Katja Brandis — Die Jaguargöttin

Kasimira2.März 2022

“Die Jaguar­göt­tin” ist der neu­es­te, in sich abge­schlos­se­ne Fan­ta­sy­ro­man der deut­schen Best­sel­ler­au­torin Kat­ja Bran­dis, die man vor allem durch ihre “Woodwalkers/Seawalkers”-Rei­hen kennt. Ganz im Sti­le die­ser Erfolgs­se­ri­en bie­tet sie nun neu­en Lese­stoff für die schon etwas älte­ren Gestal­ten­wand­ler-Fans. Die in sich abge­schlos­se­ne Geschich­te spielt im Dschun­gel­kö­nig­reich Elá­mon, in dem Men­schen, sich nicht nur in Tie­re ver­wan­deln kön­nen, son­dern auch bestimm­te Fähig­kei­ten haben und wie Gott­hei­ten ver­ehrt wer­den, so wie auch das Mäd­chen Kita­na. Doch ihrer Fami­lie der Jagu­ar wird übelst mit­ge­spielt und nach einer Intri­ge muss sie in die Wild­nis flüch­ten, um nach Ver­bün­de­ten zu suchen und trifft dort auf den Pan­ther­jun­gen namens Ecco. Ein fas­zi­nie­rend Set­ting, ein auf­re­gen­des, span­nen­des Aben­teu­er, dazu eine Kulis­se vol­ler Exo­tik — was will man mehr? Aller­bes­tes Lese­fut­ter — das man so schnell nicht mehr bei­sei­te legen möch­te! — für Jugend­li­che ab 12 und inter­es­sier­te Erwachsene.

Yuca­tán. Unge­fähr 1000 nach Chris­tus. Hier lebt die 17-jäh­ri­ge Kita­na mit ihrer Fami­lie. Im Dschun­gel­kö­nig­reich Elá­mon. Kita­na ist eine Gestalt­wand­le­rin, so wie alle aus ihrer Fami­lie und wird ange­be­tet wie eine Göt­tin. Sie kann sich in einen Jagu­ar ver­wan­deln und sie hat die Fähig­keit ande­re Men­schen über sich hin­aus­wach­sen zu las­sen. “Jeder Tier-Mensch-Gott ver­füg­te aus Grün­den, die nie­mand kann­te, nur über eine ein­zi­ge magi­sche Fähig­keit außer der, sich zu ver­wan­deln. Meist zeig­te sie sich in der Kind­heit und ver­schwand dann nicht mehr, sobald sie erst ein­mal geweckt war.” (Zitat aus “Die Jaguar­göt­tin” S.13ff) Als Kita­na zehn Jah­re alt war, war auch ihre Kind­heit zu Ende und sie duf­teKasimira das Leben einer Göt­tin füh­ren. “Seit­her regier­ten Regeln ihr Leben. Göt­tin­nen ren­nen nicht. Göt­tin­nen wei­nen nicht. Göt­tin­nen bege­ben sich nur makel­los geklei­det in die Öffent­lich­keit. Doch als Göt­tin konn­te sie den Men­schen auch hel­fen, ihnen Kraft und Zuver­sicht geben oder ihre Pro­ble­me lösen.” (Zitat S.16) Bei Audi­en­zen kom­men vie­le Men­schen zu ihr, um sich von ihr hel­fen zu las­sen und legen ihr dafür eine Opfer­ga­be dar. Doch nun hat sie ein Ora­kel­pries­ter gewarnt. Ihrer Fami­lie dro­he ein Unheil. Aber Kita­na ist abge­lenkt, um zu sehr acht­zu­ge­ben. Vor allem von Axar. “Ihre Gedan­ken wan­der­ten zurück zu Axar. Er war ihr Kind­heits­freund gewe­sen, sie waren prak­tisch zusam­men auf­ge­wach­sen.” (Zitat S.19) Er hat eine Aus­bil­dung zum Ster­nen­pries­ter gemacht, war eini­ge Zeit auf Rei­se gewe­sen. Und nun ist er wie­der zurüKasimirack. Sie trifft sich mit ihm. Heim­lich. Obwohl sie als Göt­tin mit Axar eigent­lich kei­nen gro­ßen Umgang pfle­gen darf. Aber dann wird ihr Vater Kem plötz­lich tot auf­ge­fun­den. Nach einem schwie­ri­gen Gespräch mit dem König floh er in den Dschun­gel und wur­de er von einem her­ab­stür­zen­den Ast erschla­gen. Kita­na macht sich gro­ße Vor­wür­fe. “Ich hät­te nach Papa suchen müs­sen, statt­des­sen hat­te ich nur mein Ver­gnü­gen im Kopf! War­um habe ich nicht erns­ter genom­men, was Ilu gesagt hat? Wir hät­ten uns im Haus ver­schwan­zen müs­sen, gleich nach sei­ner Vor­her­sa­ge!” (Zitat S.43) Aber dann fin­det sie her­aus, dass ihr Vater ermor­det wur­de! Der König und der Ers­te Pries­ter schei­nen dahin­ter­zu­ste­cken, wol­len die Macht von Kita­nas Fami­lie schwä­chen, um ihre eige­nen Zie­le zu errei­chen. Kita­na flüch­tet in den Dschun­gel, um Ver­bün­de­te zu fin­den. Denn dort wohnKasimiraen die Jagua­re, ganz zurück­ge­zo­gen. “Kem hat hin und wie­der einen von ihnen im Dschun­gel getrof­fen, aber sie waren jedes Mal miss­trau­isch und abwei­send.” (Zitat S.93) Eigent­lich wol­len sie mit den Stadt­staa­ten nichts zu tun haben und für sich blei­ben. Wer­den sie Kita­na und ihrer Fami­lie den­noch hel­fen? Bald trifft sie auf den unge­stü­men Jaguar­jun­gen Ecco…

