Marie Golien — Cainstorm Island: Der Gejagte

Kasimira28.Februar 2019

Cain­storm Island: Der Gejag­te” ist der 1. Teil einer dys­to­pi­schen Rei­he der deut­schen Autorin Marie Goli­en. Die Schrift­stel­le­rin, die auch Spie­le-App-Ent­wick­le­rin ist, ent­führt ihre Leser in eine Welt, in der die Sche­re zwi­schen Arm und Reich noch immer groß und die Ban­den­kri­mi­na­li­tät noch grö­ßer ist. Und in der die Tech­nik eines implan­tier­ten Chips — der an den Seh­nerv ange­schlos­sen ist und Frem­de am eige­nen Leben teil­ha­ben lässt — einen Jun­gen in höchs­te Gefahr bringt. Big Bro­ther auf die Spit­ze getrie­ben. Ein Thril­ler vol­ler Action, ein Rausch vol­ler Adre­na­lin! Abso­lut per­fek­tes Lese­fut­ter für Jungs ab 14 Jah­ren und inter­es­sier­te Erwach­se­ne.

Eine Welt in einer unbe­stimm­ten Zukunft. Emi­lio lebt auf Cain­storm Island. In Miles­ca­le­ras, einer Stadt, in der sich die Häu­ser teil­wei­se wie Schuh­kar­tons über­ein­an­der sta­peln. Auf der Insel sind Über­be­völ­ke­rung, Dreck und Armut die größ­ten Pro­ble­me. Und die Prä­senz der “Las Cule­bras”, einer gefähr­li­chen Gang, die kei­ne hal­ben Sachen macht und schon mal eine gan­ze Fami­lie hin­rich­ten lässt, wenn
der Fami­li­en­va­ter sei­ne Schul­den nicht bezah­len kann: “Eine auf­ge­sprüh­te schwar­ze Schlan­ge starrt auf mich her­ab. Auf­ge­ris­se­nes Maul und nadel­spit­ze Zäh­ne. Böses, leicht irres Fun­keln in den Augen und bereit, sich auf mich her­ab­zu­stür­zen. Ein Schau­er läuft mir über den Rücken, obwohl die Schlan­ge nur ein Graf­fi­to ist. Mög­lichst Kasimiraver­schwö­re­risch flüs­te­re ich: “Wenn die >Las Cule­bras< jeman­den hin­rich­ten, sprü­hen sie die­se Kobra über den Toten. Es ist eine War­nung an uns ande­re.” (Zitat aus “Cain­storm Island: Der Gejag­te” S.6) Eben­so Emi­li­os Fami­lie hat eini­ge Schul­den. Zwar nicht bei den “Las Cule­bras”, aber bei einer genau­so unan­ge­neh­men Per­sön­lich­keit. Um die Schul­den zu til­gen, hat Emi­lio ange­fan­gen für die Fir­ma Eye­vi­si­on zu arbei­ten, die auf dem rei­chen Nach­bar­kon­ti­nent Asa­ria liegt, und sich einen Chip implan­tie­ren las­sen, der täg­lich eine hal­be Stun­de sei­nes Lebens auf­zeich­net. “Ich fil­me durch mei­ne Augen und das Video wird auto­ma­tisch auf mei­nem Kanal hoch­ge­la­den. Die Leu­te kön­nen live zuschau­en und kom­men­tie­ren oder sie schau­en sich die gespei­cher­ten Vide­os an. Für jeden Zuschau­er bekom­me ich ein paar Cent. Je mehr Zuschau­er, des­to bes­ser.” (Zitat S.15) Schon seit frü­her Kind­heit hat Emi­lio es geliebt stei­le Haus­wän­de hoch­zu­klet­tern oder von einem Dach zum nächs­ten zu sprin­gen. Er liebt den Adre­na­lin­kick und die Her­aus­for­de­rung. Das mögen seinKasimirae Zuschau­er natür­lich. Doch dann pas­siert etwas Furcht­ba­res! Bei einem sei­ner Streif­zü­ge durch die Stadt begeg­net Emi­lio einem der obers­ten Gang­bos­se der “Las Cule­bras”, der ihn angreift und den Emi­lio in Not­wehr tötet. “Ich habe durch mei­ne Augen gefilmt, wie ich die­sen Typen umge­bracht habe! Auto­ma­tisch abge­spei­chert auf mei­nem Kanal und jeder­zeit abruf­bar für jeden, der ein Eye­net besitzt.” (Zitat S.28) Nun hat er sich die gesam­te Gang zum Feind gemacht und die wol­len ihnen tot sehen! Noch wis­sen sie nicht, wer Emi­lio ist, da er sich auf sei­nem Kanal nur einen Nick­na­me gege­ben hat und auf den Auf­nah­men auch nie selbst zu sehen ist. Doch sie set­zen alles dar­an dies mög­lichst schnell her­aus­zu­fin­den! Denn Emi­lio ist ja jeden Tag eine hal­be Stun­de “online” zu sehen und die Fir­ma Eye­vi­si­on hat auch kei­nes­falls vor sei­nen Kanal abzu­schal­ten. Im Gegen­teil — plötz­lich ist Emi­lio, der gna­den­los gejagt wird, die inter­es­san­tes­te Per­son im gan­zen Netz…

