Megan Lally — No place left to hide

26.Juni 2026

No place left to hide” ist der zwei­te Thril­ler der ame­ri­ka­ni­schen Autorin Megan Lal­ly. Nach ihrem Erfolgs­ti­tel “That’s not my name” legt sie in dem unab­hän­gig zu lesen­den Titel gekonnt nach. Broo­ke ist reich, beliebt und steht mit ihrer Fami­lie immer im Ram­pen­licht. Ihr Vater ist Rich­ter, ihre Mut­ter Schul­di­rek­to­rin. Die Erwar­tun­gen an sie sind hoch. Feh­ler darf sie sich kei­ne erlau­ben. Des­halb hat sie auch nie­man­dem von dem unbe­kann­ten Stal­ker erzählt, der sie schon seit einer Wei­le ter­ro­ri­siert. Auf einer Par­ty ver­folgt er sie und ihre bes­te Freun­din Jena auf einem abge­le­ge­nen Stück High­way mit dem Auto und setzt sie mas­siv unter Druck. Sie soll die Wahr­heit sagen über den töd­li­chen Unfall ihrer Freun­din Clai­re. Oder sie wird ster­ben… Genau so muss ein Thril­ler sein! Ich hat­te schon lan­ge kein Buch mehr in den Hän­den, bei dem ich pau­sen­los wei­ter­le­sen woll­te! Atem­be­rau­ben­de Span­nung, fas­zi­nie­ren­de Cha­rak­te­re und geschick­te Ver­flech­tun­gen von Gegen­wart und Rück­blen­den. Klas­se! Für Jugend­li­che ab 14 Jah­ren und Erwachsene.

