“Dead Girls Don’t Dance” ist das Debüt der amerikanischen Autorin M K Pagano. Ein Thriller über ein Mädchen, deren Schwester in einer Schlucht im Wald tödlich ums Leben kam. Während die Polizei das Ganze als Unfall einstuft, glaubt Addie jedoch nicht daran. Ihre Schwester hatte eine glamouröse Karriere als Ballerina vor sich, sie wäre niemals einfach so gestürzt. Sie hat die reiche Montgomery-Familie im Verdacht, genauer gesagt Thatcher, der in Fiona verliebt war und zuvor mit ihr einen heftigen Streit hatte. Doch die Polizei geht ihrem Verdacht nicht wirklich nach und so beschließt Addie selbst zu ermitteln. Aber dann wird Thatcher ebenfalls tot in der Schlucht aufgefunden. Zusammen mit dessen Cousin Seth, mit dem sie eine Art Hass-Liebe verbindet, versucht Addie den wahren Täter zu finden und begibt sich dabei in große Gefahr… Ein temporeich erzählter Thriller, in dem immer mehr Geheimnisse ans Licht kommen. Richtig schön spannend und mitreißend! Für Jugendliche ab 14 Jahren und interessierte Erwachsene.
Addies ein Jahr ältere Schwester Fiona ist ums Leben gekommen. In der Schlucht im Wald in der Nähe ihres Hauses. Die Polizei hat den Fall zu den Akten gelegt. Angeblich nur ein Unfall. Aber das kann Addie nicht glauben. Sie hat Thatcher, den reichen Nachbarsjungen in Verdacht, der in Fiona verliebt war und kurz vor ihrem Tod
einen heftigen Streit mit ihr hatte. “Ich habe der Polizei meine Vermutung mitgeteilt. Wieder und wieder. Und die Behörden haben nicht das Geringste unternommen. Thatcher ist an seine Schule in England zurückgekehrt. Der Name seiner Familie und sein Geld schützen ihn. Niemand wurde je verhaftet. Man hat Fionas Tod als Unfall oder möglichen Selbstmord eingestuft. Niemand wollte mir zuhören, ganz gleich, wie laut ich war.” (Zitat aus “Dead Girls Don’t Dance” S.13) Addie kennt die Familie Montgomery schon seit sie ein Kind ist. Die Familie ist nur in den Sommermonaten in der Stadt. “Als wir klein waren, haben Fiona und ich für den Sommer gelebt. Beim Laufen durch das Gewirr der Wälder, die unser Haus von dem der Montgomerys trennen, sind wir der Familie zum ersten Mal begegnet. Thatcher war zwei Jahre älter als Fiona, während seine Schwester Kendall und ihr Cousin Seth beide in ihrem Alter waren. […] Und die Sommer wurden gleichbedeutend mit den Montgomerys — Fangen spielen in den Wälden zwischen unseren Häusern, Arschbomben in ihren riesigen Swimmingpool.” (Zitat S.14) Addie
vermisst ihre große Schwester. Diese war immer für sie da. War nicht nur ihre Schwester, sondern zugleich auch ihre Freundin. Nachdem ihre Mutter die Familie verlassen hat, haben die zwei Mädchen immer zusammengehalten. Fiona hatte eine große Karriere vor sich. Wenn sie nicht gestorben wäre, wäre sie auf die American Ballett Academy gegangen. Deshalb kann sich Addie auch nicht vorstellen, dass Fiona sich freiwillig das Leben genommen haben soll. “Meine Schwester ist tot, und jemand muss dafür zur Rechenschaft gezogen werden. Und dieser Jemand ist Thatcher. Jetzt muss ich nur noch ein Geständnis aus ihm herausbekommen.” (Zitat S.19) Deshalb will sie jetzt selbst den Fall auflösen, wenn die Polizei schon nichts unternimmt. Dabei gerät sie wieder mit Seth aneinander, dem Cousin von Thatcher. Eine Hassliebe verbindet die beiden. “Seth und ich sind nie beste Freunde gewesen. Aber wir kennen einander so, wie es nur zwei Menschen können, die große Teile ihrer Kindheit zusammen verbracht haben. Seit ich fünf Jahre alt war, sind wir jeden Sommer zusammen gewesen. Nur während der Schuljahre haben wir nie miteinander gesprochen. Als Kinder haben wir über alles Mögliche gestritten
und gegeneinander konkurriert” (Zitat S.56) In der achten Klasse haben sie sich das erste Mal geküsst. “Am nächsten Tag taten wir so, als wäre es nie passiert.” (Zitat S.57) In den vergangenen Sommern haben sie jedoch immer wieder heimlich im Wald geknutscht. Bis zu jener Nacht, in der Fiona starb. “Gebt doch einfach zu, dass ihr verliebt seid, meinte sie einmal zu mir. Ich forderte sie auf, das Wort nie wieder im Zusammenhang mit Seth und mir zu verwenden. Auf diese Weise könnte er mich nie wirklich mögen. Es war lediglich etwas für den Sommer. Ein Zeitvertreib. Mehr konnte daraus niemals werden. Als Jeremy und ich in der elften Klasse ein richtiges Paar wurden, beschloss ich, mir Seth und seine Küsse ein für alle Mal aus dem Kopf zu schlagen.” (Zitat S.57) Unweigerlich kommt Addie bei ihren Ermittlungen Seth wieder näher und dem wahren Täter. Denn als auch Thatcher in der Schlucht ums Leben kommt, ist klar, dass Addie mit ihrem Verdacht falsch lag…
