“That’s not my name” ist das Debüt der amerikanischen Autorin Megan Lally. Ein Psychothriller, der auf Anhieb auf der NewYorkTimes Bestsellerliste landete. Im Mittelpunkt ein junges Mädchen, das ihr Gedächtnis verloren und verletzt in einem Straßengraben erwacht. Wie sie dort hingekommen ist, weiß sie nicht mehr. Doch sie hat Glück, auf der Polizeistation wird sie direkt abgeholt. Von einem Mann, der ihr Vater sein soll. Mit Fotos auf seinem Handy und Ausweisdokumenten kann er dies beweisen. Nimmt sie mit in eine kleine Hütte, in welcher sie wegen Renovierungsarbeiten ihres Hauses, momentan wohnen. Doch Mary, wie ihr Name sein soll, beobachtet immer mehr Ungereimtheiten. Warum wusste ihr Vater nichts von ihrer Erdbeerallergie? Warum schottet er sie vor allem ab? Und warum beobachtet er sie heimlich beim Schlafen? Erzählt wird der Thriller aus zwei Perspektiven, aus der von Mary, und aus der von Drew, der nach seiner verschwundenen Freundin Lola sucht. Ein flüssig und sehr mitreißend und spannend erzähltes Buch mit nicht immer ganz so authentischen (Neben-)Figuren, aber einer schönen Dosis subtilen Grauens, das langsam um sich greift. Ein Thriller, den man schön zwischendurch runterlesen kann! Für Jugendliche ab 14 Jahren und interessierten Erwachsenen.
Ein Mädchen erwacht in einen Straßengraben. Schwer verletzt. Sie kann sich an nichts mehr erinnern. Weiß weder wie sie dorthin gekommen ist, noch wie sie heißt. Ein Streifenpolizist greift sie zufällig auf. Ins Krankenhaus möchte sie nicht, aber nachdem sie notdürftig versorgt wurde, bleibt sie auf der kleinen Wache, wo er
ihre Aussage aufnimmt. Die Vermisstenanzeigen mit ihr zusammen durchgeht, um irgendetwas über ihre Identität herauszufinden. Bis plötzlich ein Mann auf der Wache auftaucht. “Du erinnerst dich nicht an mich?” Ich weiß nicht, was ich sagen soll. Wie kann ich vor dem Mann stehen, der sagt, er sei mein Vater, und ihn nicht erkennen?” (Zitat aus “That’s not my name” S.24) Er nennt sie Mary und sagt, sie sei seine Tochter. Sie habe wohl einen Unfall mit ihrem Auto gehabt. Das Auto ist unauffindbar. Doch der Mann kann anhand von Ausweisdokumenten und Fotos glaubhaft darlegen, dass sie seine Tochter ist. “Auf vielen der Fotos lächelt Wayne mich an oder hat den Arm um meine Schultern gelegt oder ist lachend im Hintergrund zu sehen. Eine gewisse Endgültigkeit setzt ein. Das bin ich. Das hier ist mein Vater. Ich gehöre zu ihm und dieses Leben ist meins. Ich bin Mary Boone.” (Zitat S.32) Mary geht also mit ihm. Sie wohnen in der Nähe vorübergehend in einer kleinen Anglerhütte, weil ihr Haus momentan renoviert wird. Ihr Vater, den sie Wayne nennt, weil sich “Dad” noch zu seltsam anfühlt, ist überaus freundlich und nett zu ihr. Sorgt sich um sie und liest ihr jeden Wunsch von den Augen ab. Dennoch gibt es immer wieder
Dinge, die Mary irritieren. Wieso hat er ihr zu kleine Kleidung gekauft? Warum hat er ihre Erdbeerallergie mit einer Ei-Allergie verwechselt? Und warum will er sie möglichst von anderen Menschen fernhalten? Mary bekommt ein immer seltsameres Gefühl, das hier irgendetwas nicht ganz in Ordnung ist.…
Das Cover und der Titel sind perfekt gestaltet und gewählt. Die rote Schrift, die einsame Hütte im Wald, da kann man das grauenvolle Setting rasch erahnen. Schon mit den ersten Sätzen ist man mitten drin in der Geschichte: “Ich glaube ich, bin vielleicht tot. Ich versuche mich zu orientieren, aber ich kann nichts sehen. Ich spüre nichts. Noch nicht mal meinen Körper.” (Zitat S.7) Die Kapitel werden zunächst noch mit “Mädchen”, später dann “Mary” bezeichnet und immer mit der Zeitangabe “Tag eins”, “Tag zwei”… Mary erzählt aus der Ich-Perspektive und dies äußerst mitreißend. Dann gibt es jedoch noch eine zweite Sichtweise und das sind Kapitel, die mit “Drew” betitelt werden. Andrew, genannt Drew, ist auf der Suche nach seiner vermissten Freundin Lola. Die Schlussfolgerin, dass es sich hierbei um
Mary handelt, lässt sich schnell ziehen. Jedoch wird Drew von der Polizei und von der Stadt, in der er lebt, für den Täter gehalten. “Das Leben ist echt kacke, wenn alle glauben, du hättest deine Freundin umgebracht.” (Zitat S.33) Er war der Letzte, der Lola gesehen hat, ehe sie verschwand. Und er scheint etwas zurückzuhalten. “Der Junge, den ich kannte, hätte sie so spät am Abend niemals allein nach Hause gehen lassen. Er hätte nicht bis zum nächsten Tag gewartet, anzurufen und zu fragen, ob sie sicher angekommen ist. Er hätte nicht aufgehört, mit der Polizei zu kooperieren.” (Zitat S.54) Am Anfang sind die Kapitel mit Mary fast unterhaltsamer und spannender, als die mit Drew. Vor allem ist Drews Anteil an Lolas Verschwinden zunächst noch etwas undurchsichtig. Es nervt fast etwas, dass ständig Andeutungen gemacht werden, dass er sich für schuldig hält (“Was habe ich nur getan? Wie konnte ich das geschehen lassen?” (Zitat S.61)), diese aber zunächst noch nicht aufgeklärt werden. Man kann sich dies zunächst auch noch nicht so richtig zusammenreimen. Den wirklichen Grund für sein Verhalten fand ich fast etwas unglaubwürdig.
