Kevin Brooks — Part of the Game

29.Juni 2026

Lite­ra­ri­scher Voll­tref­fer! Selbst wenn man sich für Fuß­ball gar nicht inter­es­sie­ren soll­te — der bri­ti­sche Best­sel­ler­au­tor Kevin Brooks lie­fert in “Part of the Game” ein­drucks­voll ab. Im Mit­tel­punkt der 16-jäh­ri­ge John, der Fuß­ball über alles liebt und für die Klein­stadt Stan­ley im Nord­os­ten Eng­lands spielt. Sein bes­ter Freund ist Kyle, der mitt­ler­wei­le zum Star­fuß­bal­ler auf­ge­stie­gen ist und für die Pre­mier League spielt. Alles könn­te per­fekt sein, als John sich in Sum­mer ver­liebt und auch ihr Herz erobert. Doch dann spannt aus­ge­rech­net Kyle ihm die Freun­din aus. Das Ende einer Freund­schaft? Die Ereig­nis­se über­schla­gen sich, als Kyle in die Fän­ge der Fuß­ball­ma­fia gerät und Sum­mer John um Hil­fe bit­tet… Ein Buch, das sich zuwei­len so span­nend wie ein Kri­mi liest! Mit­rei­ßend und höchst unter­halt­sam schrei­ben — das kann John Boy­ne ein­fach! Zudem erzählt er nicht nur die Geschich­te einer beson­de­ren Freund­schaft und ent­führt sei­ne Leser:innen in die Welt des Fuß­balls, son­dern blickt auch hin­ter die Kulis­sen von Live-Wet­ten, Spiel­ma­ni­pu­la­ti­on und Kor­rup­ti­on. Für Jugend­li­che ab 14 Jah­ren und vor allem Erwachsene.

John ist 16 Jah­re alt und spielt Fuß­ball für sein Leben gern. Übers Fuß­ball­spie­len hat er auch sei­nen nun bes­ten Freund Kyle ken­nen­ge­lernt. Sie sind zusam­men auf­ge­wach­sen, haben jede freie Minu­te mit ihrer gro­ßen Lei­den­schaft, dem Sport, ver­bracht. “Fuß­ball war unser Leben. Wir hat­ten immer einen Ball dabei und spiel­ten, wann und wo wir konn­ten — auf dem Schul­weg, in den Pau­sen, in der Mit­tags­pau­se, nach der Schu­le, nach dem Nach­mit­tags­tee… Wir spiel­ten auf dem Bür­ger­steig, auf Stra­ßen und Spiel­plät­zen und im Park. Und wenn wir nicht selbst spiel­ten, dann schau­ten wir ein Spiel an oder rede­ten über Fuß­ball und fan­ta­sier­ten davon, eines Tages in der Pre­mier League zu spie­len, am FA Cup oder an einer Welt­meis­ter­schaft teil­zu­neh­men.” (Zitat aus “Part of the Game” S.25) Wäh­rend sie noch zu Beginn in der Schul­sport­mann­schaft kick­ten, spie­len sie bald für die Jugend­mann­schaft des Stan­ley Town FC. “Stan­ley ist eine Klein­stadt im Nord­os­ten Eng­lands und unser Fuß­ball­klub heißt Stan­ley Town FC. Als Kyle und ich dort Mit­glied wur­den, waren wir ein Mit­tel­klas­se­team in der North East Coun­ties Divi­si­on, die in der Pyra­mi­den­struk­tur des eng­li­schen Fuß­balls weit unten ran­giert. Inzwi­schen sind wir immer­hin in die North Eas­tern Alli­ance League auf­ge­stie­gen.” (Zitat S.26) Doch dann avan­ciert Kyle zum “Wun­der­kind” der Nati­on, darf in der Pre­mier League spie­len und gilt dort als jüngs­ter Tor­schüt­ze. Auch wenn sie sich dar­auf­hin weni­ger sehen, kann dies ihrer Freund­schaft nichts anha­ben. Bis Johns Freun­din Sum­mer, in die er sich Hals über Kopf ver­liebt hat, eines Tages mit ihm Schluss macht und plötz­lich mit Kyle zusam­men ist. Die­ser Ver­rat ver­än­dert alles. “Sosehr ich mir auch vor­nahm, nicht mehr an Sum­mer zu den­ken und nichts für sie zu emp­fin­den, so unmög­lich war es, sie aus mei­nen Gedan­ken zu ver­trei­ben. Sie war immer da, ver­steck­te sich im hin­ters­ten Win­kel mei­nes Kop­fes und war­te­te nur dar­auf, mich zu über­fal­len, wenn ich ihr — in der Ein­sam­keit und Stil­le der Nacht — wehr­los aus­ge­lie­fert war und sie mich wie­der ganz für sich allein haben konn­te” (Zitat S.98) Es herrscht Funk­stil­le zwi­schen den Drei­en. Bis Sum­mer auf ein­mal Kon­takt zu John sucht. Kyle soll es nicht gut gehen. Angeb­lich nimmt er Dro­gen, trinkt zu viel und braucht drin­gend jemand, der ihm ins Gewis­sen redet. Aber dann merkt John, dass noch mehr dahin­ter­steckt. Denn er kennt Kyle wie kei­nen ande­ren und als er eines sei­ner Spie­le und einen über­ra­schen­den Fehl­schuss genau­er ana­ly­siert, fällt ihm etwas Unge­wöhn­li­ches auf…

