“Sternengrab” ist zweite Teil der “Gänsehaut in Hovenäset”-Reihe von der schwedischen Erfolgsautorin Kristina Ohlsson, der aber auch unabhängig von Band 1 “Flammenrad” gelesen werden kann. Er entführt erneut in das 100-Personen-kleine Küstenstädtchen Hovenäset (so wie in ihrer August-Strindberg-Krimi-Reihe für Erwachsene). Diesmal spielt nicht Heidi, sondern ihre beste Freundin Alva die Hauptrolle. Der Tod von Alvas Vater ist bald 1000 Tage her. Etwas, das das junge Mädchen keinesfalls akzeptieren kann. Sie will unbedingt herausfinden, wie es zu dem Unfalltod auf offener Straße kommen konnte. Doch dann geschehen seltsame Dinge. Eine schwarze Katze taucht immer wieder auf. Ein merkwürdiges Mädchen mit einer Mutter, die nicht spricht. Und irgendetwas scheint auch mit der alten Bootshütte, die Alvas Mutter gekauft hat, nicht zu stimmen… Auch der zweite Band zieht schnell in den Bann! Geheimnisvoll, äußerst temporeich und mysteriös. Die Autorin versteht es definitiv ihre Leser:innen um den Finger zu wickeln. Für taffe und nervenstarke Jugendliche ab 11 Jahren und interessierte Erwachsene.
Die 12-jährige Ava lebt mit ihrer Mutter und ihrem kleinen Bruder Ivan in Hovenäset, einem kleinen Dorf in Schweden. Sie wohnen in einem etwas größeren Wohnwagen auf einem Campingplatz. Ihr Vater ist vor ungefähr drei Jahren gestorben. Sein Unfall konnte nie vollständig geklärt werden. “Er war an einem kalten Nachmittag Anfang März gestorben. Da
s war jetzt zwei Jahre und acht Monate her. Fast tausend Tage. Doch außer Ava zählte die niemand mehr. Sie schien die Einzige zu sein, die sich immer noch fragte, was damals passiert war, als er starb.” (Zitat aus “Sternengrab” S.7) Er wurde auf offener Straße von einem Auto angefahren. Der Täter flüchtete. Doch warum lief ihr Vater bei Dunkelheit mitten auf die Straße? Um einkaufen zu gehen, was er an dem Abend vorgehabt hatte, hätte er die Straßenseite gar nicht wechseln müssen. Ava, die damals neun Jahre alt war, hat dies nie losgelassen. Jetzt mit 12 Jahren möchte sie — da die Polizei längst aufgehört hat zu suchen — unbedingt herausfinden, wie ihr Vater wirklich ums Leben gekommen ist. Denn sein Tod ist bald 1000 Tage her und vorher möchte sie das Rätsel unbedingt lösen. Ihre Mutter ist scheinbar zum normalen Alltag übergegangen. Sie ist dabei ein altes Bootshaus zu kaufen und in ein Strandcafé zu verwandeln. “Alva horchte in die Stille und merkte, dass sie immer noch fror. Irgendetwas fühlte sich an der Strandhütte falsch an.” (Zitat S.21) Die ehemaligen Besitzer hatten Möbel und auch private Sachen wie Comics und alte Noten
einfach zurückgelassen und wollten sie angeblich nicht mehr haben. Auch hatten sie sich seit mehreren Jahren in der Strandhütte nicht mehr blicken lassen. Dann taucht auch noch eine seltsame Katze in der Hütte auf, als die Maklerin aufschließt. Wie ist die Katze dort hineingekommen? Und was ist das für ein seltsames Rohr unter dem Bootshaus? Und wer ist das Mädchen, das in dem Dorf immer wieder erscheint? Gemeinsam mit ihren Freunden versucht Ava mehr herauszufinden. Als sie in der Strandhütte einen Zettel findet, den eindeutig ihr Vater kurz vor seinem Tod geschrieben hat, wird die Sache immer rätselhafter…
Das Cover hat Wiedererkennungswert, wobei sich der Sinn des Titels mir nicht so ganz erschließt. Der Mysterythriller ist durchgehend aus Avas Sicht in personaler Erzählweise geschrieben und spielt in einer herbst-winterlichen Atmosphäre: “Es war die erste Novemberwoche, und bald würde der Winter nach Hovenäset kommen. Der Campingplatz, auf dem Alva und ihre Familie lebten, war groß und menschenleer. Niemand weit und breit.” (Zitat S.6) Das Setting der kleinen
