Lucy Astner — 1000 gute Gründe oder: Wie ein Glückskeks mein Leben veränderte

24.März 2023

1000 gute Grün­de oder: Wie ein Glücks­keks mein Leben ver­än­der­te” ist ein Roman der deut­schen Autorin Lucy Ast­ner. Sie stellt ein jun­ges Mäd­chen namens Milou in dem Mit­tel­punkt, deren Leben völ­lig auf den Kopf gestellt wird, als ihre gelieb­te Oma über­ra­schend stirbt. Ihre Oma, die ihr jeden Tag einen selbst­ge­ba­cke­nen Glücks­keks in die Pau­sen­brot­do­se leg­te und mit deren Bot­schaf­ten sie ihren tris­ten All­tag über­ste­hen konn­te. Doch was ist jetzt? Ohne Oma, ohne klu­ge Weis­hei­ten? Als eines Tages plötz­lich wie­der einer von Omas Glücks­kek­sen vor der Tür liegt, kann Milou es kaum fas­sen. Sind das Bot­schaf­ten aus dem Jen­seits? Eine Geschich­te über die Ver­ar­bei­tung von Trau­er, über das Schöp­fen von neu­em Lebens­mut und die Suche nach Glücks­mo­men­ten im All­tag. Ein sehr ergrei­fen­des und schön erzähl­tes Buch, das an “Wie viel Leben passt in eine Tüte?” erin­nert und Mut macht sei­nen eige­nen Platz im Leben zu fin­den. Für Jugend­li­che ab 11 Jah­ren und inter­es­sier­te Erwachsene.

Die 12-jäh­ri­ge Milou ist nicht beson­ders glück­lich. Über die stän­di­gen Ver­än­de­run­gen in ihrem Leben, dem Umzug in eine neue Stadt, der weni­gen Zeit, die ihre berufs­tä­ti­gen Eltern für sie haben und den Anschluss, den sie in der Schu­le kaum fin­det. Das ein­zig Posi­ti­ve ist, dass sie ihre Oma Anni jetzt öfters sehen kann. Die­se wohnt gleich neben­an und backt regel­mä­ßig Glücks­kek­se für ihre Enke­lin. “Seit sie vor einem Jahr in die neue Stadt gezo­gen waren, waren Omas Glücks­kek­se Milous ein­zi­ger Ret­tungs­an­ker und Licht­blick im grau­en Schul­all­tag. Über­haupt war Oma Anni der ein­zi­ge Grund, war­um Milou ihren Kopf nicht schon längst in einer feuch­ten Sand­gru­be ver­bud­delt hat­te, um nie wie­der dar­aus auf­zu­tau­chen.” (Zitat aus “1000 Grün­de” S.14ff) Ihre Oma hat eigent­lich immer einen klu­gen Spruch parat und ver­wöhnt sie mit aller­lei Selbst­ge­ba­cke­nem. Und wenn Milou in der Schu­le mal geär­gert wird von ihren Mit­schü­lern, dann sind es die Glücks­kek­se, die sie wie­der auf­mun­tern. “Ihre Groß­mutter back­te die knusp­ri­gen Teig­tä­schen nach einem alten Geheim­re­zept, das sie sicher in ihrem Kopf ver­wahr­te. Wirk­lich ein­zig­ar­tig wur­den die Kek­se aller­dings erst durch die klei­nen Bot­schaf­ten, die Anni für ihre Enke­lin hin­ein­leg­te. Tag um Tag, Woche um Woche fand Oma Anni immer aufs Neue genau die rich­ti­gen Wor­te, um Milou auf­zu­hei­tern” (Zitat S.15) Jeden Tag hat Milou einen Glücks­keks in ihrer Brot­do­se. Doch dann stirbt ihre Oma über­ra­schend an einem Herz­in­farkt und für das Mäd­chen bricht eine Welt zusam­men. Sie schließt sich in ihrem Zim­mer ein und will am liebs­ten gar nicht mehr her­aus­kom­men. “Sie wird sich schon wie­der beru­hi­gen und von ganz allei­ne her­aus­kom­men, wenn sie die Sache ver­daut hat.” Aber Mama irr­te sich, Milou hat­te nicht vor, ihr Zim­mer jemals wie­der zu ver­las­sen. Wozu auch? Oma Anni war tot. TKasimiraot, tot, tot. (Zitat S.74) Was soll Milou denn jetzt ohne ihre Oma machen? Ihren ein­zi­gen Halt im Leben? Die ein­zi­ge Per­son, die sie immer ver­stand und auf ihrer Sei­te war. “Mit einem Mal schnür­te sich Milou die Keh­le zu. Oma Anni wür­de nie wie­der für sie backen. Sie wür­de nie wie­der Mar­me­la­de kochen — und viel schlim­mer noch: Milou wür­de nie wie­der einen Glücks­keks von Oma bekom­men. Die­se Erkennt­nis traf sie wie ein Schlag, und der Schmerz, der sich nun in ihre Brust bohr­te, war unbe­schreib­lich.” (Zitat S.80) Umso über­rasch­ter ist Milou, als sie eines Tages einen Glücks­keks vor ihrer Tür fin­det. Er ist ein­deu­tig von ihrer Oma. Der Zet­tel dar­in trägt ihre Hand­schrift! Sie soll mor­gen um 11Uhr an einen bestimm­ten Ort gehen. Sind das Bot­schaf­ten aus dem Jen­seits? Milou beschließt ihr Zim­mer nun doch zu ver­las­sen und sich auf die Suche zu machen…

