Maren Dammann — Marwani: Mitten ins Herz

22.August 2019

Mar­wa­ni: Mit­ten ins Herz” von der deut­schen Autorin Maren Dam­mann lässt Mäd­chen- und Pfer­de­lieb­ha­ber­her­zen höher schla­gen! Ein Mäd­chen im Roll­stuhl, das nach einem Unfall durch ein unge­zähm­tes Pferd zurück ins Leben fin­det. Ein biss­chen “Ost­wind”, ein biss­chen Lie­bes­ge­schich­te plus das The­ma Behin­de­rung. Unter­halt­sam, ein biss­chen sen­ti­men­tal manch­mal, aber treff­si­cher für die Ziel­grup­pe! Für Mäd­chen ab 11 Jah­ren, die sich nach einer mit­rei­ßen­den Som­mer­lek­tü­re seh­nen.

In dem Leben der jun­gen Mira ist nichts mehr so wie es ein­mal war. Nach einem Auto­un­fall mit ein paar Freun­den spürt sie ihre Bei­ne nicht mehr. “Mach dir kei­ne Hoff­nung. Erspar die die Ent­täu­schung”, hat­te ein Arzt ihr gera­ten und der Phy­sio­the­ra­peut war noch direk­ter gewe­sen: “Stell dich dar­auf ein, dass du dein gan­zes Leben lang auf den Roll­stuhl ange­wie­sen sein wirst.(Zitat aus “Mar­wa­ni: Mit­ten ins Herz” S.21) Da das Woh­nen im drit­ten Stock mit ihrer Behin­de­rung schwer mach­bar ist, zie­hen ihre Eltern mit ihr und Miras jün­ge­ren Schwes­ter Kathie kur­zer­handKasimiraaufs Land. Weit weg von Miras Freun­den, die sich immer sel­te­ner bei ihr mel­den. Und aus­ge­rech­net neben einen Rei­ter­hof. Mit Pfer­den kann sie — im Gegen­satz zu ihrer begeis­ter­ten Schwes­ter — über­haupt nichts anfan­gen. “Die Leich­tig­keit, mit der sie über die Kop­pel tob­ten, und ihre Freu­de über den son­ni­gen Tag waren zu viel für sie. Mira woll­te das nicht sehen. Es schnür­te ihr das Herz zu. Bloß nicht los­heu­len, dach­te sie und biss sich auf die Unter­lip­pe.” (Zitat S.10) Und so zieht sich Mira meist zurück in ihr Zim­mer. Sie isst nicht mehr viel, hat oft die Jalou­si­en her­un­ter­ge­zo­gen und ver­sinkt in trüb­se­li­gen Gedan­ken. Bis Mar­wa­ni auf dem Hof neben­an plötz­lich auf­taucht. “Das ist kein Gaul. Das ist über­haupt kein gewöhn­li­ches Pferd. Das ist — oder bes­ser war — ein berühm­tes Spring­pferd. Inter­na­tio­nal bekannt. Und jetzt ist Mar­wa­ni der neue Stolz mei­nes Hofes. Mei­ne neue Zucht­stu­te.” (Zitat S.27) Doch Mar­wa­ni ist wild und unge­zähmt. Lässt nach schlech­ten Erfah­run­gen nie­man­den an sich her­an. Bis sie auf Mira trifft, deren Fens­ter direkt neben der Kop­pel liegt. Eine uner­war­te­te Ver­bin­dung scheint zwi­schen den bei­den zu ent­ste­hen…