Broo­ke ist äußerst ehr­gei­zig und stammt aus einer wohl­ha­ben­den, ange­se­hen Fami­lie. Ihr Vater ist Rich­ter, ihre Mut­ter Direk­to­rin ihrer Schu­le. Viel Frei­zeit hat sie nicht. “Ich glau­be, es ist das ers­te Mal seit einem Monat, dass ich direkt nach der Schu­le nach Hau­se fah­re. Sonst hab ich immer Tanz­team, Schüler*innenrat, Prom-Pla­nungs­tref­fen, und dann hel­fe ich der Schul­lei­te­rin — mei­ner Mom — noch dabei, Lebens­mit­tel für ver­schie­de­ne Spen­den­ak­tio­nen zu sam­meln, daher bin ich fast jeden Tag bis nach sie­ben hier.” (Zitat aus “No place left to hide” S.11) Es wird von Broo­ke erwar­tet, dass sie Kasimiranach Yale geht für ein Stu­di­um. Das Bib­bern um die Annah­me an die­ser Uni­ver­si­tät ist groß. Denn für Broo­ke ist Yale vor allem eine Flucht aus ihrem bis­he­ri­gen All­tag, kilo­me­ter­weit weg von zu Hau­se. Und aus dem Psy­cho­ter­ror, der vor eini­ge Mona­ten begon­nen hat. An dem Tag, als der Ermitt­lungs­be­richt ver­öf­fent­licht wur­de zu dem Tod ihrer Freun­din Clai­re. Es war ein Unfall, das wur­de fest­ge­stellt. Das scheint ein Unbe­kann­ter aber nicht so zu sehen. “Die Per­son will, dass ich den Vor­fall vom Sep­tem­ber mein gan­zes rest­li­ches Leben mit mir her­um­schlep­pe, wie kann ich auch nur dar­an den­ken, die Sache hin­ter mir las­sen zu wol­len. Anonym will, dass ich lei­de, und ich habe kei­ne Ahnung, wie ich das been­den kann.” (Zitat S.21) Seit jenem Tag erhält Broo­ke stän­dig Anru­fe, ohne dass die Per­son am ande­ren Ende der Lei­tung etwas zur ihr sagt. Aber sie hat nie­man­dem davon erzählt, auch ihrer bes­ten Freun­din Jena und deren Freund Felix nicht. “Sie wür­den aus­flip­pen, wenn sie die Wahr­heit erfah­ren wür­den. Und da sie mir eh nicht hel­fen kön­nen, hat es kei­nen Sinn, sie unnö­tig auf­zu­re­gen.” (Zitat S.16) Außer­dem will sie ihre Eltern nicht belas­ten. “Mei­ne Eltern wür­den aus­ras­ten, und wei­te­re juris­ti­sche Ver­wick­lun­gen wür­den für uKasimiranse­re Fami­lie nur zu Pro­ble­men füh­ren, beson­ders für mei­nen Dad.” (Zitat S.26) Sie ver­mu­tet, dass es irgend­je­mand aus der Schu­le sein muss. “Bei mir zu Hau­se ist noch nie irgend­et­was pas­siert - obwohl das viel­leicht auch eher mit mei­nem Dad zu tun hat. Schließ­lich möch­te es sich nie­mand mit dem nächs­ten Bezirks­rich­ter von Polk Coun­ty ver­scher­zen oder ris­kie­ren, dass er sei­ne Bezie­hun­gen zur Poli­zei spie­len lässt, nach­dem sein Haus ver­wüs­tet wur­de.” (Zitat S.24) Man hat ihr außer­dem die Rei­fen mehr­mals zer­sto­chen und Was­ser und Milch in ihren Spind geschüt­tet. Am schlimms­ten waren die zwan­zig holo­gra­fi­schen Fick dich-Sti­cker auf der Heck­klap­pe. Ich habe sechs Stun­den gebraucht, um sie alle abzu­pu­len.” (Zitat S.15ff) Ein­mal wur­den sogar lau­ter rosa Zet­tel in der Schu­le über­all an den Wän­den auf­klebt, auf denen stand, dass sie ein Mons­ter sei. Aber hier­für hat Broo­ke sich vor ihren Freun­den eine Aus­re­de ein­fal­len las­sen. Könn­te der Täter Bran­don, Clai­res Bru­der, sein? Aber er ver­hält sich viel zu impul­siv und wäre nicht so aus­dau­ernd. Wäh­rend Broo­ke in den letz­ten Mona­ten stets unter dem Radar leb­te und kein gro­ßes Sozi­al­le­ben mehr führ­te, lässt sie sich am Tag, an dem die Zulas­sungs­er­geb­nis­se von Yale ver­kün­det wer­den, von Jena über­re­den, doch auf eine Par­ty zu gehen. Schließ­lich kommt auch Dylan, Clai­res Exfreund, auf den Broo­ke schon seit Ewig­kei­ten steht. Doch kaum dass sie die Par­ty genie­ßen kann, taucht Bran­don auf und macht ihr vor allem eine Sze­ne. Auf der dar­auf­fol­gen­den Heim­fahrt über den kilo­me­ter­lan­gen, ein­sa­men High­way erhält Broo­ke erneut einen Anruf. Nur, dass der Unbe­kann­te dies­mal mit metal­lisch ver­zerr­ter Stim­me spricht und sie auf­for­dert, zu beich­ten. Ent­we­der sie gibt zu, was auf der Par­ty, bei der Clai­re zu Tode kam, gesche­hen ist oder sie wird sterben…