Mit sei­ner rot-wei­ßen Strei­fen­op­tik greift das Cover geschickt die Tra­di­ti­ons­far­ben des Hei­mat­ver­eins auf, bei dem die gemein­sa­me Fuß­ball­kar­rie­re von John und Kyle begann. Der Titel ist ein cle­ve­res Wort­spiel. Er tarnt sich als harm­lo­se Fuß­ball-Flos­kel, ent­puppt sich im Lau­fe der Hand­lung aber als düs­te­re Meta­pher für die unbarm­her­zi­gen Regeln des Sport­busi­ness. Der Roman ist mit Zeit­an­ga­ben ver­se­hen und beginnt am 22.Oktober mit der Ers­ten Run­de des FA Cups, an dem John mit sei­nem Hei­mat­ver­ein Stan­ley Town teil­nimmt und der sich bis zum 17.Mai hin­zieht, an dem das Fina­le jenes Pokal­wett­be­werbs statt­fin­det. Das beson­de­re an die­sem Wett­be­werb ist, dass rund 700 Mann­schaf­ten aus ganz Eng­land und Wales dar­an teil­neh­men dür­fen — egal wel­cher Liga sie ange­hö­ren, vom kleins­ten Ama­teur­ver­ein bis zum Pro­fi­ver­ein aus der Pre­mier League. Es gilt das K.o.-System. Der Wett­be­werb ist berühmt für sei­ne “David-gegen-Goliath”-Spiele, bei denen Außen­sei­ter­ver­ei­ne favo­ri­sier­te Top­ver­ei­ne schla­gen. “All­mäh­lich begriff ich, was gera­de pas­siert war. Wir hat­ten es geschafft. Wir hat­ten gewon­nen. Wir hat­ten ein Team geschla­gen, das drei Klas­sen über uns spiel­te, und hat­ten die zwei­te Run­de des FA Cups erreicht. Und ich hat­te mei­nen Teil dazu bei­getra­gen. (Zitat S.14ff) So läuft auch wäh­rend des Buches alles dar­auf hin­aus, dass es ein Spiel zwi­schen John als Tor­wart sei­nes klei­nen Hei­mat­ver­eins und Kyl­es Pro­fi­fuß­ball­ver­ein der Pre­mier League geben könn­te. Erzählt wird “Part of the Game” durch­gän­gig aus Johns Sicht in der Ich-Per­spek­ti­ve. Wäh­rend der ers­ten Run­de des FA Cups, sieht er Kyle in der Fer­ne, von Repor­tern umringt. “Sein Name war Kyle Jar­rett. Er war der jüngs­te Tor­schüt­ze in der Geschich­te der Pre­mier League. Das neue “Wun­der­kind” des eng­li­schen Fuß­balls. Und er war mal mein bes­ter Freund gewe­sen.” (Zitat S.20) Die fol­gen­den Kapi­tel erzäh­len in Rück­blen­den, wie die bei­den Jungs sich damals ken­nen­ge­lernt haben, wie sich ihre Freund­schaft ent­wi­ckel­te und wie John Sum­mer begeg­ne­te. Bis hin zu dem Ver­rat, als Kyle ihm sei­ne Freun­din aus­spann­te. Die Erzähl­art von Kevin Brooks ist über­aus flüs­sig und tem­po­reich. Der Autor ist ein gran­dio­ser Erzäh­ler, der sei­ne Leser:innen geschickt um den Fin­ger wickelt. “Ich weiß immer noch nicht genau, was an die­sem Abend eigent­lich gesche­hen ist, und ich zweif­le dar­an, dass ich es jemals her­aus­fin­den wer­de. Ich bin mir nicht ein­mal sicher, ob ich es wirk­lich wis­sen will. Es wür­de ja doch nichts ändern. Pas­siert ist pas­siert. (Zitat S.73) Ob mit Andeu­tun­gen, inter­es­san­ten Fak­ten oder flot­ten Dia­lo­gen (hier hät­te manch­mal etwas öfter erwähnt wer­den, wer gera­de spricht) — die Geschich­te zieht ein­fach in den Bann. Selbst Fuß­ball — auch wenn man damit nicht all­zu viel anfan­gen kann — beschreibt er auf sehr unter­halt­sa­me Wei­se. “Jeder Tor­wart hat sei­ne eige­ne Art, sich auf einen Elf­me­ter vor­zu­be­rei­ten. Man­che beob­ach­ten die Augen des Schüt­zen, ande­re kon­zen­trie­ren sich auf sei­ne Kör­per­hal­tung beim Anlauf, und die meis­ten pro­fes­sio­nel­len Tor­hü­ter schau­en sich stun­den­lang Vide­os bekann­ter Elf­me­ter­schüt­zen an, um deren Eigen­ar­ten zu ana­ly­sie­ren. Das Pro­blem mit all die­sen Stra­te­gien besteht dar­in, dass der Schüt­ze sie eben­falls kennt und dass der Tor­wart dies weiß und dass der Schüt­ze wie­der­um weiß, dass der Tor­wart jedes Detail kennt, und schließ­lich kann sich kei­ner von ihnen sicher sein, ob der ande­re gera­de blufft oder einen Bluff nur vor­täuscht…” (Zitat S.11) Kevin Brooks schafft es nicht nur die Begeis­te­rung fürs Fuß­ball­spie­len zu tei­len, er wid­met sich auch den erns­ten The­men. Zeigt die schmut­zi­ge Kehr­sei­te des Pro­fi­fuß­balls. Ich-Erzäh­ler John tritt bei­spiels­wei­se aus der Fuß­ball­aka­de­mie aus, auf die er und Kyle frü­her gegan­gen sind, weil ihm die har­ten Erfah­run­gen des Pro­fi­sports miss­fal­len, in dem es nur noch ums Gewin­nen um jeden Preis geht. Er spielt dar­auf­hin wie­der für sei­nen Hei­mat­ver­ein, will in ers­ter Linie Spaß haben und den Sport genie­ßen kön­nen. Kyle hin­ge­gen lan­det in einem Sys­tem aus Kor­rup­ti­on, Mani­pu­la­ti­on und macht Bekannt­schaft mit der Fuß­ball­ma­fia, die ihn eisern im Griff hat. Die­se hoch­bri­san­ten The­men sind sehr fas­zi­nie­rend in den Roman mit ein­ge­baut und geben einen genaue­ren Blick hin­ter die Kulis­sen. Am Ende des Buches wird es dann höchst span­nend und man möch­te “Part of the Game” gar nicht mehr aus den Hän­den legen! Der Aus­gang der Geschich­te war jedoch fast ein wenig ent­täu­schend. ««««««ACHTUNG SPOILER:»»»»»» Es wird bei­spiels­wei­se gar nicht mehr erwähnt, was der Aus­gang für das Spiel bedeu­tet. Haben sie nun gewon­nen oder zählt das Spiel gar nicht? Auch dass die Drei sich wahr­schein­lich nie wie­der sehen, fand ich etwas trau­rig, hier hät­te ich mir ein ande­res ver­söhn­li­che­res Ende gewünscht. ««««««ENDE SPOILER»»»»»»

Übri­gens: Wer “Part of the Game” im eng­li­schen Ori­gi­nal sucht, sucht ver­geb­lich. Obwohl Kevin Brooks ein bri­ti­scher Star­au­tor ist, erschien die­ses Buch welt­weit zuerst auf Deutsch. Der dtv Ver­lag ließ den Roman direkt aus Brooks’ unver­öf­fent­lich­tem eng­li­schen Manu­skript über­set­zen – ein ech­tes Pri­vi­leg für sei­ne treue und rie­si­ge Fan­ge­mein­de im deutsch­spra­chi­gen Raum.

Bibliografische Angaben:
Schilder was wo wer wannVerlag: dtv
ISBN: 978-3-423-74136-1
Erscheinungsdatum: 15.Mai 2026
Einbandart: Broschur
Preis: 16,00€
Seitenzahl: 352
Übersetzer*in: Knut Krüger

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Kasimiras Bewertung:

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(4,5 von 5 mög­li­chen Punkten)

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