Marlene Röder — Cache

Marlene Röder - Cache3.August 2016

Cache” ist der neu­es­te Roman der deut­schen Autorin Mar­le­ne Röder, die für ihre vor­he­ri­gen Wer­ke mit eini­gen (klei­ne­ren) Prei­sen aus­ge­zeich­net wor­den ist. In ihrem aktu­el­len Titel erzählt sie die Geschich­te einer Suche. Die nach einem ver­schwun­de­nen Jun­gen und zugleich die nach der Wahr­heit. Und einem Mäd­chen zwi­schen zwei Jun­gen. Mit dabei das The­ma Geo­caching, über das im Jugend­buch bis­her kaum geschrie­ben wur­de! Inter­es­sant und kurz­wei­lig. Für Jugend­li­che ab 13 Jah­ren und inter­es­sier­te Erwach­se­ne.

Ber­lin. Die 16-jäh­ri­ge Tür­kin Ley­la ist seit eini­ger Zeit mit Max zusam­men, dem Sohn aus gutem Hau­se, dem Vor­zei­ge­schü­ler und Mus­ter­sport­ler, der mit sei­nen Freun­den zuletzt auf Spa­ni­en für den nächs­ten Schwimm­wett­kampf trai­niert hat. Max’ Eltern mögen das Mäd­chen mit Migra­ti­ons­hin­ter­grund nicht beson­ders. Ley­las jün­ge­re Schwes­ter Gün­ay hin­ge­gen mag Max nicht wirk­lich. Äußerst ange­tan ist das klei­ne Mäd­chen hin­ge­gen von Red, den die bei­den Schwes­tern vor zwei Mona­ten an einer Bahn­hal­te­stel­le ken­nen­ge­lernt haben. Er hat ihnen und Max auch das Geo­caching bei­gebracht: “Ihr kennt doch Schnit­zel­jagd, oder? Geo­caching funk­tio­niert so ähn­lich. Im Inter­net gibt es extra Sei­ten, auf denen Marlene Röder CacheCaches, also Schät­ze auf­ge­lis­tet sind. Dann braucht man natür­lich GPS.” Red zog ein selt­sa­mes Gerät aus der Hosen­ta­sche, das er ihnen unter die Nase hielt. “Damit kann man che­cken, ob man sich den ange­ge­be­nen Koor­di­na­ten nähert. Über­all in Ber­lin sind Caches ver­steckt!” (Zitat S.34ff) Auch wäh­rend Max in Spa­ni­en war, hat Ley­la sich mit Red zum Geo­caching getrof­fen. Nun hat sie eine selt­sa­me SMS von ihm erhal­ten: “Such mich. Geh zurück zum Anfang.” (Zitat S.43). Max glaubt, dass dies nur eine Ein­la­dung zu einem neu­en, selbst geleg­ten Cache ist. Ley­la aller­dings macht sich Gedan­ken um ihn: “…das letz­te Mal, als ich ihn getrof­fen habe, war Red echt selt­sam. Irgend­wie durch­ein­an­der und wütend. Ich mach mir Sor­gen um ihn.” […] Was, wenn es Red nicht gut­geht? Was, wenn die SMS eine Art Hil­fe­ruf ist? (Zitat S.44ff) Die bei­den wis­sen nicht viel über Red. Nicht wo er wohnt, und nicht wie er wirk­lich heißt. Red ist nur sein Cacher-Name. Also fan­gen sie an den Spu­ren nach­zu­ge­hen und lan­den mit­ten in einem Geo­caching-Spiel. Red will, dass sie ihn fin­den. Doch war­um? Ist er wirk­lich in Gefahr oder spielt er nur mit ihnen? Und was ist tat­säch­lich zwi­schen Ley­la und Red pas­siert, als Max in Spa­ni­en war? Unwei­ger­lich kom­men die bei­den der Wahr­heit näher und näher…

