Lea-Lina Oppermann — Fürchtet uns, wir sind die Zukunft

Kasimira10. Febru­ar 2021

Fürch­tet uns, wir sind die Zukunft” ist der zwei­te Roman der deut­schen Autorin Lea-Lina Opper­mann. Ein jun­ger Kla­vier­spie­ler, der auf einer künst­le­ri­schen Aka­de­mie zu stu­die­ren beginnt und in den Bann eines Mäd­chens gerät, die eine Wider­stands­grup­pe gegrün­det hat. Eine Geschich­te über Musik, Rebel­li­on, dem Aus­bre­chen aus fes­ten Struk­tu­ren und der Fra­ge, wer man selbst sein und wie man sei­ne Zukunft gestal­ten möch­te. Mit einer ein­dring­li­chen Erzähl­stim­me. Kein 0–8‑15-Buch, kei­ne Geschich­te, die auf dem Prä­sent­tier­tel­ler ser­viert wird, hier darf nach­ge­dacht wer­den. Für Jugend­li­che ab 14 Jah­ren und inter­es­sier­te Erwachsene.

Theo Sand­mann stammt aus einer Künst­ler­fa­mi­lie. Sei­ne Eltern sind bei­de Bal­lett­tän­zer. Doch nach dem Unfall­tod des Vaters hat auch die Mut­ter auf­ge­hört zu tan­zen und jetzt ist nur noch Theo der Krea­ti­ve der Fami­lie: er spielt her­vor­ra­gend Kla­vier. Nun hat er es doch tat­säch­lich auf eine künst­le­ri­sche Aka­de­mie geschafft, auf der neben Musi­kern auch Schau­spie­ler und ande­re Künst­ler unter­rich­tet wer­den. Theo erhält Unter­richt von dem berühm­ten Pro­fes­sor Cor­ne­li­us Gold­stein, der nur einen Schü­ler pro Jahr­gang nimmt: “In der Auf­nah­me­prü­fung vor zwei Mona­ten waren mir vor Auf­re­gung die Noten aus der Map­pe gerutscht, als ichKasimira ihn am Prü­fungs­tisch ent­deckt hat­te. DER GROSSE GOLDSTEIN. Bis­her hat­te ich ihn bloß von Fotos und Kon­zert-Vide­os gekannt. Ich wäre fast im Boden ver­sun­ken — wenn er mir nicht so freund­lich zuge­zwin­kert hät­te.” (Zitat aus “Fürch­tet uns, wir sind die Zukunft” S.7) Gold­stein ver­wen­det völ­lig ande­re Unter­richts­me­tho­den und for­dert ihn bei­spiels­wei­se dazu auf, ohne Noten zu spie­len, was Theo über­haupt nicht kann. Vie­les ist neu für ihn an der Aka­de­mie, auch Freun­de zu fin­den und Anschluss zu suchen. “Wenn du im Klei­nen nicht dein Bes­tes gibst, wirst du nie­mals groß wer­den.” (Zitat S.6) hat ihm sei­ne Mut­ter schon stets gera­ten. Auf der Eröff­nungs­fei­er trifft Theo auf die cha­ris­ma­ti­sche Aida, die eine musi­ka­li­sche Gesangs­ein­la­ge gibt: “Eine Gän­se­haut klet­ter­te mir die Waden empor. Wie konn­te eine Stim­me eine so phy­si­sche Wir­kung auf Kasimiramich haben? Ich ver­gaß Raum und Zeit, ver­gaß alles um mich her­um, da waren nur ich und sie und die gött­li­che Prin­zes­sin Aida, von der sie sang.” (Zitat S.45) Theo ist fas­zi­niert von Aida. Möch­te ihr unbe­dingt näher kom­men. Und das kommt er schließ­lich auch. Denn Aida hat eine Wider­stands­grup­pe gegrün­det, die die ZUKUNFT ver­än­dern will. Alte Macht­struk­tu­ren auf­bre­chen, die Frei­heit genie­ßen und sich nach Grö­ße­rem seh­nen. “Wir kön­nen alles ändern”, sagt Aida lang­sam, als hät­te sie mei­ne Gedan­ken erra­ten. “Alles, was du da unten siehst — alles… es muss nicht so sein. Es könn­te auch anders sein.” (Zitat S.122) Doch Aida sagt nicht immer die Wahrheit…

