Laila El Omari — Wozu wir fähig sind

Kasimira26.Juli 2020

Wozu wir fähig sind” ist ein Roman der deut­schen Autorin Lai­la El Oma­ri, der eine Cli­que in den Mit­tel­punkt stellt, die uner­war­tet Zuwachs erhält und deren neue Mit­glie­der schein­bar etwas im Schil­de füh­ren. Eine Geschich­te über Freund­schaft, Mani­pu­la­ti­on und Rache. “Der Graf von Mon­te Chris­to” rel­oa­ded. Fas­zi­nie­rend, anders, mit erzäh­le­ri­schen Schwä­chen. Für Jugend­li­che ab 14 Jah­ren und inter­es­sier­te Erwach­se­ne.

Seit fünf Jah­ren sind sie ein Paar. Der belieb­te Patrick und die schö­ne Ali­na. “Ali­na bemerk­te die Bli­cke der Mäd­chen zu Patrick. Das war nicht neu, Patrick hat­te die­se Wir­kung auf sie, und es gab nicht weni­ge, die Ali­nas Freund­schaft such­ten, um ihm nahe zu sein. Sie beweg­te sich in der ruhi­gen Gewiss­heit, dass es für Patrick nie­man­den außer ihr gab, die unan­fecht­ba­re Selbst­si­cher­heit der Besit­zen­den.” (Zitat aus “Wozu wir fähig sind” S.14). Um sich scha­ren sie eine gro­ße Cli­que. Eine Cli­que, zu der plötz­lich auch Alex­an­der gehört. Mit einer Gru­sel­ge­schich­te, die er auf einer Par­ty erzählt, macht er auf sich auf­merk­sam. “Er war irgend­wann ein­fach da, gesell­te sichKasimiraso selbst­ver­ständ­lich zu ihnen, als ken­ne er sie seit Jah­ren. Dass er ohne Wei­te­res in die Run­de auf­ge­nom­men wur­de, lag ver­mut­lich [..] an sei­ner Aus­strah­lung” (Zitat S.16) Mit in die Grup­pe bringt Alex­an­der eben­falls die bild­hüb­sche Leo­no­ra. Ob sie sei­ne fes­te Freun­din, eine Freun­din oder Affä­re ist, weiß nie­mand so genau. Aber sie stu­diert nicht, so wie die ande­ren, son­dern macht ihr Abitur nach. “Ali­na wuss­te nicht, war­um, aber sie moch­te Leo­no­ra nicht. Es war, als laue­re etwas Dunk­les in ihrem Blick, und Ali­na hat­te die Dun­kel­heit schon als Kind nicht gemocht.” (Zitat S.34) Und Ali­nas Gefühl scheint nicht zu täu­schen, irgend­et­was schei­nen Alex­an­der und Leo­no­ra vor zu haben. Doch als sie das Gan­ze durch­schaut, ist es schon fast zu spät…

