“Vienna: Blinding Lights” ist der erste Teil einer neuen zweibändigen New Adult Romance-Reihe von der deutschen Autorin Lara Holthaus. Eine Autorin, die man sich merken sollte! Sie entführt in die Wiener High Society. Livia ist die Tochter des Bürgermeisters — reich, bildhübsch und hat eine halbe Million Follower. Das It-Girl stürzt sich regelmäßig ins Partyleben, viele wollen so sein wie sie. Doch der Schein trügt. Eigentlich ist Livia todunglücklich, seit ihre Mutter die Familie überraschend verlassen hat. Erst der Sohn der neuen Freundin ihres Vaters, scheint hinter ihre Fassade zu blicken. Dabei hat sich Livia in den Kopf gesetzt ihn und seine Mutter dringend wieder loszuwerden. Aber irgendetwas ist das zwischen ihnen, auch wenn sie ihren neuen Stiefbruder eigentlich nicht ausstehen kann… Eine spicy Lovestory, die sich wirklich zu lesen lohnt! Jede Menge Wien-Vibes, große Emotionen, eine Achterbahn der Gefühle und vor allem eine wunderschöne, bildhafte Sprache, die die Zerrissenheit der Protagonistin perfekt in Worte fasst. Großer Lesetipp! Für Jugendliche ab 16 Jahren und vor allem Erwachsene.
Wien. Die 20-jährige Livia führt ein Leben der Luxusklasse. “Denn es sind Familien wie meine, die in dieser Welt das Zepter in der Hand halten. Familien, die schon seit Generationen an der Spitze der Stadt stehen und deren Geld sich bis zur Kaiserin Sisi zurückverfolgen lässt.” (Zitat aus “Vienna: Blinding Lights” S.18) Livia ist reich, ihr Vater ist nicht nur ein erfolgreicher Immobilienmakler, sondern auch Bürgermeister, sie arbeitet als Model und studiert BWL. Sie sieht toll aus und hat eine halbe Million Follower auf Instagram. Viele wollen
so sein wie sie. “Ein Anflug von Bewunderung und Ehrfurcht flammt in ihren Mienen auf, jedes Mal wenn einer von ihnen verstohlen zu mir heraufsieht. Das und der leise Wunsch, ich zu sein, Livia Hohenburg.” (Zitat S.13) Doch eigentlich ist sie nicht wirklich glücklich. Denn seit ihre Mutter vor einem Jahr die Familie verließ, ist Livias Welt nicht mehr dieselbe. Alles ist bedeutungslos geworden und trotzdem muss sie so tun, als sei alles normal. “Wien verzeiht nicht. Wien vergisst nicht. Wenn du vor den Augen Wiens einmal fällst, lässt es dich nicht wieder aufstehen. Wien ergötzt sich an deinem Leid. Wien wäre schadenfroh, weil die unantastbare Livia Hohenburg doch nicht so unantastbar ist. Alle würden schockiert feststellen, dass die Königin am Ende doch nur ein ganz normales Mädchen ist.” (Zitat S.22) Deshalb geht sie ständig feiern, trinkt zu viel, nimmt regelmäßig Drogen und lässt sich von One-Nights-
Stands von ihrem Leid ablenken. Doch dann verkündet ihr Vater unerwartet, dass er eine neue Freundin hat. Dass sie und ihr Sohn Nicholas nun zu ihnen ziehen werden. “Ich will aufspringen, wie ein Furie durch dieses verfluchte Restaurant rennen und die Freundin meines Vaters mit dem Rotwein, der vor mir steht, übergießen. Fast ist es, als könnte ich sie vor mir sehen. Die vor Schock geweiteten Augen der Wiener High Society, die zum ersten Mal Zeuge davon wird, wie Livia Hohenburg öffentlich die Kontrolle verliert.” (Zitat S.50) Dass ihre Mutter nun jemals wieder zu ihnen zurückkommen und Teil ihrer Familie werden könnte, scheint unmöglich. Deshalb beschließt Livia Nicholas und seine Mutter schnell möglichst loszuwerden. Vor allem Nicholas kann sie überhaupt nicht ausstehen. Denn er schafft etwas, das normalerweise