KasimiraCain­storm Island: Der Gejag­te” sticht jetzt nicht unbe­dingt durch ein beson­ders schö­nes Cover her­vor. Aber die Geschich­te, die erzählt wird, die tut es defi­ni­tiv! Der Thril­ler, der durch­ge­hend in Emi­li­os Sicht in der Ich-Per­spek­ti­ve geschrie­ben ist, schafft es rela­tiv schnell das Bild einer ande­ren Welt zu erschaf­fen, die — auch wenn sie zeit­lich nicht näher datiert ist — vor­stell­bar und greif­bar wirkt. Da wäre zum einen der Kon­ti­nent Cain­storm mit sei­nen 40 Städ­ten, die völ­lig über­be­völ­kert sind und in Armut ver­sin­ken. Poli­zei? Müll­ab­fuhr? So etwas gibt es nicht mehr. Vie­le leben auf der Stra­ße. Auch Emi­lio hat mit sei­ner Mut­ter, ehe sie gehei­ra­tet hat, lan­ge Zeit nur in einem Auto gelebt, ehe der neue Mann und Emi­li­os Stief­va­ter sie in sei­nem Haus auf­nahm. Ca. 120 km ent­fernt und durchs Meer getrennt liegt der Kon­ti­nent Asa­ria, auf dem alle Rei­chen leben: “…die Welt dort drü­ben ist völ­lig anders: Wol­ken­krat­zer aus Glas, die sich wie Pflan­zen mit der Son­ne dre­hen. Parks mit Büschen, die unter ihren Blü­ten fast zusam­men­bre­chen, Was­ser­fäl­le und tie­fe Wäl­der mit selt­sa­men Tie­ren. […] Glän­zen­de Autos, die über den Boden zu schwe­ben schei­nen. Stra­ßen, so sau­ber, als könn­te man von ihnen essen.” (Zitat S.15) Das KasimiraLeben dort ist wie eine frem­de Kul­tur für Emi­lio. Doch dank sei­nes Kanals kann er sich auch das Leben ande­rer Men­schen auf Asa­ria anse­hen. Denn 99% sei­ner Zuschau­er sind Men­schen aus Asa­ria. Alle ande­ren kön­nen sich die­se Tech­no­lo­gie nicht leis­ten, bezie­hungs­wei­se besit­zen kei­ne Eye­watch, mit der sie auf die Online-Kanä­le zugrei­fen kön­nen. Nur weni­ge Men­schen — allen vor­an die Gang­mit­glie­der der “Las Cule­bras” ver­fü­gen über die­sen Reich­tum. Vor allem die Sen­sa­ti­ons­gier und Voy­eu­ris­mus wer­den in “Cain­storm Island: Der Gejag­te” beson­ders her­vor­ge­ho­ben. Denn es sind die Asa­ri­er — und beson­ders Emi­li­os abge­brüh­ter Chef Brad­ley — die bes­te Unter­hal­tung von ihm ver­lan­gen: “Er sag­te, ich müs­se ein­fach nur eine habe Stun­de span­nen­des Kino für die Zuschau­er aus dem fer­nen Asa­ria lie­fern. Die wür­den mei­ne Stadt, Miles­ca­le­ras, ger­ne ken­nen­ler­nen, aber nicht per­sön­lich. Das wäre zu gefähr­lich, zu dre­ckig und zu anste­ckend.” (Zitat S.43) Gera­de die Ver­fol­gungs­jagd in dem Buch mit­zu­er­le­ben, ist wirk­lich atem­be­rau­bend! Denn wenn KasimiraEmi­lio “live” auf Sen­dung ist, ver­rät jeder Blick, wo er sich befin­det und die “Las Cule­bras”, die mit ihren Eye­wat­ches jeden die­ser Momen­te beob­ach­ten, star­ten eine gna­den­lo­se Hetz­jagd. Und sie sind äußerst zahl­reich. Adre­na­lin pur! Es ist unglaub­lich, wie fes­selnd das Buch ist, man fie­bert buch­stäb­lich jeden Augen­blick mit Emi­lio mit und hat manch­mal das Gefühl gar kei­nen Aus­weg mehr für ihn zu sehen, weil er so umzin­gelt wird, dass es dann gera­de­zu ner­ven­zer­rei­ßend ist, sei­nen nächs­ten Schrit­ten zu fol­gen. Das Ende bleibt offen und macht neu­gie­rig auf die Fort­set­zung.