Der Thril­ler ist optisch ähn­lich gestal­tet wie das vor­he­ri­ge Buch “That’s not my name”, erzeugt Wie­der­erken­nungs­wert, auch wenn die bei­den Titel inhalt­lich nichts mit­ein­an­der zu tun haben. Eine selt­sa­me Wid­mung erwar­tet die Leser:innen zu Beginn: “Für alle, die den Schmerz ken­nen, von einer Freun­din oder einem Freund betro­gen wor­den zu sein. Sie haben euch nicht ver­dient. Haben sie noch nie. Wünscht ihnen das Schlimms­te. Über­fahrt sie mit dem Auto.* (*Scherz, das wäre Mord.)” (Zitat S.5.) Das Schrift­bild ist leicht bläu­lich, was anfangs etwas unge­wohnt ist, beim Lesen dann aber bald schon nicht mehr auf­fällt. Toll bei “No place left to hide” ist, dass man gleich mit­ten­drin in der Geschich­te ist. Es geht span­nend und unter­halt­sam los und hält sich auch fort­wäh­rend. Das Buch wird in zwei Zeit­ebe­nen erzählt: “Davor” (Ver­gan­gen­heit, die Ereig­nis­se jener Par­ty, die zu Clai­res Tod führ­ten) und “Jetzt” (eben­falls der Tag einer Par­ty, die Broo­ke das ers­te Mal wie­der seit damals besucht). Ich-Erzäh­le­rin Broo­ke ist gut getrof­fen. Ein Mäd­chen, das aus eine Fami­lie aus sechs Gene­ra­tio­nen von Anwält:innen und Richter:innen stammt. “Irgend­wann musst du ler­nen, für dich selbst ein­zu­ste­hen. Du sorgst dich mehr um dein Image, als dich dar­um zu küm­mern, was gut für dich ist.” (Zitat S.80) Der fami­liä­re Druck und die Erwar­tun­gen sind groß. Immer wie­der wer­den Regeln auf­ge­zählt, an die Broo­ke sich hal­ten muss. “Eine Good­win zu sein, hat vie­le Vor­tei­le, aber für uns gel­ten auch ver­dammt vie­le Regeln. Im Gegen­satz zu Jena ste­hen wir Good­wins näm­lich immer im Ram­pen­licht. Unser Name ist der Grund dafür, dass meine Mut­ter so erfolg­reich ist und mein Dad als Spit­zen­kan­di­dat für das Rich­ter­amt in Polk Coun­ty gehan­delt wird.” (Zitat S.81) Den­noch schleicht sich auch ein Hauch Arro­ganz und viel Taff­heit in ihr Ver­hal­ten. Die Dia­lo­ge — vor allem jene mit Love Inte­rest Dylan — sind sehr flott und unter­halt­sam zu lesen und sor­gen für eine schö­nen Roman­ce­an­teil. Clai­re ist die Gegen­spie­le­rin, die frü­he­re Freun­din, die zur Erz­fein­din wur­de. Gera­de die Wech­sel und die Über­gän­ge zwi­schen Jetzt-Zeit und Ver­gan­gen­heit sind sehr raf­fi­niert gemacht. Erst all­mäh­lich erfah­ren die Leser:innen, was sich damals zuge­tra­gen hat. Die Kapi­tel enden oft mit Cliff­han­ger, das bestän­di­ge Wei­ter­le­sen wird dadurch nahe­zu unaus­weich­lich und man möch­te das Buch kaum mehr aus den Hän­den. Die Wen­dung am Ende (auch wenn ich die­se schon erah­nen konn­te) hat es auf jeden Fall in sich!

Dir gefällt der Erzähl­stil von Megan Lal­ly? Dann lies unbe­dingt noch ihr Debüt “That’s not my name”, das mir aucLesealternativenh rich­tig gut gefiel. Die bei­den Bücher haben nichts mit­ein­an­der zu tun und sind kom­plett eigen­stän­dig zu lesen. Im Eng­li­schen gibt es bereits einen drit­ten Thril­ler von ihr, der hof­fent­lich bald ins Deut­sche über­setzt wer­den wird: “What we did to sur­vi­ve”. Du suchst noch Lese­al­ter­na­ti­ven mit einem sehr span­nen­den Plot­twist? Dann emp­feh­le ich dir noch “We were liars: Solan­ge wir lügen” von E.Lockhart oder den Thril­ler von Slo­an Har­low: Ever­y­thing We Never Said: Lie­be lässt uns böse Din­ge tun”Oder greif zu den Büchern von Hol­ly Jack­son “Five Sur­vi­ve” oder “The Reap­pearance of Rachel Pri­ce”. Abso­lut klas­se und mit sehr, sehr über­ra­schen­den Wen­dun­gen am Ende sind auch die Thril­ler von Katie Ken­to: “Hotel Ambro­sia: Du. Ent­kommst. Nicht” und “Miss­ing Page: Töd­li­che Worte”.

Bibliografische Angaben:
Schilder was wo wer wannVerlag: Carlsen
ISBN: 978-3-551-58656-8
Erscheinungsdatum: 30.April 2026
Einbandart: Broschur
Preis: 17,00€
Seitenzahl: 320
Übersetzer*in: Stefanie Frida Lemke
Originaltitel: "No place left to hide"
Originalverlag: Sourcebooks Fire

Amerikanisches Originalcover: 












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Kasimiras Bewertung:

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(4,5 von 5 mög­li­chen Punkten)

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Amerikanisches Cover: Homepage von Sourcebooks

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