M K Pagano — Dead Girls Don’t Dance

26.Juli 2026

Dead Girls Don’t Dance” ist das Debüt der ame­ri­ka­ni­schen Autorin M K Paga­no. Ein Thril­ler über ein Mäd­chen, deren Schwes­ter in einer Schlucht im Wald töd­lich ums Leben kam. Wäh­rend die Poli­zei das Gan­ze als Unfall ein­stuft, glaubt Addie jedoch nicht dar­an. Ihre Schwes­ter hat­te eine gla­mou­rö­se Kar­rie­re als Bal­le­ri­na vor sich, sie wäre nie­mals ein­fach so gestürzt. Sie hat die rei­che Mont­go­me­ry-Fami­lie im Ver­dacht, genau­er gesagt That­cher, der in Fio­na ver­liebt war und zuvor mit ihr einen hef­ti­gen Streit hat­te. Doch die Poli­zei geht ihrem Ver­dacht nicht wirk­lich nach und so beschließt Addie selbst zu ermit­teln. Aber dann wird That­cher eben­falls tot in der Schlucht auf­ge­fun­den. Zusam­men mit des­sen Cou­sin Seth, mit dem sie eine Art Hass-Lie­be ver­bin­det, ver­sucht Addie den wah­ren Täter zu fin­den und begibt sich dabei in gro­ße Gefahr… Ein tem­po­reich erzähl­ter Thril­ler, in dem immer mehr Geheim­nis­se ans Licht kom­men. Rich­tig schön span­nend und mit­rei­ßend! Für Jugend­li­che ab 14 Jah­ren und inter­es­sier­te Erwachsene.

Addies ein Jahr älte­re Schwes­ter Fio­na ist ums Leben gekom­men. In der Schlucht im Wald in der Nähe ihres Hau­ses. Die Poli­zei hat den Fall zu den Akten gelegt. Angeb­lich nur ein Unfall. Aber das kann Addie nicht glau­ben. Sie hat That­cher, den rei­chen Nach­bars­jun­gen in Ver­dacht, der in Fio­na ver­liebt war und kurz vor ihrem Tod Kasimiraeinen hef­ti­gen Streit mit ihr hat­te. “Ich habe der Poli­zei mei­ne Ver­mu­tung mit­ge­teilt. Wie­der und wie­der. Und die Behör­den haben nicht das Gerings­te unter­nom­men. That­cher ist an sei­ne Schu­le in Eng­land zurück­ge­kehrt. Der Name sei­ner Fami­lie und sein Geld schüt­zen ihn. Nie­mand wur­de je ver­haf­tet. Man hat Fion­as Tod als Unfall oder mög­li­chen Selbst­mord ein­ge­stuft. Nie­mand woll­te mir zuhö­ren, ganz gleich, wie laut ich war.” (Zitat aus “Dead Girls Don’t Dance” S.13) Addie kennt die Fami­lie Mont­go­me­ry schon seit sie ein Kind ist. Die Fami­lie ist nur in den Som­mer­mo­na­ten in der Stadt. “Als wir klein waren, haben Fio­na und ich für den Som­mer gelebt. Beim Lau­fen durch das Gewirr der Wäl­der, die unser Haus von dem der Mont­go­me­rys tren­nen, sind wir der Fami­lie zum ers­ten Mal begeg­net. That­cher war zwei Jah­re älter als Fio­na, wäh­rend sei­ne Schwes­ter Kend­all und ihr Cou­sin Seth bei­de in ihrem Alter waren. […] Und die Som­mer wur­den gleich­be­deu­tend mit den Mont­go­me­rys — Fan­gen spie­len in den Wäl­den zwi­schen unse­ren Häu­sern, Arsch­bom­ben in ihren rie­si­gen Swim­ming­pool.” (Zitat S.14) Addie Kasimiraver­misst ihre gro­ße Schwes­ter. Die­se war immer für sie da. War nicht nur ihre Schwes­ter, son­dern zugleich auch ihre Freun­din. Nach­dem ihre Mut­ter die Fami­lie ver­las­sen hat, haben die zwei Mäd­chen immer zusam­men­ge­hal­ten. Fio­na hat­te eine gro­ße Kar­rie­re vor sich. Wenn sie nicht gestor­ben wäre, wäre sie auf die Ame­ri­can Bal­lett Aca­de­my gegan­gen. Des­halb kann sich Addie auch nicht vor­stel­len, dass Fio­na sich frei­wil­lig das Leben genom­men haben soll. “Mei­ne Schwes­ter ist tot, und jemand muss dafür zur Rechen­schaft gezo­gen wer­den. Und die­ser Jemand ist That­cher. Jetzt muss ich nur noch ein Geständ­nis aus ihm her­aus­be­kom­men.” (Zitat S.19) Des­halb will sie jetzt selbst den Fall auf­lö­sen, wenn die Poli­zei schon nichts unter­nimmt. Dabei gerät sie wie­der mit Seth anein­an­der, dem Cou­sin von That­cher. Eine Hass­lie­be ver­bin­det die bei­den. “Seth und ich sind nie bes­te Freun­de gewe­sen. Aber wir ken­nen ein­an­der so, wie es nur zwei Men­schen kön­nen, die gro­ße Tei­le ihrer Kind­heit zusam­men ver­bracht haben. Seit ich fünf Jah­re alt war, sind wir jeden Som­mer zusam­men gewe­sen. Nur wäh­rend der Schul­jah­re haben wir nie mit­ein­an­der gespro­chen. Als Kin­der haben wir über alles Mög­li­che gestrit­ten und gegen­ein­an­der kon­kur­riert” (Zitat S.56) In der ach­ten Klas­se haben sie sich das ers­te Mal geküsst. “Am nächs­ten Tag taten wir so, als wäre es nie pas­siert.” (Zitat S.57) In den ver­gan­ge­nen Som­mern haben sie jedoch immer wie­der heim­lich im Wald geknutscht. Bis zu jener Nacht, in der Fio­na starb. Gebt doch ein­fach zu, dass ihr ver­liebt seid, mein­te sie ein­mal zu mir. Ich for­der­te sie auf, das Wort nie wie­der im Zusam­men­hang mit Seth und mir zu ver­wen­den. Auf die­se Wei­se könn­te er mich nie wirk­lich mögen. Es war ledig­lich etwas für den Som­mer. Ein Zeit­ver­treib. Mehr konn­te dar­aus nie­mals wer­den. Als Jere­my und ich in der elf­ten Klas­se ein rich­ti­ges Paar wur­den, beschloss ich, mir Seth und sei­ne Küs­se ein für alle Mal aus dem Kopf zu schla­gen.” (Zitat S.57) Unwei­ger­lich kommt Addie bei ihren Ermitt­lun­gen Seth wie­der näher und dem wah­ren Täter. Denn als auch That­cher in der Schlucht ums Leben kommt, ist klar, dass Addie mit ihrem Ver­dacht falsch lag…

