Kenneth Oppel — Bloom: Die Apokalyse beginnt in deinem Garten

Kasimira18.März 2020

Bloom: Die Apo­ka­lyp­se beginnt in dei­nem Gar­ten” ist der neus­te dys­to­pi­sche (Horror-)Roman des kana­di­schen Schrift­stel­lers Ken­neth Oppel. Der Auf­takt einer Tri­lo­gie mit Sci­ence-Fic­tion-Ele­men­ten. Eine Geschich­te über ein schwar­zes Gras, das die gesam­te Welt zu über­wu­chern droht und die Men­schen schließ­lich sogar direkt angreift. Mit­ten­drin drei Jugend­li­che, die erstaun­li­che Ver­än­de­run­gen durch­le­ben. Erschre­ckend, dra­ma­tisch und sehr action­reich. Für Jugend­li­che (beson­ders Jungs!) ab 12 Jah­ren, die gute Ner­ven haben. Und inter­es­sier­te Erwach­se­ne.

Salt Spring Island. Auf einer kana­di­schen Insel im pazi­fi­schen Oze­an. Hier leben Ana­ya, Petra und Seth. Petra und Ana­ya waren ein­mal bes­te Freun­din­nen. Bis sie auf­grund ver­schie­de­ner Vor­komm­nis­se getrenn­te Wege gin­gen. Gemein­sam haben sie aller­dings immer noch eines: sie lei­den an star­ken All­er­gien. Vor allem Ana­ya: Im Prin­zip war sie gegen alles all­er­gisch. Glu­ten, Eier, Milch. Rauch und Staub. Es gab gan­ze Mona­te, gegen die sie All­er­gien ent­wi­ckelt hat­te. Im April und Mai waren es die Pol­len von den Bäu­men. Im Juni Grä­ser. Im Juli immer noch Grä­ser, aber auch noch Schim­mel­spo­ren.” (Zitat aus “Bloom: Die Apo­ka­lyp­se beginnt in dei­nem Gar­ten” S.13) Stän­dig ist Ana­ya ver­schnupft, hat ver­quol­le­ne Augen und zudem noch unzäh­li­geKasimira Pickel im Gesicht. Oft mag sie gar nicht zur Schu­le gehen, muss vie­le Medi­ka­men­te ein­neh­men und wacht manch­mal bereits mit zuge­kleb­ten Augen auf. Schön fin­det sie sich über­haupt nicht. Im Gegen­satz zu der bild­hüb­schen Petra, die “nur” eine Was­ser­all­er­gie hat. Sie bekommt rote Fle­cken, wenn sie mit Was­ser in Berüh­rung kommt, muss sich mit spe­zi­el­len Lotio­nen und Feucht­pfle­ge­tü­chern rei­ni­gen. Immer wenn Petra einen Fleck bekam, stürm­ten alle zu ihr und frag­ten, ob es ihr gut gin­ge. Ana­ya hät­te zu einer rie­si­gen Zimt­schne­cke anschwel­len kön­nen und die Leu­te hät­ten nur igitt gesagt und einen Bogen um sie gemacht.” (Zitat S.23) Seth ist schon ein Außen­sei­ter. Er ist erst vor Kur­zem nach Salt Spring Island gezo­gen und lebt als Pfle­ge­kind bei Mr. und Mrs, Antos, die einen Bio­hof füh­ren. “Kei­ner wuss­te viel über ihn, nur dass er ein biss­chen selt­sam aus­sah und immer Long­s­lee­ves und ein Kapu­zens­hirt trug, selbst im Sport­un­ter­richt.” (Zitat S.20) Eine All­er­gie hat er nicht, aber selt­sa­me Nar­ben an den Armen, wie Ana­ya eines Tages zufäl­lig fest­stellt. Doch das Leben der drei Jugend­li­chen ändert sich auf einen Schlag, als nach einem län­ge­ren Regen plötz­lich über­all auf Kasimirader Insel schwar­zes Gras auf­taucht. “Es war hoch und schwarz und sta­che­lig” (Zitat S.41) Und nicht nur auf der Insel, auf der gan­zen Welt beginnt das Gras zu wach­sen. Brei­tet sich immer mehr aus, wächst so schnell, wie man es noch nie bei einer Pflan­ze erlebt hat. Und man kann es kaum zurecht­stut­zen. Nie­mand weiß, was man dage­gen tun kann. Selbst die Ern­ten macht es kaputt, weil es alles über­wu­chert. Aber was noch viel selt­sa­mer ist — Ana­yas und Petras All­er­gien schei­nen seit Auf­tau­chen des Gra­ses zu ver­schwin­den! Ana­ya merkt kaum mehr etwas und Petra kann sich mit dem Regen­was­ser waschen, ohne dass sie all­er­gisch dar­auf reagiert! Wäh­rend alle ande­ren in ihrer Umge­bung mit den Pol­len der Grä­ser auf ein­mal zu kämp­fen haben. Und dann greift das Gras die Men­schen plötz­lich auch noch direkt an…

