Lea Coplin — Mit dir leuchtet der Ozean

Kasimira10.August 2021

Mit dir leuch­tet der Oze­an” ist der neue Roman der deut­schen Autorin Lea Coplin. Das Buch mit dem traum­haf­ten Cover, das Lust auf Roman­tik und den Som­mer macht, ent­führt sei­ne Leser nach Fuer­te­ven­tu­ra. Auf die­ser Insel tref­fen ein Jun­ge und ein Mäd­chen auf­ein­an­der, die sich von frü­her ken­nen und die ein zufäl­li­ger Kuss auf­grund eines Par­ty­spiels mit­ein­an­der ver­bin­det. Obwohl er in einer Bezie­hung ist, kom­men sich die bei­den unge­wollt näher, bis die Schat­ten der Ver­gan­gen­heit sie ein­zu­ho­len dro­hen… Per­fek­tes Lese­fut­ter für ent­spann­te Stun­den. Gefühl­voll, roman­tisch und bewe­gend. Für Jugend­li­che ab 14 Jah­ren und Erwachsene.

Die 20-jäh­ri­ge Pen­ny wird für die nächs­ten Mona­te auf Fuer­te­ven­tu­ra arbei­ten, auf einer Hotel-Club-Anla­ge mit regem Ani­ma­ti­ons­pro­gramm. Eigent­lich hat sie die­sen Job nur wegen ihrer Freun­din Natha­lie bekom­men, die wie geschaf­fen ist für Fröh­lich­keit, Extro­ver­tiert­heit und Offen­heit. Pen­ny ist eher zurück­hal­tend, trägt am liebs­ten schwarz. Doch nun hat Natha­lie sich beim Ski­fah­ren das Bein gebro­chen und Pen­ny muss allein auf die spa­ni­sche Insel. Glück­li­cher­wei­se nimmt sich ihre bild­hüb­sche, auf­ge­schlos­se­ne Mit­be­woh­ne­rin Hele­na ihr an und zeigt ihr alles, was man bei den unter­schied­lichs­ten Jobs beach­ten muss. Doch dann begeg­net Pen­ny jeman­dem, mit dem sie Kasimiranicht gerech­net hat: “Die Welt blieb nicht ste­hen, sie wur­de nicht aus den Angeln geho­ben. Nie­mand jubel­te, kein Nobel­preis wur­de ver­lie­hen, kein Organ trans­plan­tiert. Nie­mand berei­te­te mich scho­nend dar­auf vor, dass sich mein Leben von jetzt auf gleich um hun­dert­acht­zig Grad dre­hen wür­de. Er stand ein­fach da. Milo. Der Jun­ge aus dem Schrank. Der Kuss mei­nes Lebens…[…] What the fuck?” (Zitat aus “Mit dir leuch­tet der Oze­an” S.47) Milo ging vor unge­fähr vier Jah­ren eben­falls auf ihre Schu­le. Er war unnah­bar, ein Außen­sei­ter und mit einer unrühm­li­chen Geschich­te behaf­tet: “Was auch immer er getan hat - die Dro­gen, das Dea­len, der Jugend­ar­rest -, liegt in der Ver­gan­gen­heit und… ich weiß nicht. Ich weiß Kasimiraes ein­fach nicht. Ich weiß ja nicht mal sicher, ob es stimmt. Alles, was damals ver­brei­tet wur­de, waren Gerüch­te.” (Zitat S.70ff) Hier auf der Insel scheint aller­dings nie­mand von Milos Ver­gan­gen­heit zu wis­sen. Auch Hele­na nicht, die mit Milo zusam­men ist. Und obwohl Pen­ny dies eigent­lich nicht will, kommt sie Milo unwei­ger­lich näher. Denn die bei­den ver­bin­det ein ganz beson­de­rer Kuss. Auf einer Par­ty zu Schul­zei­ten nah­men sie an einem Spiel teil, bei der man mit einem Unbe­kann­ten sie­ben Minu­ten lang in einem Schrank sit­zen soll­te. Und die­sen Moment haben sie damals genutzt, um sich zu küs­sen und dann nie­mals mehr dar­über gesprochen…

