Die amerikanische Autorin Melissa Albert hat ihren ersten Debütroman veröffentlicht: “Hazel Wood: Wo alles beginnt”, der international bereits hochgelobt wird. Eine märchenhaft (gruselige), atmosphärische Geschichte mit absoluter Sogwirkung und von erzählerischer Brillanz. Über ein Mädchen, das auf der Suche nach Antworten zurück zu ihren Wurzeln gehen muss. Ein traumhaftes Werk. Genau so müssen Bücher sein! Für Jugendliche ab 14 Jahren und Erwachsene.
Alice hat ihre Großmutter nie getroffen. Ihre Großmutter, die berühmte Schriftstellerin, die “Märchen aus dem Hinterland” geschrieben hat. Mit den Märchen aufgewachsen, das ist ihre Mutter damals auf dem Anwesen Hazel Wood. Alice hingegen ist immer nur umgezogen. “Meine Mom und ich lebten wie Vagabunden: Wir ließen uns an abenteuerlichen Orten nieder, blieben bei Freunden, bis deren Gastfreundschaft an den Ellenbogen durchgescheuert war, und zogen anschließend weiter.” (Zitat aus “Hazel Wood: Wo alles beginnt” S.11) Zudem schienen die beiden vom Unglück verfolgt zu werden. Wohnungen, in denen sie wohnen, werden auf einmal
überflutet oder Vermieter ihres Gästehauses werden urplötzlich krank. Deshalb ziehen sie auch mindestens zwei Mal im Jahr um, denn wenn das Unglück sie findet, dann suchen sie schnell das Weite. Doch jetzt ist Althea Proserpine — der Künstlername ihrer Großmutter — unerwartet verstorben. Und Alices Mutter verändert ihren Lebensstil. Auf einmal haben sie eine Wohnung in Brooklyn und ziehen auch nicht mehr um! Der Tod von Althea scheint alles verändert zu haben: “Weißt du, was das für uns bedeutet?” […] “Moment! Bedeutet das, wir erben Hazel Wood?” Das Anwesen meiner Großmutter, das ich bisher nur auf Fotos gesehen hatte, fühlte sich an wie ein Ort, an den ich mich aus einer anderen, einer selbst ausgedachten Kindheit erinnerte. […] “Gott, nein! Niemals. Es bedeutet, dass wir frei sind.” “Frei wovon?”, frage ich dumm, aber sie gab keine Antwort.” (Zitat S.12ff) Und noch etwas ist seltsam. Denn in dem Café, in dem Alice jobbt, taucht auf einmal ein Mann auf, den sie überraschenderweise wiedererkennt. Als sie sechs Jahre alt war, ist sie von einem Fremden entführt worden, zu dem sie aber gewissermaßen freiwillig ins Auto stieg und der sie mit allerlei Geschichten auf einer langen Autofahrt unterhielt, bis die Polizei sie a
ufgriff und Alice wieder zurück zu ihrer Mutter gebracht wurde. “Zu diesem Zeitpunkt war ich bereits dahintergekommen, dass der Mann nicht der war, der er zu sein behauptete: ein Freund meiner Großmutter Althea, der mich zu ihr bringen wollte. Schon damals lebte Althea zurückgezogen in ihrem großen Haus und ich hatte sie noch nie getroffen. Sie hatte keine Freunde, nur Fans, und meine Mutter erklärte mir, ein solcher Fan sei auch der Mann. Ein Fan, der mich dazu benutzen wollte, an meine Großmutter heranzukommen.” (Zitat S.10) Früher hat sich Alice eine Zeit lang vorgestellt, der Mann wäre ihr Vater gewesen, über den ihre Mutter nie ein Wort verloren hat. Doch warum taucht er jetzt wieder auf? Und verschwindet ebenso schnell wieder, als sie ihn erkennt? Am Tisch hinterlässt er eine Feder, einen Kamm und einen kleinen (Hühner-)Knochen. Als ihre Mutter dann auch noch spurlos verschwindet, begibt sich Alice zusammen mit Ellery Finch — einem Jungen aus ihrer Schule — auf Spurensuche und geht zurück zu ihren Wurzeln, um herauszufinden, was all das bedeutet und welches Geheimnis ihre Großmutter umgibt. Und begibt sich in große Gefahr…
