Kelly Barnhill — Das Mädchen mit dem Herz aus Gold

29.September 2019

Das Mäd­chen mit dem Herz aus Gold” ist ein neu­er fan­tas­ti­scher Roman der ame­ri­ka­ni­schen Autorin Kel­ly Barn­hill. Eine mär­chen­haf­te Geschich­te, die in ein König­reich in die “Spie­gel­welt” ent­führt, in der eine häss­li­che Prin­zes­sin, ein Dra­che und ein fie­ser Böse­wicht eine gro­ße Rol­le spie­len. Über Schön­heit, Freund­schaft und einen beson­de­ren Pakt. Aben­teu­er­lich, irgend­wie ver­zau­bernd und sehr unter­halt­sam. Für Kin­der ab 11 Jah­ren und inter­es­sier­te Erwach­se­ne.

Im König­reich Andu­la­ni­en. Hier leben König Rand­all und Köni­gin Rose in ihrem Schloss. Doch ihr Traum von einer gro­ßen Kin­der­schar wird mit vie­len Fehl­ge­bur­ten zunich­te gemacht. Als Prin­zes­sin Vio­let schließ­lich zur Welt kommt ist es ein gro­ßes Wun­der für das gan­ze Volk. Doch Vio­let ist kei­ne Bil­der­buch­prin­zes­sin: “Als sie ein Jahr alt war, wur­de klar, dass ihr lin­kes Auge deut­lich grö­ßer war als das rech­te. […] Ihre Nase war platt und dick wie eine Knol­le, ihre Stirn zu hoch, und schon als Baby war ihre Haut vol­ler Fle­cken und Ver­fär­bun­gen, die nicht ver­schwan­den” (Zitat S.8) Obwohl sie furcht­bar häss­lich ist, lie­ben sowohl ihre Eltern als auch das Volk Vio­let über alles. Bald gewinnt sie in Deme­tri­us, dem Sohn des Stall­meis­ters, einen bes­ten Freund, mit dem Vio­let täg­lich das Schloss unsi­cher macht und ver­sucht all sei­ne Geheim­nis­se zu ergrün­den. Eines Tages ent­de­cken die bei­denKasimira eine ver­bor­ge­ne Biblio­thek mit einem mys­te­riö­sen Gemäl­de vol­ler ange­ket­te­ter Dra­chen mit lee­ren Augen und dane­ben einen Berg vol­ler Dra­chen­her­zen, die von einem selt­sa­men Wesen bewacht wer­den. Und dar­über stand ein Wort. “Irgend­was stimm­te hier wirk­lich nicht. Und die­ses beklem­men­de Gefühl war eklig und blieb auf der Haut kle­ben. Plötz­lich ver­spür­te sie das drin­gen­de Bedürf­nis, sich zu waschen. […] Jetzt strahl­te das Wort so glei­ßend hell, dass es den gan­zen dunk­len Bereich im hin­te­ren Teil des Rau­mes erhell­te. NYBBAS, stand da. Deme­tri­us lief ein Schau­der über den Rücken. (Zitat S.44) Doch bald dar­auf fin­den sie den Raum ein­fach nicht mehr wie­der. Als dann ein Dra­che plötz­lich gesich­tet wird und König Rand­all, aber auch Deme­tri­us zu einer Jagd auf­bre­chen, über­schla­gen sich die Ereig­nis­se und die Köni­gin erkrankt auf ein­mal schwer. Bald erwacht das Böse in dem Schloss und Vio­let schließt einen furcht­ba­ren Pakt…

