Lexis Able : Wo sich Licht im Wasser bricht

9.August 2023

Wo sich Licht im Was­ser bricht” ist der ers­te Teil der zwei­bän­di­gen “West­coats Ski­es”-Rei­he von der öster­rei­chi­schen Autorin Lexis Able. Eine Slow Burn-New Adult Romance, die an die kali­for­ni­sche Küs­te nach San Die­go ent­führt. Dort ist die 18-jäh­ri­ge Enya auf der Suche nach ihrer Mut­ter und trifft auf einen Frem­den, der sie vor dem Ertrin­ken ret­tet. Jonah hat sich zurück­ge­zo­gen von der Welt, seit er nach einem Unfall gehör­los gewor­den ist. Lang­sam kom­men sich die bei­den näher… Ein sehr behut­sam, gefühl­voll erzähl­ter Roman mit einer beson­de­ren The­ma­tik. Für Jugend­li­che ab 16 Jah­ren und Erwachsene.

Kaum, dass Enya voll­jäh­rig gewor­den ist, macht sie sich auf die Rei­se. In einem alten Wohn­mo­bil, das sie mehr geschenkt als ver­kauft bekom­men hat. “So vie­le Male habe ich mir die­sen Moment vor­ge­stellt, und jeder ein­zel­ne Schritt weg von der Lake­field Farm lässt die Enge um mei­nen Brust­korb schwin­den. Abend für Abend bin ich mit dem Gedan­ken ein­ge­schla­fen, dass mich jede Nacht einen Tag näher an den acht­zehn­ten Geburts­tag bringt und damit der Mög­lich­keit, nicht mehr in der Ver­gan­gen­heit gefan­gen zu sein.” (Zitat aus “Wo sich Licht im Was­ser bricht” S.7). Enya ist auf einer Farm auf­ge­wach­sen, bei Pfle­ge­el­tern. An ihre Mut­ter, die dro­gen­ab­hän­gig war, hat sie nur weni­ge Erin­ne­run­gen. Doch sie hat eine alte Post­kar­te, die sie Kasimiranach San Die­go führt und mit wel­cher sie hofft, ihre Mut­ter wie­der­zu­fin­den. Dort trifft sie auf den ruhi­gen, zurück­hal­ten­den Jonah. Als sie im Meer badet, obwohl sie eigent­lich nicht schwim­men kann, ist er da. “Trotz der urtüm­li­chen Gewalt, in der ich ver­sin­ke, sehe ich die letz­ten klei­nen Luft­bläs­chen aus mei­ner Lun­ge ent­wei­chen. Per­fekt und rund, dem Leben so nah. Und dann hält die Welt einen Wim­pern­schlag lang an. Kein ver­schlin­gen­des Rau­schen an mei­nen Ohren, kei­ne Stim­me in mir, die nach Luft und Erlö­sung und Lie­be brüllt. Nicht eine ein­zi­ge Zel­le mehr, die ums Über­le­ben kämpft. Was bleibt, ist Stil­le. Und in die­se Stil­le fal­le ich, immer tie­fer, gebor­gen in der Zuver­läs­sig­keit und Ruhe, die sie mir schen­ken wird. Ein laut­lo­ses Sein, das Furcht und Unbe­re­chen­bar­keit mit sich nimmt und beru­hi­gen­den Frie­den bringt.” (Zitat S.20) Er ret­tet sie vor dem Ertrin­ken. Und ist kurz danach wie­der ver­schwun­den. Auf einer Strand­par­ty trifft Enya ihn zufäl­lig wie­der. Er wird ihr das Schwim­men bei­brin­gen. Doch Jonah ist gehör­los. Seit einem Unfall. “Ich habe kei­ne ver­damm­te Ahnung, wie das mor­gen ange­hen soll. Ich wer­de Enya im Was­ser nicht hören. Sie wird erfah­ren, dass ich gehör­los bin. Und ich wer­de nicht mit ihr spre­chen, nicht ohne die Hör­pro­the­se. Die­se Blö­ße gebe ich mir nicht, nie­mals. Mor­gen. Sie und ihre Reak­ti­on. pur. Unge­fil­tert. Ehr­lich. Ich bin ihr aus­ge­lie­fert.” (Zitat S.84) Er hat sich zurück­ge­zo­gen seit die­sem Unfall, redet nicht mehr all­zu viel. Aber je näher sich Enya und Jonah kom­men, des­to mehr öff­net er sich. Auch wenn er noch immer ein dunk­les Geheim­nis zurückhält…

