Liz Flanagan — Eden Summer

Liz Flanagan Eden Summer3.März 2017

Eden Sum­mer” von der bri­ti­schen Autorin Liz Flana­gan ist ein Roman über Freund­schaft, über das Ver­schwin­den der bes­ten Freun­din und die Zer­brech­lich­keit des Lebens. Eine bewe­gen­de, aber auch sehr dra­ma­tisch erzähl­te Geschich­te. Ein gelun­ge­nes Buch! Für Jugend­li­che ab 14 Jah­ren und inter­es­sier­te Erwach­se­ne.

York­shire. Die 15-jäh­ri­ge Jess und die gleich­alt­ri­ge Eden sind bes­te Freun­din­nen. Schon seit Ewig­kei­ten. Obwohl sie eigent­lich total gegen­sätz­lich sind: “Sie war groß und blond und per­fekt wie ein Model. Ich war klein, mager und blass, mit künst­li­cher Haar­far­be und Pier­cing.” (Zitat S.54 aus “Eden Sum­mer”). Edens Fami­lie ist reich, Jess’ eher mit­tel­stän­dig. Eden ist selbst­be­wusst und intel­li­gent, Jess eher zurück­hal­tend und künst­le­risch begabt. Trotz­dem gehen die Zwei durch Dick und Dünn: “Dank­bar­keit über­flu­te­te mich, fast wäre ich in Trä­nen aus­ge­bro­chen. “Du tust so viel für mich, Eden.” Sie war das gan­ze Jahr lang so gewe­sen. Eden gab mir, was ich brauch­te, schon bevor ich selbst wuss­te, was das war. Als es mir noch so schlecht ging, hat­te sie mir jeden Abend mei­ne Haus­auf­ga­ben vor­bei­ge­bracht, die stei­le Stra­ße run­ter und wie­der hoch, die gan­ze Mei­le, und das bei jedem Wet­ter.” (Zitat S.53) Denn die bei­den Mäd­chen haben schlim­me Zei­ten durch­ge­macht. Haben Din­ge erlebt, die man Liz Flanagan Eden Summernie­man­dem wünscht. Din­ge, an denen man zer­bre­chen kann… “Ich war Edens bes­te Freun­din und sie hat­te ein höl­li­sches Jahr hin­ter sich. Ich auch. Es war, als wür­den wir auf einer Wip­pe sit­zen, eine war immer oben, die ande­re unten. Wir waren nie auf glei­cher Höhe, dabei aber trotz­dem irgend­wie im Gleich­ge­wicht.” (Zitat S.38) Als Jess eines Tages zur Schu­le kommt, schei­nen alle um sie her­um es schon zu wis­sen. Alle, außer sie: Eden ist ver­schwun­den. Was ist mit ihr pas­siert? Die Poli­zei ist bereits ein­ge­schal­tet und unter­nimmt die ers­ten Ermitt­lun­gen. Jess hin­ge­gen lässt den ver­gan­ge­nen Som­mer Revue pas­sie­ren. Denn da gibt es eini­ge Din­ge, denen sie sich jetzt stel­len muss (“Was läuft da zwi­schen euch?”, frag­te Eden scharf. “Gar nichts läuft da.” Ich sag­te das so aus­drucks­los, wie ich nur konn­te, und hoff­te, dass die in mei­nen Wan­gen auf­flam­men­de Hit­ze nicht zu sehen war. Eden sah mich von der Sei­te an. “Kommt mir so vor, als wür­dest du ihm aus dem Weg gehen.” (Zitat S.39)). Vor allem die­ser einen Sache zwi­schen ihr und Edens Freund Liam…