Ein wirk­lich traum­haf­tes Cover ziert den Ein­band von “Die Jaguar­göt­tin” - ein abso­lu­ter Hin­gu­cker und mehr als gelun­gen! Die Auf­ma­chung erin­nert natür­lich stark an die “Woodwalker/Seawalker”-Rei­hen, ist auch für die­sel­be Ziel­grup­pe geschrie­ben, jedoch für ein etwas älte­res Publi­kum. Erzählt wird der fan­tas­ti­sche Roman zu gro­ßen Tei­len aus Kita­nas Sicht in der Ich-Per­spek­ti­ve. Jedoch gesel­len sich noch zweKasimirai wei­te­re Per­spek­ti­ven hin­zu. Die von Ecco, dem Pan­ther­jun­gen, des­sen Erleb­nis­se bereits im Pro­log auf­tau­chen, als er auf Jagd geht und dabei von einem Kai­man ver­letzt wird, und die von einer Ech­se namens Yad­di, die eine Art Beob­ach­ter­rol­le ein­nimmt, weil er vie­les, das pas­siert, ein­fach mit­be­kommt: “…ich bin kein Gott, weil ich nicht ver­ehrt wer­den will und mir das, was ihr macht, zu anstren­gend ist. Ein Wand­ler zu sein, reicht mir.” (Zitat S.34) Und auch wenn man am Anfang ein wenig Zeit braucht, um sich in die neue, von Kat­ja Bran­dis geschaf­fe­ne Welt ein­zu­fin­den, die defi­ni­tiv äußerst fas­zi­nie­rend ist und sogar von Kar­ten­ma­te­ri­al mit den Ört­lich­kei­ten im Anhang beglei­tet wird, so schafft es ihr span­nen­der, mit­rei­ßen­der Erzähl­stil, einen fort­wäh­rend ein­fach immer wei­ter­le­sen zu las­sen! Stän­dig pas­sieKasimirart irgend­et­was, wech­seln die Per­spek­ti­ven oder durch­zie­hen geheim­nis­vol­le Andeu­tun­gen den Text: “Trotz­dem, ob er woll­te oder nicht… das Mäd­chen tat ihm leid. Sie wuss­te noch nicht, was er wuss­te.” (Zitat S.36) Ein dra­ma­ti­scher Moment jagt den nächs­ten und man möch­te das Buch eigent­lich kaum aus den Hän­den legen. “Wie­so atme­ten sie alle wei­ter? Wie­so war der Mond auf­ge­gan­gen, als wäre nichts gesche­hen? Wie­so san­gen die Zika­den im Regen­wald? Die Welt war doch dabei unter­zu­ge­hen. Nein, sie war schon unter­ge­gan­gen.” (Zitat S.41) Dazwi­schen immer wie­der Situa­tio­nen, in denen die beson­de­re Magie spür­bar ist, die Kita­na und ihre Fami­lie ver­strö­men und die sie ande­ren zuteil wer­den las­sen kön­nen: “Dann leg­te sie bei­de Hän­de — inzwi­schen wie­der mensch­lich — auf die Schul­ter der Frau, blick­te ihr in die Augen und ließ die Kraft hin­über­flie­ßen, die sie in sich fand. Die­se beson­de­re Kraft, die man­che Magie nann­ten Kasimiraund über die nur Göt­ter ver­füg­ten.” (Zitat S.29) Allein schon die Namen der Figu­ren — Kita­na, Xime­na, Kara­li Mo — strah­len eine beson­de­re Ele­ganz aus, aber auch die Spra­che, die Kat­ja Bran­dis mit ihren Wort­neu­schöp­fun­gen ver­wen­det: “Mei­ne Tana, dun­kel­schön wie die Nacht!” (Zitat S.41). Es ist auch eine Lie­bes­ge­schich­te in “Die Jaguar­göt­tin” ent­hal­ten, die sich zunächst zwi­schen Axar und Kita­na andeu­tet und dann aber zwi­schen Ecco und Kita­na wei­ter­ent­wi­ckelt, jedoch nimmt die­se kei­nen all­zu zen­tra­len Schwer­punkt ein, daher ist das Buch für Jungs und Mäd­chen glei­cher­ma­ßen geeig­net und ver­liert sich nicht in all­zu viel Roman­tik. Sehr toll ist auch, dass die Autorin das The­ma Umwelt­schutz in ihre Bücher immer wie­der ein­baut. Denn in Elá­mon herrscht schon seit län­ge­rer Zeit eine DürKasimirare. Und den­noch pla­nen der König und der Ers­te Pries­ter den Dschun­gel wei­ter abzu­hol­zen, um noch mehr Bau­wer­ke zu errich­ten, etwas, das vor allem Ecco äußerst wider­strebt: “Es ist eine ver­damm­te Schan­de, wie ihr den Wald behan­delt! Ihr hackt uralte Bäu­me ab, weil ihr immer mehr Holz braucht, und brennt alles nie­der, wenn ihr etwas pflan­zen wollt. Ihr jagt immer im glei­chen Gebiet, bis es dort kei­ne Beu­te­tie­re mehr gibt, und fürch­tet die Raub­tie­re, statt sie zu respek­tie­ren. Erst wenn ihr lernt, den Dschun­gel zu ach­ten, wird die­se Dür­re enden!” (Zitat S.162) Am Ende des Buches geht Kat­ja Bran­dis in einem Nach­wort genau­er auf die Hin­ter­grün­de in ihrem Buch ein und gibt 10 Tipps, wie man selbst aktiv wer­den kann, um den Wald zu schüt­zen. Der Aus­gang des Buches ist noch ein­mal rich­tig schön dra­ma­tisch. Es ist zwar eigent­lich ein Ein­zel­band, jedoch sehe ich inhalt­lich noch jede Men­ge Poten­ti­al die­sen Band aus­zu­bau­en, vor allem, was die Ent­wick­lung zwi­schen Ecco und Kita­na betrifft und die einer gewis­sen flüch­ten­den Per­son am Ende. Also bit­te wei­ter­schrei­ben, lie­be Kat­ja Bran­dis;-)

