Megan Miranda — Trügerisch

Kasimira15.Dezember 2019

Die ame­ri­ka­ni­sche Autorin Megan Miran­da hat mit “Trü­ge­risch” einen Thril­ler geschrie­ben, der auf eine ganz beson­de­re Art erzählt wird. Frag­men­te des Erin­nerns ste­hen hier­bei im Mit­tel­punkt, aus­ge­löst durch Gegen­stän­de eines Zim­mers, die ein jun­ges Mäd­chen in Kis­ten packen soll, als ihr Exfreund bei einem Unfall ums Leben kommt und die plötz­lich ein ganz neu­es Bild zu erge­ben schei­nen. Was ist damals wirk­lich gesche­hen? Wer war ihr Exfreund wirk­lich? Eine fas­zi­nie­ren­de Spu­ren­su­che mit einer sehr ange­neh­men Spra­che. Die­se Geschich­te zieht dich schnell in ihren Bann! LESETIPP!! Für Jugend­li­che ab 13 Jah­ren und Erwach­se­ne und alle Fans von “Tote Mäd­chen lügen nicht”.

Cal­eb ist tot. Mit dem Auto von einer Hoch­was­ser-Flut­wel­le erfasst wor­den, als er über eine Brü­cke fuhr. Kurz nach­dem er Jes­sa bei einem ihrer Wett­kämp­fe zusah. Jes­sa, mit der er eigent­lich nicht mehr zusam­men war. Den­noch geben eini­ge ihr indi­rekt die Schuld an sei­nem Tod“Die Leu­te glau­ben: Cal­eb woll­te mich um Ver­zei­hung bit­ten (ein Gerücht), es noch mal pro­bie­ren (ein ande­res) oder mir sagen, dass er mich noch liebt (unbe­stä­tigt, aber eine schö­ne Vor­stel­lung). Doch ich wies ihn zurück, sag­te irgend­was, das ihn dazu brach­te, wütend weg­zu­fah­ren, er pass­te nicht rich­tig auf und starb. Ursa­che. Wir­kung.” (Zitat S.141) Auch Cal­ebs Mut­ter und sei­ne klei­ne Schwes­ter Mia sind auf Jes­sa nicht mehr gut zu spre­chen. Trotz­dem bit­tet die Mut­terKasimira sie, Cal­ebs Zim­mer aus­zu­räu­men. “Sei­ne Mut­ter hat mich um das hier gebe­ten, mit der Begrün­dung, eine Mut­ter soll­te so etwas nicht tun müs­sen. Ich fin­de, eine Exfreun­din soll­te so etwas auch nicht tun müs­sen. Aber Mut­ter sticht Ex alle­mal.” (Zitat S.12) Über­all hän­gen Fotos von ihnen bei­den. Das Zim­mer ist voll davon. Cal­eb hat vie­les auf­be­wahrt. War ein Samm­ler von Gegen­stän­den. Abge­ris­se­ne Ein­tritts­kar­ten von irgend­wel­chen Tref­fen oder auch klei­ne Brie­fe, die sie sich im Unter­richt schrie­ben. “Wahr­schein­lich wäre sein Zim­mer bis in alle Ewig­keit so geblie­ben — die Tür ver­schlos­sen, alles in einer Zeit­kap­sel kon­ser­viert, von sei­ner Mut­ter ver­sie­gelt, damit nie­mand etwas anrührt. Doch jetzt zie­hen sie fort. Ver­las­sen die Stadt, las­sen alles hin­ter sich zurück. Der Gedenk­got­tes­dienst ist einen Monat her, die Flut ein­ein­halb und dass wir Schluss gemacht haben, zwei.” (Zitat S.17ff) Also fängt Jes­sa lang­sam damit an alles in die vor­be­rei­te­ten Kis­ten zu packen. Und stößt auf eini­ge Unge­reimt­hei­ten… was hat­te Cal­eb zu ver­ber­gen? Und was ist damals wirk­lich gesche­hen, als er starb? Sie kommt der gefähr­li­chen Wahr­heit immer näher und näher..

