Manfred Theisen — Rot oder Blau: Du hast die Wahl

13.Juli 2019

Der deut­sche Autor Man­fred Thei­sen hat mit “Rot oder Blau: Du hast die Wahl” einen Roman geschrie­ben, der zwei Leh­rer wäh­rend einer Schul­land­heim­fahrt ein poli­ti­sches Expe­ri­ment begin­nen lässt, das all­mäh­lich zu eska­lie­ren droht. Eine Geschich­te über Freund­schaft, Mani­pu­la­ti­on und Macht. The­ma­tisch höchst inter­es­sant, aber teil­wei­se lei­der recht flach geschrie­ben. Für Fans von “Die Wel­le”. Für Jugend­li­che ab 13 Jah­ren und inter­es­sier­te Erwach­se­ne.

Köln. Jakob ist vom Gym­na­si­um abge­gan­gen und nun in der 9.Klasse der Paul-Klee-Gesamt­schu­le gelan­det. In Mathe ist er gut, aber Deutsch und Eng­lisch sind sei­ne Schwach­punk­te. Wäh­rend er in der Schu­le vor­her zudem Pro­ble­me mit Mob­bing hat­te, so nimmt ihn in der jet­zi­gen Klas­se der belieb­te Max unter sei­ne Fit­ti­che: blaue Augen, Grüb­chen im Kinn und ein Hun­dert­tau­send­dol­lar­lä­cheln. Ihm war nie schlecht, er war nie krank, und er hat­te nie ein schlech­tes Gewis­sen. Jakob moch­te Max nicht son­der­lich, aber Max moch­te ihn. Das reich­te Jakob, denn er war neu in der Klas­se und nicht gera­de der Typ Jun­ge, der sofort über­all Freun­de fand.” (Zitat aus “Rot oder Blau: Du hast die Wahl” S.7) Max ist außer­dem ein bekann­ter Influ­en­cer undKasimira
hat unzäh­li­ge Fol­lo­wer. Auf der Fahrt ins Schul­land­heim, die nun ansteht, tei­len sich Jakob, Max und Atlef ein Zim­mer. Obwohl Max vor­gibt auch mit Atlef befreun­det zu sein, behan­delt er die­sen manch­mal doch ziem­lich fies: “Du quatscht ganz schön übel über Atlef, so als wäre er blöd.” “Ich will ihm ja nur hel­fen. Die Leu­te brau­chen Leit­plan­ken, damit sie wis­sen, wo es lang geht.” “Und dafür bist du zustän­dig?” “Bes­ser ich als irgend­ein Idi­ot.” (Zitat S.43) Jakob ist von Max immer mehr ange­wi­dert, will eigent­lich lie­ber sei­ne Ruhe haben. Und ist dann irgend­wie doch meist ein Mit­läu­fer, der es nicht wagt, sich offi­zi­ell gegen Max zu stel­len. Vor allem als sei­ne zwei Leh­rer ein poli­ti­sches Expe­ri­ment star­ten, das auch an ame­ri­ka­ni­schen Schu­len zuvor getes­tet wur­de. Die Schü­ler sol­len zwei Par­tei­en grün­den. Zunächst sol­len sie sich nur für eine Par­tei­far­be ent­schei­den. Rot oder Blau? “In einem zwei­ten Schritt wer­den die Roten einen Kan­di­da­ten wäh­len und die Blau­en eben­falls. Wir nen­nen es Vor­wah­len. Das pas­siert mor­gen. Am Mitt­woch tre­ten die Kan­di­da­ten dann beim Wahl-Duell gegen­ein­an­der an — also der rote gegen den blau­en Kan­di­da­ten.” (Zitat S.57) Und im Abschluss soll noch ein Prä­si­dent gewählt wer­den. Klingt nach kei­ner schwe­ren Auf­ga­be. Bis jedoch Max sei­nen Wahl­kampf äußerst per­sön­lich zu neh­men droht und alles dafür gibt, um gewählt zu wer­den. Bei sei­nen Mani­pu­la­tio­nen schreckt er vor nichts zurück…