Eden Sum­mer” wird vom Klap­pen­text her als “hoch­emo­tio­na­ler Thril­ler” bezeich­net — dem ich nur begrenzt zustim­men kann. Hoch­emo­tio­nal defi­ni­tiv, aber als typi­schen Thril­ler wür­de ich das Buch nicht bezeich­nen. Es ist eher das Por­trät einer Freund­schaft, die mit aller­lei Höhen und Tie­fen umge­hen muss. Span­nen­de Ele­men­te sind beson­ders den gut gewähl­ten Cliff­han­gern geschul­det, die Liz Flanagan Eden Summerimmer wie­der in der Geschich­te, meist am Kapi­te­len­de auf­tau­chen: “Ich den­ke an das ers­te Mal zurück, als Eden mir erzählt hat, dass etwas nicht stimm­te. Das war damals im April. Damals, als ihre Schwes­ter noch leb­te.” (Zitat S.45) Gera­de dass man vie­le Din­ge nicht ein­fach auf dem Sil­ber­ta­blett ser­viert bekommt, son­dern erst nach und nach erfährt, macht beim Lesen einen beson­de­ren Reiz aus. Was ist zwi­schen Liam und Jess pas­siert? Wel­che Schick­sals­schlä­ge haben die Mäd­chen erfah­ren? Geschickt spinnt die Autorin einen roten Faden durch den Roman und lockt den Leser mit Andeu­tun­gen, die noch für mehr Neu­gier­de sor­gen. Sehr ange­nehm fand ich auch die Spra­che, die zuwei­len sehr atmo­sphä­risch ist: “…dann tau­me­le ich nach drau­ßen in den blau­gol­de­nen Mor­gen. Warm, aber in den Schat­ten ver­steckt sich rich­ti­ge Käl­te, die einen über­fal­len will und warnt, dass der Som­mer jetzt fast vor­bei ist. Ich lie­be den Sep­tem­ber, schon immer. Die Luft ist frisch, mit die­sem ers­ten bit­ter­sü­ßen Duft nach Herbst. Es riecht nach Hoff­nung, neu­en Hef­ten und neu­en Anfän­gen.” (Zitat S.13) und “Wir lie­ßen uns in den Fei­er­abend fal­len, als wür­den wir in eine tie­fe Bade­wan­ne rut­schen. Es war einer die­ser lan­gen, hei­ßen Som­mer­sams­ta­ge, an denen der Beton die Hit­ze auf­saugt und sie dann in der Däm­me­rung als Zuga­be wie­der aus­strömt.” (Zitat S.89) Inter­es­sant ist eben­falls, dass die Geschich­te einen ein­zi­gen Tag umfasst, der nach einem Pro­log von mor­gens 8:00 Uhr Ich habe an die­sem Mor­gen kei­ne Ahnung, was pas­siert ist. Kei­ne Vor­ah­nung. Kein Gespür. Null.” (Zitat S.13) bis abends 23:30 geht und mit einem Epi­log endet. Die Kapi­tel­an­fän­ge, die mit einer Regen­wol­ke (sie­he Cover) ver­ziert sind, zei­gen nur dann die Uhr­zeit nicht an, wenn Jess sich an ver­gan­ge­ne Erleb­nis­se zurück­er­in­nert. Das Cover stellt das Auf- und Ab des SommLiz Flanagan Eden Summerers/ das Gefühls­le­ben der Prot­ago­nis­ten gut dar, wenn auch nicht in dem gan­zen hef­ti­gen Aus­maß, wie man zunächst ver­mu­tet. Eine leich­te Som­mer­ge­schich­te ist “Eden Sum­mer” näm­lich defi­ni­tiv nicht. Es ist die Über­zeu­gung zwei­er Mäd­chen ein­an­der unter allen Umstän­den bei­zu­ste­hen: “Ich wür­de sie da hin­durch­be­glei­ten. Ich wür­de Eden das Leben ret­ten, so wie sie mir das Leben geret­tet hat­te. Nichts ande­res war mehr wich­tig. Weder die Schu­le noch die Prü­fun­gen, weder die Eltern noch die Arbeit. Die­ser Som­mer soll­te Eden gehö­ren. Ich wür­de alles tun, um ihr da hin­durch­zu­hel­fen.” (Zitat S.139) Eine Freund­schaft, die viel Kraft kos­tet, aber auch Hoff­nung macht.

Fazit: Eine schmerz­be­haf­te­te, ein­dring­lich erzähl­te, gan­ze beson­de­re Geschich­te, die sich auf jeden Fall zu lesen lohnt!

Ande­re Jugend­bü­cher Lesealternativengibt es von Liz Flana­gan lei­der noch nicht. Eine gute inhalt­li­che Alter­na­ti­ve ist “Das nacht­blaue Kleid” von Karen Fox­lee, in dem eben­falls ein Mäd­chen ver­schwin­det und eine beson­de­re Freund­schaft beschrie­ben wird. Die bes­te Freun­din ist ver­schwun­den? Das erlebst du auch in “Schweig still, süßer Mund” von Janet Clark und in “Ich bin Princess X” von Che­rie Priest. Geschich­ten von beson­de­ren Freund­schaf­ten, in den auch viel Tra­gik zu fin­den ist, sind “Love Ali­ce” von Nata­ly Savina und “Papier­flie­ger­wor­te” von Dawn O’Porter. Ein Roman, der nur einen gan­zen Tag erzählt, ist übri­gens “Vier­zehn” von Tama­ra Bach.

Bibliografische Angaben:
Schilder was wo wer wannVerlag: Aladin
ISBN: 978-3-8489-2093-8
Erscheinungsdatum: 3.März 2017
Einbandart: Hardcover
Preis: 14,95€ 
Seitenzahl: 368 
Übersetzer: Sabine Schulte
Originaltitel: "Eden Summer"
Originalverlag: David Fickling Books

Britisches Originalcover:
Liz Flanagan Eden Summer












Liz Flanagan erzählt von und liest aus ihrem Buch:
 

Kasimiras Bewertung:

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Britisches Cover: Homepage von David Fickling Books

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