Megan Crewe — Wir sind verbannt

Megan Crewe WIr sind verbannt8.März 2013

Die kana­di­sche Autorin Megan Crewe hat mit “Wir sind ver­bannt” einen dys­to­pi­schen Thril­ler geschrie­ben, der an die Sub­stanz geht. Eine unheim­lich rea­lis­tisch erzähl­te Geschich­te über eine Viru­s­epi­de­mie auf einer klei­nen Insel. Beklem­mend. Erschre­ckend. Dra­ma­tisch. Für Erwach­se­ne und Jugend­li­che ab 14 Jah­ren.

Die 16-jäh­ri­ge Kae­lyn, die mit ihrer Fami­lie auf einer klei­nen, nord­ame­ri­ka­ni­schen Insel lebt, möch­te sich neu erfin­den. Ihre Eltern, sie und ihr ein Jahr älte­rer, homo­se­xu­el­ler Bru­der Drew haben zwi­schen­zeit­lich fünf Jah­re lang in Toron­to gewohnt, ehe sie wie­der in ihre alte Hei­mat gezo­gen sind. Und in Toron­to hat­te Kae­lyn kei­ner­lei Freun­de. Sie ver­stand sich mit den Tie­ren im Zoo und denen in der Tier­kli­nik immer bes­ser als mit Men­schen. Dies soll sich nun ändern. Anknüp­fend an alte Freund­schaf­ten beschließt Kae­y­lin sich nun offe­ner zu zei­gen. Als sie mit ihrer Mit­schü­le­rin Rachel ein Refe­rat vor­be­rei­ten muss, pas­siert jedoch etwas Selt­sa­mes: sie tref­fen auf Rachels Vater, der sich ein Bein gebro­chen hat und zudem noch erkäl­tet ist und die­ser ver­hält sich Kae­y­lin gegen­über so unmög­lich, dass sie das Haus flucht­ar­tig ver­lässt. Er schmeißt ihr Wahr­hei­ten und Läs­te­rei­en über ihre Fami­lie an den Kopf, mit denen sie im Leb­tag nicht gerech­net hät­te. Kur­ze Zeit spä­ter pas­siert ihr das Glei­che mit Megan Crewe Wir sind verbanntder nun eben­falls erkäl­te­ten Rachel, die auf ein­mal so offen­her­zig über ihre Freund­schaf­ten plau­dert und völ­lig abhebt. Was pas­siert mit ihnen? Von ihrem Vater, der Mikro­bio­lo­gie ist, muss Kae­lyn schließ­lich erfah­ren, dass Rachel und ihr Vater, der schließ­lich ins Kran­ken­haus gebracht wird und kurz dar­auf stirbt, von einem Virus befal­len wur­den. Und nicht nur sie — der Virus scheint scheint sich auf der gan­zen Insel unauf­halt­sam aus­zu­brei­ten — und es gibt kein Gegen­mit­tel!

Wir sind ver­bannt” ist im Tage­buch­stil aus Kae­lyns Sicht erzählt. Hier­bei spricht sie direkt ihren Freund Leo an, mit dem sie einen blö­den Streit hat­te und nun seit zwei Jah­ren kei­nen Kon­takt mehr. Er ist auch der Grund dafür, wes­halb sie sich ver­än­dern und offe­ner sein möch­te. Doch nun weiß sie nicht ein­mal, ob sie Leo über­haupt wie­der­se­hen wird, da die Insel bald unter Qua­ran­tä­ne gestellt wird und nie­mand sie ver­las­sen darf. Der Roman ist sehr authen­tisch geschrie­ben, was der beson­de­ren Per­spek­ti­ve zu ver­dan­ken ist. Hilf­lo­sig­keit, Angst vor Anste­ckung und der eiser­ne Wil­len zu über­le­ben, aber auch Mit­ge­fühl und Anteil­nah­me am Schick­sal ande­rer Men­schen prä­gen die Geschich­te. Man erlebt ein jun­ges Mäd­chen, das über sich hin­aus­wächst und den Mut und die Ent­schlos­sen­heit hat, ande­ren zu hel­fen. Berüh­rend!

Ach­tung: Man erfährt erst kurz gegen Ende des Buches, dass es die­ser Roman nicht in sich abge­schlos­sen ist, die Geschich­te wird in “Und wenn wir flie­hen” fort­ge­setzt. Ins­ge­samt erschei­nen drei Bän­de (eng­li­scher Name: “The Fal­len World Tri­lo­gy”). Der drit­te Teil heißt auf Eng­lisch: The Worlds we make”.
Der Fischer Ver­lag bie­tet im Übri­gen auch Unter­richts­ma­te­ria­li­en zum Buch an (fächer­über­grei­fend: für Deutsch und Bio­lo­gie bzw Natur­wis­sen­schaf­ten und Gesell­schafts­leh­re). Daher eig­net sich “Wir sind ver­bannt” sehr gut als Klas­sen­lek­tü­re oder für eine Buch­vor­stel­lung.

LesealternativenDas Buch hat mich sehr an Die Welt, wie wir sie kann­ten” von Susan Beth Pfef­fer erin­nert. Dies erzählt zwar eine ande­re Art von Kata­stro­phe (durch ein Natur­phä­no­men), ist aber ähn­lich exis­ten­zi­ell und auch in Tage­buch­form geschrie­ben. Die­ser Roman hat auch noch zwei Fort­set­zun­gen: Die Ver­lo­re­nen von New York” und Das Leben, das uns bleibt”. Eine Alter­na­ti­ve für etwas älte­re Jugend­li­che (ab 1516) über eine ande­re Epi­de­mie auf einer klei­nen Nord­see­insel ist “Todes­brut” von Klaus-Peter Wolf. Falls dir der Erzähl­stil gefal­len hat, bei dem eine ande­re Per­son direkt vom Ich-Erzäh­ler ange­spro­chen wird, könn­te dir auch Ich wünsch­te, ich könn­te dich has­sen” von Lucy Chris­to­pher gefal­len.

Bibliografische Angaben:
Schilder was wo wer wannVerlag: Fischer KJB
ISBN: 978-3-596-85453-0
Erscheinungsdatum: 21.Februar 2013
Einbandart: Hardcover
Preis: 16,99€
Seitenzahl: 448
Übersetzer: Birgit Salzmann
Originaltitel: "The way we fall"
Originalverlag: Disney Hyperion

Kanadisches Originalcover:
Megan Crewe Wir sind verbannt











Kanadischer Buchtrailer:
 

Kasimiras Bewertung:

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(4,5 von 5 mög­li­chen Punk­ten)

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Kanadisches Cover: Homepage von Megan Crewe

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