“Letizia und der unheimliche Fluch” von der deutschen Autorin Martina Wildner ist ein (Grusel-)Roman, der an einen oberitalienischen See entführt, wo Wilma mit ihrer Familie für die Dauer eines archäologischen Forschungsauftrags ihrer Eltern in einer etwas verfallenen Villa lebt. Dort trifft sie auch auf Letizia, die Großnichte ihrer Vermieterin, die scheinbar von einem Fluch befallen ist. Sie wird nie älter als 15 Jahre alt werden, denn alle erstgeborenen Fünfzehnjährigen in ihrer Familie sind aus den verschiedensten Gründen gestorben. Ist das wirklich ein Fluch? Wilma beginnt der Familiengeschichte von Letizia auf den Grund zu gehen… Ein Roman, der zwar unterhaltsam und auch ein wenig gruselig ist, aber irgendwie hinter seinen Möglichkeiten zurückbleibt. Aber am besten selbst lesen und eine eigene Meinung bilden! Für Jugendliche ab 10 Jahren.
Wilma, ihr kleiner Bruder Eugen und ihre Eltern, die als Altertumsforscher arbeiten, ziehen für einen neuen Auftrag nach Italien. An einen oberitalienischen See. Sie mieten eine etwas morbide Villa von der Familie Lombroso. Eine Villa, in der es sonderbare Gemälde gibt und Wilma zuweilen eine Stimme zu hören glaubt, die
“Bööööse!” ruft. Dann lernt sie Letizia kennen, die Großnichte ihrer Vermieterin. “Letizia kam aus dem Nebel. Der graue, feuchte und scheinbar undurchdringliche Dunst hatte sich am 2.November über den italienischen Bilderbuchsee gelegt, an dem wir wohnten.” (Zitat aus “Letizia und der unheimliche Fluch” S.5) Die beiden Mädchen freunden sich ein wenig miteinander an. Letizia ist manchmal etwas seltsam. Sie behauptet bald zu sterben. Als Wilma genauer nachhakt, erfährt sie sogar, dass ein Fluch auf der Familie liegen soll. “Es ist einfach so: Alle Lombrosos sind böse.” “Aber…”, versuchte ich einzuwenden. “Man muss nicht böse sein. Keiner zwingt einen dazu.” “Es ist vererbt. Und deswegen lastet auch ein Fluch auf uns”, sagte Letizia. “Wir sind zu böse. Darum vollendet keine Erstgeborene jeder Familie in direkter Linie das fünfzehnte Lebensjahr. Sechs Mädchen mussten schon sterben. Ich bin die Nächste und Letzte.” (Zitat S.45) Letizia lebt jetzt bei ihrer Großtante, bei der sie sogar ein eigenes Zimmer hat. Die Lombroso meint den Fluch umkehren zu können. Dies ist ihr nämlich schon einmal geglückt. “Irgendwie ist es ihr nämlich gelungen, den Fluch umzu
leiten. Dummerweise auf ihre um fünf Minuten jüngere Zwillingsschwester Gandolfa.” (Zitat S.63) Ihre Schwester ist auf einer Gartenfeier an einem blutigen Steak erstickt und gestorben. Wilma interessiert sich sehr für die Familiengeschichte der Lombrosos. “Wer hat euch eigentlich verflucht?”, fragte ich schließlich. “Das weiß niemand so ganz genau”, sagte Letizia seufzend. “Wir wissen nur, dass es mit Serafina begann. Dass es sich überhaupt um einen Fluch handelt, wurde auch erst mit der Zeit klar, etwa seit Ignazia im Jahr 1939 gestorben war. Sie schlug vor Wut einen Spiegel ein, eine Scherbe verletzte die Schlagader und sie verblutete.” (Zitat S.64) Bald beginnt Wilma selbst Nachforschungen anzustellen…
Das Cover ist sehr schön getroffen. Fasst die wichtigsten Elemente der Geschichte ein, ebenso wie der Titel. Der Roman spielt in Italien, sorgt für eine gewisse Atmo
sphäre, aber anders als erwartet: “Im letzten Sommer waren wir in die Nähe einer Ausgrabungsstätte an einem oberitalienischen See gezogen. Das klingt erst mal sehr romantisch, nach Weinbergen, alten Burgen, eleganten Seebädern, nach Schwimmen im grünblauen Wasser, nach Sonne und Wärme. Das ist der Sommer. Aber auch in Italien gibt es den Winter, und der bedeutet hier: Nebel, Nebel, Nebel.” (Zitat S.6ff) In “Letizia und der unheimliche Fluch” ist es vor allem kalt, neblig und zuweilen auch ein wenig düster. Seltsame Geräusche und dazu noch ein Fluch sorgen für eine unheilvolle Stimmung. Erzählt wird das Buch durchgehend aus Wilmas Sicht in der Ich-Perspektive. Zuweilen schleicht sich auch ein etwas humorvoller Unterton in die Geschichte. “Plötzlich hörten wir ein Rumpeln. “Das kommt von oben.” Mama deutete mit dem Finger in Richtung Decke. “Ein Einbrecher!”, rief Eugen. “Quatsch”, sagte Papa und stieg sehr mutig die Treppe hinauf. Wir folgten ihm. Eugen mutig, ich mittelmutig, Mama am unmutigsten.” (Zitat S.40) Vor allem die Elt