Der Titel klingt ein wenig nach “Tote Mäd­chen lügen nicht”, soll die glei­che Ziel­grup­pe errei­chen, hat aber außer der Tat­sa­che, dass Fio­na Bal­lett tanzt, kei­ne wirk­li­che Bedeu­tung inner­halb des Buches. Das Cover wirkt auf­fäl­lig und geheim­nis­voll. Der Thril­ler star­tet gleich mit einem Pau­ken­schlag. Bereits die ers­ten Sät­ze zie­hen mit­ten ins Gesche­hen: “Als ich mei­ne Schwes­ter das letz­te Mal lebend sah, habe ich ihr gesagt, dass ich sie nicht mehr lie­be. Nicht exakt mit die­sen Wor­ten. Ich habe nicht gesagt: “Fio­na, ich lie­be dich nicht mehr”. Statt­des­sen habe ich ihr hin­ter­her­ge­ru­fen: “Du bist nicht bes­ser als Mom!”, als sie von mir weg­ging. Aller­dings läuft das in unse­rer Fami­lie auf das­sel­be hin­aus.” (Zitat S.7) Die Geschich­te ist durch­ge­hend in der Ich-Per­spek­ti­ve aus Addies Sicht geschrie­ben. Eine Figur mit Ecken und Kan­ten, in die man sich aber gut ein­füh­len kann. Die Spra­che in “Dead Girls Don’t Dance” ist sehr flüs­sig. Teils sind die Sät­ze etwas kür­zer geschrie­ben und sor­gen daher für ein tem­po­rei­ches, schnel­les Vor­an­kom­men im Text. “Zuerst ergibt das, was ich sehe, kei­nen Sinn für mich. Lan­ge Bei­ne in einer kha­ki­far­be­nen Hose, unna­tür­lich ver­renkt. Halb­schu­he. Ein Hemd, das im Mond­licht silb­rig blau wirkt. Ein Schopf brau­ner Haa­re. Gro­ße, blick­los zu uns empor­star­ren­de Augen. Es ist That­cher Mont­go­me­ry. Und er ist tot.” (Zitat S.43) Nur eine Wie­der­ho­lung taucht lei­der viel zu oft auf, wie Addie Fion­as Hals­ket­te, die sie an sich genom­men hat, immer wie­der berührt. Das Stil­mit­tel dahin­ter — dass sie in dem Moment an ihre Schwes­ter denkt — ist klar, aber die Häu­fig­keit (gefühlt alle 3–5 Sei­ten) ist viel zu extrem. Die Span­nung ist wel­len­för­mig bis stark. Die Kapi­tel enden meist mit Cliff­han­gern. Immer mehr Geheim­nis­se wer­den gelüf­tet, neue Details kom­men ans Tages­licht. Auch die Andeu­tun­gen zu Beginn, wenn man die Zusam­men­hän­ge noch nicht ganz durch­schaut, sor­gen für Span­nung. War­um ist bei­spiels­wei­se die Mut­ter abge­hau­en? War­um ist Gen nicht mehr Addies bes­te Freun­din? Und war­um hat sich Fio­na in letz­ter Zeit so ver­än­dert? Nach dem Täter oder der Täte­rin darf man flei­ßig mit­rät­seln. Auch ein Romance-Anteil kommt in “Dead Girls Don’t Dance” nicht zu kurz. “Als ich sei­nem Blick begeg­ne, rast mir ein Krib­beln über den Rücken. Dar­an darf ich jetzt nicht den­ken. Ja, ich füh­le mich zu Seth hin­ge­zo­gen. Viel­leicht war es schon immer so, viel­leicht wird es immer so blei­ben. Aber als ich mir zuletzt gestatt habe, die­sen Weg zu beschrei­ten, ist mei­ne Schwes­ter gestor­ben. Seth und ich hat in unse­rer Kind­heit eine Hass­lie­be ver­bun­den, auf die spä­ter ein One-Night-Stand gefolgt ist, und jetzt ermit­teln wir zusam­men. Mehr nicht.” (Zitat S.108) Das typi­sche Enemies-to-Lovers sorgt dabei für knis­tern­de Span­nung zwi­schen den bei­den Haupt­fi­gu­ren. Am Endes des Buches wird es ordent­lich dra­ma­tisch, bevor die Geschich­te in einem stim­mi­gen Fina­le ihren Abschluss findet.