KasimiraDas Cover ist schön gemacht, mal etwas ande­res mit den foto­gra­fier­ten Men­schen und den beschrif­te­ten Eigen­schaf­ten — dazu noch die die gerill­te Hap­tik und die leuch­tend oran­ge Schrift — ein Hin­gu­cker! Der Roman star­tet mit einem Pro­log, in dem eine namen­lo­se Jog­ge­rin eine ihr bekann­te Per­son zu fin­den scheint, die sich soeben an einem Baum auf­ge­hängt hat: “Sie hob den Blick, bemerk­te die Linie des Seils, das sich hin­ter sei­nem Kopf erhob, trat näher, sah die einst­mals ver­trau­en Züge an. Hör­te sei­ne letz­ten Wor­te. Ich habe sonst nie­man­den. Dann schrie sie. Und schrie. Und schrie.” (Zitat S.6) Dann folgt der Haupt­teil, der immer wie­der mit der Kapi­tel­über­schrift “Danach” gekenn­zeich­net ist und einem Zitat einer Per­son, die wie ein Zeu­gen­aus­sa­ge klingt, ein­ge­lei­tet wird. Hier wech­seln die per­so­na­len Erzähl­per­spek­ti­ven zwi­schen Leo­no­ra und Ali­na und spä­ter auch Han­nah. Außer­dem tau­chen Ein­schü­be eines gewis­sen “Nico Kasimira- Sie­ben Jah­re zuvor” auf. Am Anfang ist die Lek­tü­re ein wenig anstren­gend. Die Per­so­nen sind noch nicht rich­tig greif­bar, die Zusam­men­hän­ge schwer ein­zu­ord­nen, die Moti­ve der Agie­ren­den völ­lig unklar. Man­ches wirkt etwas ver­wor­ren. Immer wie­der durch­zie­hen Andeu­tun­gen den Text, die vor allem klar machen, dass Leo­no­ra und Alex­an­der nicht mit offe­nen Kar­ten spie­len, die alles irgend­wie bis ins Detail geplant haben: “Luca hat­te etwas Lau­ern­des, das auf Leo­no­ra zutiefst absto­ßend wirk­te. Aber davon hat­te Alex­an­der ihr ja schon erzählt, schließ­lich war ihre Wahl nicht zufäl­lig auf die­ses Café gefal­len.” (Zitat S.44) An sich sind sol­che Anspie­lun­gen ja span­nend, aber manch­mal gibt es ein­fach zu vie­le Unge­reimt­hei­ten, auch Logik­feh­ler. Bei­spiels­wei­se betre­ten die Zwei ein klei­nes Geschäft, um etwas zu kau­fen, reden mit einem Ange­stell­ten, des­sen Freun­din plötz­lich her­ein­kommt: “Alex­an­der run­zel­te die Stirn. Leo­no­ra konn­te ihm förm­lich anse­hen, was er dach­te. Eine Unbe­kann­te in der GleiKasimirachung? Er wand­te sich wie­der den Lauf­schu­hen zu, und Leo­no­ra spür­te die vibrie­ren­de Unge­duld der bei­den, end­lich allein zu sein.” (Zitat S.46). Doch Sekun­den spä­ter spricht er sie an und scheint ihren Vater zu ken­nen. Da passt vom Gefühl her man­ches irgend­wie nicht zusam­men. Die Cha­rak­te­re sind in “Wozu wir fähig sind” auch nicht sehr tief­grün­dig ange­legt. Öfters gibt es auch Stel­len, an denen nicht klar ist, von wel­cher Per­son gera­de die Rede ist und man mehr­mals nach­le­sen muss. Den­noch ist das Geflecht der Per­so­nen und ihr Wir­ken unter­ein­an­der irgend­wo fas­zi­nie­rend. Was führt Alex­an­der im Schil­de? Wel­che Ver­gan­gen­heit hat Leo­no­ra? Wird Ali­na Patrick betrü­gen? Trotz manch erzäh­le­ri­scher Schwä­che möch­te man dann die Auf­lö­sung ken­nen. Vie­les erahnt man jedoch bereits viel zu früh. Das Ende blieb lei­der etwas blass.

Fazit: Die Grund­idee ist toll, die erzäh­le­ri­sche Umset­zung gefiel mir nicht immer. Da wur­de viel Poten­ti­al ver­schenkt.

Du möch­test noch etwas ande­res von Lai­la El Oma­ri lesen? Dann greif noch zu ihren wei­te­ren Jugend­bü­chern “Klip­pen­tanz”  (fand ich auch eher durch­schnitt­lich) und “Schat­ten­mäd­chen”. Du magsLesealternativent Bücher, in denen Rache eine Rol­le spielt? Dann könn­te die zwei­tei­li­ge Rei­he von Andre­as Götz etwas für dich sein: “Bad Boys & Litt­le Bit­ches” (Band 1) und “Bad Boys & Litt­le Bit­ches: Klei­ne Sün­den” (Band 2). Du fin­dest Roma­ne über das The­ma Mani­pu­la­ti­on span­nend? Sehr gelun­gen fand ich hier­zu “Unter Freun­den” von Tho­mas Fuchs. Oder lies Spring in den Him­mel” von Lot­te Kin­s­ko­fer, “Du denkst, du weißt, wer ich bin” von Em Bai­ley und “Spin­nen­fal­le” von Nina Schind­ler. Noch mehr Bücher von bösen Mäd­chen gefäl­lig? Dann lies zum Bei­spiel “Die Beses­se­ne” von S.B.Hayes, “Böse, böse” von Eliza­beth Woods oder “Tote Mäd­chen schrei­ben kei­ne Brie­fe” von Gail Giles. Für Erwach­se­ne oder Jugend­li­che ab 16 wären auch “Böses Mäd­chen” von Amé­lie Nothomb und “Die Wahr­heit über Ali­ce” von Rebec­ca James zu emp­feh­len.

Bibliografische Angaben:
Schilder was wo wer wannVerlag: Coppenrath
ISBN: 978-3-649-67019-3
Erscheinungsdatum: 19.Juni 2020
Einbandart: Hardcover
Preis: 16,00€
Seitenzahl: 256
Übersetzer: -
Originaltitel: -
Originalverlag: -
Originalcover: -

Lesung aus "Wozu wir fähig sind":

Kasimiras Bewertung:

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(2,5 von 5 mög­li­chen Punk­ten)

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