Der Titel klingt ein wenig nach “Tote Mädchen lügen nicht”, soll die gleiche Zielgruppe erreichen, hat aber außer der Tatsache, dass Fiona Ballett tanzt, keine wirkliche
Bedeutung innerhalb des Buches. Das Cover wirkt auffällig und geheimnisvoll. Der Thriller startet gleich mit einem Paukenschlag. Bereits die ersten Sätze ziehen mitten ins Geschehen: “Als ich meine Schwester das letzte Mal lebend sah, habe ich ihr gesagt, dass ich sie nicht mehr liebe. Nicht exakt mit diesen Worten. Ich habe nicht gesagt: “Fiona, ich liebe dich nicht mehr”. Stattdessen habe ich ihr hinterhergerufen: “Du bist nicht besser als Mom!”, als sie von mir wegging. Allerdings läuft das in unserer Familie auf dasselbe hinaus.” (Zitat S.7) Die Geschichte ist durchgehend in der Ich-Perspektive aus Addies Sicht geschrieben. Eine Figur mit Ecken und Kanten, in die man sich aber gut einfühlen kann. Die Sprache in “Dead Girls Don’t Dance” ist sehr flüssig. Teils sind die Sätze etwas kürzer geschrieben und sorgen daher für ein temporeiches, schnelles Vorankommen im Text. “Zuerst ergibt das, was ich sehe, keinen Sinn für mich. Lange Beine in einer khakifarbenen Hose, unnatürlich verrenkt. Halbschuhe. Ein Hemd,
das im Mondlicht silbrig blau wirkt. Ein Schopf brauner Haare. Große, blicklos zu uns emporstarrende Augen. Es ist Thatcher Montgomery. Und er ist tot.” (Zitat S.43) Nur eine Wiederholung taucht leider viel zu oft auf, wie Addie Fionas Halskette, die sie an sich genommen hat, immer wieder berührt. Das Stilmittel dahinter — dass sie in dem Moment an ihre Schwester denkt — ist klar, aber die Häufigkeit (gefühlt alle 3–5 Seiten) ist viel zu extrem. Die Spannung ist wellenförmig bis stark. Die Kapitel enden meist mit Cliffhangern. Immer mehr Geheimnisse werden gelüftet, neue Details kommen ans Tageslicht. Auch die Andeutungen zu Beginn, wenn man die Zusammenhänge noch nicht ganz durchschaut, sorgen für Spannung. Warum ist beispielsweise die Mutter abgehauen? Warum ist Gen nicht mehr Addies beste Freundin? Und warum hat sich Fiona in letzter Zeit so verändert? Nach dem Täter oder der Täterin darf man fleißig miträtseln. Auch ein Romance-Anteil kommt in “Dead Girls Don’t Dance” nicht zu kurz. “Als ich seinem Blick begegne, rast mir ein Kribbeln über den Rücken. Daran darf ich jetzt nicht denken. Ja, ich fühle mich zu Seth hingezogen. Vielleicht war es schon
immer so, vielleicht wird es immer so bleiben. Aber als ich mir zuletzt gestatt habe, diesen Weg zu beschreiten, ist meine Schwester gestorben. Seth und ich hat in unserer Kindheit eine Hassliebe verbunden, auf die später ein One-Night-Stand gefolgt ist, und jetzt ermitteln wir zusammen. Mehr nicht.” (Zitat S.108) Das typische Enemies-to-Lovers sorgt dabei für knisternde Spannung zwischen den beiden Hauptfiguren. Am Endes des Buches wird es ordentlich dramatisch, bevor die Geschichte in einem stimmigen Finale ihren Abschluss findet.
Dir hat das Buch von M K Pagano gefallen? Leider hat sie bisher noch kein weiteres Buch veröffentlicht (und ist es auch noch nichts im Englischen angekündigt). Du möchtest Thriller lesen, in denen die Schwester verschwunden/ermordet wurde? Dann greif zu folgenden Büchern: “Sadie. Stirbt sie, wird niemand die Wahrheit erfahren” von Courtney Summers, “Soul Beach: Frostiges Paradies” von Kate Harrison (mit einem Touch Mystery) und “Falsche Schwestern” von Cat Clarke. Richtig klasse fand ich auch “Searching Lucy” von Christina Stein und “Murder between Friends” von Liv Lawson. Oder lies das noch relativ neue “A Lesson in Murder” von Celine Leonora. Ansonsten sind auch die Bücher von Karen M. McManus und von Holly Jackson eine sehr gute Alternative. Kleinstadtsetting, ein Mord und Jugendliche, die diesen aufzuklären versuchen.
Bibliografische Angaben:Verlag: ONE ISBN: 978-3-8466-0303-1 Erscheinungsdatum: 1.Juni 2026 Einbandart: Broschur Ausstattung: Erstauflage mit Farbschnitt Preis: 15,00€ Seitenzahl: 432 Übersetzer*in: Michael Krug Originaltitel: "Girls Who Burn" Originalverlag: Nancy Paulsen Books Amerikanisches Originalcover:
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(4,5 von 5 möglichen Punkten)
---------------------------------------------- Amerikanisches Cover: Homepage von M K Pagano


Verlag: ONE
ISBN: 978-3-8466-0303-1
Erscheinungsdatum: 1.Juni 2026
Einbandart: Broschur
Ausstattung: Erstauflage mit Farbschnitt
Preis: 15,00€
Seitenzahl: 432
Übersetzer*in: Michael Krug
Originaltitel: "Girls Who Burn"
Originalverlag: Nancy Paulsen Books
Amerikanisches Originalcover:
