Laura Summers — Das Ende der Lügen

Laura Summers Das Ende der Lügen10.Mai 2014

Das Ende der Lügen” von der bri­ti­schen Auto­rin Lau­ra Sum­mers erzählt die Geschich­te einer Fami­lie. Geprägt von häus­li­cher Gewalt, einer Flucht, dem Hof­fen auf einen Neu­an­fang und dem Grau­en, das einen doch immer wie­der ein­holt. Ein­dring­lich und span­nend erzählt. Für Jugend­li­che ab 12 Jah­ren.

Die Angst zu Hau­se ist immer da. Sie ist greif­bar. Tag­ein, tag­aus. Der Vater, der bei Feh­lern aus­ras­tet. Der Gewalt anwen­det. Der ihre Mut­ter schlägt, wenn sie etwas Fal­sches tut. Ellie und ihre ein Jahr älte­re Schwes­ter Grace zucken schon zusam­men, wenn nur der Nach­bar sei­ne Stim­me laut erhebt. Sie dür­fen sich kei­ne Schwä­chen erlau­ben. Müs­sen so sein, wie der Vater sie haben will. Und wenn Grace am liebs­ten Kunst­un­ter­richt bele­gen will, ihr Vater sie aber in der Zahn­me­di­zin — als Beruf der Zukunft — sieht, dann muss sie eben natur­wis­sen­schaft­li­che Fächer bele­gen. Die Arbeit der Mut­ter zu Hau­se wird genau über­wacht. Täg­li­che Kon­troll­an­ru­fe zu den unter­schied­lichs­ten Zei­ten, um sicher zu gehen, dass sie auch ja das Haus nicht ver­lässt. Abge­zähl­tes Geld für Ein­käu­fe, die hin­ter­her strengs­tens über­prüft wer­den. Ihre Schwes­ter Anna darf sie auch nicht mehr besu­chen. Den Patch­work­tep­pich, den die Mut­ter von Ellies und Graces Groß­mut­ter geschenkt bekommt, schmeißt der Vater in die Müll­ton­ne. Irgend­wann beschließt die Mut­ter, dass es jetzt reicht und wagt mit ihren Töch­tern die Flucht. Ein neu­es Leben direkt am Meer. Sie woh­nen auf einem Cam­ping­platz, die Mut­ter arbei­tet in einem Café, um ihr Ein­kom­men zu sichern. Doch die Ver­gan­gen­heit lässt sie nicht los. Und die All­ge­gen­wär­tig­keit des Vaters ist irgend­wie immer prä­sent…

246888_web_R_K_B_by_A.Dreher_pixelio.deDas Ende der Lügen” wird abwech­selnd aus der Sicht von Grace und Ellie erzählt. Das unter­schied­li­che Schrift­bild grenzt die bei­den deut­lich von­ein­an­der ab. Aber auch die Cha­rak­te­re der bei­den sind sehr ver­schie­den: Grace, intro­ver­tiert, spricht mit nie­man­dem außer mit ihrer Schwes­ter. Durch die schreck­li­chen Erfah­run­gen mit ihrem Vater hat sie Schwie­rig­kei­ten ande­ren Men­schen zu ver­trau­en. Nicht mal in der neu­en Schu­le bringt sie gegen­über der stren­gen Leh­re­rin ein Wort her­aus. Sie ist sehr kon­trol­liert und fer­tigt am liebs­ten hand­schrift­li­che Lis­ten über alle mög­li­chen Din­ge an, um einen kla­ren Kopf zu bewah­ren. Ellie hin­ge­gen ist eher extro­ver­tiert, sie plap­pert ger­ne und viel und denkt sich oft Fan­ta­sie­ge­schich­ten aus. In der neu­en Schu­le blüht sie rich­tig auf, fin­det neue Freun­din­nen und tritt der Thea­ter-AG bei. Auch Grace kommt einem Jun­gen aus ihrer Klas­se näher, der sie zum Gei­ge­spie­len in sei­ner Band über­re­det. Bei ihm taut sie auf und wagt sogar, mit ihm zu spre­chen. Doch dann taucht plötz­lich ihr Vater wie­der auf…
Inter­es­sant ist auch der Cha­rak­ter der Mut­ter, bei der man mit Schre­cken fest­stel­len muss, wie sehr ihr Selbst­ver­trau­en unter der Domi­nanz ihres Man­nes gelit­ten hat. Sie — die wun­der­bar backen und kochen kann — traut sich kaum zu, in dem Café zu arbei­ten, weil ihr Mann ihr immer ein­ge­re­det hat, dass sie nichts kann und nichts wert ist. Die schritt­wei­se Befrei­ung aus vie­len fal­schen Gedan­ken­mus­tern liest sich sehr span­nend und gleich­zei­tig unheim­lich berüh­rend. Man fie­bert buch­stäb­lich mit den Haupt­fi­gu­ren mit und wünscht sich, dass sie nun end­lich ihren eige­nen Weg gehen dür­fen.

Ein etwas pein­li­cher Tipp­feh­ler ist dtv lei­der beim Klap­pen­text auf der Rück­sei­te pas­siert: so steht dort “Eli” statt dem im gesam­ten Roman ver­wen­de­ten Namen “Ellie”. Ups! Aller­dings — hat dtv defi­ni­tiv ein schö­ne­res Cover gewählt als der eng­li­sche Ori­gi­nal­ver­lag (Abbil­dung sie­he unten)! Es passt zu dem Ernst der The­ma­tik, im Gegen­satz zu den quietsch­bun­ten Far­ben des ande­ren Covers.Lesealternativen

Dir gefällt die­ses Buch? Dann lies doch noch Heart­beat away von der­sel­ben Auto­rin oder “Der Tag, an dem wir weg­lie­fen, eben­falls von Lau­ra Sum­mers. Das The­ma Gewalt in der Fami­le fin­dest du auch bei “Die Wor­te der wei­ßen Köni­gin” von Anto­nia Michae­lis (sprach­ge­wal­tig und gran­di­os erzählt!), “Evil — das Böse” von Jan Guill­ou (der moder­ne Klas­si­ker zum The­ma Gewalt), “Ele­fan­ten sieht man nicht” von Susan Krel­ler (wur­de letz­tes Jahr für den Deut­schen Jugend­li­te­ra­tur­preis nomi­niert) oder Mit offe­nen Augen” von Joy­ce C. Oates.

Bibliografische Angaben:
Schilder was wo wer wannVerlag: dtv
ISBN: 978-3-423-78277-7
Erscheinungsdatum: 1.Mai 2014
Einbandart: Taschenbuch
Preis: 8,95€
Seitenzahl: 336
Übersetzer: Eva Riekert
Originaltitel: "The summer of telling tales" 
Originalverlag: Piccadilly Press

Englisches Originalcover:
summer-of-telling-tales - Das Ende der Lügen






Kasimiras Bewertung:

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(5 von 5 mög­li­chen Punk­ten)

 

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2.Bild v.o.: © A.Dreher/pixelio.de
Englisches Cover: Homepage von Piccadilly Press

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