Fazit: Ein außer­or­dent­lich packen­des Buch! Ein Page­tur­ner der Extra­klas­se!!

Einen Chip im Kopf? Die­ses Phä­no­men fin­dest du eben­so in “Boy in a white room” von Karl Ols­berg und in der Span­nungs­rei­he von And­reLesealternativenas Esch­bach“Black out” (Band 1), “Hide out” (Band 2) und “Time out” (Band 3.). Mit einem Chip im Gehirn jeder­zeit online gehen, das ist auch in der “Pan­do­ra”-Rei­he von Eva Sieg­mund mög­lich und auf eine über­ra­schen­de, ande­re Art und Wei­se in der “Star­ters”-Rei­he von Lis­sa Pri­ce. Gut könn­te ich mir eben­falls “Boy 7” von Mir­jam Mous vor­stel­len. Eine rich­tig gute Alter­na­ti­ve hin­sicht­lich Über­wa­chung durch das Anzap­fen des Seh­nervs ist “T.R.O.J.A. Kom­plott” von Ort­win Rama­dan. Das “Big Bro­ther is watching you”-Phä­no­men fin­dest du zudem in der höchst gelun­ge­nen Neu­erschei­nung “Wel­co­me to Rea­li­ty” von Len Vla­hos und in “Litt­le Bro­ther” von Cory Doc­to­row. Wenn ande­re am Leben teil­ha­ben und immer neue­re Auf­ga­ben den Prot­ago­nis­ten erwar­ten, dann könn­test du dich außer­dem in “Batt­le Island” von Peter Freund” oder in “Ner­ve: Das Spiel ist aus, wenn wir es sagen” von Jean­ne Ryan befin­den.

Bibliografische Angaben:
Schilder was wo wer wannVerlag: dtv
ISBN: 978-3-423-76242-7
Erscheinungsdatum: 28.Februar 2019
Einbandart: Hardcover
Preis: 17,95€ 
Seitenzahl: 336 
Übersetzer: -
Originaltitel: - 
Originalverlag: -
Originalcover: -

Deutscher Trailer:
 

Kasimiras Bewertung:

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(5 von 5 mög­li­chen Punk­ten)

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