Kristina Ohlsson — Gänsehaut in Hovenäset: Sternengrab

31.Januar 2026

“Ster­nen­grab” ist zwei­te Teil der “Gän­se­haut in Hovenäset”-Reihe von der schwe­di­schen Erfolgs­au­torin Kris­ti­na Ohls­son, der aber auch unab­hän­gig von Band 1 “Flam­men­rad” gele­sen wer­den kann. Er ent­führt erneut in das 100-Per­so­nen-klei­ne Küs­ten­städt­chen Hove­nä­set (so wie in ihrer August-Strind­berg-Kri­mi-Rei­he für Erwach­se­ne). Dies­mal spielt nicht Hei­di, son­dern ihre bes­te Freun­din Alva die Haupt­rol­le. Der Tod von Alvas Vater ist bald 1000 Tage her. Etwas, das das jun­ge Mäd­chen kei­nes­falls akzep­tie­ren kann. Sie will unbe­dingt her­aus­fin­den, wie es zu dem Unfall­tod auf offe­ner Stra­ße kom­men konn­te. Doch dann gesche­hen selt­sa­me Din­ge. Eine schwar­ze Kat­ze taucht immer wie­der auf. Ein merk­wür­di­ges Mäd­chen mit einer Mut­ter, die nicht spricht. Und irgend­et­was scheint auch mit der alten Boots­hüt­te, die Alvas Mut­ter gekauft hat, nicht zu stim­men… Auch der zwei­te Band zieht schnell in den Bann! Geheim­nis­voll, äußerst tem­po­reich und mys­te­ri­ös. Die Autorin ver­steht es defi­ni­tiv ihre Leser:innen um den Fin­ger zu wickeln. Für taf­fe und ner­ven­star­ke Jugend­li­che ab 11 Jah­ren und inter­es­sier­te Erwachsene.

Die 12-jäh­ri­ge Ava lebt mit ihrer Mut­ter und ihrem klei­nen Bru­der Ivan in Hove­nä­set, einem klei­nen Dorf in Schwe­den. Sie woh­nen in einem etwas grö­ße­ren Wohn­wa­gen auf einem Cam­ping­platz. Ihr Vater ist vor unge­fähr drei Jah­ren gestor­ben. Sein Unfall konn­te nie voll­stän­dig geklärt wer­den. “Er war an einem kal­ten Nach­mit­tag Anfang März gestor­ben. Das war jetzt zwei Jah­re und acht Mona­te her. Fast tau­send Tage. Doch außer Ava zähl­te die nie­mand mehr. Sie schien die Ein­zi­ge zu sein, die sich immer noch frag­te, was damals pas­siert war, als er starb.” (Zitat aus “Ster­nen­grab” S.7) Er wur­de auf offe­ner Stra­ße von einem Auto ange­fah­ren. Der Täter flüch­te­te. Doch war­um lief ihr Vater bei Dun­kel­heit mit­ten auf die Stra­ße? Um ein­kau­fen zu gehen, was er an dem Abend vor­ge­habt hat­te, hät­te er die Stra­ßen­sei­te gar nicht wech­seln müs­sen. Ava, die damals neun Jah­re alt war, hat dies nie los­ge­las­sen. Jetzt mit 12 Jah­ren möch­te sie — da die Poli­zei längst auf­ge­hört hat zu suchen — unbe­dingt her­aus­fin­den, wie ihr Vater wirk­lich ums Leben gekom­men ist. Denn sein Tod ist bald 1000 Tage her und vor­her möch­te sie das Rät­sel unbe­dingt lösen. Ihre Mut­ter ist schein­bar zum nor­ma­len All­tag über­ge­gan­gen. Sie ist dabei ein altes Boots­haus zu kau­fen und in ein Strand­ca­fé zu ver­wan­deln. “Alva horch­te in die Stil­le und merk­te, dass sie immer noch fror. Irgend­et­was fühl­te sich an der Strand­hüt­te falsch an.” (Zitat S.21) Die ehe­ma­li­gen Besit­zer hat­ten Möbel und auch pri­va­te Sachen wie Comics und alte Noten ein­fach zurück­ge­las­sen und woll­ten sie angeb­lich nicht mehr haben. Auch hat­ten sie sich seit meh­re­ren Jah­ren in der Strand­hüt­te nicht mehr bli­cken las­sen. Dann taucht auch noch eine selt­sa­me Kat­ze in der Hüt­te auf, als die Mak­le­rin auf­schließt. Wie ist die Kat­ze dort hin­ein­ge­kom­men? Und was ist das für ein selt­sa­mes Rohr unter dem Boots­haus? Und wer ist das Mäd­chen, das in dem Dorf immer wie­der erscheint? Gemein­sam mit ihren Freun­den ver­sucht Ava mehr her­aus­zu­fin­den. Als sie in der Strand­hüt­te einen Zet­tel fin­det, den ein­deu­tig ihr Vater kurz vor sei­nem Tod geschrie­ben hat, wird die Sache immer rätselhafter…