nicht einmal ihren besten Freunden gelingt: er schaut hinter ihre Fassade. “Es macht mir Angst, dieses Du-bist-kaputt-und-ich-habs-gecheckt-Ding. Das ist neu. Normalerweise funktioniert meine Maske hervorragend. Ich kann sie alle damit blenden, meine Schatten verbergen und so tun, als wäre ich… unverwundbar. Nicht bei ihm. Er ist immun gegen mein blendendes Licht.” (Zitat S.151) Etwas, das Livia gar nicht gefällt, auch dass er trotz seiner Arroganz so anziehend und attraktiv ist…
Das Cover von “Vienna: Blinding Lights” ist sehr stilvoll und elegant, passend zur High-Society-Welt Wiens. Der Roman startet mit einem Stadtpan Wiens und einer Playlist und wird durchgehend aus Livias Sicht in der Ich-Perspektive
erzählt. Ergänzt wird ihre Sicht zuweilen durch redaktionelle Berichte von “Vienna Spotlight”, das über den neuesten Klatsch und Tratsch berichtet und ganz am Ende mit einem Kapitel aus Nicks Perspektive. Sehr gekonnt gestaltet sind die Überschriften des in Kapitel eingeteilten Buches — hier gibt es faszinierende, wohlklingende Namen wie “Zauberhaftschmerzlich”, “Champagnernebel” oder andere Wortneuschöpfungen wie “Menschenmengentrubelversteck”, “Ohrfeigenerkenntnisse” und “Lebenskotze”. Bereits nach wenigen Seiten ist man schon mitten in der Geschichte, hat vor allem ganz schnell ein Gefühl für die Geschichte, für ihre Protagonistin und die Grundkonflikte des Romans. Vor allem Lara Holthaus Sprache ist äußerst atmosphärisch, davon zeugen bereits die ersten Sätze des Buchs: “Ich stehe auf der Empore des Sapphire und fange die Blicke auf, die sich wieder und wieder zu mir nach oben schleichen. Sie lecken an mir wie Flammen, sind allzeit bereit mich zu verschlingen. Doch ich tue, als würde ich nichts
davon bemerken. […] Ich bleibe so kühl wie das Kristallglas in meiner Hand, das das Farbenspiel der Diskokugel oben an der hohen Decke reflektiert. Der Wechsel von Grün, Blau, Gelb, Rot tanzt in den Bläschen meines Champagners.” (Zitat S.11) Aber auch im Folgenden staunt man immer wieder über die Intensität ihrer Sprache, die Vergleiche, die sie schafft — rasiermesserscharf und mit allen menschlichen Abgründen: “Ich schiebe die Dunkelheit zur Seite, die begonnen hat wie schwarzes Gift durch meinen Venen zu kriechen” (Zitat S.15) und “Ich greife nach meinem Glas, das noch immer golden schimmernd auf der Brüstung steht. Nah am Abgrund. Nur eine Unachtsamkeit, nur einen Fehltritt davon entfernt, zu fallen und unter den Blicken der Wiener High Society in eine Million Scherben zu zerspringen.” (Zitat S.15) Zuweilen schleicht sich