LesealternativenDir hat das Buch von M K Paga­no gefal­len? Lei­der hat sie bis­her noch kein wei­te­res Buch ver­öf­fent­licht (und ist es auch noch nichts im Eng­li­schen ange­kün­digt). Du möch­test Thril­ler lesen, in denen die Schwes­ter verschwunden/ermordet wur­de? Dann greif zu fol­gen­den Büchern: “Sadie. Stirbt sie, wird nie­mand die Wahr­heit erfah­ren” von Court­ney Sum­mers, “Soul Beach: Fros­ti­ges Para­dies” von Kate Har­ri­son (mit einem Touch Mys­tery) und “Fal­sche Schwes­tern” von Cat Clar­ke. Rich­tig klas­se fand ich auch “Sear­ching Lucy” von Chris­ti­na Stein und “Mur­der bet­ween Fri­ends” von Liv Law­son. Oder lies das noch rela­tiv neue “A Les­son in Mur­der” von Celi­ne Leo­no­ra. Ansons­ten sind auch die Bücher von Karen M. McMa­nus und von Hol­ly Jack­son eine sehr gute Alter­na­ti­ve. Klein­stadt­set­ting, ein Mord und Jugend­li­che, die die­sen auf­zu­klä­ren versuchen.

Bibliografische Angaben:
Schilder was wo wer wannVerlag: ONE
ISBN: 978-3-8466-0303-1
Erscheinungsdatum: 1.Juni 2026
Einbandart: Broschur
Ausstattung: Erstauflage mit Farbschnitt
Preis: 15,00€
Seitenzahl: 432
Übersetzer*in: Michael Krug
Originaltitel: "Girls Who Burn"
Originalverlag: Nancy Paulsen Books

Amerikanisches Originalcover:




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Kasimiras Bewertung:

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(4,5 von 5 mög­li­chen Punkten)

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Amerikanisches Cover: Homepage von M K Pagano

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