Das Cover hat Wie­der­erken­nungs­wert, wobei sich der Sinn des Titels mir nicht so ganz erschließt. Der Mys­tery­thril­ler ist durch­ge­hend aus Avas Sicht in per­so­na­ler Erzähl­wei­se geschrie­ben und spielt in einer herbst-win­ter­li­chen Atmo­sphä­re: “Es war die ers­te Novem­ber­wo­che, und bald wür­de der Win­ter nach Hove­nä­set kom­men. Der Cam­ping­platz, auf dem Alva und ihre Fami­lie leb­ten, war groß und men­schen­leer. Nie­mand weit und breit.” (Zitat S.6) Das Set­ting der klei­nen Küs­ten­stadt ist wie­der gut getrof­fen. Abge­le­gen. Ein­sam. Mit einer über­schau­ba­ren Per­so­nen­zahl. “Ihre Cou­si­ne in Göte­borg hat­te Hove­nä­set mal den kleins­ten Ort der Welt genannt. Hier gab es kei­ne Läden, kei­ne Restau­rants, kei­ne Hotels, nicht ein­mal eine Schu­le. Aber es gab unge­fähr hun­dert wei­ße Häu­ser, einen Kiosk, der im Som­mer geöff­net hat­te, und jede Men­ge Strand­hüt­ten.” (Zitat S.12) Das Buch kann auch unab­hän­gig von “Flam­men­rad” gele­sen wer­den. In Band 1 spiel­te Hei­di die Haupt­rol­le. In Band 2 ist es Ava. Die Freun­de tau­chen natür­lich auch in “Ster­nen­grab” auf: “Hei­di und Har­ry waren näm­lich das Bes­te dar­an, dass Alvas Fami­lie vor ein paar Jah­ren von Kungs­hamn auf den Cam­ping­platz von Hove­nä­set gezo­gen war. Jetzt wohn­ten sie viel näher bein­an­der. Sie waren schon von klein auf Freun­de und gin­gen mitt­ler­wei­le in die­sel­be Klas­se.” (Zitat S.10) Es gibt win­zi­ge Anspie­lun­gen auf den ers­ten Teil, die aber gut über­le­sen wer­den kön­nen und nicht sinn­stif­tend für die Geschich­te sind. Die Spra­che von Kris­ti­na Ohls­son ist sehr klar und ein­fach. Vie­le kur­ze Sät­ze mit einem sehr hohen Erzähl­tem­po. Gekonnt setzt sie ihren Leser:innen eine mys­te­riö­se Hand­lung nach der ande­ren vor. Nächt­li­che Schrit­te im Wohn­wa­gen, die wie die von Alvas ver­stor­be­nem Vater klin­gen. Eine Kat­ze, die immer wie­der ihren Weg kreuzt. Ein hand­ge­schrie­be­ner Notiz­zet­tel ihres Vater, der für Ver­wir­rung sorgt. Ein selt­sa­mes Rohr unter der Strand­hüt­te. Ein noch viel selt­sa­me­res Mäd­chen mit einer Mut­ter, die nicht spre­chen kann. “Ster­nen­grab” sorgt für so manch schau­er­li­che Momen­te und zieht einen förm­lich in einen Lese­sog hin­ein. Ein­mal ange­fan­gen, möch­te man unbe­dingt all die­se ver­wir­ren­den Details in ein stim­mi­ges Gesamt­bild brin­gen. Die Cliff­han­ger am Ende der recht kur­zen Kapi­tel las­sen einen dabei mühe­los über die Sei­ten flie­gen. Das Ende ist rasant und fes­selnd und klingt dies­mal (im Gegen­satz zu Band 1) fast wohl­wol­lend aus.

Du möchs­test wis­sen, was in Hove­nä­set noch so alles pas­siert ist? Dann lies unbe­dingt auch noch den ers­ten Band Lesealternativender “Gän­se­haut in Hove­nä­set”-Rei­he: “Flam­men­rad”. Kris­ti­na Ohls­son hat auch ande­re Jugend­bü­cher geschrie­ben. Lies von ihr noch “Das Geheim­nis von Hes­ter Hill” oder die “Glas­kin­der”-Rei­he: “Glas­kin­der” (Band 1), “Sil­ber­jun­ge” (Band 2) und “Stei­nen­gel” (Band 3). Du magst gru­se­li­ge Geschich­ten? Etwas neu­er sind noch “Whisper­ling: Die Geis­ter-Detek­ti­vin” von Hay­ley Hos­kins und “Dread Wood: Töd­li­ches Nach­sit­zen” von Jen­ni­fer Kil­lick. Emp­feh­len kann ich dir außer­dem “Bloom: Die Apo­ka­lyp­se beginnt in dei­nem Gar­ten” und “Das Nest” von Ken­neth Oppel (hier spielt auch ein Baby eine wich­ti­ge Rol­le). Eine eben­falls schwe­di­sche Autorin ist Kers­tin Lund­berg Hahn, die mit dem schon etwas älte­ren “Der Schat­ten an mei­ner Wand” für jede Men­ge gru­se­li­ge und span­nen­de Momen­te sorgt.

Bibliografische Angaben:
Schilder was wo wer wannVerlag: Oetinger
ISBN: 978-3-7512-0574-0
Erscheinungsdatum: 14.Januar 2026
Einbandart: Hardcover
Preis: 15,00€
Seitenzahl: 240
Illustrator*in: Tobias Goldschalt
Übersetzer*in: Susanne Dahmann
Originaltitel: "Stjärngraven"
Originalverlag: Bonnier Carlsen

Schwedisches Originalcover:






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Kasimiras Bewertung:

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(4,5 von 5 mög­li­chen Punkten)

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Schwedisches Cover: Homepage von Bonnier Carlsen

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