Laura Ruby — Chroniken von York: Die Suche nach dem Schattencode

Laura Ruby - Chroniken von York: Die Suche nach dem Schattencode22.April 2018

Die ame­ri­ka­ni­sche Autorin Lau­ra Ruby legt mit “Chro­ni­ken von York: Die Suche nach dem Schat­ten­code” den ers­ten Teil einer Urban-Fan­ta­sy-Tri­lo­gie vor, der sei­ne Leser in ein fik­ti­ves New York der Jetzt­zeit ent­führt und drei Jugend­li­che dabei beglei­tet einen legen­dä­ren Code zu ent­schlüs­seln. Aben­teu­er­reich, fan­ta­sie­voll und unter­halt­sam. Für Jugend­li­che ab 12 Jah­ren und inter­es­sier­te Erwach­se­ne.

Ein New York der Zukunft. Hier leben die 13-jäh­ri­gen Zwil­lin­ge Tess und Theo. Theo ist ein Zah­len­ge­nie. Frü­her hat­te er nachts oft Alp­träu­me, doch die haben ihn glück­li­cher­wei­se wie­der ver­las­sen. Jetzt ist Tess die Ner­vö­se­re, Unru­hi­ge­re der bei­den. Manch­mal hat sie “Anfäl­le”, mur­melt vor sich hin und malt sich die schlimms­ten Sor­gen aus. “Kata­stro­phi­sie­ren” nennt Theo das, der sei­ne Schwes­ter immer wie­der ger­ne auf­zieht, wenn er nicht gera­de gro­ße Tei­le der Woh­nung der Fami­lie in Beschlag nimmt, um für einen Wett­be­werb berühm­te Bau­wer­ke aus Lego­stei­nen nach­zu­bau­en. Dabei ist Tess in vie­lem stär­ker und schnel­ler als Theo, auch wenn sie von ande­ren ger­ne über­se­hen wird. Mit ihnen in dem gro­ßen Haus, das die berühm­ten Morningstars gebaut haben, lebt eben­falls der Laura Ruby - Chroniken von York: Die Suche nach dem Schattencode12-jäh­ri­ge Jai­me mit sei­ner Groß­mutter, der in ihre Klas­se geht. Und der Groß­va­ter der Zwil­lin­ge“Ihr Groß­va­ter Ben­ja­min wohn­te im obers­ten Stock und hat­te Tess und Theo alles über das Gebäu­de und sei­ne Erbau­er, die Morningstars, bei­gebracht, was er wuss­te. Er hat­te sogar ihre Eltern dazu über­re­det, sie “The­re­sa” und “Theo­do­re” zu nen­nen.” (Zitat S.30) Denn vor 150 Jah­ren ver­schwan­den The­re­sa und Theo­do­re Morningstar spur­los. Sie waren bril­lan­te Erfin­der und Archi­tek­ten und hat­ten eini­ge berühm­te Bau­wer­ke in der Stadt gebaut, unter ande­rem das gigan­ti­sche Morningstarto­wer. “Vor ihrem Ver­schwin­den hat­ten die Zwil­lin­ge ihr gesam­tes Land und ihren Besitz urkund­lich einer Stif­tung im Namen der Stadt ver­macht und ihren Bewoh­nern ein Abschieds­ge­schenk hin­ter­las­sen: eine Art Rät­sel oder Schatz­su­che. Der ers­te Hin­weis, ein Hau­fen unver­ständ­li­cher Kau­der­welsch, war in der Zei­tung abge­druckt wor­den. […] Am Ende stand der größ­te Schatz, den sich ein Mensch vor­stel­len konn­te.” (Zitat S.15) Doch den Code von Old York hat noch nie­mand ent­schlüs­seln kön­nen. Man­che hal­ten ihn sogar nur für eine Legen­de und einen Trick um Tou­ris­ten in die Stadt zu locken. Selbst Tess’ und The­os Eltern glau­ben nicht wirk­lich an den Code. Nur ihr Groß­va­ter Ben, der sogar Mit­glied einer Codis­ten­ge­sell­schaft war, deren ein­zi­ger Zweck die Auf­lö­sung jenes Codes war, glaub­te dar­an. Doch nun isLaura Ruby - Chroniken von York: Die Suche nach dem Schattencodet die­ser in einem Alten­heim und aus der Gesell­schaft aus gesund­heit­li­chen Grün­den aus­ge­stie­gen. Den unvor­stell­ba­ren Schatz könn­ten Tess, Theo und ihre Fami­lie, aber auch sämt­li­che Bewoh­ner des rie­si­gen Miets­hau­ses nun gut gebrau­chen. Denn ein fie­ser Immo­bi­li­en­hai hat sich das Haus unter den Nagel geris­sen und zwingt sie in Kür­ze alle dar­aus aus­zu­zie­hen. Die Eltern arran­gie­ren sich all­mäh­lich mit ihrem Schick­sal, begin­nen zu packen. Doch Theo, Tess und Jamie wol­len das Unmög­li­che wagen: Sie wol­len den Code kna­cken! “Tess wuss­te, was sie dach­ten. Wie soll­ten eini­ge Siebt­kläss­ler ein Rät­sel lösen, an dem sich schon seit mehr als hun­dert Jah­ren vie­le Leu­te ver­sucht hat­ten? Dar­un­ter ihr eige­ner Groß­va­ter. Grand­pa Ben hat­te es sein gan­zes Leben lang pro­biert.” (Zitat S.88ff) Aber es ist ihnen auch ein neu­er Hin­weis in die Hän­de gefal­len, der nichts mit dem damals ver­öf­fent­lich­ten Zei­tungs­ar­ti­kel zu tun hat. Denn was ist, wenn es zwei Wege gibt, um den Code zu lösen? Wenn es noch einen “Schat­ten­code” gibt? Zusam­men stür­zen sich die Drei auf eine tur­bu­len­te Schnit­zel­jagd durch halb New York…

