Mel Wallis de Vries — Mädchen, Mädchen, tot bist du

Mel Wallis de Vries - Mädchen, Mädchen, tot bist du5.Juli 2018

Die nie­der­län­di­sche Auto­rin Mel Wal­lis de Vries, die für ihre Bücher mit eini­gen Prei­sen aus­ge­zeich­net wur­de, hat einen neu­en Psy­cho­thril­ler geschrie­ben: “Mäd­chen, Mäd­chen, tot bist du”. Über eine mys­te­riö­se Lis­te, den schein­ba­ren Selbst­mord eini­ger Mäd­chen und einem Wett­lauf gegen die Zeit. Fes­selnd und sehr unter­halt­sam geschrie­ben. Für Jugend­li­che ab 14 Jah­ren und inter­es­sier­te Erwach­se­ne.

Ein­fach dazwi­schen gegan­gen, das ist die 16-jäh­ri­ge Kate, als an ihrer Schu­le ein klei­ner Jun­ge von einem älte­ren Mit­schü­ler geär­gert und getre­ten wur­de. Jetzt ist sie ein biss­chen eine Hel­din, wird von den Klas­sen­ka­me­ra­den auf ein­mal ganz anders ange­se­hen. Doch ihre Freun­din­nen sehen ihre meist impul­si­ven Hand­lun­gen nicht immer als posi­tiv an. Manch­mal hat sie Streit mit ihnen, fühlt sich unver­stan­den, auch von ihrem Freund Luuk. Dann ist da auch noch die Sor­ge um ihre Mut­ter, die Brust­krebs hat­te und in letz­ter Zeit wie­der öfters — zu angeb­li­chen Rou­ti­ne­un­ter­su­chun­gen — ins Kran­ken­haus muss. Kates Welt steht Kopf. Und was sol­len die­se merk­wür­di­gen, anony­men Brie­fe, die sie in letz­ter Zeit bekommt? “Und dann höre ich etwas. Ein lei­ses Schleif­ge­räusch. Es klingt noch am ehes­ten wie eineMel Wallis de Vries - Mädchen, Mädchen, tot bist du vol­le Müll­ton­ne, die über den Geh­weg gezo­gen wird. Ich sehe mich nach links und rechts um, aber da ist nie­mand. Wahr­schein­lich war es bloß… Plötz­lich schießt aus einer Sei­ten­stra­ße ein Rad­fah­rer ohne Licht her­vor! Mein Herz setzt einen Schlag aus. […] Ich rad­le schnel­ler, er auch. Ich bie­ge rechts ab, er auch. Plötz­lich muss ich an die Brie­fe den­ken. Hast du schon Angst? Das soll­test du aber.” (Zitat S.59) Kate fühlt sich ver­folgt. Irgend­wie glei­tet ihr alles aus dem Ruder. Bis sie eines Abends uner­war­te­ten Besuch erhält. Von ihrem Mör­der…

Mäd­chen, Mäd­chen, tot bist du” star­tet mit der anony­men Sicht des Täters, einer Trau­er­an­zei­ge der ers­ten Toten und einer Lis­te. Auf die­ser sind sechs Namen notiert. Und der Ers­te ist bereits durch­ge­stri­chen: “Ich den­ke an Lei­la. Wie sie an dem Bal­ken hing mit dem Seil um ihren Hals, wäh­rend sich die Haa­re sanft in dem Luft­zug in ihrem Zim­mer beweg­ten. Das Bild hat sich in mein Gedächt­nis ein­ge­gra­ben. Dafür tue ich das hier. Wie wird wohl Kate aus­se­hen? Ich las­se den Gedan­ken ganz kurz zu wie eine Art Dro­ge und schie­be ihn dann von mir weg. Ich darf mich nicht ablen­ken las­sen. Ich muss mich an mei­nen Plan hal­ten.” (Zitat S.33) Der Thril­ler wird zunächst aus der Sicht von Kate in der Ich-Per­spek­ti­ve erzählt. Sie ist — nach Lei­la — die zwei­te Per­son auf der Lis­te und all­mäh­lich wird klar, dass nach jedem gewalt­sa­men Tod, der Mel Wallis de Vries - Mädchen, Mädchen, tot bist dujedoch wie ein Selbst­mord insze­niert wird, die Sicht­wei­se des nächs­ten Mäd­chens auf der Lis­te in den Vor­der­grund rückt. “Mei­ne Mis­si­on war been­det. Ich stand auf und ging hin­aus. In mei­ner Schreib­tisch­schub­la­de lag die Namens­lis­te. Aber ich wuss­te aus­wen­dig, wer die Nächs­te war…” (Zitat S.83) Wer ist der Unbe­kann­te? In einem ande­ren Schrift­bild wird immer wie­der die Sicht des Täters in den aktu­el­len Hand­lungs­strang mit ein­ge­floch­ten. Das — auch wenn man das Motiv noch nicht wirk­lich erken­nen kann — lässt eine ganz beson­de­re Span­nung auf­kom­men. Die Spra­che ist ein­fach und schlicht, der Erzähl­stil sehr flüs­sig und mit­rei­ßend. Und auch wenn der rote Faden einer Hel­din, die die Zusam­men­hän­ge erkennt und die Häu­fung der Selbst­mor­de in ein ande­res Licht stel­len könn­te, fehlt, so funk­tio­niert die Geschich­te selt­sa­mer­wei­se doch. Selbst wenn man sich immer wie­der auf neue Per­so­nen und deren Lebens­ge­schich­ten ein­stel­len muss. Denn das, was zusam­men­hält, ist in die­sem Buch der Täter. Und der Leser ist eben­falls nur Zeu­ge und pas­si­ver Mit­wis­ser. Und hofft bis zum Schluss, dass dem Unbe­kann­ten doch nun end­lich auf die Schli­che gekom­men wird. Auf­grund deut­lich geschil­der­ter, ero­ti­scher Sze­nen zu Beginn des Buches die Alters­emp­feh­lung frü­hes­tens ab 14 Jah­ren. Das Ende: gelun­gen und über­ra­schend!

