Katrin Bongard — Es war die Nachtigall

Kasimira13.März 2020

Es war die Nach­ti­gall” von der deut­schen Autorin Kat­rin Bon­gard ist ein Roman, der zwei inter­es­san­te Gegen­sät­ze mit­ein­an­der ver­eint: Umwelt­schutz und die Jagd. Eine vegan leben­de Green­peace-Akti­vis­tin ver­liebt sich in einen Fleisch essen­den Jäger. Eine unmög­li­che Lie­be zwi­schen zwei zudem ver­fein­de­ten Fami­li­en? “Romeo und Julia” lässt grü­ßen! Eine roman­ti­sche, höchst fas­zi­nie­ren­de Geschich­te, die zudem mit Vor­ur­tei­len auf­räumt. Für Jugend­li­che ab 14 Jah­ren und Erwach­se­ne.

Die 16-jäh­ri­ge Marie ist akti­ve Umwelt­schüt­ze­rin. Sie will etwas ver­än­dern. “Ja, ich will Jura stu­die­ren oder Poli­to­lo­gie oder auch Jour­na­lis­tik, aber im Grun­de will ich das alles ja nur machen, um spä­ter etwas in der Welt bewir­ken zu kön­nen. So schnell wie mög­lich. Manch­mal fra­ge ich mich, ob ich dafür über­haupt ein Stu­di­um brau­che.” (Zitat aus “Es war die Nach­ti­gall” S.39) Mit ihrem bes­ten Freund Timo ist Marie regel­mä­ßig an lega­len und auch ille­ga­len Aktio­nen betei­ligt. Vor Kur­zem haben sie ein paar Hüh­ner aus viel zu engen Lege­bat­te­ri­en befreit. Seit einer Green­peace-Akti­on ist Marie sogar wegen Haus­frie­dens­bruch vor­be­straft.
Der 18-jäh­ri­ge Lud­wig stammt aus gutem Hau­se. Sei­ne ade­li­ge Fami­lie besitzt ein gro­ßes Land­gut, das er eines Tages füh­ren soll. Das KasimiraAbitur gera­de in der Tasche, wird er dem­nächst Agrar­wis­sen­schaf­ten stu­die­ren, obwohl ihn Phi­lo­so­phie mehr inter­es­sie­ren wür­de. Außer­dem hat er gera­de sei­nen Jagd­schein gemacht. Darf nun das ers­te Mal selbst ein Tier töten. “Für mich ist sie [die Jagd] eher eine not­wen­di­ge Pflicht als ein Ver­gnü­gen, obwohl ich weiß, wie wich­tig sie für die Pfle­ge des Wal­des ist. Etwas, was getan wer­den muss, um das sen­si­ble Gewicht des Reviers auf­recht­zu­er­hal­ten. Unse­re Pflicht als Land­be­sit­zer.” (Zitat S.32) Auf einem Kon­zert tref­fen Marie und Lud­wig auf­ein­an­der. Ver­ste­hen sich auf Anhieb. Haben den glei­chen Musik­ge­schmack und tref­fen sich bald dar­auf wie­der. Ver­su­chen nicht in Vor­ur­tei­len über­ein­an­der zu den­ken. Ein Jäger und eine Umwelt­ak­ti­vis­tin? Sie hören ein­an­der zu. Erfra­gen, was die Welt des Ande­ren bewegt. Doch dann stel­len sie fest, dass ihre Eltern mit­ein­an­der im Clinsch lie­gen. Maries Mut­ter ist Jour­na­lis­tin und hat einen Kasimirabösen Arti­kel über das Jagen geschrie­ben. Und Lud­wigs Mut­ter ist die neue Vor­sit­zen­de der Jäger­ver­ei­ni­gung. Der Vater Anwalt. Und sie wol­len Maries Mut­ter verklagen…hat ihre Lie­be über­haupt eine Chan­ce?