Laura Ruby - Chroniken von York: Die Suche nach dem SchattencodeDas Cover von “Chro­ni­ken von York: Die Suche nach dem Schat­ten­code” wirkt nicht nur etwas futu­ris­tisch, son­dern zeigt auch eini­ge Steam­punk-Ele­men­te, eben­so wie der begin­nen­de Pro­log — der 1885 spielt — es tut. In die­sem beglei­tet man einen Gau­ner, der sich nach Macht und Reich­tum sehnt und den Code der soeben ver­schwun­de­nen Morningstars unbe­dingt lösen will. Er hält sich dabei für unheim­lich klug und fällt mit sei­ner Metho­de um an den unsag­ba­ren Schatz zu kom­men aber gna­den­los auf die Schnau­ze. Die Steam­punk-Ele­men­te, die auf eine Sicht in der Zukunft deu­ten, wie sie in frü­he­ren Zei­ten hät­te sein kön­nen, sind hier bereits offen­sicht­lich: “…die Rol­ler, die die Stra­ßen sau­ber hiel­ten, mecha­ni­sche Schne­cken, die die Fens­ter putz­ten, her­um­schwir­ren­de Libel­len, die viel­fäl­tig ein­setz­bar waren. Mit ihrem Flü­gel­schlag konn­ten sie Wäsche trock­nen oder im Som­mer den Men­schen Luft zufä­chern.” (Zitat S.14) Dann gibt es noch die beson­de­ren Gebäu­de, die die Zwil­lin­ge gebaut haben (sie sind auf den Innen­sei­ten des Buches auf einer Kar­te gekenn­zeich­net) mit Fahr­stüh­len, die Zick­zack fah­ren kön­nen und die Under­way — eine Stra­ßen- und Unter­grund­bahn, die nie­mals erneu­ert wer­den muss. Der Haupt­teil star­tet mit der Über­schrift “New York City heu­te” und dem ers­ten Kapi­tel. Die Kapi­tel sind in der pLaura Ruby - Chroniken von York: Die Suche nach dem Schattencodeerso­na­len Erzähl­wei­se geschrie­ben und set­zen mal Tess, mal ihren Zwil­lings­bru­der Theo, mal Jai­me, aber eben­falls ein ande­res klei­nes Mäd­chen aus ihrem Wohn­haus in den Mit­tel­punkt. Neben der beson­de­ren Atmo­sphä­re, die durch die außer­ge­wöhn­li­chen Erfin­dun­gen und archi­tek­to­ni­schen Meis­ter­leis­tun­gen der Morningstars ent­steht, haben mir auch die Cha­rak­te­re in “Chro­ni­ken von York: Die Jagd nach dem Schat­ten­code” gut gefal­len. Theo und Tess mit ihren Eigen­ar­ten ste­chen hier­bei vor allem her­vor und sind wah­re Sym­pa­thie­trä­ger. Man beglei­tet sie sehr ger­ne auf ihre Suche nach der Lösung des Codes. Ist an ihrer Sei­te, wenn sie die aben­teu­er­lichs­ten Din­ge erle­ben und erfährt mit ihnen zusam­men sehr viel über die Geschich­te der Kryp­to­gra­fie. Die Span­nung ist nicht immer auf dem höchs­ten Niveau, aber das Buch ist den­noch unter­halt­sam und fas­zi­nie­rend. Die Spra­che ist sehr ange­nehm und zeugt von teils schö­ner Fabu­lier­kunst: “Weni­ge Stun­den vor Mit­ter­nacht ver­stumm­ten die Stra­ßen von New York City kurz, als ob jemand ansetz­te, eine gro­ße Geschich­te über Geheim­nis­se und Aben­teu­er zu erzäh­len, und Stil­le benö­tig­te, damit er begin­nen konn­te.” (Zitat S.8) Eben­so man­che bild­haf­ten Ver­glei­che sind sehr gelungen: “Der Big Apple. Die Stadt, die nie­mals schläft. Wobei die­se BLaura Ruby - Chroniken von York: Die Suche nach dem Schattencodeegrif­fe nicht immer zutref­fend waren. War­um soll­te zum Bei­spiel jemand eine Stadt als ein über­gro­ßes Stück Obst bezeich­nen? Außer­dem schlief die Stadt sehr wohl, aller­dings so wie eine Kat­ze — mit halb geöff­ne­ten Augen, lau­ernd, bereit, beim ers­ten Anzei­chen von Spaß oder Gefahr auf­zu­sprin­gen.” (Zitat S.24) Dazu wird das Gan­ze mit einer beson­de­ren Pri­se Humor erzählt, die vor allem jün­ge­ren Lesern gefal­len dürf­te. Auch wenn das Buch vom Ver­lag erst ab 12 Jah­ren emp­foh­len wird, ist es sicher­lich auch für 10-jäh­ri­ge Viel­le­ser bereits gut zu lesen oder kann vor­ge­le­sen wer­den. Das Ende war­tet mit einem Cliff­han­ger auf, der neu­gie­rig auf die Fort­set­zun­gen macht.