Marlene Röder CacheCache” ist ein ruhi­ge­res Buch, das unter­halt­sam, aber nicht mit all­zu gro­ßen Span­nungs­bö­gen ver­se­hen ist. Es wird viel mehr eine Geschich­te erzählt, die sich auf unter­schied­li­chen Zeit­ebe­nen abspielt und die geschickt inein­an­der ver­wo­ben wer­den, so wie die Stoff­fet­zen, aus denen Ley­la eine Patch­work­de­cke näht. Den Erin­ne­rungs­stü­cken an ihre ver­stor­be­ne Oma bei­spiels­wei­se, die sie anein­an­der­fügt. Zur Über­sicht­lich­keit hel­fen hier­bei die Kapi­tel­über­schrif­ten, die stets mit einer Orts- und Zeit­an­ga­be ver­se­hen sind und immer wech­seln zwi­schen der Gegen­wart und unter­schied­li­chen Zei­ten der Ver­gan­gen­heit, wie zum Bei­spiel “Oma Gre­tes Wohnung/anderthalb Jah­re zuvor”, “Rund­haus Pan­kow-Hein­ers­dor­f/ Mon­tag, 15 Uhr 18”  oder “Ufer des Müggelsees/ fünf Wochen zuvor”. Gera­de aus die­sem Fli­cken­tep­pich ein Gesamt­bild ent­ste­hen und die Zusam­men­hän­ge klar wer­den zu las­sen, das gelingt Mar­le­ne Röder sehr gut. Sie wählt dabei zwei Sicht­wei­sen: Max’ Ich-Per­spek­ti­ve und Ley­las per­so­na­le Erzähl­wei­se. Red selbst kommt nicht zu Wort — er ist das geheim­nis­vol­le, auf­re­gen­de Ele­ment in der Geschich­te; der­je­ni­ge, der nicht greif­bar ist. Die Spra­che ist ein­fach und nah an der der Jugend­li­chen: “Wenn ich ehr­lich bin, ist Cachen nicht so mein Ding. Ich mag kei­ne Rät­seMarlene Röder Cachel, ich hab es gern klar und ein­deu­tig, und die gan­zen kras­sen Aktio­nen stres­sen mich irgend­wie. Aber das kann ich Ley­la schlecht auf die Nase bin­den, denn sie steht da anschei­nend total drauf.” (Zitat S.68) Die Schrift­grö­ße ist im Ver­gleich zu ande­ren Jugend­bü­chern sehr groß, aber ange­nehm. Das The­ma Geo­caching bringt die Autorin auch Lesern, die davon noch nie etwas gehört haben, auf sehr ver­ständ­nis­vol­le Wei­se nahe und macht wirk­lich Lust dar­auf, so etwas selbst ein­mal aus­zu­pro­bie­ren: “Es pri­ckel­te in ihrem Nacken, als sie die Hand in den Aus­ga­be­schlitz schob und die Rück­sei­te der Metall­klap­pe abtas­te­te. Und da … tat­säch­lich … stie­ßen ihre Fin­ger­kup­pen gegen etwas, das dort nicht hin­ge­hör­te, etwas, das ver­steckt im Inne­ren des Auto­ma­ten haf­te­te wie ein Para­sit. Eine magne­ti­sche Metall­hül­se plumps­te in Ley­las Hand, klei­ner als eine Garn­rol­le. “Gra­tu­lie­re”, sag­te Red hin­ter ihr.” (Zitat S.38ff) Das Ende des Romans hin­ge­gen muss­te ich zwei Mal lesen. Das Gefühl beim ers­ten Mal lesen: Häh? Echt jetzt? Das Gefühl beim zwei­ten Mal lesen: viel­leicht doch ein wenig raf­fi­niert… aber am bes­ten eine eige­ne Mei­nung bil­den!

Dir gefällt der Erzähl­stil von Mar­le­ne Röder? Dann lies doch noch ihre ande­ren Bücher. Rich­tig klas­se fand ich “Im Fluss”, für das sie auch den Hans-im-Glück-Preis der LesealternativenStadt Lim­burg erhielt. Fas­zi­nie­rend ist auch “Zebra­land”, für das sie mit dem Evan­ge­li­schen Buch­preis 2010 aus­ge­zeich­net wur­de und eben­falls den Hans-Jörg-Mar­tin-Preis für den bes­ten Jugend­kri­mi bekam. Ihr letz­tes Werk “Mel­vin, mein Hund und die rus­si­schen Gur­ken” ist ein Erzähl­band mit Kurz­ge­schich­ten. In “Flut­licht” von Gide­on Sam­son fin­dest du eben­so eine Geschich­te, die sich erst lang­sam durch Tei­le aus Gegen­wart und Ver­gan­gen­heit zusam­men­setzt. Dass auf ein­mal der Ande­re, der frem­de Unbe­kann­te inter­es­sant ist und der eige­ne Freund nicht mehr, dies trifft auch in “Der eine Ande­re” von Catha­ri­na Clas zu. Wenn dich das The­ma Geo­caching inter­es­siert, hast du im Jugend­buch lei­der nicht all­zu viel Aus­wahl: “Virals: Jeder Tote hütet ein Geheim­nis” von Kathy Reichs (Band 3 einer Kri­mi-Rei­he) und für jün­ge­re Leser (10−12 Jah­re) Die drei ??? GPS-Gangs­ter” von Mar­co Sonn­leit­ner und “Die drei !!! SOS per GPSvon Mira Sol.

Bibliografische Angaben:
Schilder was wo wer wannVerlag: Fischer KJB
ISBN: 978-3-7373-4026-7
Erscheinungsdatum: 28.Juli 2016
Einbandart: Hardcover
Preis: 14,99€ 
Seitenzahl: 256 
Übersetzer: -
Originaltitel: - 
Originalverlag: -
Originalcover: -

So funktioniert Geocaching:

Kasimiras Bewertung:

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