auch eine Prise Humor in die Dialoge und ein gewisser Sarkasmus, der jede Menge Spaß zu lesen macht: “Einen Plan?” Meiner ist es eigentlich, mein Bett heute nur für das Nötigste zu verlassen, mir Essen zu bestellen und den ganzen Tag The Bold Type zu rewatchen. Mir gefällt mein Plan. Mein Plan ist besser als ihrer. Mein Plan zeigt ihrem Plan den Mittelfinger und lacht.” (Zitat S.80) Livia als Charakter ist sehr gut getroffen. Eine junge Frau, die gelernt hat ihre Gefühle zu verbergen. Die eine Maske trägt und niemanden an sich heranlässt. “Für eine Millisekunde blitzt mir das Zukunftsschwarz, das sich vor einem Jahr darin eingenistet hat und seitdem nicht mehr verwschwinden will, so deutlich entgegen, dass sich eine Faust in meinen Magen rammt. Dann verstreicht der Moment und mir fällt wieder ein, dass mir nur das Hier und Jetzt geblieben ist. Also tue ich,
was ich immer tue. Ich stehe aufrecht, hebe das Kinn und pflastere mir ein Tausend-Watt-Lächeln auf die Lippe. Dann proste ich mit der Champagnerflöte in die Kamera.” (Zitat S.12) Und doch zerbricht sie in gewisser Weise an der Bedeutungslosigkeit ihres Lebens, an den Oberflächlichkeiten. “Vienna: Blinding Lights” ist eine teils schmerzvolle Geschichte. Eine, die unter die Haut geht und vor allem die Schattenseiten eines Lebens in der Welt der High Society zeigt. “Ich bin schön. Und ich weiß das. Das Problem mit der Schönheit ist nur: Sie ist im Kern ihres Seins absolut bedeutungslos. Ja, sie öffnet Türen, und ja, manchmal öffnet sie sogar Herzen. Aber wenn man es genauer betrachtet, lassen die Menschen nie mich auf ihre Partys und in ihr Leben. Sie wollen nicht mich oder das, was wirklich in mir vorgeht. Sie wollen die bloße Vorstellung von mir. Sie wollen Livia Hohenburg. M
ein wahres Ich ist der Welt da draußen scheißegal.” (Zitat S.62) Mit Nicholas taucht nicht nur der Love-Interest der Story auf, sondern auch eine Person, die hinter ihre Fassade blicken kann. Mühelos. Etwas, das nicht einmal ihre besten Freunde schaffen. Der etwas in Livia berührt, obwohl sie ihn eigentlich hassen möchte. Das Hin- und Her zwischen den beiden liest sich höchst mitreißend und prickelnd. Und am Ende — wow! Da habt mich die Autorin wirklich noch einmal überrascht. Der Cliffhanger ist äußerst fies und man möchte unbedingt wissen, wie es in Band zwei weitergehen wird! Dieser erscheint jedoch glücklicherweise noch bereits in diesem Jahr.
Dir gefällt der Erzählstil von Lara Holthaus? Dann lies noch ihre Debüt-Reihe “Academia of Avondale”: “Trust & Truth” (Band 1) und “Duty & Demand” (Band 2). Oder freu dich auf die Fortsetzung zu “Vienna: Blinding Lights”, die Ende August 2024 erscheinen wird: “Vienna: Hiding Darkness”. Eine aktuellere, gelungene Romance, in der ein Stiefbruder die neue Familie durcheinanderbringt, ist auch “Culpa mía” von Mercedes Ron. Andere “Stiefbrüder”-Romane (alles Reihen) sind “Paper Princess” von Erin Watt, “Dark Love: Dich darf ich nicht lieben” von Estelle Maskame. Gut könnte ich mir auch “Rush of Love: Verführt” von Abbi Glines vorstellen.
Bibliografische Angaben:Verlag: Carlsen ISBN: 978-3-551-58539-4 Erscheinungsdatum: 21.März 2024 Einbandart: Broschur Ausstattung: Erstauflage mit schwarzem Farbschnitt Preis: 16,00€ Seitenzahl: 432 Kasimira auf Instagram:
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Verlag: Carlsen
ISBN: 978-3-551-58539-4
Erscheinungsdatum: 21.März 2024
Einbandart: Broschur
Ausstattung: Erstauflage mit schwarzem Farbschnitt
Preis: 16,00€
Seitenzahl: 432
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