Kathy Parks — Echt mieser Zufall

Kathy Parks Echt mieser Zufall22.Januar 2017

Echt mie­ser Zufall oder Wie ich einen Kuss woll­te und bei­na­he dabei drauf­ging” von der ame­ri­ka­ni­schen Autorin Kathy Parks ist laut Ver­lag eine Mischung aus “Gos­sip Girl” und “Schiff­bruch mit Tiger”. Eine Außen­sei­te­rin, die nach einem Tsu­na­mi auf einem Boot auf offe­ner See mit ande­ren Mit­schü­lern nicht nur um das Über­le­ben an sich kämpft, son­dern auch um das gesell­schaft­li­che. Ein Roman mit einer gro­ßen Por­ti­on Selbst­iro­nie und Sar­kas­mus. Für Jugend­li­che ab 14 Jah­ren.

Los Ange­les. Abi­ga­il fei­ert ille­ga­le Par­tys in luxu­riö­sen, leer ste­hen­den Häu­sern. Abi­ga­il wird nie erwischt. Denn Abi­ga­il hat Kon­tak­te. Und sie ist ein­mal Den­vers bes­te Freun­din gewe­sen. “Doch dann hat­te ich ihren gro­ßen Traum zer­stört und ihr Leben rui­niert. Behaup­te­te jeden­falls Abi­ga­il. Und des­halb hat­te sie mir die Freund­schaft gekün­digt, sich mit den coo­len Kids zusam­men­ge­tan und alle in der Schu­le gegen mich auf­ge­hetzt.” (Zitat aus “Echt mie­ser Zufall oder Wie ich einen Kuss woll­te und bei­na­he dabei drauf­ging” S.9) Seit­dem ist die 16-jäh­ri­ge Den­ver die abso­lu­te Außen­sei­te­rin in der Schu­le. Sie gehört ein­fach nir­gends­wo mehr dazu. Bis der coo­le Croix sie eines Tages anspricht, und sie beschließt unge­la­den auf Kathy Parks Echt mieser Zufalleine von Abi­ga­ils Par­tys zu gehen. Um Croix dort wie­der­zu­se­hen. “Woher wuss­te ich, dass eine Par­ty geplant war, obwohl die fro­he Kun­de nie zu mir drang? Ich wuss­te es ein­fach. Leu­te, die nie zu Par­tys ein­ge­la­den wer­den, ent­wi­ckeln eine Art sechs­ten Sinn dafür. Sofort danach kam es bei mir zu einer Art Sekun­där­re­ak­ti­on aus Herz­schmer­zen und einem flau­en Gefühl im Magen, das aus Eifer­sucht und hei­ßem Ver­lan­gen bestand und dem, was die Klip­pen­sprin­ger von Aca­pul­co tris­te­za nann­ten, wenn sie dane­ben­hech­ten und auf den Fel­sen unten auf­schla­gen.” (Zitat S.27) Die Par­ty fin­det in Mali­bu statt und Den­ver muss sich heim­lich aus dem Eltern­haus schlei­chen, um nicht erwischt zu wer­den. Und auch wenn es auf der Fei­er nur so von läs­tern­den und unfreund­li­chen Zicken wim­melt, trifft sie Croix wie­der — gera­de als sie das Haus wie­der ver­las­sen will. Doch genau in dem Moment, als sie sich schließ­lich küs­sen wol­len, ertö­nen lau­te Schreie. Es gab an die­sem Tag bereits zwei klei­ne­re Erd­be­ben. Aber das, was die ande­ren jetzt schrei­en lässt, ist kein Erd­be­ben, son­dern ein Tsu­na­mi, der auf die Küs­te zusteu­ert: “Ich warf einen Blick nach drau­ßen und konn­te nicht glau­ben, was ich da sah. Das Meer fraß Kali­for­ni­en auf. Eine Wand aus Was­ser hat­te den Paci­fic Coast High­way über­rollt. Autos wur­den weg­ge­schwemmt. Häu­seKathy Parks Echt mieser Zufallr am Strand fie­len in sich zusam­men. Und dann warf sich das Was­ser gegen den klei­nen Steil­hang und ras­te auf uns zu. “Oh mein Gott”, flüs­ter­te ich.” (Zitat S.61) Den­ver und ein paar der ande­ren Jugend­li­chen kön­nen sich erst auf das Dach und spä­ter auf ein Boot ret­ten, mit dem sie aufs offe­ne Meer hin­aus­trei­ben. Doch der eigent­li­che Kampf ums Über­le­ben beginnt jetzt erst. Denn es sind neben Tre­vor — einem Mit­schü­ler -, aus­ge­rech­net Abi­ga­il und zwei der größ­ten Zicken der Schu­le mit an Bord…