Küstenstadt ist wieder gut getroffen. Abgelegen. Einsam. Mit einer überschaubaren Personenzahl. “Ihre Cousine in Göteborg hatte Hovenäset mal den kleinsten Ort der Welt genannt. Hier gab es keine Läden, keine Restaurants, keine Hotels, nicht einmal eine Schule. Aber es gab ungefähr hundert weiße Häuser, einen Kiosk, der im Sommer geöffnet hatte, und jede Menge Strandhütten.” (Zitat S.12) Das Buch kann auch unabhängig von “Flammenrad” gelesen werden. In Band 1 spielte Heidi die Hauptrolle. In Band 2 ist es Ava. Die Freunde tauchen natürlich auch in “Sternengrab” auf: “Heidi und Harry waren nämlich das Beste daran, dass Alvas Familie vor ein paar Jahren von Kungshamn auf den Campingplatz von Hovenäset gezogen war. Jetzt wohnten sie viel näher beinander. Sie waren schon von klein auf Freunde und gingen mittlerweile in dieselbe Klasse.” (Zitat S.10) Es gibt winzige Anspielungen auf den ersten Teil, die aber gut überlesen werden können und nicht sinnstiftend für die Geschichte sind. Die Sprache von Kristina Ohlsson ist sehr klar und einfach. Viele kurze Sätze mit einem sehr hohen Erzähltempo
. Gekonnt setzt sie ihren Leser:innen eine mysteriöse Handlung nach der anderen vor. Nächtliche Schritte im Wohnwagen, die wie die von Alvas verstorbenem Vater klingen. Eine Katze, die immer wieder ihren Weg kreuzt. Ein handgeschriebener Notizzettel ihres Vater, der für Verwirrung sorgt. Ein seltsames Rohr unter der Strandhütte. Ein noch viel seltsameres Mädchen mit einer Mutter, die nicht sprechen kann. “Sternengrab” sorgt für so manch schauerliche Momente und zieht einen förmlich in einen Lesesog hinein. Einmal angefangen, möchte man unbedingt all diese verwirrenden Details in ein stimmiges Gesamtbild bringen. Die Cliffhanger am Ende der recht kurzen Kapitel lassen einen dabei mühelos über die Seiten fliegen. Das Ende ist rasant und fesselnd und klingt diesmal (im Gegensatz zu Band 1) fast wohlwollend aus.
Du möchstest wissen, was in Hovenäset noch so alles passiert ist? Dann lies unbedingt auch noch den ersten Band
der “Gänsehaut in Hovenäset”-Reihe: “Flammenrad”. Kristina Ohlsson hat auch andere Jugendbücher geschrieben. Lies von ihr noch “Das Geheimnis von Hester Hill” oder die “Glaskinder”-Reihe: “Glaskinder” (Band 1), “Silberjunge” (Band 2) und “Steinengel” (Band 3). Du magst gruselige Geschichten? Etwas neuer sind noch “Whisperling: Die Geister-Detektivin” von Hayley Hoskins und “Dread Wood: Tödliches Nachsitzen” von Jennifer Killick. Empfehlen kann ich dir außerdem “Bloom: Die Apokalypse beginnt in deinem Garten” und “Das Nest” von Kenneth Oppel (hier spielt auch ein Baby eine wichtige Rolle). Eine ebenfalls schwedische Autorin ist Kerstin Lundberg Hahn, die mit dem schon etwas älteren “Der Schatten an meiner Wand” für jede Menge gruselige und spannende Momente sorgt.
Bibliografische Angaben:Verlag: Oetinger ISBN: 978-3-7512-0574-0 Erscheinungsdatum: 14.Januar 2026 Einbandart: Hardcover Preis: 15,00€ Seitenzahl: 240 Illustrator*in: Tobias Goldschalt Übersetzer*in: Susanne Dahmann Originaltitel: "Stjärngraven" Originalverlag: Bonnier Carlsen Schwedisches Originalcover:
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(4,5 von 5 möglichen Punkten)
--------------------------------------------------- Schwedisches Cover: Homepage von Bonnier Carlsen

Verlag: Oetinger
ISBN: 978-3-7512-0574-0
Erscheinungsdatum: 14.Januar 2026
Einbandart: Hardcover
Preis: 15,00€
Seitenzahl: 240
Illustrator*in: Tobias Goldschalt
Übersetzer*in: Susanne Dahmann
Originaltitel: "Stjärngraven"
Originalverlag: Bonnier Carlsen
Schwedisches Originalcover:
