“1000 gute Gründe oder: Wie ein Glückskeks mein Leben veränderte” ist ein Roman der deutschen Autorin Lucy Astner. Sie stellt ein junges Mädchen namens Milou in dem Mittelpunkt, deren Leben völlig auf den Kopf gestellt wird, als ihre geliebte Oma überraschend stirbt. Ihre Oma, die ihr jeden Tag einen selbstgebackenen Glückskeks in die Pausenbrotdose legte und mit deren Botschaften sie ihren tristen Alltag überstehen konnte. Doch was ist jetzt? Ohne Oma, ohne kluge Weisheiten? Als eines Tages plötzlich wieder einer von Omas Glückskeksen vor der Tür liegt, kann Milou es kaum fassen. Sind das Botschaften aus dem Jenseits? Eine Geschichte über die Verarbeitung von Trauer, über das Schöpfen von neuem Lebensmut und die Suche nach Glücksmomenten im Alltag. Ein sehr ergreifendes und schön erzähltes Buch, das an “Wie viel Leben passt in eine Tüte?” erinnert und Mut macht seinen eigenen Platz im Leben zu finden. Für Jugendliche ab 11 Jahren und interessierte Erwachsene.
Die 12-jährige Milou ist nicht besonders glücklich. Über die ständigen Veränderungen in ihrem Leben, dem Umzug in eine neue Stadt, der wenigen Zeit, die ihre berufstätigen Eltern für sie haben und den Anschluss, den sie in der Schule kaum findet. Das einzig Positive ist, dass sie ihre Oma Anni jetzt öfters sehen kann. Diese wohnt gleich nebenan und backt regelmäßig Glückskekse für ihre Enkelin. “Seit sie vor einem Jahr in die neue Stadt gezogen waren, waren Omas Glückskekse Milous einziger Rettungsanker und Lichtblick im grauen Schulalltag. Überhaupt war Oma Anni der einzige Grund, warum Milou ihren Kopf nicht schon längst in einer feuchten Sandgrube verbuddelt hatte, um nie wieder daraus aufzutauchen.” (Zitat aus “1000 Gründe” S.14ff) Ihre Oma hat eigentlich immer einen klugen Spruch parat und verwöhnt sie mit
allerlei Selbstgebackenem. Und wenn Milou in der Schule mal geärgert wird von ihren Mitschülern, dann sind es die Glückskekse, die sie wieder aufmuntern. “Ihre Großmutter backte die knusprigen Teigtäschen nach einem alten Geheimrezept, das sie sicher in ihrem Kopf verwahrte. Wirklich einzigartig wurden die Kekse allerdings erst durch die kleinen Botschaften, die Anni für ihre Enkelin hineinlegte. Tag um Tag, Woche um Woche fand Oma Anni immer aufs Neue genau die richtigen Worte, um Milou aufzuheitern” (Zitat S.15) Jeden Tag hat Milou einen Glückskeks in ihrer Brotdose. Doch dann stirbt ihre Oma überraschend an einem Herzinfarkt und für das Mädchen bricht eine Welt zusammen. Sie schließt sich in ihrem Zimmer ein und will am liebsten gar nicht mehr herauskommen. “Sie wird sich schon wieder beruhigen und von ganz alleine herauskommen, wenn sie die Sache verdaut hat.” Aber Mama irrte sich, Milou hatte nicht vor, ihr Zimmer jemals wieder zu verlassen. Wozu auch? Oma Anni war tot. T
ot, tot, tot.” (Zitat S.74) Was soll Milou denn jetzt ohne ihre Oma machen? Ihren einzigen Halt im Leben? Die einzige Person, die sie immer verstand und auf ihrer Seite war. “Mit einem Mal schnürte sich Milou die Kehle zu. Oma Anni würde nie wieder für sie backen. Sie würde nie wieder Marmelade kochen — und viel schlimmer noch: Milou würde nie wieder einen Glückskeks von Oma bekommen. Diese Erkenntnis traf sie wie ein Schlag, und der Schmerz, der sich nun in ihre Brust bohrte, war unbeschreiblich.” (Zitat S.80) Umso überraschter ist Milou, als sie eines Tages einen Glückskeks vor ihrer Tür findet. Er ist eindeutig von ihrer Oma. Der Zettel darin trägt ihre Handschrift! Sie soll morgen um 11Uhr an einen bestimmten Ort gehen. Sind das Botschaften aus dem Jenseits? Milou beschließt ihr Zimmer nun doch zu verlassen und sich auf die Suche zu machen…