Fazit: Eine Schatz­su­che der beson­de­ren Art — idea­les Lese­fut­ter für klei­ne und gro­ße Aben­teu­rer!

Lau­ra Ruby hat noch ein ande­res Jugend­buch geschrie­ben: “Good Girls”, das aller­dings inhalt­lich in eine völ­lig ande­re Rich­tung  (Cyber­mob­bing) geht und ab 14 Jah­ren erst emp­foh­len wird. Eine sehr gute Lese­al­ter­na­ti­ve ist die Neu­erschei­nung die­ses Früh­jahrs “Mr Gis­wolds Bücher­jagd: Das Spiel beginnt” von Jen­ni­fer Cham­bliss Bert­man, in dem zwLesealternativenei Kin­der auf eine Art Bücher­schnit­zel­jagd gehen und man eini­ges über die Ver­schlüs­se­lung von Codes erfährt. Ande­re Alter­na­ti­ven für Rate­füch­se sind “Flucht aus Mr. Banan­cel­los Biblio­thek” von Chris Gra­ben­stein und “Lon­dons geheims­ter Zir­kel” von Bar­ba­ra Laban, das auch schon ab 11 Jah­ren geeig­net ist. Toll fand ich “Ich bin Princess X” von Che­rie Priest, in dem eben­falls eini­ge Rät­sel um eine ver­miss­te Per­son gelöst wer­den müs­sen. Etwas hef­ti­ger und mit viel Rät­sel­ra­ten ver­bun­den ist die Span­nungs­rei­he von Veit Etzold: “Spiel des Lebens” und “Spiel der Angst” (ab 14 Jah­ren) oder die “End­ga­me”-Rei­he von James Frey (ab 16 Jah­ren; mit Rät­seln, die zu einem ech­ten (Gold-)Schatz füh­ren!). Du magst Steam­punk-Roma­ne? Dann greif zum Bei­spiel zur “Chro­ni­ken der Wel­ten­su­cher”-Rei­he von Tho­mas Thie­mey­er, zu “Das Mäd­chen mit dem Stahl­kor­sett” (zwei­bän­dig) von Kady Cross oder zu “Wel­ten­riss: Die Kar­ten der ver­lo­re­nen Zeit” von S.E.Grove. Zwei wei­te­re Rei­hen sind “Mis­si­on Clock­work” von Arthur Sla­de und “World­shaker” von Richard Har­land. Ein biss­chen muss­te ich auch an den schon etwas älte­ren Titel “Ver­bo­te­ne Welt” von Isa­bel Abe­di den­ken, in dem berühm­te Bau­wer­ke auf ein­mal ver­schwin­den.

Bibliografische Angaben:
Schilder was wo wer wannVerlag: Loewe
ISBN: 978-3-7855-8886-4
Erscheinungsdatum: 12.Februar 2018
Einbandart: Hardcover
Preis: 19,95€ 
Seitenzahl: 448 
Übersetzer: Jeanette Bauroth
Originaltitel: "York: The Shadow Cipher"
Originalverlag: HarperCollins

Amerikanisches Originalcover: 
Laura Ruby - Chroniken von York: Die Suche nach dem Schattencode











Trailer zum Buch (auf Englisch):
 

Kasimiras Bewertung:

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(4 von 5 mög­li­chen Punk­ten)

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Amerikanisches Cover: Homepage von Laura Ruby

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