Lynette Noni — Prison Healer: Die Schattenheilerin

Kasimira6.April 2022

Pri­son Hea­ler: Die Schat­ten­hei­le­rin” von der aus­tra­li­schen Autorin Lynet­te Noni ist der ers­te Band einer Fan­ta­sy-Tri­lo­gie. Eine Geschich­te über ein Mäd­chen, das im bru­tals­ten Gefäng­nis des Königs­reich Wen­der­all schon seit zehn Jah­ren ums Über­le­ben kämpft und dort als Hei­le­rin arbei­tet. Ein neu­er Insas­se, eine Rebel­len­kö­ni­gin und ein außer­ge­wöhn­li­ches Test­ver­fah­ren, das eigent­lich nicht zu über­le­ben ist, stel­len sie vor neue Her­aus­for­de­run­gen. Ein fes­seln­der, mit­rei­ßen­der Auf­takt. Hier kommt so schnell kei­ne Lang­wei­le auf — tem­po­reich und rich­tig gut erzählt! Der beson­de­re Fan­ta­sy­ro­man für Jugend­li­che ab 14 Jah­ren und für Erwachsene.

Die 17-jäh­ri­ge Kiva lebt schon seit 10 Jah­ren in Zal­in­dov, dem grau­sams­ten Gefäng­nis des König­reichs Wen­der­all. Mit sie­ben Jah­ren kam sie bereits hier­her. Wur­de fest­ge­nom­men, weil ihre Fami­lie angeb­lich mit Rebel­len zu tun hat­te. “Aber selbst ihr jun­ges Alter hat­te sie nicht vor den Grau­sam­kei­ten des Gefäng­nis­le­bens bewah­ren kön­nen. Ihr war klar, dass ihre Atem­zü­ge gezählt waren. Nie­mand über­leb­te Zal­in­dov. Es war ledig­lich eine Fra­ge der Zeit, bis sie all jenen fol­gen wür­de, die schon vor ihr gegan­gen waren.” (Zitat aus “Pri­son Hea­ler: Die Schat­ten­kö­ni­gin” S.19) Wer die har­te Arbeit auf den Fel­dern oder in den Tun­neln zuge­teilt bekommt, hält oft nicht lan­ge durch. Sel­ten mehr als sechs Mona­te, aller­höchs­tens ein Jahr. Doch Kiva hat Glück gehabt. Zuerst durf­te sieKasimira im Auf­nah­me­trakt Klei­dung sor­tie­ren, spä­ter wur­de sie in den Werk­stät­ten für das Waschen und Fli­cken der Uni­for­men der Wär­ter ein­ge­teilt und als sie 12 Jah­re alt wur­de, ver­setz­te man sie in die Kran­ken­sta­ti­on. Dort arbei­tet sie seit­dem als Hei­le­rin, so wie ihr Vater es bereits getan hat und ver­sorgt Ver­letz­te und Kran­ke. Lei­der ist sie auch für die Brand­mar­kung der Inhaf­tier­ten zustän­dig. Muss ihnen ein “Z” auf die Hand rit­zen. “Die Wun­de wür­de ver­hei­len, aber die Nar­be war für die Ewig­keit. […] Ab sofort war er das Eigen­tum Zal­in­dovs und der Metall­reif an sei­nem Hand­ge­lenk kenn­zeich­ne­te ihn als Insas­sen H67L129.” (Zitat S.17) Die Insas­sen bekom­men Num­mern und wer­den nicht beim Namen genannt. So auch der neue Gefan­ge­ne, den Kiva behan­delt. Ein Jun­ge namens Jar­ven, dem sie uner­war­tet näher kommt. Auch ihn muss sie brand­mar­ken. “Wenn sie sich wei­ger­te, wür­de sie damit nie­man­dem einen Gefal­len tun, weder sich selbst noch den neu­en Gefan­ge­nen. Die­se Lek­ti­on hat­te sie früh ler­nen müs­sen und die Nar­ben auf ihrem Rücken erin­ner­ten sie täg­lich dar­an.” (Zitat S.20) Eigent­lich möch­te KasimiraKiva nie­man­den an sich her­an­kom­men las­sen. Freund­schaf­ten zu schlie­ßen, das wür­de sie nur angreif­bar und ver­letz­lich machen. Immer wie­der tref­fen gehei­me Nach­rich­ten ihrer Fami­lie bei ihr ein. Ihre Fami­lie, die schreibt, dass es ihnen gut geht. Dass Kiva am Leben blei­ben soll und dass sie bald kom­men wer­den. Aber die­se meist ähn­li­chen Nach­rich­ten bekommt Kiva schon seit Jah­ren. Bis­her ist nichts pas­siert. Als uner­war­tet eine neue Insas­sin in Zal­in­dov ein­trifft, Til­da, die soge­nann­te “Rebel­len­kö­ni­gin”, erhält Kiva jedoch auf ein­mal eine ganz neue Nach­richt: “Lass sie nicht ster­ben.” Doch das wird Til­da unwei­ger­lich. Denn sie ist schwer krank und soll den­noch an einer Ele­men­tar­prü­fung teil­neh­men. “Das Urteil umfasst vier Prü­fun­gen, anhand derer über die Schuld oder Unschuld des Ange­klag­ten ent­schie­den wird. Sie rich­ten sich nach den vier Ele­men­ten: Luft, Feu­er, Was­ser und Erde.” (Zitat S.95) Kur­zer­hand nimmt Kiva frei­wil­lig Til­das Platz ein, damit die Frau, die sich nicht ein­mal auf dem Bei­nen hal­ten kann, zumin­dest eine gerin­ge Chan­ce hat, zu bestehen. Denn wenn sie Kasimirabesteht, kom­men Til­da und sie bei­de frei. Doch die vier Prü­fun­gen hat noch nie jemand über­lebt. Eigent­lich glei­chen sie einem Todes­ur­teil. Zugleich hofft Kiva tag­täg­lich, dass ihre Fami­lie kommt, um sie aus dem Gefäng­nis zu befrei­en. Ein Wett­lauf gegen die Zeit beginnt. Denn wenn Kiva die Prü­fun­gen nicht meis­tert, wer­den sie bei­de sterben…