Sich deswegen von der ganzen Stadt zum Sündenbock machen zu lassen und von der Polizei zum gefühlten Täter. “Die Stadt ist voller Orte, an denen ich nichts mehr verloren habe.” (Zitat S.52) Auch die Kehrtwendung des Offiziers zwischendurch fand ich ein wenig unlogisch. Davon abgesehen ist der Thriller jedoch vor allem ab der Hälfte zunehmend richtig schön mitreißend und fesselnd. Viele Kapitel enden mit fiesen Cliffhangern, die zum Weiterlesen animieren, aber für die Leser:innen dann erst mal einen Perspektivwechsel bereithalten, um die Spannung zu erhören. Vor allem bei Marys Kapiteln ist das subtile Grauen, das sich immer mehr einschleicht und die Hauptfigur allmählich stutzen lässt, immer greifbarer. Gerade bei so kleinen alltäglichen Dingen im Umgang mit Wayne, tritt dies zutage: “Das T‑Shirt hat einen V‑Ausschnitt, aber der ist nicht besonders tief. […] “Ist das… schlimm?” Er schnaubt. “Es ist unangemessen. Wir können das Shirt zu Hause wegwerfen, mach dir keine Sorgen. Nächstes Mal passe ich besser auf, wenn wir dir neue Sachen kaufen. Du kannst dich ja nicht erinnern. Du kennst die Regeln nicht.” Was. Zum. Kuckuck.” (Zitat S.129) Besonders gegen Ende spitzt sich die Situation immer mehr zu, die Dramatik wird gnadenlos und man möchte “That’s not my name” möglichst nicht mehr aus den Händen legen! Das Ende ist schon etwas brutaler und heftiger, es geht auch sehr kämpferisch beim Showdown zu und es kommt noch die ein oder andere Überraschung auf die Leser:innen zu.
Dir hat “That’s not my name” gefallen? Auf der Homepage der Autorin findest du übrigens noch ein Bonuskapitel, aus Wa
ynes Sicht geschrieben. Im Englischen gibt es bereits einen neuen (unabhängig zu lesen) Thriller von ihr: “No Place Left To Hide”, der hoffentlich auch bald ins Deutsche übersetzt werden wird. Eine Lesealternative zu “That’s not my name”, an die ich sofort denken musste, ist “The Reappearance of Rachel Price” von Holly Jackson, hier gibt es auch alltägliche Ungereimtheiten, die der Protagonistin auffallen, als ihre verschwunden geglaubte Mutter wieder auftaucht. Du findest das Thema Gedächntisverlust spannend? Dann lies zum Beispiel von Monika Feth “Und du wirst lächelnd sterben”. Oder “Aquila” von Ursula Poznanski, “Die Wahrheit kennst nur du” von Eileen Cook, “Dreh dich nicht um” von Jennifer L.Armentrout, “Schwarz wie Schnee” von Jutta Wilke und das bekannte “Boy 7” von Mirjam Mous.
Bibliografische Angaben:Verlag: Carlsen ISBN: 978-3-551-58596-7 Erscheinungsdatum: 31.März 2025 Einbandart: Broschur Preis: 17,00€ Seitenzahl: 384 Übersetzer*in: Stefanie Frida Lemke Originaltitel: "That's not my name" Originalverlag: Sourcebooks Fire Amerikanisches Originalcover:
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(4,5 von 5 möglichen Punkten)
--------------------------------------------------- Amerikanisches Cover: Homepage von Sourcebooks Fire


Verlag: Carlsen
ISBN: 978-3-551-58596-7
Erscheinungsdatum: 31.März 2025
Einbandart: Broschur
Preis: 17,00€
Seitenzahl: 384
Übersetzer*in: Stefanie Frida Lemke
Originaltitel: "That's not my name"
Originalverlag: Sourcebooks Fire
Amerikanisches Originalcover:
