“Sieben” ist ein Thriller der britischen Autorin mit den italienischen Wurzeln M.A. Bennett (ausgeschrieben Marina Fiorato). Über einen Jugendlichen, der jahrelang von seinen Mitschülern gemobbt wurde und bei einem Flugzeugabsturz mit genau jenen Schülern auf einer verlassenen Insel landet. Doch dann kehren sich die Verhältnisse plötzlich um. Eine abenteuerliche und spannende Geschichte über Gruppendynamiken, Macht und den Kampf ums Überleben. Eine moderne Version von “Herr der Fliegen”. Toll besonders für Jungs. Jetzt neu als Taschenbuch erschienen. Für Jugendliche ab 14 Jahren und interessierte Erwachsene.
Der 16-jährige Lincoln, benannt nach dem amerikanischen Präsidenten, hat eine 3‑jährige Tortur hinter sich. Er, der Sohn zweier Wissenschaftler, die an einer Universität in Oxford dozieren, hatte in seiner Kindheit bisher das Glück gehabt, von seinen Eltern zu Hause Schulunterricht zu bekommen. “Das war das Tolle daran, zu Hause unterrichtet zu werden. Es gab keine Struktur. Wenn ich gerade dabei war, etwas im Garten zu erfinden, ließen sie mich einfach machen, bis es dunkel war, dass ich nichts mehr erkennen konnte. Wenn ich in ein Buch versunken war, das mich interessierte, ließen sie mich weiterlesen” (Zitat aus “Sieben: Spiel ohne Regeln” S.16) Doch dann — als Lincoln 13 Jahre alt war — entschieden seine Eltern, dass er nun doch besser zur Schule gehen sollte. Um soziale Kontakte einzugehen und eine noch bessere Ausbildung zu bekommen. “Und dann sagte mein Dad etwas, an das ich
in Zukunft noch sehr oft denken sollte: “Niemand ist eine Insel ganz für sich allein” (Zitat S.19) Aber anstatt Anschluss zu erhalten, landet er auf einer Privatschule, auf der vor allem Sport im Vordergrund steht und die mit manch ungewöhnlichen Traditionen aufwartet. So hat man zu Beginn einen Lauf in einem quadratischen Feld zu bestehen, der über die Einordnung in die Schulhierarchie entscheidet. Je länger man dafür braucht, desto tiefer fällt man sozusagen. Lincoln hingegen versagt hierbei völlig, als er stolpert und die schlechteste Zeit aller Zeiten abliefert. Ab sofort ist der absolute Außenseiter, wird wie ein Sklave zuweilen behandelt und muss ständig Botengänge für andere Schüler erledigen, vor allem für den schulbesten Läufer Loam. Doch zu Hause will er von dem Mobbing nichts erzählen. “Es war der einzige Ort, an dem ich mich wie der wichtigste Mensch fühlte, nicht wie der letzte. Mein Zuhause war meine Flucht vor Sklaverei und Unterdrückung.” (Zitat S.58) Lincoln will dafür aber früher von der Schule abgehen. Nach drei Jahren lassen sich seine Eltern auf einem Deal ein: wenn er das Sommercamp der Schule noch mitmacht, darf er danach eben diesen
Ort des Horrors verlassen. Nicht gerechnet hat Lincoln jedoch damit, dass das Flugzeug, das sie dort hinbringt, abstürzen und er auf einer kleinen, tropischen Insel wieder erwachen würde: “Ich blickte mich um. Ich war auf einer bilderbuchartigen SpongeBob-Insel gelandet, mit Palmen, türkisfarbenem Meer und blauem Himmel. Eine goldene Sonne brannte von oben auf mich herunter.” (Zitat S.8) Zunächst ist er begeistert diesen Ort der Stille für sich ganz allein zu haben. Eine Insel, auf der er der einzige Überlebende ist. “In dem Moment hätte ich Angst bekommen sollen. Aber ich bekam keine. Fehlanzeige. Stattdessen führte ich einen kleinen Freundentanz auf […]. Meine Klassenkameraden waren tot. Sie waren alle tot. Und das war ein Grund zum Feiern.” (Zitat S.10) Aber seine Klassenkameraden haben überlebt. Alle sechs. Darunter auch Loam. Doch ausgerechnet auf dieser Insel ist Lincolns Nerd-Wissen plötzlich gefragt und die Machtverhältnisse scheinen sich rasch umzudrehen… kann das gut ausgehen?