Schon das Cover von “Hazel Wood: Wo alles begann” wirkt mit dem zarten Glitzereffekt ebenso geheimnisvoll und faszinierend wie die Geschichte selbst, die aus Alices Sicht in der Ich-Perspektive erzählt wird. Bereits beim Lesen der ersten paar Seiten bemerkt man das erzählerische Können der Autorin, die mit Anspruch, Esprit und Eloquenz zum buchstäblichen Verschlingen des Buches verführt. Tolle Charaktere, der atmosphärische Schreibstil und die inhaltlich interessanten Hintergrundgeschichten, hier bewegt man sich auf einem ganz anderen Niveau. Mittelpunkt der Rätselhaftigkeit, die den Roman durchdringt, ist stets Hazel Wood und Alices mysteriöse Großmutter. “Doch so schlimme es auch wurde — Hazel Wood blieben wir immer fern. Es war immer der Ort, an den Ella nie zurückkehren wollte.” (Zitat S.30) Warum? Was ist damals geschehen? Warum hat Alice ihre Großmutter niemals kennenlernen können? Und wer ist eigentlich ihr Vater? Zudem steht das geheimnisvolle Buch “Märchen aus dem Hinterland” im Vordergrund, welches die Großmutter verfasst hat, welches beinahe unmöglich zu bekommen ist: “Ich musste dieses Buch lesen. Ich musste. Die Ausgabe vom Dachboden sah ich nie wieder, aber ich merkte mir den Titel und wartete auf die passende Gelegenheit. Ich suchte in Bibliotheken und Buchhandlungen nach dem Buch und in den Regalen sämtlicher Leute, bei denen wir übernachteten, fand es nur nie. Einmal tauchte es bei eBay auf […], doch die Gebote kletterten schnell über
mein Budget hinaus.” (Zitat S.25) Immer wieder werden die Märchen daraus nacherzählt oder komplett abgedruckt, was dem Ganzen eine besondere Spur Gruselhaftigkeit verleiht. Und — es ist mal KEINE Liebesgeschichte enthalten, was auch sehr selten vorkommt! Im hinteren Teil des Buches wird es ein bisschen wirr und chaotisch, was aber den inhaltlichen Begebenheiten geschuldet ist. Hier hätte ich mir jedoch noch ein wenig mehr Zuspitzung und Spannung gewünscht. Schön ist, dass das Ende in sich abgeschlossen ist, obwohl die Reihe fortgesetzt wird und die Autorin wohl schon am nächsten Teil schreibt.
Fazit: Ein beeindruckendes, sprachlich hervorragend erzähltes Werk, das sich definitiv zu lesen lohnt!
Du magst Geschichte mit märchenhaften Elementen? Dann
lies unbedingt das literarische “Das Mädchen mit den gläsernen Füßen” von Ali Shaw oder die “School for Good and Evil”- Reihe von Soman Chainani. Von der sprachlichen Qualität kann es “Hazel Wood: Wo alles beginnt” auch locker mit den Werken von Cornelia Funke aufnehmen — zum Beispiel der “Reckless”-Reihe, an die ich beim Lesen von der düsteren Stimmung her und dem Bezug zu den Märchen sofort denken musste oder die “Tintenherz”-Reihe. Oder greif zu “Grimm” von Christoph Marzi. Märchenhaft ist und im Wald spielt zum ebenso “Der Prinz der Elfen” von Holly Black. Gewisse Parallelen zeigt auch “Mein Herz zwischen den Zeilen” von Jodi Picoult und ihrer Tochter Samantha Van Leer (nicht so düster, eher romantisch).
Bibliografische Angaben:Verlag: Dressler ISBN: 978-3-7915-0085-0 Erscheinungsdatum: 20.August 2018 Einbandart: Hardcover Preis: 19,00€ Seitenzahl: 352 Übersetzer: Fabienne Pfeiffer Originaltitel: "The Hazelwood" Originalverlag: MacMillan Publishers Amerikanisches Originalcover:
Trailer zum Buch (auf Englisch):
Kasimiras Bewertung:
(5 von 5 möglichen Punkten)
Dieser Titel hat es in folgende Kategorie geschafft: **Kasimiras Lieblingsbücher**
------------------------------------------------------------- Amerikanisches Cover: Homepage von MacMillan Publishers

Verlag: Dressler
ISBN: 978-3-7915-0085-0
Erscheinungsdatum: 20.August 2018
Einbandart: Hardcover
Preis: 19,00€
Seitenzahl: 352
Übersetzer: Fabienne Pfeiffer
Originaltitel: "The Hazelwood"
Originalverlag: MacMillan Publishers
Amerikanisches Originalcover:
Trailer zum Buch (auf Englisch):