Dir gefällt Kat­ja Bran­dis Erzähl­stil? Dann hast du noch jede Men­ge Lese­aus­wahl, denn sie hat bereits eine Men­ge geschrie­ben: Ihre momen­tan erfolg­reichs­te Rei­hen sind die “Wood­wal­ker”/“Sea­wal­kers”, in denen die Gestalt­wand­ler eine gro­ße Rol­le spie­len. Das The­ma Umwelt­schutz stellt sie vor allLesealternativenem in die­sen Büchern in den Vor­der­grund: “Ruf der Tie­fe” und “Schat­ten des Dschun­gels”, die sie bei­de zusam­men mit dem Wis­sen­schaft­ler Hans-Peter Zie­mek geschrie­ben hat und die bei­de äußerst span­nend sind. Dann gibt es noch “Vul­kan­jä­ger” (das mir eben­so gut gefal­len hat) und “Floa­ters”. Ande­re Near-Future-Roma­ne von ihr sind “Free­sty­ler” (The­ma: Olym­pia, eben­falls sehr zu emp­feh­len!) und “White Zone”. Unab­hän­gig von Umwelt­schutz ist “Und kei­ner wird dich ken­nen”, das eine Fami­lie beschreibt, die von einem Stal­ker ver­folgt wird — äußerst fes­selnd und der Thril­ler “Libel­len­fän­ger”. Außer­dem hat sie noch wei­te­re Fan­ta­sy­ro­ma­ne ab 12 geschrie­ben, wie zum Bei­spiel die “Khyo­na” oder die “Feu­er­blü­te”-Rei­hen. Aben­teu­er­li­cher und rea­lis­ti­scher sind ihre Roma­ne “Gepar­den­som­mer”, “Koalat­räu­me”, “Der Ele­fan­ten­tem­pel” und die “Del­fin­Team”-Rei­he. Du magst Geschich­ten über Gestalt­wand­ler? Dann lies zum Bei­spiel “Touch of Ink: Die Sage der Wand­ler” von Ste­fa­nie Last­haus und die Fort­set­zung “Touch of Ink: Im Bann der Ver­bo­te­nen”. Eine bekann­te Rei­he ist außer­dem “Anim­ox” von Aimée Car­ter. Etwas älter, aber auch sehr pas­send ist die “Arka­di­en”-Rei­he von Kai Mey­er, eben­falls mit Lie­bes­ge­schich­te. Ein Pan­ther spielt zudem in die­sen bei­den Büchern eine beson­de­re Rol­le: “Pan­ther” von Carl Hiaa­sen und “Pan­ther­som­mer­näch­te” von Bet­ti­na Belitz. Viel­leicht wären auch “Die Aben­teu­er von Agui­la und Jagu­ar” von Isa­bel Allen­de und “Im Bann­kreis des Grü­nen Jagu­ars” von Wer­ner J.Egli etwas für dich.