KasimiraDas Cover ist bunt und frech und auf­fal­lend. Tur­bu­lent und anders, genau­so wie auch “1000 gute Grün­de” her­über­kommt. Mit einer Prot­ago­nis­tin, die einen schön humor­vol­len Unter­ton beim Erzäh­len besitzt: “Natür­lich konn­te man sich dar­über freu­en, den gan­zen Vor­mit­tag in kur­zen Hosen und bei schöns­tem Son­nen­schein über den Hart­platz zu het­zen, in über­gro­ße Sand­kis­ten zu sprin­gen und klei­ne schwe­re Bäl­le zu wer­fen — aber doch nur, wenn man Freu­de an Bewe­gung hat­te und zumin­dest einen Fun­ken Talent! Milou aber hat­te weder das eine noch das ande­re. Um genau­er zu sein, war sie nicht viel sport­li­cher als ein nas­ser Sand­sack.” (Zitat S.10) Der Roman ist durch­ge­hend in per­so­na­ler Erzähl­per­spek­ti­ve und aus Milous Sicht geschrie­ben. Ein Mäd­chen, das eigent­lich nur dazu­ge­hö­ren möch­te und von ihren Mit­schü­lern auf­grund ihrer Unsport­lich­keit schi­ka­niert wird. Doch nicht nur Mob­bing wird in dem Buch the­ma­ti­siert, auch die Nöte einer Her­an­wach­sen­den und das Gefühl allein zu sein: “Sie steck­te in einem Kör­per fest, der sich völ­lig fremd anfühl­te, und muss­te sich zu allem Über­fluss auch noch mit den fie­sen ande­ren Teen­agern in der Schu­le her­um­schla­gen. Außer­dem ver­brach­ten ihre Eltern mehr Zeit mit ihren Jobs als mit ihrer eige­nen Toch­ter. Milou war allein, ja schlim­mer noch: Wenn Oma Anni nicht gewe­sen wäre, wäre sie ver­mut­lich der ein­sams­te Mensch der Welt.” (Zitat S.30ff) Wäh­rend sich zu Beginn noch viel auf Milous All­tag und ihr Zusam­men­sein mit ihrer Oma kon­zen­triert wird, wird der Tod der Oma erst ab der Hälf­te unge­fähr behan­delt. Es war, als wäre mit Omas Tod eine Tür in ihr zuge­fal­len, und die­se Tür trenn­te sie von der Außen­welt. Des­halb hat­te sie sich auch in ihrem Zim­mer ein­ge­schlos­sen. Es gab schlicht und ergrei­fend nichts mehr, was sie dazu ver­an­las­sen konn­te, nach drau­ßen zu gehen. Nichts, was sie noch mit der Welt tei­len woll­te, und nichts, was die Kasimiraande­ren ihr hät­ten geben kön­nen. Wenn Oma Anni nicht mehr da drau­ßen war, dann muss­te Milou selbst auch nicht mehr dort sein.” (Zitat S.78) Die Ver­ar­bei­tung von Trau­er ist ein zen­tra­ler Punkt in dem Roman. Die Idee mit den Glücks­kek­sen, die immer wie­der auf­tau­chen und Milou an Orte und zu gewis­sen Auf­ga­ben hin­lo­cken, ist ein sehr schö­nes Mit­tel. Es macht rich­tig Spaß das Mäd­chen auf ihrem Weg, alles zu ver­ar­bei­ten und ihren Platz im Leben zu fin­den, zu beglei­ten. Ihre Wand­lung liest sich sehr authen­tisch und es gibt auch eini­ge humor­vol­le Momen­te. Die Sze­ne zum Bei­spiel mit dem über­ra­schen­den Piz­za­be­stel­len fand ich über­aus gelun­gen und höchst unter­halt­sam;-) Auch wenn man die Auf­lö­sung des Urhe­bers der Glücks­kek­se bereits erah­nen kann, löst sich am Ende alles wun­der­bar in Wohl­ge­fal­len auf und man schließt “1000 gute Grün­de” mit einem sehr ange­neh­men Gefühl.

LesealternativenDir gefällt Lucy Ast­ners Erzähl­stil? Sie hat noch jede Men­ge ande­re Kin­der­bü­cher geschrie­ben. Sie hat noch die “Pol­ly Schlot­ter­motz”-Rei­he und die “Schwes­ter­her­zen”-Rei­he geschrie­ben. Zwei sehr gute, inhalt­li­che Alter­na­ti­ven zu “1000 gute Grün­de” sind das bereits erwähn­te “Wie viel Leben passt in eine Tüte?” von Don­na Freitas und “16x zum Him­mel und zurück” von Mar­lies Sle­gers. Das The­ma Ster­ben und Tod wird auf sehr berüh­ren­de Art und und Wei­se auch in die­sen Büchern behan­delt: “Die wirk­li­che Wahr­heit” von Dan Gemein­hart und “Das Jahr, nach­dem die Welt ste­hen blieb” von Cla­re Fur­niss. Viel­leicht wäre auch das tol­le “What to say next” von Julie Bux­baum etwas für dich.

Bibliografische Angaben:
Schilder was wo wer wannVerlag: Planet! (Thienemann-Esslinger)
ISBN: 978-3-522-50740-0
Erscheinungsdatum: 27.Januar 2023
Einbandart: Hardcover
Preis: 13,00€
Seitenzahl: 288
Übersetzer: -
Originaltitel: -
Originalverlag: -
Originalcover: -

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Kasimiras Bewertung:

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(4,5 von 5 mög­li­chen Punkten)

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