Kevin Brooks — Bad Castro

Kasimira17.Dezember 2021

Bad Cas­tro” ist das neu­es­te Werk des bri­ti­schen Best­sel­ler­au­toren Kevin Brooks. Ein Thril­ler über Stra­ßen­kämp­fe, Ban­den­kri­mi­na­li­tät und gewalt­sa­me Aus­schrei­tun­gen in einem Stadt­teil von Lon­don. Eine Nacht, in der alles außer Kon­trol­le gerät und eine jun­ge Poli­zis­tin — die eigent­lich nur einen jugend­li­chen, berüch­tig­ten Ver­bre­cher namens “Bad Cas­tro” fest­neh­men will — mit­ten zwi­schen die Fron­ten kommt. Ein hoch­bri­san­tes, kurz­wei­li­ges, aber inten­siv und klug erzähl­tes Buch. Äußerst gelun­gen und defi­ni­tiv ein Lese­er­leb­nis der beson­de­ren Art. Für Jugend­li­che ab 14 Jah­ren und vor allem für Erwachsene.

Sto­ke Newing­ton. Unru­hen, gewalt­sa­me Aus­schrei­tun­gen und star­ke Ver­wüs­tun­gen in den Vor­or­ten von Lon­don. “Die Situa­ti­on war nicht gut. Und wenn Gil­lard und Dunn auf mich gehört hät­ten, wären wir nie­mals dort rein­ge­ra­ten. Ich hat­te ihnen gesagt, dass es gefähr­lich sei, das Poli­zei­re­vier zu ver­las­sen.” (Zitat aus “Bad Cas­tro” S.9) Doch die jun­ge Poli­zis­tin Judy beglei­tet zwei ihrer älte­ren Kol­le­gen, um einen jugend­li­chen Gang-Lea­der namens “Bad Cas­tro” fest­zu­neh­men. Er soll jeman­den getö­tet haben. Unzäh­li­ge Legen­den und Geschich­ten ran­ken sich um den Kasimiraviel­leicht 12 oder 13-jäh­ri­gen Jun­gen. Aber wirk­li­che Fak­ten haben die Poli­zis­ten nicht. “Und das genau war auch schon alles, was wir damals über Cas­tro her­aus­fan­den: Die Leu­te hat­ten so gro­ße Angst vor ihm, dass sie allein die Erwäh­nung sei­nes Namens ins Schwit­zen brach­te.” (Zitat S.37) Er soll Leu­te ein­fach aus dem Weg geräumt, erschos­sen und kran­ken­haus­reif ver­prü­gelt haben. Wie er wirk­lich heißt, wis­sen sie nicht. Ob Cas­tro viel­leicht sein Vor- oder Nach­na­me oder nur ein Deck­na­me ist. Aber als sie ihn bereits ver­haf­tet haben und er mit Judy auf der Rück­bank des Poli­zei­wa­gens sitzt, wird ihr Auto plötz­lich gerammt und es ist aus­ge­rech­net Bad Cas­tro, der der ver­letz­ten Judy hilft zu Kasimiraent­kom­men. Der sie durch die zer­stör­te, von Auf­stän­den gepräg­ten Stadt beglei­tet, in der jede Begeg­nung in die­ser Nacht Gefahr oder Tod bedeu­ten kann“Wenn die Geschich­ten stimm­ten, die ich über ihn gehört hat­te, war schwer zu glau­ben, dass er über­haupt so etwas wie ein Herz besaß. Wie­so hat­te er mir also gehol­fen? Wie­so war er immer noch da? Wie­so sprach er mit mir? Was hat­te er davon?” (Zitat S.24) All­mäh­lich kommt Judy der Wahr­heit um Bad Cas­tro näher und fin­det Unvor­stell­ba­res heraus…