Das Cover wirkt geheim­nis­voll und über­aus pas­send zu Titel und Inhalt. Geschrie­ben ist der Fan­ta­sy­ro­man durch­ge­hend in per­so­na­ler Erzähl­wei­se aus Kivas Sicht. Bereits der ers­te Satz des Pro­logs lässt eine unheil­vol­le Stim­mung ent­ste­hen: “Der Tod kam mit der Däm­me­rung.” (Zitat S.11) und kenn­zeich­net den Zeit­ab­schnitt vor Zal­in­dov, den Tag der Fest­nah­me. Ein Mäd­chen (Kiva) pflückt mit ihrem Bru­der und ihrem Vater Bee­ren am Fluss­ufer, als plötz­lich in wei­ter Fer­ne Schreie ertö­nen, die Mut­ter sie zum Weg­ren­nen auf­for­dert, aber sie schon von Sol­da­ten über­rascht wer­den. Der Haupt­teil setzt 10 Jah­re spä­ter ein. Kiva ist Kasimiramitt­ler­wei­le 17 Jah­re alt und der Gefäng­nis­all­tag nor­mal für sie gewor­den. Das Set­ting mit dem Gefäng­nis ist in “Pri­son Hea­ler: Die Schat­ten­hei­le­rin” höchst fas­zi­nie­rend. Ein Mäd­chen, das unschul­dig gefan­gen genom­men wur­de und sich nach Frei­heit sehnt: “Irgend­wann wür­de sie wie­der bei ihrer Fami­lie sein. Irgend­wann wür­de sie Zal­in­dov ent­flie­hen, wür­de frei sein. Seit zehn Jah­ren war­te­te sie auf die­sen Tag. Doch mit jeder Woche, die ver­ging, schwand ihre Hoff­nung ein wenig mehr.” (Zitat S.26) Am Anfang fin­det man nicht nur eine gezeich­ne­te Kar­te des Gefäng­nis­ses mit sämt­li­chen Ört­lich­kei­ten, die anhand einer num­me­rier­ten Legen­de zu erken­nen sind, son­dern auch eine Land­kar­te des König­reichs mit der genau­en Lage von Zal­in­dov: “Zal­in­dov lag weit nörd­lich von Eva­lon, kurz vor der Gren­ze zu Mir­ra­ven und Cara­mor. Es war von kei­nem der acht König­rei­che Wen­der­alls aus leicht zu errei­chen. Den­noch wur­den unlieb­sa­me Bür­ger aus jeder Ecke des Kon­ti­nents hier­her­ge­karrt. Nie­mand scher­te sich dar­um, ob sie die Rei­se über­leb­ten.Kasimira (Zitat S.28) Stel­len­wei­se ist der Roman schon recht bru­tal, hier muss soll­te man schon nicht all­zu zart besai­tet sein, auch wenn vie­les nur ange­deu­tet wird. “Sie wei­ger­te sich, auf die Brand­wun­den an ihrem Arm hin­un­ter­zu­se­hen, wei­ger­te sich, die Erin­ne­rung dar­an auf­zu­fri­schen, wie ein paar Wär­ter sich einen Spaß dar­aus gemacht hat­ten, sie zu quä­len. Es war nicht das ers­te Mal gewe­sen. Und auch nicht das schlimms­te.” (Zitat S.37) Neben Miss­hand­lun­gen wer­den auch Ver­ge­wal­ti­gun­gen erwähnt und am Ende gibt es eine Fol­ter­sze­ne, die aus­führ­li­cher beschrie­ben wird. Sprach­lich ist der Roman sehr flüs­sig und mit­rei­ßend geschrie­ben. Beson­ders der Anfang des Buches gefiel mir erzäh­le­risch total gut. Es pas­siert stän­dig etwas und in Kivas All­tag zu bli­cken, ihre Sor­gen und Ängs­te mit­zu­er­le­ben, liest sich äußerst span­nend: “Kiva war­te­te, bis sie sich sicher war, allein zu sein, und mach­te sich dann mit raschen, geüb­ten Bewe­gun­gen ans Werk. Trotz­dem spä­te sie immer wie­der ner­vös Rich­tung Tür. Denn soll­te sie erwischt wer­den, wür­de das ihren Tod bedeu­tenKasimira, des­sen war sie sich nur zu bewusst.” (Zitat S.24) Eben­so der medi­zi­ni­sche Aspekt des Buches ist sehr inter­es­sant. Es scheint ein Virus in dem Gefäng­nis aus­ge­bro­chen zu sein, dem Kiva unbe­dingt nach­ge­hen will, weil immer mehr Men­schen ster­ben und nichts zu hel­fen scheint. In der Mit­te des Buches ver­liert die Geschich­te manch­mal etwas an Tem­po. Dies ändert sich gegen Ende jedoch wie­der extrem und man klebt förm­lich an den letz­ten Sei­ten, die noch ein­mal eine über­ra­schen­de Wen­dung beinhal­ten. Die letz­ten Sät­ze — ein Pau­ken­schlag, meis­ter­lich erzählt! Hier kommt größ­te Vor­freu­de auf den zwei­ten Band auf! Denn mit dem Wis­sen, das man am Ende die­ses ers­ten Teils erhält, gibt es nun so eini­ge Din­ge, die noch geklärt wer­den müs­sen. Auch die sich ent­wi­ckeln­de, wirk­lich nur sehr dezent ange­deu­te­te Lie­bes­ge­schich­te war­tet auf eine Fortsetzung.