Das Cover ist ein Traum. Der Glit­zer­ef­fekt macht ziem­lich was her und ist ein rich­ti­ger Eye­cat­cher. Der Roman ist in meh­re­re Tei­le ein­ge­teilt, die mit dem Namen einen Wel­len­art (wie Swell oder Sets) und des­sen Beschrei­bung begin­nen, was sehr gut zum Buch passt, in dem die Natur­ge­walt des Mee­res immer wie­der eine bedeut­sa­me Rol­le spielt: “In dem Moment, in dem mei­ne Füße das eis­kal­te Was­ser berüh­ren, spü­re ich nichts als Erlö­sung. Über die ers­ten Wel­len kann ich noch sprin­gen, bis mir die Wogen gegen den Ober­kör­per pre­schen und ich mich in die Bran­dung fal­len las­se. Mein Kör­per wird eins mit dem Drü­cken und Schie­ben der Flut. Das Meer zeigt einen Bruch­teil sei­ner ‑gewal­ti­gen Kraft und lässt mich erbar­mungs­los füh­len, dass ich ver­lo­ren bin, wenn ich nicht kämp­fe.” (Zitat S.12ff) “Wo sich Licht im Was­ser bricht”, wel­ches abwech­selnd aus der Ich-Per­spek­ti­ve von Enya und Jonah erzählt wird, kon­zen­triert sich sehr auf Details, auf viel Zwi­schen­mensch­li­ches. Das Ken­nen­ler­nen der Prot­ago­nis­ten — ein sehr behut­sa­mes, manch­mal fast etwas zu sen­ti­men­ta­les Her­an­tas­ten anein­an­der. Ver­trau­en zu fas­sen, jeman­den an sich her­an­zu­las­sen, das ist ein gro­ßer Punkt zwi­schen den bei­den, die aus unter­schied­li­chen Grün­den Schutz­mau­ern um sich her­um auf­ge­baut Kasimirahaben. Das The­ma Gehör­lo­sig­keit in dem Roman ist mal ein ganz beson­de­res The­ma, aller­dings hät­te ich mir noch ein paar aus­führ­li­che­re Infor­ma­tio­nen hier­zu manch­mal gewünscht. Mehr Hin­ter­grün­de zu die­sem Implan­tat, das Jonah trägt, bei­spiels­wei­se. “Es fühlt sich an wie ein schlech­ter Witz des Schick­sals, dass ich mir mein Leben lang alles am leich­tes­ten gemerkt habe, wenn ich es mir laut vor­ge­sagt habe. Die kaput­ten Hör­nerven haben mir auch die bes­te Lern­me­tho­de genom­men. Nach sechs Jah­ren müss­te ich all das längst kom­pen­siert haben. Oder dank des Coch­lea-Implan­tats am rech­ten Ohr alles genau­so gut ver­ste­hen und aus­spre­chen kön­nen wie vor dem Unfall. Statt­des­sen ist mein Leben eine ein­zi­ge gro­ße Bau­stel­le an Zie­len, denen ich mich jeden Tag aufs Neue stel­len muss. Und Ent­täu­schun­gen, weil ich sie nicht errei­che.” (Zitat S.31) Die Spra­che ist anspruchs­vol­ler, sehr kraft­voll zuwei­len und emo­tio­nal geprägt, zeit­wei­se ein biss­chen too much. Von der Span­nung her, hät­te es mKasimiraanch­mal noch ein wenig dra­ma­ti­scher sein kön­nen. Zu Beginn wird man mit eini­gen Andeu­tun­gen kon­fron­tiert, die Jonah betref­fen, die aber lan­ge Zeit ein­fach nicht auf­ge­löst wer­den. “Noch fällt es mir leicht, für sie da zu sein und den Mäd­chen zu hel­fen. Ich hof­fe aus tiefs­tem Her­zen, dass ich das auch spä­ter nch kann und bei ihnen nicht den­sel­ben Feh­ler bege­he wie bei Lara damals. Einen, der sich nicht wie­der­gut­ma­chen lässt.” (Zitat S.36) War­um geht er nicht mehr auf Flie­sen? Ver­mei­det Pools? Hier muss man ein wenig Geduld haben, so wie auch mit der Ent­wick­lung der Haupt­fi­gu­ren, die sich erst all­mäh­lich wei­ter­ent­wi­ckeln. Das Ende ist pas­send und lässt schon den Haupt­kon­flikt des Fort­set­zungs­ban­des erah­nen. Die­ser beschäf­tigt sich dann mit den Neben­fi­gu­ren aus “Wo sich Licht im Was­ser bricht”: Caden, Rina und Shane und macht die­se zu Hauptfiguren.

Du möch­test noch mehr von Lexis AblLesealternativenlesen? “Wo Wind und Wel­len sich berüh­ren” ist die direk­te Fort­set­zung und der letz­te Teil der “West­co­asts Ski­es”-Rei­he, wel­cher aber auch unab­hän­gig von­ein­an­der gele­sen wer­den kann. Außer­dem schrieb die Autorin noch die “Back to You”-Rei­he: “Run­ning Back to You” (Band 1), “Cras­hing Back to You” (Band 2) und “Dre­a­ming Back to You” (Band 3). Du fin­dest das The­ma Gehör­lo­sig­keit fas­zi­nie­rend? Dann lies “Ein Lied für Blue” von Lyn­ne Kel­ly und “Viel­leicht pas­siert ein Wun­der” von Sara Bar­nard. Oder in Kom­bi­na­ti­on mit einer Lie­bes­ge­schich­te: “Freak City” von Kath­rin Schro­cke, “Wovon du träumst” von Kira Gem­bri und “Nur mit dir” von Emi­lie Tur­ge­on. Gut könn­te ich mir auch die Roma­ne von Jana Schä­fer als Lese­al­ter­na­ti­ve vor­stel­len, zum Bei­spiel “The way we fall und “The hope we find”

Bibliografische Angaben:
Schilder was wo wer wannVerlag: Carlsen
ISBN: 978-3-551-58532-5
Erscheinungsdatum: 28.Juli 2023
Einbandart: Broschur
Preis: 14,00€
Seitenzahl: 400
Übersetzer: -
Originaltitel: -
Originalverlag: -
Originalcover: -

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Kasimiras Bewertung:

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(3 von 5 mög­li­chen Punkten)

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