“Vienna: Hiding Darkness” von der deutschen Autorin Lara Holthaus ist der zweite und letzte Teil der “Vienna”-Reihe, der zurück in die Wiener High Society rund um das beliebte It-Girl Livia Hohenburg führt. Diese ist nach dem Verrat von Nicholas zutiefst verletzt und zieht sich aus der Öffentlichkeit zurück. Doch dann kehrt er zurück, hat hochbrisante Informationen über ihre Mutter für sie und stellt ihr Leben erneut auf den Kopf. Klar, dass sie ihm nie wieder vertrauen kann, aber die Anziehung, die er auf sie ausübt, ist nach wievor vorhanden. Spielt Nicholas wieder ein Spiel mit ihr oder meint er es diesmal tatsächlich ernst? Nach dem fiesen Cliffhanger von Teil eins, nimmt einen die Fortsetzung sofort wieder gefangen. Sprachlich toll, mitreißend und überaus spicy. Für Jugendliche ab 16 Jahren und Erwachsene.
Die Welt der 21-jährigen Livia ist ein Scherbenhaufen. Sie hat herausgefunden, was Nicholas und seine Mutter getan haben. Beide sind nun vom Erdboden verschwunden und mit ihnen große Teile des Hohenburg-Vermögens. Zudem sitzt Livias Vater nun im Gefängnis und wegen ihrer eigenen (Drogen-)Eskapaden hat Livia das Vormundschaftsrecht für ihre siebenjährige Schwester Nora nicht erhalten. Die wohnt nun bei ihrer Tante Britt. Livias beste Freundin wird demnächst (den Falschen) heiraten, ihr bester Freund Bennet ist ständig beruflich unterwegs und ebenso Leander ist abgetaucht. Aber auch Nicholas geht es nicht gut
. “Normalerweise kommt jetzt der Siegermoment. Diese ganz bestimmte Mischung aus Genugtuung, Machtgefühl und Gerechtigkeitssinn. Normalerweise würde ich jetzt hier sitzen und mir vorstellen, wie die reichen Bonzen vor Wut völlig ausrasten, weil wir sie verarscht haben. Weil wir etwas bewirkt haben. Aber heute nicht. Heute passiert in mir rein gar nichts.” (Zitat aus “Vienna: Hiding Darkness” S.17) Allmählich beginnt er gewisse Dinge zu überdenken. Und dann findet Nicholas plötzlich bei seiner Mutter Unterlagen, die alles verändern. Weil sein Herz doch irgendwie für Livia schlägt, was er sich erst nach und nach einzugestehen vermag, kehrt er schließlich zurück nach Wien. Und konfrontiert Livia mit seinem Wissen: “Ich glaube, sie lebt.” Die fünf Silben flattern durch den Raum auf mich zu. Mein Gehör hat sie registriert. Mein Verstand nicht. “Was?”, frage ich nach, weil ich mir sicher bin mich verhört zu haben. “Deswegen bin ich hier. Ich habe Grund zur Annahme, dass deine Mutter nicht vor sechs Monaten verstorben ist.” (Zitat S.83) Am liebsten möchte Livia mit Nicholas nichts mehr zu tun haben, doch nun muss sie mit ihm zusammenarbeiten, um mehr über den Verbleib ihrer Mutter herauszufinden. Dabei sprunken die Funken erneut zwischen ihnen. Aber kann Livia ihm jemals wieder vertrauen?
Der Farbschnitt der Erstauflage ist diesmal gold schimmernd, was mit dem schwarzen Einband der Klappenbroschur sehr edel und überaus passend wirkt. Während der erste Teil der Reihe komplett (bis auf ein Kapitel am
Ende) aus Livias Sicht erzählt wurde, teilen sich in der Fortsetzung — neben einigen Presseartikeln von “Vienna Spotlight” - beide Hauptfiguren die jeweiligen Kapitel und es berichten sowohl Livia als auch Nicholas in der Ich-Perspektive. Nun auch Nicholas Empfindungen hautnah mitzuerleben, hat einen gewissen Reiz und schafft einerseits noch mehr Verständnis für seine Handlungen, nimmt dadurch jedoch auch ein wenig an Spannung, da man eben schon weiß, was er denkt und dass er es wirklich ernst meint. Selbst wenn er es sich zu Beginn noch nicht eingestehen möchte. “Sie ist nur eine Zielperson. Nur. Eine. Stinknormale. Zielperson. Vielleicht muss ich mir das immer wieder sagen, damit mein vernebeltes Hirn und mein Felsenherz es glauben. Sie ist ein verwöhntes reiches Gör, das ich um Geld gebracht habe, weil es zu viel davon hat. Mehr nicht. Sie bedeutet mir nichts. Sie darf mir nichts bedeuten. Sonst kann ich alles, was ich in meinem Leben aufgebaut habe, gleich in die Tonne treten.” (Zitat S.19) In die Geschichte kommt man schnell wieder herein, taucht ab in die glitzernde High Society Wiens. Während sich jene kaum verändert zu haben scheint, hat es Livia hinge