ern fand ich sehr erfrischend. Die italienische Mama, die alles immer ganz schwarz sieht, und der deutsche Papa mit seiner positiven Art. Leider hatte ich insgesamt das Gefühl, dass der Roman sein Potential nicht völlig ausschöpft. Es fehlte die Spannung, obwohl der Plot an sich gelungen war. Auch war es schwierig eine Verbindung zu den Protagonistinnen aufzubauen. “Ich an deiner Stelle würde mich vor den Lombrosos in Acht nehmen. Sie sind wie eine Krake, der seine vielen langen Arme nach allen Seiten ausstreckt und verschlingt, was er kriegen kann.” “Aber Letizia ist anders”, sagte ich, obwohl ich an das Wort Krake in Zusammenhang der Lombrosos selbst schon einmal gedacht hatte. “Sie ist nett und wir sind befreundet.” Der Händler runzelte die Stirn. “Mir ist nicht bekannt, dass ein Mitglied der Familie Lombroso zu einem Gefühl wie Freundschaft fähig ist.” (Zitat S.84ff) Auch die Stelle, als ein verletzter Hund erschossen wird, fand ich
etwas heftig. Vor allem der Umgang damit, als sei dies völlig gewöhnlich. “Als ich hineinschlüpfte, hörte ich den Schuss. Bis dahin hatte ich geglaubt, das alles sei nur Gerede. Ich hatte geglaubt, dass die Lombroso nur ihre Autoschlüssel holen gehen wollte und dann mit Cida zum Tierarzt fahren würde, ja, das hatte ich geglaubt. “So jetzt ist er erlöst”, sagte Letizia, schlüpfte in ihre eleganten Pantinen und stieg langsam die Treppe hoch. Ich schlurfte mit meinen Filzpantoffeln hinterher. “Es wird nur schwierig, sie zu begraben, wenn die Erde gefroren ist”, sagte sie” (Zitat S.143) Das Ende bietet zwar eine Teilauflösung, hinterlässt aber einen faden Beigeschmack, da letztlich alles wieder hinfällig wird.
Martina Wildner hat eine ganze Reihe an Büchern veröffentlicht. Hier chronologisch nach Erscheinungsdatum sortiert: „Liebe Isolde!“ (2003, ab 12), „Jede Menge Sternschnuppen“ (2003, ab 11), „Michelles Fehler“ (2006, ab 13), „Murus“ (2008, ab 11), „SIX“ (2008, ab 13), „Grenzla
nd“ (2009, ab 14), „Cora und Fred – Ein Zwilling kommt selten allein“ (2010, ab 9), „Irgendwas stimmt nicht“ (2012, ab 11), „Königin des Sprungturms“ (2013, ab 11, Deutschen Jugendliteraturpreis 2014!), „Der Himmel über dem Platz“ (2021, ab 11), „Moritz, King Kong und der Regentanz“ (2023, ab 9) und „Zu schnell für diese Welt“ (2025, ab 11). Etwas schauriger wird es bei „Finsterer Sommer“ (2016, ab 11) und der dreiteiligen Reihe rund um Hendrik, Eddi und Ida: „Das schaurige Haus“ (2011, ab 11, nominiert für den Deutschen Jugendliteraturpreis 2012), „Die unheimliche Krähe am See“ (2017, ab 10) und „Dieser verfluchte Baum“ (2019, ab 11). Dich interessieren gruselige Bücher, die an einem See oder in Italien spielen? Dann greif zu “Laqua — Der Fluch der schwarzen Gondel” von Nina Blazon oder “Stella Montgomery und der schaurige See von Wormwood Mire” von Judith Rossell. Etwas neuer wäre noch “Die Puppe: Spiel mit ihr, wenn du dich traust” von Holly Black. Sehr empfehlen kann ich auch die schön gruselige und spannend erzählte “Gänsehaut in Hovenäset”-Reihe von Kristina Ohlsson: “Flammenrad” (Band 1) und “Sternengrab” (Band 2), die aber auch unabhängig voneinander gelesen werden können.
Bibliografische Angaben:Verlag: Beltz & Gelberg ISBN: 978-3-407-79057-6 Erscheinungsdatum: 16.Juli 2026 Einbandart: Hardcover Ausstattung: Erstauflage mit Farbschnitt Preis: 15,00€ Seitenzahl: 208
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Verlag: Beltz & Gelberg
ISBN: 978-3-407-79057-6
Erscheinungsdatum: 16.Juli 2026
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Ausstattung: Erstauflage mit Farbschnitt
Preis: 15,00€
Seitenzahl: 208