Ich muss geste­hen, dass ich vor Jah­ren bereits “Split­ter­licht” von Megan Miran­da gele­sen hat­te und von der Span­nung her nicht so sehr mit­ge­ris­sen wur­de, wie ich es mir gewünscht hät­te. Doch die­ses Buch hat mich wirk­lich über­zeugt! Es ist äußerst raf­fi­niert erzählt, indem es kapi­tel­wei­se Gegen­stän­de benennt, die Jes­sa in Cal­ebs Zim­mer ent­deckt und ein­räumt. In der Ich-Per­spek­ti­ve erzählt sie deren Geschich­ten und Kasimiralässt den Leser so in kur­ze Erin­ne­rungs­epi­so­den an ihre und Cal­ebs gemein­sa­me Geschich­te ein­tau­chen. Die­ses Prin­zip Ver­gan­ge­nes mit der Gegen­wart zu ver­knüp­fen, hat mir gut gefal­len. Die Spra­che ist sehr schön und atmo­sphä­risch und der Autorin gelingt es mühe­los die pas­sen­de Stim­mung beim Lesen zu erzeu­gen: “Ich habe ihn geliebt und ich habe ihn ver­lo­ren, und dar­um ist es ganz klar, dass ich auch mich selbst in die­sem Zim­mer spü­re. […] Als er starb, hat er einen Teil von mir mit­ge­nom­men, den ich ein­fach nicht wie­der­be­kom­me. Und jetzt wüh­le ich mich durch alles, was ich fin­den kann, um mich selbst wie­der zusam­men­zu­stü­ckeln.” (Zitat S.172) Jes­sa dabei zu beglei­ten, wie sie Din­ge erfährt, die ein ganz ande­res Licht auf ihren Exfreund wer­fen, ist span­nend, geheim­nis­voll und auf jeden Fall sehr mit­rei­ßend. Und zugleich höchst emo­tio­nal und ergrei­fend: “Es ist Sams­tag­nach­mit­tag und auf der Trep­pe ste­hen sechs Schach­teln vol­ler Cal­eb. Und ich fra­ge mich, wie lan­ge es noch dau­ert, bis das Zim­mer sich in etwas ande­res ver­wan­delt. Bis ich auf­hö­re, ihn in jeder Ecke zu sehen, mit jedem Herz­schlag, jedem Ticken die­ser dum­men Uhr. Bis ich wie­der ordent­lich atmen kann, ohne dass ich glau­be, ersti­cken zu müs­sen.” (Zitat S.42) Das Ende offen­bart so eini­ge Über­ra­schun­gen.

Fazit: Ein Span­nungs­ro­man, der defi­ni­tiv her­vor­sticht!

Dir gefLesealternativenällt Megan Miran­das Art zu erzäh­len? Dann lies noch ihre ande­ren Jugend­bü­cher: “Split­ter­licht” und “Gefähr­li­che Wahr­hei­ten”. Eine been­de­te Bezie­hung, die auch anhand von Gegen­stän­den erzählt wird, ist “43 Grün­de, war­um es AUS ist” von Dani­el Hand­ler. Ein wenig muss­te ich außer­dem an “Heart­break Let­ters: 16 Grün­de, dich zu has­sen” von Lau­ren Stras­nick den­ken. Eine sehr gute Alter­na­ti­ve ist zudem “Tote Mäd­chen lügen nicht” von Jay Asher. Hier erin­nert sich ein Jun­ge anhand von Kas­set­ten an ein nun totes Mäd­chen. Gegen­wart und Ver­gan­gen­heit wer­den hier eben­falls geschickt mit­ein­an­der ver­knüpft.

Bibliografische Angaben:
Schilder was wo wer wannVerlag: Carlsen
ISBN: 978-3-551-31785-8
Erscheinungsdatum: 29.November 2019
Einbandart: Broschur
Preis: 13,00€
Seitenzahl: 368
Übersetzer: Birgit Maria Pfaffinger
Originaltitel: "Fragments of the lost"
Originalverlag: Penguin Random House

Amerikanisches Originalcover:
Kasimira


Kasimiras Bewertung:

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(5 von 5 mög­li­chen Punk­ten)

Die­ser Titel hat es in fol­gen­de Kate­go­rie geschafft: **Kasi­mi­ras Lieb­lings­bü­cher**

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Amerikanisches Cover: Homepage von Megan Miranda

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