KasimiraDas Cover von “Bloom: Die Apo­ka­lyp­se beginnt in dei­nem Gar­ten” macht schon optisch rich­tig was her und echt neu­gie­rig! In die Welt der Grä­ser und Pflan­zen ein­zu­tau­chen ist höchst fas­zi­nie­rend — mal ein ganz ande­res The­ma im Jugend­buch. Das fängt schon mit dem beson­de­ren Job des Vaters von Ana­ya an: “Dad war als Bota­ni­ker am Land­wirt­schafts­mi­nis­te­ri­um beschäf­tigt und arbei­te­te auf der Ver­suchs­farm der Insel.” (Zitat S.14) Spe­zia­li­siert hat­te er sich vor allem auf Grä­ser. Als dann das schwar­ze Gras anfängt zu wach­sen, ver­su­chen er und Ana­ya durch Pro­ben her­aus­zu­fin­den, was es damit auf sich hat. Doch nie­mand hat etwas Ver­gleich­ba­res je gese­hen. “Das Gras hat­te kei­ne Blät­ter, aber sta­che­li­ge Haa­re an sei­nen Stän­geln. Es war hart und voll­kom­men schwarz, ohne den Hauch irgend­ei­nes Farb­tons. Es sah aus wie etwas, das nicht hier­her­ge­hör­te.”  (Zitat S.46) Der Roman wird in per­so­na­ler Erzähl­wei­se aus Ana­yas, Seths und Petras Per­spek­ti­ve erzählt. Ken­neth Oppel hat einen eher nüch­ter­nen, in man­chen Situa­tio­nen fast sach­li­chen Erzähl­stil. Doch trotz wenig aus­ufern­der Emo­tio­nen schafft er es Kasimiraeine Bedro­hung in den Köp­fen ent­ste­hen zu las­sen. Als die drei Jugend­li­chen sich dann noch kör­per­lich ver­än­dern, gelingt es ihm rest­los sei­ne Leser in den Bann zu zie­hen. Woher kommt das Gras? Was pas­siert mit Seth, Petra und Ana­ya? Auch wenn die Cha­rak­te­re nicht sehr tief­schich­tig gezeich­net sind, so ver­folgt man auf span­nen­de Art und Wei­se die action­rei­chen Gescheh­nis­se. “Rasant, aktu­ell, hoch­span­nend und mit einem Schuss Hor­ror und Humor” wirbt der Ver­lag auf der Rück­sei­te des Buches. Den Humor konn­te ich hin­ge­gen in “Bloom” über­haupt nicht ent­de­cken. Aber ein paar ech­te Hor­ror-Sze­nen, als fleisch­fres­sen­de Gebil­de Men­schen zu ver­schlin­gen dro­hen — da pas­siert schon ordent­lich was! Oder Men­schen im Schlaf von Ran­ken erwürgt wer­den. All­zu zart besai­tet soll­te der Leser daher nicht sein. Das Ende ist etwas offen und macht bereits neu­gie­rig auf die Fort­set­zung!

Dir gefällt Ken­neth Oppels Erzähl­stil? Bekannt gewor­den ist er vor allem durch sei­ne Fle­der­maus-Rei­he/o­der Schat­ten-Saga genannt: “Sil­ber­flü­gel” (Band 1), “Son­nen­flü­gel” (Band 2), “Feu­er­flü­gel” (Band 3). “Nacht­flü­gel” ist die VoLesealternativenrge­schich­te der Rei­he. Von sei­nen zahl­rei­chen Büchern wur­den auch ins Deut­sche über­setzt: die Air­bor­ne-Rei­he: “Wol­ken­pan­ther” (Band 1), “Wol­ken­pi­ra­ten” (Band 2), “Ster­nen­jä­ger” (Band 3), die zusam­men­ge­hö­ri­gen Bän­de über die Brü­der Fran­ken­stein: “Düs­te­res Ver­lan­gen” und “Ein dunk­ler Wil­le” . Danach folg­ten die Ein­zel­ti­tel: “Affen­bru­der” (2015), “Das Nest” (auch Hor­ror, rich­tig, rich­tig klas­se! 2016), “Vom Suchen und Fin­den” (2017), “Dan­ger Express” (2017). Die Fort­set­zun­gen zu “Bloom: Die Apo­ka­lyp­se beginnt in dei­nem Gar­ten” sind im Eng­li­schen bereits ange­kün­digt: “Hatch” (Herbst 2020) und “Thri­ve” (Früh­jahr 2021). Eine sehr gute Lese­al­ter­na­ti­ve zu “Bloom” ist “Schlamm oder Die Kata­stro­phe von Heath Cliff” von Lou­is Sachar, in dem in einer Klein­stadt ein gefähr­li­cher Schlamm eine gro­ße Infek­ti­ons­wel­le aus­löst. Drei Jugend­li­che in den Haupt­rol­len. Äußerst span­nend und hier sogar tat­säch­lich mit einer Pri­se Humor. Die zwei­te rich­tig gute Lese­al­ter­na­ti­ve ist die Phe­ro­mon-Rei­he von Rai­ner Wekwerth, das eini­ge Par­al­le­len zu “Bloom” hat: “Sie rie­chen dich” (Band 1), “Sie sehen dich” (Band 2), “Sie jagen dich” (Band 3). Beson­de­re Fähig­kei­ten ent­wi­ckelt auch die Haupt­per­son in “Shut Down — Du hast nur 24 Stun­den Zeit” von Dan Smith im Kampf gegen einen Virus. Die Natur, die sich ihren Lebens­raum zurück­holt, das erlebst du außer­dem in der Evo­lu­ti­ons-Rei­he von Tho­mas Thie­mey­er: Die Stadt der Über­le­ben­den” (Band 1), “Turm der Gefan­ge­nen” (Band 2), “Quel­le des Lebens” (Band 3). 

Bibliografische Angaben:
Schilder was wo wer wannVerlag: Beltz & Gelberg
ISBN: 978-3-407-75558-2
Erscheinungsdatum: 11.März 2020
Einbandart: Hardcover
Preis: 16,95€
Seitenzahl: 345
Übersetzer: Inge Wehrmann
Originaltitel: "Bloom"
Originalverlag: Harper Collins

Kanadisches Originalcover:
Kasimira











Trailer zum Buch:

Kasimiras Bewertung:

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(4 von 5 mög­li­chen Punk­ten)

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Kanadisches Cover: Homepage von Kenneth Oppel

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