Bibliografische Angaben:
Schilder was wo wer wannVerlag: Arena
ISBN: 978-3-401-60585-2
Erscheinungsdatum: 17.Februar 2022
Einbandart: Hardcover
Preis: 18,00€
Seitenzahl: 480
Übersetzer: -
Originaltitel: -
Originalverlag: -
Originalcover: -

Trailer zum Buch:
 

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Kasimiras Bewertung:

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(5 von 5 mög­li­chen Punkten)

6 Kommentare zu „Katja Brandis — Die Jaguargöttin“

  1. Oh, ich habe es auch schon gele­sen und moch­te es auch, obwohl es für mich nicht ganz an Wood- /Seawalkers ran­kommt. Aber rich­tig schö­ner Beitrag!! :-)
    Lie­be Grüße,
    Nee­le vom Buch­blog Lesopard

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    • Hal­lo lie­be Neele,

      das habe ich jetzt schon öfters gehört, dass es wohl nicht an die Wood-/Se­al­wal­kers her­an­kommt. Tat­säch­lich ken­ne ich die­se Rei­hen noch nicht, von daher habe ich noch kei­nen Ver­gleich;-) Aber ande­re Bücher der Autorin. Sie kann ein­fach rich­tig gut unterhalten!

      Lie­be Grüße
      Kasimira

      Antworten
    • Hal­lo Dienlin,

      schön, dass es dir gefal­len hat:-) Es kommt übri­gens bald eine Fort­set­zung dazu raus — heißt “Der Pan­ther­gott” und erscheint im Mai 2023!

      Lie­be Grüße
      Kasimira

      Antworten
  2. Ich fin­de „die Jaguar­göt­tin“ ein sehr tol­les Buch! Ich fin­de es sogar genau­so gut wie die Woo­d/­sea-und Wind­wal­kers Rei­hen. Bin jetzt an „der Panthergott“.

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    • Hal­lo Romy,

      schön, dass dir “Die Jaguar­göt­tin” auch so gut gefällt:-) Und wie ist der “Pan­ther­gott”? Lohnt sich die Fortsetzung?

      Vie­le Grüße
      Kasimira

      Antworten

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