Das Cover ist eben­so pas­send düs­ter gestal­tet, wie es das gesam­te Set­ting des Thril­lers ist: “Autos brann­ten — man­che schon nur noch schwe­len­de schwar­ze Gerip­pe, ande­re stan­den noch lodernd in Flam­men. Geschäf­te waren Kasimiraver­wüs­tet — Eisen­rol­los her­aus­ge­ris­sen, Schau­fens­ter zer­trüm­mert und Türen ein­ge­tre­ten. Und über­all lagen Trüm­mer — zer­bro­che­nes Glas, Zie­gel, Pflas­ter­stei­ne.” (Zitat S.7) Rohe Gewalt, Kor­rup­ti­on, Zer­stö­rung und eine unheil­vol­le Bedro­hung, die über allem liegt. Kevin Brooks skiz­ziert einen Hand­lungs­ort, an dem alles mög­lich zu sein scheint, einen Schau­plat­zes des Krie­ges, der auch an aktu­el­le Aus­schrei­tun­gen und Eska­la­tio­nen den­ken lässt und in sei­ner Aktua­li­tät dadurch umso bri­san­ter ist. Die Cha­rak­te­re, die er in den Mit­tel­punkt stellt, sind sehr eigen. Judy, die jun­ge, enga­gier­te Poli­zis­tin, die selbst aus ärm­li­chen Ver­hält­nis­sen kommt und Bad Cas­tro, das gro­ße Mys­te­ri­um des Buches. Ihn all­mäh­lich immer mehr zu durch­schau­en, macht einen gro­ßen Reiz des BKasimirauches aus. Denn der Autor gibt — per­fekt cho­reo­gra­fiert — nur ab und zu neue Infor­ma­tio­nen über ihn preis. Vie­les müs­sen sich Judy, die Ich-Erzäh­le­rin der Geschich­te und der Leser durch sein Ver­hal­ten selbst zusam­men­rei­men, müs­sen erst lang­sam nach­spü­ren, wer Bad Cas­tro wirk­lich ist: “Er sag­te es so, wie er das meis­te sag­te — lei­se, nüch­tern, lei­den­schafts­los. Das mach­te es schwie­rig ein­zu­schät­zen, ob er sei­ne Gefüh­le nur für sich behielt oder schlicht kei­ne hat­te. Er rede­te auch nicht wie die ande­ren Gang-Kids. Er hat­te nicht ihren Dia­lekt oder ihre Aus­drucks­wei­se.” (Zitat S.54) Die Spra­che ist sehr klar, ein­fach und trotz­dem unglaub­lich inten­siv und stel­len­wei­se sehr atmo­sphä­risch: “Es pas­sier­te nichts, er sag­te nichts, son­dern saß nur da und blick­te mich stumm an, mit Augen, die in deKasimiram schwa­chen wei­ßen Licht erschre­ckend klar wirk­ten. Die Dun­kel­heit sei­ner Augen war so tief, dass sie mehr schwarz als braun schie­nen.” (Zitat S.51) Und auch wenn der Thril­ler an unter­schied­li­chen Stel­len spielt, liegt das Haupt­au­gen­merk auf der kam­mer­spiel­ar­ti­gen Inter­ak­ti­on der Prot­ago­nis­ten, ist “Bad Cas­tro” wie ein Tanz um eine Mit­te, ein sich Annä­hern und ein Aus­ein­an­der­drif­ten, ein Erken­nen der Wahr­heit. “Aber ich sah noch etwas ande­res im Spie­gel, etwas in mei­nem Gesicht, das mich erstar­ren ließ… so ein Gefühl, dein unbe­wuss­tes Erken­nen von etwas… doch es war nur ganz kurz da und schon wie­der ver­schwun­den, bevor es mir rich­tig bewusst wur­de.” (Zitat S.42) Geheim­nis­vol­le Andeu­tun­gen, inter­es­san­te, inhalt­liKasimirache Wen­dun­gen bril­lie­ren in dem Thril­ler eben­so wie klu­ge, fast phi­lo­so­phi­sche Über­le­gun­gen: “Es gibt vie­les in uns, was wir nicht wis­sen. Gefüh­le, Instink­te, Emp­fin­dun­gen, Din­ge, die jen­seits von unse­rem Bewusst­sein oder ganz ohne Bewusst­sein ablau­fen. Wir müs­sen sie nicht ver­ste­hen und auch nicht wis­sen, woher sie kom­men oder was ihr sinn ist, wenn sie über­haupt einen haben. Wir müs­sen ihnen nur ver­trau­en.” (Zitat S.67) Die Auf­lö­sung hat­te ich schon ein wenig erahnt, gibt dem Gan­zen noch ein­mal einen ande­ren Blick auf die Geschich­te. Das Ende ist pas­send und offen zugleich. Das Buch ist auch ide­al für eine Buch­vor­stel­lung oder als Klas­sen­lek­tü­re geeignet.

Dir gefällt “Bad Cas­tro”? Dann lies unbe­dingt noch die ande­ren Bücher von Kevin Brooks, ein Autor, der sich wirk­lich lohnt. Fünf sei­ner Bücher waren für den Deut­schen Jugend­li­te­ra­tur­preis nomi­niert (sie­he*), für zwei (sie­he**) hat er ihn erhal­ten. Hier chro­no­lo­gisch nach Erschei­nungs­da­tum der deut­schen Aus­ga­be sor­tiert: “Mar­tyn Pig” (2004*), Lucas” (2005**), “Can­dy” (2006) “Kis­sing the rain” (2007*), “The Road of the Dead” (200Lesealternativen8**), “Being” (2009), “Black Rab­bit Sum­mer” (2009), “Kil­ling God” (2011), “iBoy” (2011*), “Live fast, play dir­ty, get naked” (2013), “Bun­ker Dia­ry” (2014), “Tra­vis Dela­ney: Was geschah um 16:08?” (2015), “Tra­vis Dela­ney: Wem kannst du trau­en?” (2015), “Tra­vis Dela­ney: Um Leben und Tod” (2016), “Finn Black: Der fal­sche Deal” (2017) und “Born Sca­red” (2017), “Finn Black: Der fal­sche Deal” (2017), “John­ny Del­ga­do: Im frei­en Fall” (2018), “John­ny Del­ga­do: Der Mör­der mei­nes Vaters” (2018), “Death­land Dogs” (2019) und “I see you Baby…” (2019). Du magst sucht inhalt­li­che Alter­na­ti­ven zu “Bad Cas­tro”? Dann greif zu “Crus­her: Traue nie­man­dem” von Niall Leo­nard oder der “The Haven”-Rei­he von Simon Lelic, die eben­falls in der Lon­do­ner Unter­welt spie­len. Stra­ßen­kri­mi­na­li­tät und eine auf­ge­brach­te Ban­de fin­dest du außer­dem in “Cain­storm Island: Der Gejag­te” von Marie Goli­en.

Bibliografische Angaben:
Schilder was wo wer wannVerlag: dtv
ISBN: 978-3-423-74074-6
Erscheinungsdatum: 17.September 2021
Einbandart: Broschur
Preis: 13,95€
Seitenzahl: 208
Übersetzer: Uwe-Michael Gutzschhahn
Originaltitel: "Bad Castro"
Originalverlag: Electric Monkey

Britisches Originalcover: 
Kasimira







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Kasimiras Bewertung:

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(4,5 von 5 mög­li­chen Punkten)

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Britisches Cover: Homepage von Kevin Brooks

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