Das Cover verheißt bereits ein exotisches Abenteuer. Schaut man jedoch genauer hin, kann man auf der Unterseite der Insel die Ahnung eines Totenkopfs erkennen. Am Anfang werden sämtliche Personen aufgelistet mit kurzen Beschreibungen. Der Roman ist in acht Teile eingeteilt und jeder ist mit einem Musikstück betiteln. Dies ist sehr raffiniert gemacht, denn diese Aufmachung bezieht sich auf eine Radiosendung namens “Desert Island Disc”, die Lincoln mit größter Leidenschaft hört. “Bei der Sendung ist jede Woche ein anderer Prominenter zu Gast, der sich vorstellen soll, dass es ihn als Schiffbrüchiger auf eine einsame Insel verschlägt.” (Zitat S.17) Der Gast soll seine acht Lieblingstitel nennen und warum es ausgerechnet diese sind. Dann darf er noch ein Buch und einen Luxusgegenstand benennen, den er auf die Insel mitnehmen würden. Auch Lincoln, der in “Sieben: Spiel ohne Regeln” durchgängig aus der Ich-Perspektive erzählt, fragt seine sechs Mitschüler nach ihren jeweiligen Lieblingsmusikstücken. Die Auswahl derjenigen findet man am Ende des Buches noch einmal aufgelistet. Lincolns prägende Musikstücke zieren jedoch die Überschriften der jeweiligen Teile und kommen auch
inhaltlich in diesen vor. Auch die zahlreichen literarischen Bezüge innerhalb des Romans fand ich sehr faszinierend. So berichtet Lincoln immer wieder von Robinsonade-Büchern, die er gelesen hat und die in der jetzigen Situation nun hilfreich sind. Der Erzählstil des Buches ist sehr angenehm und flüssig. Auch wenn ich die Wandlung von Lincoln zu Beginn etwas zu schnell und für fragwürdig halte, wird es immer spannender und interessanter das Rollengefüge der Jugendlichen zu beobachten. Wie sich die Verhältnisse umkehren und wie Lincoln alles dafür tut, damit dies so bleibt. “Es fiel mir wie Schuppen von den Augen und endlich sah ich ihn so, wie er war. Die Erkenntnis machte mich frei — wie einen Sklaven, dessen Ketten auf einem Amboss zerschmettert werden. Loam war dumm. Außerhalb der Schulhierarchie und seiner vertrauten Sportwelt hatte er null Ahnung.” (Zitat S.112) “Sieben: Spiel ohne Regeln” ist aber vor allem auch ein Abenteuerroman, der besonders Jungs gut gefallen dürfte. Und er zeigt, dass “niemand eine Insel ist”, dass man gemeinsam einfach besser durchs Leben geht als allein. Das Ende hatte ich bereits erahnt, ist aber erzählerisch brillant.
Dir hat “Sieben: Spiel ohne Regeln” gefallen? Dann lies noch den anderen unabhängig voneinander zu lesenden Thriller von M.A.Bennett: “Bloody Weekend”. Ein sehr gute, inhaltliche Alternative ist das bereits erwähnte “Herr der Fliegen” von William Golding. Oder folgende Romane: “Battle Island” von Peter Freund, “Isola” von Isabel Abedi, “Abgründig” und “Schlusstakt” von Arno Strobel oder “Abgründige Geheimnisse” von Lindsay Galvin. Etwas neuer ist “Sandcastle Empire” von Kayla Olson oder (aber etwas dystopischer) “The Grace Year” von Kim Liggett. Ein Buch, das hervorragend die Mechanismen von Macht und Gruppendynamiken in den Mittelpunkt stellt, ist “Staat X: Wir haben die Macht!” von Carolin Wahl.
Bibliografische Angaben:Verlag: Arena ISBN: 978-3-401-51229-7 Erscheinungsdatum: 17.Juni 2021 Einbandart: Taschenbuch Preis: 10,00€ Seitenzahl: 400 Übersetzer: Bea Reiter Originaltitel: "The Island" Originalverlag: Hot Key Books Britisches Originalcover:
Trailer zum Buch (auf Englisch):
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(4,5 von 5 möglichen Punkten)
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Verlag: Arena
ISBN: 978-3-401-51229-7
Erscheinungsdatum: 17.Juni 2021
Einbandart: Taschenbuch
Preis: 10,00€
Seitenzahl: 400
Übersetzer: Bea Reiter
Originaltitel: "The Island"
Originalverlag: Hot Key Books
Britisches Originalcover:
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