Ein biss­chen fins­ter sieht das aktu­el­le Cover von Kel­ly Barn­hill aus, aber auch sehr fas­zi­nie­rend und geheim­nis­voll. Und genau­so offen­bart sich die Geschich­te, die aus einer beson­de­ren Per­spek­ti­ve erzählt wird. Sie beschreibt die Sicht des Geschich­ten­er­zäh­lers des Hofs, wirkt manch­mal fast wie die eines all­wis­sen­den Erzäh­lers. “Ich war ein Geschich­ten­er­zäh­ler - der Geschich­ten­er­zäh­ler des König­reichs Andu­la­ni­en. Dies war in mei­ner Welt ein ange­se­he­ner und respek­tier­ter Beruf, den ich bereits lan­ge und (meist) erfolg­reich aus­üb­te. Man gestat­te mir die Bemer­kung, dass ich Kasimiraziem­lich gut dar­in war.” (Zitat S.13) Die Spra­che ist ein­fach und ange­nehm. Die Kapi­tel meist nicht all­zu lang. Mit außer­ge­wöhn­li­chen Cha­rak­te­ren und einem sehr flüs­si­gen Erzähl­tem­po. Mär­chen­haft und magisch. “Sie wuss­te, dass Geschich­ten eine ganz eige­ne Magie besa­ßen: Schön­heit konn­te gege­ben oder genom­men wer­den, eben­so wie Macht, Lie­be und Hoff­nung. Manch­mal kamen sogar die Toten zurück. […] Was wenn man die Magie aus den Geschich­ten befrei­en könn­te?” (Zitat S.131) Dann gibt es aber auch wie­der ein paar Stel­len, die fast ein biss­chen unheim­lich und gru­se­lig wir­ken: “Ihr Spie­gel­bild blieb da. Es blieb im Spie­gel. Und als Vio­let — die ech­te Vio­let — das Ende des Flurs erreich­te und sich die Trä­nen abwisch­te, ver­zog das Spie­gel­bild — die fal­sche Vio­let — die Lip­pen zu einem grau­sa­men gel­ben Grin­sen.” (Zitat S.62) Bis die Geschich­te genau das inhalt­lich erreicht, was der Klap­pen­text ver­spricht, dau­ert es ziem­lich lan­ge. Doch auch der Weg dahin ist unter­halt­sam, wenn auch an man­chen Stel­len etwas ver­wor­ren. Ins­ge­samt ist das Buch düs­te­rer und kampf­ori­en­tier­ter als der vor­he­ri­ge Roman, bie­tet aber eine posi­ti­ve Bot­schaft, in dem es einen über die Bedeu­tung von wah­rer Schön­heit nach­den­ken lässt. Das Ende — ein span­nen­der Show­down.

Wenn dir “Das Mäd­chen Lesealternativenmit dem Herz aus Gold” gefal­len hat, lies unbe­dingt Kel­ly Barn­hills ers­ten (völ­lig unab­hän­gi­gen) Fan­ta­sy­ro­man “Das Mäd­chen, das den Mond trank” — wun­der­schön! Ein wei­te­res Buch von ihr ist “Zwil­lings­herz”. Du magst Roma­ne über Prin­zes­sin­nen und Dra­chen? Dann greif zu der tol­len “Shadow Dra­gon”-Rei­he von Kris­tin Bria­na Otts (erst ab 14 Jah­ren) oder zu dem schon etwas älte­ren “Die ent­führ­te Prin­zes­sin” von Karen Duve. Etwas mär­chen­haf­ter ist die gelun­ge­ne “School for good and evil”-Rei­he von Soman Chaina­ni. Oder lies die schon etwas älte­re “Skog­land”-Rei­he von Kirs­ten Boie. Ziem­lich gru­se­lig geht es zudem in “Dana Mal­l­o­ry und das Haus der leben­den Schat­ten” von Clau­dia Romes zu.

Bibliografische Angaben:
Schilder was wo wer wannVerlag: Fischer Sauerländer
ISBN: 978-3-7373-5680-0
Erscheinungsdatum: 28.August 2019
Einbandart: Hardcover
Preis: 16,00€
Seitenzahl: 384
Übersetzer: Ilse Layer
Originaltitel: "Iron hearted Violet"
Originalverlag: Little Brown Books Group

Amerikanisches Originalcover: 
Kasimira

Kasimiras Bewertung:

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(4 von 5 mög­li­chen Punk­ten)

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Amerikanisches Cover: Homepage von Kelly Barnhill

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