Du willst wis­sen wie es mit “Pri­son Hea­ler” wei­ter­geht? Band 2 ist bis­her nur im Eng­li­schen erhält­lich: “Pri­son Hea­ler: The Gil­ded Cage”, könn­te im DeutsLesealternativenchen mit “Pri­son Hea­ler: Der gol­de­ne Käfig” über­setzt wer­den, hier­für ist aber noch kein Erschei­nungs­da­tum bekannt. Band 3 heißt im Eng­li­schen “Pri­son Hea­ler: The Blood Trai­tor” und erscheint im Juni 2022, auf Deutsch könn­te das Buch “Pri­son Hea­ler: Der Bluts­ver­rä­ter” hei­ßen. Dir gefällt Lynet­te Nonis Erzähl­stil? Dann lies noch ihre zwei­bän­di­ge “Pro­ject Jane”-Rei­he: “Pro­ject Jane: Ein Wort ver­än­dert die Welt” (Band 1) und “Pro­ject Jane: Die Macht der Gedan­ken” (Band 2). Alter­na­ti­ven zu “Pri­son Hea­ler” gesucht? Hier könn­te ich mir die “Eli­as & Laia”-Rei­he von Sabaa Tahir oder die “Thro­ne of Glass”-Rei­he von Sarah J. Maas vor­stel­len. In einem Gefäng­nis spie­len zum Bei­spiel auch die­se Bücher: die “The Loop”-Rei­he von Ben Oli­ver, “Marthas Wider­stand” von Ker­ry Dre­we­ry und “Lifers: Es gibt kein Ent­kom­men” von M.A.Griffin. Die Prü­fun­gen, die die Prot­ago­nis­tin zu bestehen hat, haben mich auch an “Die Aus­le­se: Nur die Bes­ten über­le­ben” von Joel­le Char­bon­ne­au erinnert.

Bibliografische Angaben:
Schilder was wo wer wannVerlag: Loewe
ISBN: 978-3-7432-0986-2
Erscheinungsdatum: 9.Februar 2022
Einbandart: Hardcover
Preis: 19,95€
Seitenzahl: 528
Übersetzer: Sandra Knuffinke, Jessika Komina
Originaltitel: "Prison healer"
Originalverlag: Houghton Mifflin

Australisches Originalcover: 
Kasimira











Trailer zum Buch (auf Englisch):
 
Deutsche Hörprobe:

Kasimira auf Instagram:

Kasimira

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Kasimiras Bewertung:

110_F_27090275_P62H5g5rleoKRt9aFRaJyhqsJOmrgqsw 110_F_27090275_P62H5g5rleoKRt9aFRaJyhqsJOmrgqsw110_F_27090275_P62H5g5rleoKRt9aFRaJyhqsJOmrgqsw110_F_27090275_P62H5g5rleoKRt9aFRaJyhqsJOmrgqsw110_F_27090275_P62H5g5rleoKRt9aFRaJyhqsJOmrgqsw

(5 von 5 mög­li­chen Punkten)

--------------------------------------------
Australisches Cover: Homepage von Lynette Noni

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.