KasimiraDas Cover erweckt fast den Anschein, als könn­te dies die Buch­vor­la­ge zu einer Ver­fil­mung sein. Das ist zwar nicht so, aber wer weiß, ob sich das noch ändern könn­te… Poten­ti­al hat der Plot auf jeden Fall, wenn auch er etwas ste­reo­typ wirkt. Aber eben­falls sol­che Geschich­ten wol­len manch­mal eben ein­fach gele­sen wer­den! Die Spra­che von Maren Dam­mann ist ein­fach und flüs­sig. Man kommt in den Roman schnell hin­ein, der aus der Sicht eines all­wis­sen­den Erzäh­lers geschrie­ben ist, sich jedoch haupt­säch­lich auf Mira kon­zen­triert. In einem Vor­wort erklärt die Autorin zudem, dass “Mar­wa­ni: Mit­ten ins Herz” tat­säch­lich auf (meh­re­ren) wah­ren Bege­ben­hei­ten beruht und dass sowohl Haupt­per­son als auch Pferd exis­tie­ren. Wie Miras zer­bro­che­nen Träu­me und ihr ver­lo­re­ner Lebens­sinn geschil­dert wer­den, liest sich sehr berüh­rend und authen­tisch. [Roll­stuhl] Die­se zwei Sil­ben ent­hiel­ten eine furcht­ba­re Vor­aus­sa­ge für ihre Zukunft, zer­stör­ten alles, was sie sich je vor­ge­nom­men hat­te. All ihre Träu­me von Rei­sen und Aben­teu­ern, von Fahr­rad­tou­ren im Som­mer und einer Alpen­über­que­rung mit Freun­den.” (Zitat S.23) Gera­de des­halb fühlt sie sich auch Mar­wa­ni so nah. Weil die­ses Pferd eben­falls einen Unfall hat­te und schwe­re, nicht ver­hei­len­de Nar­ben an sei­nem Hin­ter­teil hat und nicht mehr an KasimiraSpring­tur­nie­ren teil­neh­men kann, die es frü­her mühe­los gewann: “Dans Wor­te hall­ten in ihr nach. “Behin­dert und zu nicht mehr viel nut­ze” und “kaum noch was wert”, echo­te es in ihrem Kopf. Mar­wa­ni war abge­schrie­ben, genau­so wie sie. Ohne Daseins­be­rech­ti­gung. Ein Lebe­we­sen zwei­ter Klas­se. Auch wie sie. Die Trä­nen bra­chen aus ihr her­aus und sie wein­te hem­mungs­los.” (Zitat S.53) Erzäh­le­risch fand ich den Roman manch­mal lei­der etwas flach geschrie­ben. Etwas kit­schig und kli­schee­haft: “Mira wur­de warm ums Herz und sie dach­te ver­träumt: “Mar­wa­ni steht unter dem Schutz eines Regen­bo­gens.” (Zitat S.28) und “Für einen kur­zen Moment hat­te Mira das Gefühl, als sei­en sie bei­de durch ein unsicht­ba­res Band mit­ein­an­der ver­knüpft, untrenn­bar ver­eint und ein­an­der so nahe, dass kei­ne Kraft der Erde rei­chen wür­de, sie aus­ein­an­der­zu­rei­ßen.” (Zitat S.66) Auch der Unfall zu Beginn wird gegen Ende fast etwas roman­ti­siert: “Ein ent­setz­li­cher Schmerz durch­zuck­te ihren Kör­per. Fins­ter­nis umgab sie, wäh­rend Glas­split­ter wie Dia­man­ten­re­gen auf sie her­un­ter­pras­sel­ten.” (Zitat S.8) Zwei Sät­ze wei­ter wird das Motiv des Dia­man­ten dann erneut auf­ge­grif­fen und auf ein Pferd bezo­gen: “Es war braun und hat­te einen wei­ßen Fleck auf der Stirn, der wie ein unför­mi­ger Dia­mant aus­sah.” (Zitat S.9) Die­se Wie­der­ho­lung passt nicht so ganz. Trotz erzäh­le­ri­scher, klei­ner Minus­punk­te habe ich das Buch wirk­lich ger­ne gele­sen und mit Mira (der Name ist sehr ähn­lich zu “Mika” aus “Ost­wind”, Zufall?;-)) mit gefie­bert!

LesealternativenWie bereits erwähnt kannst du natür­lich auch die bekann­te “Ost­wind”-Rei­he von Lea Schmidtbauer/Carola Wim­mer lesen. Eine tol­le Lese­al­ter­na­ti­ve sind auch die Bücher von Kyra Ditt­mann“Dark Hor­se Moun­tain”“Wild Hor­se Val­ley” oder “Schnee­feu­er”. Oder greif zu “Ein Schim­mer von Glück” von Bet­ti­na Belitz oder ihrem neue­ren Roman “Saphir: Rebel­li­sche Her­zen”in dem die Prot­ago­nis­tin zu einem unge­stü­men Pferd Ver­trau­en auf­baut. Sel­bi­ges pas­siert in dem gelun­ge­nen “Nur die­ser eine Som­mer…” von Becky Citra

Bibliografische Angaben:
Schilder was wo wer wannVerlag: Planet! (Thienemann)
ISBN: 978-3-522-50621-2
Erscheinungsdatum: 18.Juli 2019
Einbandart: Broschur
Preis: 13,00€
Seitenzahl: 288
Übersetzer: -
Originaltitel: -
Originalverlag: -
Originalcover:
Buchvorstellung der Autorin:

Kasimiras Bewertung:

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