Fazit: Schö­nes Lese­fut­ter für Psy­cho­thril­ler-Fans, die flot­te Unter­hal­tung schät­zen.

Dir gefällt der Schreib­stil von Mel Wal­lis de Vries? Dann greif noch zu ihren ande­ren Psy­cho­thril­lern (chro­no­lo­gisch nach Erschei­nungs­da­tum)“Töd­li­che Freund­schaft” (2010), “Eis­kal­te Küs­se” (2010), “Frem­de Nähe” (2011), “Da waren’s nur noch Zwei” (2015), “Schnick, schnack, tot” (2016) und “Mäd­chen ver­sen­ken” (2018). Auf der Lis­te des Seri­en­mör­der ste­hen? Das pas­siert den Haupt­fi­gu­ren in “Ohne mich kannst du nicht leben” voLesealternativenHei­ke Schwandt und “Schön, schö­ner, tot” von Roxan­ne St.Claire. Eine gute Alter­na­ti­ve ist sicher­lich auch “Stirb lei­se, mein Engel” von Andre­as Götz. Ande­re Seri­en­mör­der sind in fol­gen­den Titeln unter­wegs: “Dorn­rös­chen­tot” von Chris­ti­ne Féret-Fleu­ry (flott erzählt) und “Near­ly dead. Am Ende stirbst du” von Elle Cosi­ma­no. Äußerst gelun­gen fand ich “Body­fin­der: Das Echo der Toten” von Kim­ber­ly Der­ting (schon etwas älter, aber soooo toll!) und “Shadow­lands” von Kate Bri­an (sehr fes­selnd). Eben­so span­nend ist “Bis du mir gehörst” von Melis­sa Marr, das zudem aus inter­es­san­ten Per­spek­ti­ven erzählt wird. Ein neue­rer Titel aus die­sem Jahr ist das gelun­ge­ne JEMAND ist in dei­nem Haus” von Ste­pha­nie Per­kins. Wenn dir der Erzähl­stil von “Mäd­chen, Mäd­chen, tot bist du” gefal­len hat, wären auch die deut­schen Auto­rin­nen Moni­ka Feth und Janet Clark etwas für dich. Eine nie­der­län­di­sche Psy­cho­thril­ler-Schrei­be­rin ist die bekann­te Mir­jam Mous (z.B. “Cra­zy Games: Der per­fek­te Tag, der in der Höl­le endet” oder “Last Exit: Das Spiel fängt gera­de erst an”). Rich­tig gut her­un­ter­le­sen lässt sich auch die schon etwas älte­re “Dark Vil­la­ge”-Rei­he von Kje­til John­sen.

Bibliografische Angaben:
Schilder was wo wer wannVerlag: ONE
ISBN: 978-3-846-60075-7
Erscheinungsdatum: 29.Juni 2018
Einbandart: Hardcover
Preis: 10,00€ 
Seitenzahl: 256 
Übersetzer: Christina Brunnenkamp
Originaltitel: "Schuld" 
Originalverlag: Vbk Media

Niederländisches Originalcover: 
Mel Wallis de Vries - Mädchen, Mädchen, tot bist du












Niederländischer Trailer zum Buch:
 

Kasimiras Bewertung:

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(4 von 5 mög­li­chen Punk­ten)

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Niederländisches Cover: Homepage von Mel Wallis de Vries

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