KasimiraWenn es die­ses Jahr einen Preis geben soll­te für das schöns­te Jugend­buch­co­ver — das zudem ide­al zu Som­mer, Urlaub und einer schö­nen Lie­bes­ge­schich­te passt — dann könn­te “Mit dir leuch­tet der Oze­an” gro­ße Chan­cen auf einen Sieg haben! Die Farb­kom­bi­na­ti­on, der klug gewähl­te Titel — die­ses Buch macht bereits äußer­lich ordent­lich Ein­druck. Erzählt wird der Roman sowohl aus Pen­nys als auch aus Milos Sicht in der Ich-Per­spek­ti­ve. Die Spra­che ist ange­nehm und sehr flüs­sig. Teils wer­den Chat­aus­zü­ge gra­fisch auf­be­rei­tet dar­ge­stellt. Was mir zuwei­len sehr gut gefiel, ist die Iro­nie, der teils fast rot­zi­ge, fre­che Erzähl­ton, der auch gut zu den Prot­ago­nis­ten passt: “Sein Grin­sen ist Kasimiraunge­bro­chen und ich stel­le fest, dass sei­nem rech­ten Schnei­de­zahn ein win­zi­ges Stück fehlt. Ich frag­te mich, ob das eben­falls auf den wesent­li­chen Teil sei­ner Gehirn­zel­len zutrifft, doch bevor ich das ver­se­hent­lich laut sage, klin­gelt sein Han­dy.” (Zitat S.23) Manch wun­der­bar sar­kas­ti­sche Unter­tö­ne sind in den Dia­lo­gen zu fin­den, die ein­fach Spaß zu lesen machen, wie zum Bei­spiel Milos und Pen­nys ers­te Begeg­nung nach fast vier Jah­ren: “Bei­nah hät­te ich dich nicht erkannt. Die Haa­re…” Ich räus­pe­re mich. Was für ein gran­dio­ser Gesprächs­be­ginn. Hele­na sagt: “Hä?”, im glei­chen Augen­blick, in dem Pen­ny ant­wor­tet: “Ja, ähm, und du? Jetzt Bril­le?” Nie ist eine Begeg­nung däm­li­cher abge­lau­fen, so viel ist sicher. “Ihr zwei kennt euch?” […] “Wir sind zusam­men zur Schu­le gegan­gen. Ein Jahr zumin­dest. Wie geht’s?” Wie geht’s. Genau, Milo.” (Zitat S.51) Inter­es­sant wird das Gan­ze, da man rela­tiv schnell merkt, dass Milo Kasimiraeini­ges zu ver­ber­gen scheint. Dass er nicht mehr der­sel­be ist, der er damals war. Und dass all dies mit sei­nem Bru­der irgend­wie zu tun hat. Was ist mit sei­nem Bru­der pas­siert? Immer wie­der durch­zie­hen geheim­nis­vol­le Andeu­tun­gen die Geschich­te: “Denn als ich Pen­ny Fuchs das nächs­te Mal begeg­ne, sind bei­na­he vier Jah­re ver­gan­gen, und den Milo von damals gibt es nicht mehr. Sei­nen Bru­der eben­falls nicht. Nichts ist mehr, wie es war, nicht ein­mal das Wo. Und der Kuss, er fühlt sich so unwirk­lich an, als hät­te ich ihn nur geträumt.” (Zitat S.15) Als Cha­rak­te­re sind Pen­ny und Milo sehr gut getrof­fen. Bei­de etwas zurück­hal­tend und in sich gekehrt, aber mit gro­ßen Tie­fen, über die der Leser all­mäh­lich mehr her­aus­fin­den darf. Für die Ent­wick­lung des Romans nimmt sich Lea CoplKasimirain viel Zeit, prä­sen­tiert die Facet­ten ihrer Figu­ren sehr genau. Fas­zi­nie­rend ist hier­bei all­ge­mein auch das Set­ting der Hotel­an­la­ge: “An man­chen Tagen ist es schwe­rer als an ande­ren, sich nicht dar­an zu erin­nern, wo man her­kommt und wer man war, bevor man für den Sola­na Sunshi­ne Club ein unver­bindli­ches Lächeln auf­setz­te und sei­ne Per­sön­lich­keit an der Gar­de­ro­be abgab.” (Zitat S.38) Ein All-inklu­si­ve-Club, der aller­lei Abwechs­lung an Akti­vi­tä­ten bie­tet und natür­lich auch immer wie­der neue Sze­nen, in denen die Prot­ago­nis­ten unwei­ger­lich auf­ein­an­der­tref­fen und sich mit ihren Gefüh­len aus­ein­an­der­set­zen müs­sen. An man­chen Stel­len wird es im Mit­tel­teil dann lei­der etwas zu gemäch­lich, was am Ende aber glück­li­cher­wei­se dann wie­der in ein gehö­rig mit­rei­ßend und fes­selnd umschlägt. Auch einen “Nicht-Kuss” zu beschrei­ben, hat Lea Coplin defi­ni­tiv drauf;-)

Dir gefällt Lea Coplins Erzähl­stil? Dann lies noch ihre ande­ren drei Jugend­bü­cher. Beson­ders begeis­tert war ich von “Nichts ist gut. Ohne dich.” Ein LesealternativenSpin-off dazu ist “Nichts zu ver­lie­ren. Außer uns.” Unab­hän­gig davon zu lesen ist “Für eine Nacht sind wir unend­lich”. Sie hat übri­gens auch unter ihrem Mäd­chen­na­men Alex­an­dra Pilz Jugend­bü­cher ver­öf­fent­licht: “Zurück nach Hol­ly Hill” (Band 1), “Ver­liebt in Hol­ly Hill” (Band 2) und “Für immer Hol­ly Hill” (Band 3) und für Erwach­se­ne unter dem Pseud­onym Anne San­ders. Aben­teu­er in der Fer­ne, die die Prot­ago­nis­tin­nen eigent­lich mit jeman­dem ande­rem erle­ben woll­ten und dann doch allei­ne auf­bre­chen? Ver­bun­den mit einer Lie­bes­ge­schich­te? Das fin­dest du außer­dem in “By your side” von Beth Anne Mil­ler (Irland) und in “Off­line ist es nass, wenn’s reg­net” von Jes­si Kir­by (Kali­for­ni­en) und in “The distance bet­ween you and me” von Mari­na Gess­ner (Appa­la­chi­an Trail). Eine Lie­bes­ge­schich­te, über die sich die Schat­ten der Ver­gan­gen­heit legen? Das kannst du in “Ein Lächeln sieht man auch im Dun­keln” von Adria­na Popes­cu ent­de­cken, oder in “Jene Nacht ist unser Schat­ten” von Amy Giles oder in der loh­nens­wer­ten Neu­erschei­nung “Ever­ything we feel” von Sarah Alder­son.

Bibliografische Angaben:
Schilder was wo wer wannVerlag: dtv
ISBN: 978-3-423-74070-8
Erscheinungsdatum: 18.Juni 2021
Einbandart: Broschur
Preis: 12,95€
Seitenzahl: 336
Übersetzer: -
Originaltitel: -
Originalverlag: -
Originalcover: -

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Kasimiras Bewertung:

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(4 von 5 mög­li­chen Punkten)

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