Das Cover ist bunt und frech und auffallend. Turbulent und anders, genauso wie auch “1000 gute Gründe” herüberkommt. Mit einer Protagonistin, die einen schön humorvollen Unterton beim Erzählen besitzt: “Natürlich konnte man sich darüber freuen, den ganzen Vormittag in kurzen Hosen und bei schönstem Sonnenschein über den Hartplatz zu hetzen, in übergroße Sandkisten zu springen und kleine schwere Bälle zu werfen — aber doch nur, wenn man Freude an Bewegung hatte und zumindest einen Funken Talent! Milou aber hatte weder das eine noch das andere. Um genauer zu sein, war sie nicht viel sportlicher als ein nasser Sandsack.” (Zitat S.10) Der Roman ist durchgehend in personaler Erzählperspektive und aus Milous Sicht geschrieben. Ein Mädchen, das eigentlich nur dazugehören möchte und von ihren Mitschülern aufgrund ihrer Unsportlichkeit schikaniert wird. Doch nicht nur Mobbing wird in dem Buch thematisiert, auch die Nöte einer
Heranwachsenden und das Gefühl allein zu sein: “Sie steckte in einem Körper fest, der sich völlig fremd anfühlte, und musste sich zu allem Überfluss auch noch mit den fiesen anderen Teenagern in der Schule herumschlagen. Außerdem verbrachten ihre Eltern mehr Zeit mit ihren Jobs als mit ihrer eigenen Tochter. Milou war allein, ja schlimmer noch: Wenn Oma Anni nicht gewesen wäre, wäre sie vermutlich der einsamste Mensch der Welt.” (Zitat S.30ff) Während sich zu Beginn noch viel auf Milous Alltag und ihr Zusammensein mit ihrer Oma konzentriert wird, wird der Tod der Oma erst ab der Hälfte ungefähr behandelt. “Es war, als wäre mit Omas Tod eine Tür in ihr zugefallen, und diese Tür trennte sie von der Außenwelt. Deshalb hatte sie sich auch in ihrem Zimmer eingeschlossen. Es gab schlicht und ergreifend nichts mehr, was sie dazu veranlassen konnte, nach draußen zu gehen. Nichts, was sie noch mit der Welt teilen wollte, und nichts, was die
anderen ihr hätten geben können. Wenn Oma Anni nicht mehr da draußen war, dann musste Milou selbst auch nicht mehr dort sein.” (Zitat S.78) Die Verarbeitung von Trauer ist ein zentraler Punkt in dem Roman. Die Idee mit den Glückskeksen, die immer wieder auftauchen und Milou an Orte und zu gewissen Aufgaben hinlocken, ist ein sehr schönes Mittel. Es macht richtig Spaß das Mädchen auf ihrem Weg, alles zu verarbeiten und ihren Platz im Leben zu finden, zu begleiten. Ihre Wandlung liest sich sehr authentisch und es gibt auch einige humorvolle Momente. Die Szene zum Beispiel mit dem überraschenden Pizzabestellen fand ich überaus gelungen und höchst unterhaltsam;-) Auch wenn man die Auflösung des Urhebers der Glückskekse bereits erahnen kann, löst sich am Ende alles wunderbar in Wohlgefallen auf und man schließt “1000 gute Gründe” mit einem sehr angenehmen Gefühl.
Dir gefällt Lucy Astners Erzählstil? Sie hat noch jede Menge andere Kinderbücher geschrieben. Sie hat noch die “Polly Schlottermotz”-Reihe und die “Schwesterherzen”-Reihe geschrieben. Zwei sehr gute, inhaltliche Alternativen zu “1000 gute Gründe” sind das bereits erwähnte “Wie viel Leben passt in eine Tüte?” von Donna Freitas und “16x zum Himmel und zurück” von Marlies Slegers. Das Thema Sterben und Tod wird auf sehr berührende Art und und Weise auch in diesen Büchern behandelt: “Die wirkliche Wahrheit” von Dan Gemeinhart und “Das Jahr, nachdem die Welt stehen blieb” von Clare Furniss. Vielleicht wäre auch das tolle “What to say next” von Julie Buxbaum etwas für dich.
Bibliografische Angaben:Verlag: Planet! (Thienemann-Esslinger) ISBN: 978-3-522-50740-0 Erscheinungsdatum: 27.Januar 2023 Einbandart: Hardcover Preis: 13,00€ Seitenzahl: 288 Übersetzer: - Originaltitel: - Originalverlag: - Originalcover: -
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Verlag: Planet! (Thienemann-Esslinger)
ISBN: 978-3-522-50740-0
Erscheinungsdatum: 27.Januar 2023
Einbandart: Hardcover
Preis: 13,00€
Seitenzahl: 288
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