Das Cover von “Es war die Nach­ti­gall” ist ein Traum! Für mich bis­her das Schöns­te unter den Früh­jahrs­neu­erschei­nun­gen. Der Titel ist ein Zitat aus Shake­speares “Romeo und Julia” und stellt eine pas­sen­de, schö­ne Anspie­lung auf die­se tra­gi­sche Lie­bes­ge­schich­te dar. Der Roman beginnt mit einem Pro­log, den ein all­wis­sen­der Erzäh­ler beschreibt und eine Trau­er­fei­er in einer Kir­che in den Mit­tel­punkt stellt. Man weiß bereits, dass sowohl Marie, als auch Lud­wig gestor­ben sind. Über genaue­re Hin­ter­grün­de kann man nur spe­ku­lie­ren. Der Haupt­teil setzt mit “Ein Jahr davor” ein. Die Geschich­te wird abwech­selnd aus Maries und aus Lud­wigs Sicht in der Ich-Per­spek­ti­ve erzählt. IKasimirahre Cha­rak­te­re sind schön gezeich­net, facet­ten­reich und mit Tief­gang. Beson­ders span­nend ist es sich mit den gegen­sätz­li­chen The­men, die die bei­den beschäf­ti­gen, aus­ein­an­der­zu­set­zen. Auch hin­ter die Fas­sa­de des Jagens bei­spiels­wei­se zu schau­en. Mein Herz schlägt schnell und hef­tig. Habe ich Angst? Ver­mut­lich. Vor dem Töten? Nein, dafür habe ich es schon zu oft gese­hen. Aber davor, nicht ganz rich­tig zu tref­fen und das Tier lei­den zu las­sen. Es nicht sofort zur Stre­cke zu brin­gen.” (Zitat S.37) Über den Tel­ler­rand des eige­nen Lebens zu schau­en und sich auf Neu­es ein­zu­las­sen, das wird bei­den Prot­ago­nis­ten durch ihre begin­nen­de Lie­be von­ein­an­der abver­langt. Sich mit dem Kli­ma­wan­del und vega­ner Lebens­wei­se zu beschäf­ti­gen. Die Tra­di­tio­nen, in denen sie auf­ge­wach­sen sind, in Fra­ge zu stel­len. An man­chen Stel­len wird dies sogar etwas phi­lo­so­phisch, man erfährt aber auch vie­le inhalt­li­che Details: “Ich den­ke an Karl Ove Knausgård. Dass wir den Tod ver­ste­cken. KasimiraNicht nur den Tod, auch das Töten. Abfan­gen heißt, dem Tier einen Stich in die Brust oder das Herz zu geben. Man kann ihm auch einen Stich in den Nacken geben, falls man es schlecht getrof­fen hat. Dann heißt es abni­cken. Abfan­gen und abni­cken, aber eigent­lich mei­nen wir töten. Wir ver­ste­cken Wör­ter hin­ter ande­ren Wör­tern. Wir ver­ste­cken den Tod.” (Zitat S.59ff) Kat­rin Bon­gard hat ins­ge­samt gese­hen einen sehr ange­neh­men Erzähl­stil, lockt unauf­dring­lich damit ihrer Stim­me wei­ter zu fol­gen, auch die Lie­bes­ge­schich­te ist sehr roman­tisch beschrie­ben. Lei­der blei­ben man­che Din­ge unge­klärt, wie zum Bei­spiel, was genau mit Lud­wigs Bru­der pas­siert ist oder ob die Befrei­ungs­ak­ti­on der Hüh­ner irgend­wel­che Aus­wir­kun­gen hat­te. Am Ende war es auch fast zu schnell schon vor­bei, auch hier wären ein paar detail­lier­te Hin­ter­grün­de wün­schens­wert gewe­sen. Ein noch grö­ße­rer Pau­ken­schlag wäre wohl auch ohne den Pro­log erreicht wor­den.

Fazit: Eine schön-tra­gi­sche Lie­bes­ge­schich­te mit inter­es­san­ten Grund­the­ma­ti­ken.

Wenn dir “Es war die Nach­ti­gall” gefal­len hat, dann lies doch noch die ande­ren Bücher von Kat­rin Bon­gard wie zum Bei­spiel die “Radio Gaga”-Rei­he: “Radio Gaga” (Band 1), “Radio Gaga on air” (Band 2) und “Radio Gaga ever­y­whe­re” (Band 3). Ein­zel­bän­de über selbst­be­wuss­te Mäd­chen erschie­nen damals in der PINK!-Rei­he: “Sub­way Sound”, “Man­hat­tan Magic” unLesealternativen“Street Art Love”“Schat­ten­zwil­ling ist ein Thril­ler von Kat­rin Bon­gard und ein Roman mit dem The­ma Dro­gen ist “Lass uns flie­gen”. Dann gibt es noch die roman­ti­sche “Kis­sing”-Rei­he: “Kis­sing” (Band 1), “Kis­sing more” (Band 2) und “Kis­sing one more” (Band 3). Erzäh­le­risch wird das The­ma Umwelt­schutz nicht all­zu oft im Jugend­buch auf­ge­grif­fen, etwas älter schon sind zum Bei­spiel “2084 — Noras Welt” von Jostein Gaar­der (2015), “Mei­ne Öko­kri­se und ich” von Ilo­na Ein­wohlt (2014) und “Euer schö­nes Leben kotzt mich an” von Saci Lloyd (2013). Eini­ge Umwelt­ro­ma­ne hat auch Carl Hiaa­sen geschrie­ben, zum Bei­spiel “Fet­te Fische” oder “Eulen”. Zwei Neu­erschei­nun­gen von die­sem Jahr sind das gelun­ge­ne “Welt­ver­bes­sern für Anfän­ger” von Ste­pha Quit­te­rer und “Die drei !!! — Vol­ler Ein­satz für die Erde” von Kirs­ten Vogel. Ein span­nen­der Thril­ler, in dem die Jagd eine gro­ße Rol­le spielt, ist “Bloo­dy Wee­kend” von M.A.Bennett. Sel­bi­ges The­ma fin­dest du in “Big Game: Die Jagd beginnt” von Dan Smith oder “Crea­tu­re: Gefahr aus der Tie­fe” von Best­sel­ler­au­tor Mor­ton Rhue (ein rich­tig tol­ler Aben­teu­er­ro­man!).

Bibliografische Angaben:
Schilder was wo wer wannVerlag: Hanser
ISBN: 978-3-446-26609-4
Erscheinungsdatum: 27.Januar 2020
Einbandart: Broschur
Preis: 16,00€
Seitenzahl: 272
Übersetzer: -
Originaltitel: -
Originalverlag: -
Originalcover: -

Kasimiras Bewertung:

110_F_27090275_P62H5g5rleoKRt9aFRaJyhqsJOmrgqsw 110_F_27090275_P62H5g5rleoKRt9aFRaJyhqsJOmrgqsw110_F_27090275_P62H5g5rleoKRt9aFRaJyhqsJOmrgqsw110_F_27090275_P62H5g5rleoKRt9aFRaJyhqsJOmrgqsw110_F_27090275_P62H5g5rleoKRt9aFRaJyhqsJOmrgqsw

(4,5 von 5 mög­li­chen Punk­ten)

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.