The­ma­tisch klingt “Rot oder Blau: Du hast die Wahl” total fas­zi­nie­rend und ist es inhalt­lich gese­hen auch. Ein Expe­ri­ment, das außer Kon­trol­le zu gera­ten scheint. Eine Klas­se außer Rand und Band. Ein Schü­ler, der über Gren­zen geht: “Leu­te wie Max waren per­fekt dar­in, ande­re kaputt­zu­ma­chen. Sie waren wiKasimirae Gift, das sich lang­sam im Kör­per aus­brei­tet. Sie waren nur an sich selbst inter­es­siert und woll­ten alle kon­trol­lie­ren und mani­pu­lie­ren.” (Zitat S.46) Jedoch war mir per­sön­lich die Geschich­te etwas zu flach und platt teil­wei­se erzählt, was das Lese­ver­gnü­gen ein wenig trübt. Auch muss man sich durch man­ches sei­ten­lan­ge, puber­tä­re Tee­nie-Gedis­se bemü­hen, auf denen alle paar Seiten/Sätze jemand “Honk” genannt wird und der all­wis­sen­de Erzäh­ler etwas unent­schlos­sen mal zur einen und mal zur ande­ren Per­son springt. Das Haupt­au­gen­merk ruht zwar auf Jakob, jedoch hat­te ich zu Beginn des Romans Schwie­rig­kei­ten eine Ver­bin­dung zu ihm auf­zu­bau­en, da er zunächst auch nicht unbe­dingt sym­pa­thisch rüber­kommt. Sich oft zurück­zieht und in Ruhe gelas­sen wer­den will. Dann aber doch auf Max’ Sei­te über­schlägt. Glück­li­cher­wei­se ver­än­dert sich dies recht rasch und man kann sich bes­ser in Jakob ein­füh­len. Das poli­ti­sche Expe­ri­ment selbst liest sich ganz inter­es­sant, die Mecha­nis­men von Macht zu beob­ach­ten, die sich ent­wi­ckeln­de Grup­pen­dy­na­mik, die Mani­pu­la­ti­on, die von Max aus­geht. Das Ende ist ver­söh­nend, jedoch sehr weich­ge­spült.

Fazit: Mir per­sön­lich erzäh­le­risch zu schwach. Aber am bes­ten eine eige­ne Mei­nung bil­den und selbst lesen;-)

Wenn du noch ande­re Bücher von Man­fred Thei­sen lesLesealternativenen willst, dann greif zu: “Wake up” (gefiel mir gut) und Weil es nie auf­hört” (durch­schnitt­lich, The­ma: Mob­bing). Ande­re Roma­ne von ihm sind: “Amok”“Check­point Jeru­sa­lem”, “Check­point Euro­pa”, “Täg­lich die Angst” und sein letz­tes Buch “Angst sollt ihr haben”Du suchst eine über­zeu­gen­de Lese­al­ter­na­ti­ve zu “Rot oder Blau: Du hast die Wahl”? Dann lies unbe­dingt die Novi­tät “Staat X” von Caro­lin Wahl. Ich habe schon lan­ge nichts mehr so Fes­seln­des, Durch­dach­tes und gut Erzähl­tes gele­sen! Auch “Die Wel­le” von Mor­ton Rhue ist wie erwähnt eine gute Alter­na­ti­ve. Ein ähn­li­ches poli­ti­sches Expe­ri­ment erwar­tet dich zudem in “Das Insel­ex­pe­ri­ment” von Alek­san­der Mel­li

Bibliografische Angaben:
Schilder was wo wer wannVerlag: cbt
ISBN: 978-3-570-31285-8
Erscheinungsdatum: 8.Juli 2019
Einbandart: Taschenbuch
Preis: 9,99€
Seitenzahl: 384
Übersetzer: -
Originaltitel: -
Originalverlag: -
Originalcover: -

Kasimiras Bewertung:

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