gen schon. “Na ja, die alte Livia hätte anders reagiert”, gibt Vic zaghaft zu bedenken. Auf so einen Scheiß. Die alten Livia wäre völlig ausgerastet.” “Ja, stimmt. Vor ein paar Monaten wäre ich wohl dauerhigh und jeden Tag auf irgendeiner Party gewesen.” “Aber die neue Livia macht das nicht.” “Kann sie ja auch nicht.” So gern sie es auch würde, aber das verschweige ich. “Wenn ich mir ständig was einwerfen, mich betrinken und feiern gehen würde, könnte ich die Vormundschaft für Nora vergessen” (Zitat S.32) Livia verzichtet auf ihre regelmäßigen Abstürze, ist auch ihren Freunden gegenüber ehrlicher und zeigt sich verletzlicher. Und dennoch ist sie sehr enttäuscht, leidet stark unter Nicholas Verrat, was auch diesem deutlich bewusst ist: “…ich darf nicht daran denken, dass sie zerbrechen wird. Wegen mir. Wegen dem, was ich ihr angetan habe. Sie, die niemandem vertraut, hat ihr Vertrauen ausgerechnet mir geschenkt. Der absolut falschen Person. Bei der Vorstellung wird mein Herz ein scharfkantiger Felsen, der sich von innen gegen meine Rippen drückt. Fuck. Ich muss damit aufhören” (Zitat S.18) Neben dem großen Thema Vertrauen werden auch noch viele ander tiefgründige Themen in “Vienna: Hiding Darkness” angesprochen: Gewalt in der Familie, Traumata, Schuld und das Loslösen von der eigenen Familie. Die Sprache von
Lara Holthaus ist wieder gewohnt kraftvoll und sehr bildhaft und außergewöhnlich: “Ich will etwas sagen. Will Messerworte wieder auf sie feuern, doch sie werden in meiner Kehle zu winzigen, unbedeutenden Nadeln. […] “Wir zwei gegen den Rest der Welt”, höre ich mich sagen. Mein Herz wird zu einem Backstein, der in meinen Bauch fällt und alles zerquetscht. Meine Organe und meine Rebellion.” (Zitat S.59) Die Gefühle ihrer Protagonisten zu schildern gelingt der Autorin sehr gut, vor allem das Hin- und Her zwischen Livia und Nicholas ist höchst unterhaltsam. “Ich will nicht, dass er aufgibt. Aber ich sollte es wollen. Ich will ihn küssen. Aber ich sollte das nicht wollen. Gewinne ich oder verliere ich gerade? Spielen wir noch das gleiche Spiel oder hat er wieder die Regeln geändert, ohne dass ich es bemerkt habe?” (Zitat S.185) Auch das Geplänkel zwischen Nick und Leander liest sich wunderbar amüsant. Am Ende ist es fast ein wenig schade, sich von den Haupt- und Nebenfiguren verabschieden zu müssen, die man irgendwie dann doch ins Herz geschlossen hat. Jedoch erwartet die Leser:innen zum Abschluss noch einmal ein richtig schöner Showdown und noch die ein oder andere Überraschung.
Dir gefällt der Erzählstil von Lara Holthaus? Falls du den ersten Teil der “Vienna”-Reihe noch nicht gelesen hast, beginne unbedingt mit diesem: “Blinding Lights”. Oder lies noch die Debüt-Reihe der Autorin: “Academia of Avondale”: “Trust & Truth” (Band 1) und “Duty & Demand” (Band 2). Eine aktuellere, gelungene Romance, in der ein Stiefbruder die neue Familie durcheinanderbringt, ist auch “Culpa mía” von Mercedes Ron. Andere “Stiefbrüder”-Romane (alles Reihen) sind “Paper Princess” von Erin Watt, “Dark Love: Dich darf ich nicht lieben” von Estelle Maskame. Gut könnte ich mir auch “Rush of Love: Verführt” von Abbi Glines vorstellen. Oder tauch ab in die Welt der High Society der “Never be”-Reihe von Kate Corell: “Never be my date” (Band 1) und “Never be my enemy” (Band 2).
Bibliografische Angaben:Verlag: Carlsen ISBN: 978-3-551-58541-7 Erscheinungsdatum: 29.August 2024 Einbandart: Broschur Ausstattung: Erstauflage mit goldenem Farbschnitt Preis: 16,00€ Seitenzahl: 464 Kasimira auf Instagram:
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(4,5 von 5 möglichen Punkten)

Verlag: Carlsen
ISBN: 978-3-551-58541-7
Erscheinungsdatum: 29.August 2024
Einbandart: Broschur
Ausstattung: Erstauflage mit goldenem Farbschnitt
Preis: 16,00€
Seitenzahl: 464
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