekt eben­so geheim­nis­voll und fas­zi­nie­rend wie die Geschich­te selbst, die aus Ali­ces Sicht in der Ich-Per­spek­ti­ve erzählt wird. Bereits beim Lesen der ers­ten paar Sei­ten bemerkt man das erzäh­le­ri­sche Kön­nen der Autorin, die mit Anspruch, Esprit und Elo­quenz zum buch­stäb­li­chen Ver­schlin­gen des Buches ver­führt. Tol­le Cha­rak­te­re, der atmo­sphä­ri­sche Schreib­stil und die inhalt­lich inter­es­san­ten Hin­ter­grund­ge­schich­ten, hier bewegt man sich auf einem ganz ande­ren Niveau. Mit­tel­punkt der Rät­sel­haf­tig­keit, die den Roman durch­dringt, ist stets Hazel Wood und Ali­ces mys­te­riö­se Groß­mutter. “Doch so schlim­me es auch wur­de — Hazel Wood blie­ben wir immer fern. Es war immer der Ort, an den Ella nie zurück­keh­ren woll­te.” (Zitat S.30) War­um? Was ist damals gesche­hen? War­um hat Ali­ce ihre Groß­mutter nie­mals ken­nen­ler­nen kön­nen? Und wer ist eigent­lich ihr Vater? Zudem steht das geheim­nis­vol­le Buch “Mär­chen aus dem Hin­ter­land” im Vor­der­grund, wel­ches die Groß­mutter ver­fasst hat, wel­ches bei­na­he unmög­lich zu bekom­men ist: Ich muss­te die­ses Buch lesen. Ich muss­te. Die Aus­ga­be vom Dach­bo­den sah ich nie wie­der, aber ich merk­te mir den Titel und war­te­te auf die pas­sen­de Gele­gen­heit. Ich such­te in Biblio­the­ken und Buch­hand­lun­gen nach dem Buch und in den Rega­len sämt­li­cher Leu­te, bei denen wir über­nach­te­ten, fand es nur nie. Ein­mal tauch­te es bei eBay auf […], doch die Gebo­te klet­ter­ten schnell über Melissa Albert - Hazel Wood: Wo alles beginntmein Bud­get hin­aus.” (Zitat S.25) Immer wie­der wer­den die Mär­chen dar­aus nach­er­zählt oder kom­plett abge­druckt, was dem Gan­zen eine beson­de­re Spur Gru­sel­haf­tig­keit ver­leiht. Und — es ist mal KEINE Lie­bes­ge­schich­te ent­hal­ten, was auch sehr sel­ten vor­kommt! Im hin­te­ren Teil des Buches wird es ein biss­chen wirr und chao­tisch, was aber den inhalt­li­chen Bege­ben­hei­ten geschul­det ist. Hier hät­te ich mir jedoch noch ein wenig mehr Zuspit­zung und Span­nung gewünscht. Schön ist, dass das Ende in sich abge­schlos­sen ist, obwohl die Rei­he fort­ge­setzt wird und die Autorin wohl schon am nächs­ten Teil schreibt. 

Fazit: Ein beein­dru­cken­des, sprach­lich her­vor­ra­gend erzähl­tes Werk, das sich defi­ni­tiv zu lesen lohnt!

Du magst Geschich­te mit mär­chen­haf­ten Ele­men­ten? DannLesealternativen lies unbe­dingt das lite­ra­ri­sche “Das Mäd­chen mit den glä­ser­nen Füßen” von Ali Shaw oder die “School for Good and Evil”- Rei­he von Soman Chaina­ni. Von der sprach­li­chen Qua­li­tät kann es “Hazel Wood: Wo alles beginnt” auch locker mit den Wer­ken von Cor­ne­lia Fun­ke auf­neh­men — zum Bei­spiel der “Reck­less”-Rei­he, an die ich beim Lesen von der düs­te­ren Stim­mung her und dem Bezug zu den Mär­chen sofort den­ken muss­te oder die “Tin­ten­herz”-Rei­he. Oder greif zu “Grimm” von Chris­toph Mar­zi. Mär­chen­haft ist und im Wald spielt zum eben­so “Der Prinz der Elfen” von Hol­ly Black. Gewis­se Par­al­le­len zeigt auch “Mein Herz zwi­schen den Zei­len” von Jodi Picoult und ihrer Toch­ter Saman­tha Van Leer (nicht so düs­ter, eher roman­tisch).

Bibliografische Angaben:
Schilder was wo wer wannVerlag: Dressler
ISBN: 978-3-7915-0085-0
Erscheinungsdatum: 20.August 2018
Einbandart: Hardcover
Preis: 19,00€ 
Seitenzahl: 352 
Übersetzer: Fabienne Pfeiffer
Originaltitel: "The Hazelwood"
Originalverlag: MacMillan Publishers
Amerikanisches Originalcover:
Melissa Albert - Hazel Wood: Wo alles beginnt













Trailer zum Buch (auf Englisch):

Kasimiras Bewertung:

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(5 von 5 mög­li­chen Punk­ten)

Die­ser Titel hat es in fol­gen­de Kate­go­rie geschafft: **Kasi­mi­ras Lieb­lings­bü­cher**

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Amerikanisches Cover: Homepage von MacMillan Publishers

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