Marie-Aude Murail — Der Babysitter-Profi

Marie-Aude Murail Der Babysitter-Profi30.April 2013

Ein neu­es und zugleich altes (im Fran­zö­si­schen zumin­dest) Werk der Best­sel­ler-Autorin Marie-Aude Murail ist nun auf Deutsch erschie­nen: “Der Baby­sit­ter-Pro­fi”. Ein Roman über Geld­nö­te, das Erwach­sen­wer­den und jede Men­ge Babys. Aller­dings geht das Buch viel tie­fer, als der ober­fläch­li­che Titel ver­mu­ten lässt. Äußerst humor­voll, aber gleich­zei­tig mit viel Ernst­haf­tig­keit geschrie­ben. Eine wun­der­vol­le Unter­hal­tung, nicht nur für Jugend­li­che ab 12, son­dern auch für Erwach­se­ne!

Der 15-jäh­ri­ge Ernest hat bei sei­nem Freund Xavier einen Com­pu­ter gese­hen, den er sich nun unbe­dingt auch kau­fen möch­te. Wäre da nicht sei­ne chro­ni­sche Geld­not. Sei­ne Mut­ter, eine Künst­le­rin (in der Mode­in­dus­trie), die durch ihre Arbeit oft wenig Zeit für ihn hat, macht ihm einen Vor­schlag: Baby­sit­ten. Dies wür­de ihr Paten­kind Mar­ti­ne-Marie eben­falls tun. Also stürzt sich Ernest in das Aben­teu­er “Kin­der­hü­ten” und muss fest­stel­len: er ist dazu gar nicht so unge­eig­net, ret­tet sogar einem Kind das Leben! Die dadurch ent­ste­hen­de bal­di­ge Berühmt­heit führt zu noch mehr Baby­sit­ter-Jobs. Bis sei­ne Mut­ter spitz kriegt, dass sei­ne Schul­leis­tun­gen dar­un­ter lei­den und sie beschließt, dass er abends frü­her ins Bett gehen soll. Kein Baby­sit­ting mehr! Aber zumin­dest darf er einem unter Leg­asthe­nie lei­den­den Mäd­chen noch Fran­zö­sisch-Nach­hil­fe geben. Doch dann tau­chen plötz­lich auch bei sei­ner Mut­ter Finanz­pro­ble­me auf und sie wird schwan­ger…

Gute gezeich­ne­te und lie­be­voll beschrie­be­ne Cha­rak­te­re, das sind eine der größ­ten Stär­ken von Marie-Aude Murail. Sie schil­dert eine beson­de­re Mut­ter-Sohn-Bezie­hung (die Mut­ter ist allein­er­zie­hend und wech­selt bis­wei­len oft ihre Lieb­ha­ber) und schafft es die Sor­gen und Nöte eines Her­an­wach­sen­den (aus sei­ner Ich-Per­spek­ti­ve erzählt) per­fekt zu skiz­zie­ren. Einem Jun­gen, der sehr reif für sein Alter wirkt und sich mehr Gedan­ken bei­spiels­wei­se um die Finan­zen macht, als sei­ne Mut­ter. Der für sie einen fes­ten Freund “orga­ni­siert”  und um Geld zu ver­die­nen, sogar sei­ne selbst gezeich­ne­ten Comics an den Mann brin­gen möch­te. Valen­tin — der neue Freund der Mut­ter — ist eben­falls prä­de­sti­niert im Umgang mit Babys (auch ein Baby­sit­ter-Pro­fi;-)) und schafft es als Ein­zi­ger, das Neu­ge­bo­re­ne zu besänf­ti­gen. Das gefällt Syl­vie — der Mut­ter — nicht unbe­dingt und ihre ein wenig unge­klär­te Bezie­hung zu Valen­tin, der mehr Unter­stüt­zer als Lieb­ha­ber ist, wird auf eine har­te Pro­be gestellt. Marie-Aude Murail Der Babysitter-ProfiZumal die Mut­ter noch einen wei­te­ren Ver­eh­rer hat, der ihre selbst ent­wor­fe­ne Babytra­ge­ta­schen­kol­lek­ti­on unter­stützt. Der Roman über­rascht den Leser übri­gens zwi­schen­drin mit einem Zeit­sprung von zwei Jah­ren, wäh­rend des­sen Ernest der Freund von Mar­ti­ne-Marie wird. Was da genau pas­siert ist, zwi­schen ihnen bei­den (Ernest schwärm­te schon zuvor für sie), wird lei­der nicht erklärt. Jedoch trifft auch das The­ma “Baby” und “Schwan­ger­schaft” die bei­den am Ran­de.