KasimiraDas “Z” auf dem Cover, das anfangs irgend­wie eher an “Zor­ro”, als an die in dem Roman oft erwähn­te ZUKUNFT den­ken lässt, sticht auf dem Ein­band deut­lich her­vor. Ein Buch, das auf­fällt. Eine Geschich­te, die aus der Rei­he tanzt — ja, das ist “Fürch­tet uns, wir sind die Zukunft” defi­ni­tiv. Schon der ers­te Satz über­fällt einen gera­de­zu: “Ich war acht­zehn, als ich anfing, und ich wuss­te nichts.” (Zitat S.6) Lea-Lina Opper­mann ver­wen­det eine äußerst ein­neh­men­de, inten­si­ve Spra­che, eine, die auf den Punkt gebracht ist. Da ist kein Wort zu viel, und kei­nes zu wenig. Ihre Erzähl­art fes­selt. Die Kapi­tel sind recht kurz, das Buch selbst in vier Tei­le ein­ge­teilt, die die Über­schrif­ten “Theo”, “Aida”, “Neo” und “Die Zukunft” tra­gen. Vor allem die Musik spielt in dem Roman eine gro­ßeKasimira Rol­le. Sowohl inhalt­lich, als auch sprach­lich: “Die bei­den Stu­den­tin­nen vor mir kicher­ten so laut und hoch, wie es wohl nur aus­ge­bil­de­te Sopran­sän­ge­rin­nen tun.” (Zitat S.19) und “Ihre Stim­me war wie ein Kin­der­lied.” (Zitat S.20). The­os Unter­richt bei Gold­stein zu ver­fol­gen und des­sen unge­wöhn­li­chen Metho­den zu erle­ben, liest sich sehr fas­zi­nie­rend. Die zen­tra­le Figur neben Theo ist jedoch die geheim­nis­vol­le Aida. Das Mäd­chen, mit den unter­schied­li­chen Perü­cken, mit den impul­si­ven Reden und den hoch­tra­ben­den Ges­ten: “Ich bin froh, den Platz neben Aida ergat­tert zu haben. Ich will genau sehen, wie ihre Augen durch die Dun­kel­heit huschen, ich will dabei sein, so nah wie mög­lich dabei sein und alles ganz genau­so erle­ben wie sie.” (Zitat S.119) In gewis­ser Wei­se ver­fällt Theo ihr, bis er sich selbst die Fra­ge stel­len muss, wel­chen Weg er selbst als Indi­vi­du­um gehen will und wie die­ser aus­se­hen mag. “Und jetzt wol­len Sie Kasimiramit der Musik auch DIE ZUKUNFT gestal­ten?” “Ja.” Ich wuss­te nicht, war­um ich auf ein­mal so klein klang, als ich das sag­te. Viel­leicht, weil das Wort Musik so wenig in mir aus­lös­te. Ich hat­te es zu oft gehört in mei­nem Leben. ZUKUNFT dage­gen klang neu und aben­teu­er­lich” (Zitat S.11) “Fürch­tet uns, wir sind die Zukunft” ist kei­ne ein­fa­che Geschich­te, es endet zudem mit einem Pau­ken­schlag, bei dem ich gleich­zei­tig irgend­wie das Gefühl hat­te, dass er etwas im Nichts ver­pufft, weil wirk­lich gar nichts mehr, was danach folgt, ange­deu­tet wird — es ist aber ein­deu­tig eine Geschich­te, die nach­denk­lich macht und über sei­ne eige­ne Bedeu­tung und die Dring­lich­keit einer geleb­ten Zukunft sin­nie­ren lässt.

Fazit: Ein inten­si­ves Lese­er­leb­nis der beson­de­ren, außer­ge­wöhn­li­chen Art.

Dir gefällt der Erzähl­stil von Lea-Lina Opper­mann? Dann greiLesealternativenf noch zu ihrem Erst­lings­werk, das ich sehr über­zeu­gend fand: “Was wir dach­ten, was wir taten”. Hier ste­hen ein Amok­lauf und eine Schul­klas­se vol­ler Geheim­nis­se im Vor­der­grund. Span­nungs­ge­la­den und nach­denk­lich machend. Hin­sicht­lich der fas­zi­nie­ren­den Prot­ago­nis­tin aus “Fürch­tet uns, wir sind die Zukunft” muss­te ich auch ein wenig an “Eine wie Alas­ka” von John Green den­ken oder an “So wüst und schön sah ich noch kei­nen Tag” von Eliza­beth LaBan. Eine Grup­pie­rung inner­halb einer Schu­le, die ein Geheim­nis zurück­zu­hal­ten scheint? Das fin­dest du zudem in “Die Regeln des Schwei­gens” von Tino Schrödl. Eben­so auf gewis­se Wei­se in “Fire­wall” von Erin Jade Lan­ge. Äußerst rebel­lisch sind auch die Jugend­li­che in “Wir sind nicht zu fas­sen” von Kurt Dinan.

Bibliografische Angaben:
Schilder was wo wer wannVerlag: Beltz & Gelberg
ISBN: 978-3-407-75580-3
Erscheinungsdatum: 10.Februar 2021
Einbandart: Broschur
Preis: 14,95€
Seitenzahl: 291
Übersetzer: -
Originaltitel: -
Originalverlag: -
Originalcover: -

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Kasimiras Bewertung:

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(4 von 5 mög­li­chen Punkten)

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