Der Titel “Der Baby­sit­ter-Pro­fi” erscheint zunächst ein wenig unprak­tisch gewählt, da Ernest wirk­lich nur am Anfang ein wenig baby­sit­tet und der Ein­druck erweckt wird, es han­de­le sich nur um einen rei­nen Baby­sit­ter-Roman. Zumin­dest die Plu­ral­form wäre noch pas­sen­der gewe­sen, da ja immer­hin auch Valen­tin im zwei­ten Teil des Buches sozu­sa­gen über­ra­schend zum Pro­fi wird. Oder war­um nicht ein­fach den fran­zö­si­sche Ori­gi­nal­ti­tel: “Baby-sit­ter blues”, der eher ver­all­ge­mei­nert. Nicht all­zu gelun­gen fin­de ich per­sön­lich auch das Cover, das sehr ober­fläch­lich und tri­vi­al wirkt. Hät­te der Ver­lag nicht den Stil der ande­ren Titel mit ange­deu­te­ten Figu­ren und ohne Gesicht bei­be­hal­ten kön­nen? Da wäre der Wie­der­erken­nungs­wert höher gewe­sen. Auf jeden Fall nicht von Titel und Cover täu­schen las­sen — und zugrei­fen!

Du magst Marie-Aude Murail? Dann schau dir mal ihre ande­ren Bücher an: “Sim­pel” (Deut­scher Jugend­li­te­ra­tur­preis 2008, gewählt von den Jugend­li­chen selbst!Lesealternativen), Von wegen, Elfen gibt es nicht” (schon ab 10), Über kurz oder lang”, Drei für immer”, So oder so ist das Leben”, Ich Tar­zan — du Nick­less!” (ab 7, super!!), Das ganz und gar unbe­deu­ten­de Leben der Cha­ri­ty Tidd­ler” (eine fik­ti­ve Bio­gra­fie über Bea­trix Pot­ter, fabel­haft!), Viel­leicht sogar wir alle”, Bluts­ver­dacht” (ihr ers­ter Thril­ler). Eine schö­ne Alter­na­ti­ve zu Marie-Aude Murail und auch von einem fran­zö­si­schen Schrift­stel­ler ist Par­don, Mon­sieur, ist die­ser Hund blind?” von Her­vé Jaou­en.
Dir gefällt die fran­zö­si­sche Kin­der- und Jugend­li­te­ra­tur? Dann lies doch mal die her­vor­ra­gen­de und super span­nend erzähl­te “Méto”-Rei­he von Yves Gre­vet: Méto: Das Haus” (Band 1), Méto: Die Insel” (Band 2) und Méto: Die Welt” (Band 3). Sehr beliebt in Frank­reich ist auch Oksa Pol­lock — die fran­zö­si­sche Ant­wort auf Har­ry Pot­ter. Oder ein Klas­si­ker gefäl­lig? Wie wäre es mit Jules Ver­ne?

Bibliografische Angaben:
Schilder was wo wer wannVerlag: Fischer KJB
ISBN: 978-3-596-85490-5
Erscheinungsdatum: 18.Februar 2013
Einbandart: Broschiert
Preis: 12,99€
Seitenzahl: 320
Übersetzer: Tobias Scheffel
Originaltitel: "Baby-sitter blues"
Originalverlag: Ecole des Loisirs

Französisches Originalcover: 
Marie-Aude Murail Der Babysitter-Profi










Kasimiras Bewertung:

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