Echt mie­ser Zufall oder Wie ich einen Kuss woll­te und bei­na­he dabei drauf­ging” ver­rät schon durch das Cover und den Titel, dass den Leser hier eine skur­ri­le, humor­vol­le Geschich­te erwar­tet. Tur­bu­lent, chao­tisch und frech so wir­ken allein die Zeich­nun­gen auf dem Ein­band, die Details andeu­ten, die im Lau­fe des Buches erklärt wer­den. Die Autorin war­tet mit zum Teil sehr erfri­schen­den Ver­glei­chen auf, bei­spiel­wei­se als Den­ver, die durch­weg in der Ich-Per­spek­ti­ve berich­tet, von den gesell­schaft­li­chen Struk­tu­ren ihrer Schu­le spricht und die­se und sich selbst vor allem mit einer fein sor­tier­ten Brief­mar­ken­samm­lung gleich­setzt: “Und ich war eine 3-Cent-Son­der­mar­ke mit einem total lang­wei­li­gen Mond-Motiv, die es nicht wert war, gesam­melt zu wer­den. Von mei­ner Sor­te hät­te man über fünf­zehn Stück gebraucht, um auch nur einen ganz nor­ma­len Brief zu ver­schicKathy Parks Echt mieser Zufallken. Wenn ich mich jetzt ver­bit­tert anhö­re, liegt das dar­an, dass ich es war. Ich war eine ver­bit­ter­te, klei­nen Brief­mar­ke, die nicht auf den Umschlag des Lebens durf­te.” (Zitat S.15) Eben­so die Per­so­nen­be­schrei­bun­gen sind in ihrer bit­ter­bö­sen Iro­nie sehr gelun­gen: “Ers­tens: Audrey Cur­tis hat­te die Per­sön­lich­keit eines Grill­hähn­chens, das sich lang­sam am Spieß dreh­te. Und zwei­tens: Audrey Cur­tis war eine Hei­li­ge, und ich war die Aus­sät­zi­ge, deren Wun­den sie mit ihrem Gesprächs­jod behan­del­te.” (Zitat S.51) Auch wenn der Erzähl­stil zu Beginn des Buches noch etwas flap­sig, kli­schee­be­la­den und teils sehr über­zo­gen wirkt, lässt dies zum Glück schnell nach und über­zeugt schließ­lich durch eine unter­halt­sa­me, bewe­gen­de Geschich­te, beson­ders als die Jugend­li­chen sich auf dem offe­nen Meer befin­den und ums Über­le­ben kämp­fen. Beliebt oder unbe­liebt sein — eine zen­tra­le The­ma­tik der Geschich­te — wird hier auf ein­mal neben­säch­lich. Und vor allem Den­ver, die vie­le wis­sen­schaft­li­che Sen­dun­gen im Fern­se­hen gese­hen hat, kann bewei­sen, was in ihr steckt. In den Fließ­text ein­ge­bet­tet sind Erin­ne­run­gen an die Freund­schaft zwi­schen Abi­ga­il und Den­ver, wie sie ent­stan­den ist und durch was sie zum Erlie­gen kam. Das Ende ist berüh­rend, macht Hoff­nung und gleich­zei­tig auch nach­denk­lich.

Das The­ma “Beliebt­heit-Unbe­liebt­heit” fin­dest du zum Bei­spiel auch in fol­gen­den Roma­nen: “Nur eine Lis­te” von Shi­o­ban Vivi­an (ganz gro­ße Klas­se!) und “Pret­ty cle­ver” von Eli­sa Lud­wig. Oder lies ande­re bewe­gen­de Freund­schafts­ge­schich­ten wie “Papier­flie­ger­wor­te” von Dawn O’Porter oder “Just lis­ten” von Sarah Des­sen. EiLesealternativenne sehr gute Alter­na­ti­ve zu “Echt mie­ser Zufall…” ist auch “Under water” von Matt de la Peña, in dem zwei Jugend­li­che nach einem Tsu­na­mi auf einem Boot ums Über­le­ben kämp­fen. Sel­bi­ges (ohne Tsu­na­mi) tun die Prot­ago­nis­ten in “Nichts als Über­le­ben” von S.A.Bodeen. Ande­re Jugend­bü­cher, in denen es einen Tsu­na­mi gab, sind Töd­li­che Wel­le” von Eric Wal­ters, Du zahlst den Preis für mein Leben” von Caro­lin Phil­ipps und “Flut­licht” von Gide­on Sam­son. Wenn dich der muti­ge Kampf ums Über­le­ben inter­es­siert, kannst du fol­gen­de Bücher lesen: Wolf Moon River” von Rai­ner Maria Schrö­der (gut recher­chiert!), “Sur­vi­ve — Wenn der Schnee mein Herz berührt” von Alex Morel (inklu­si­ve Lie­bes­ge­schich­te) oder den Klas­si­ker “Allein in der Wild­nis” von Gary Paul­sen (schon ab 11 Jah­ren).

Bibliografische Angaben:
Schilder was wo wer wannVerlag: Arena
ISBN: 978-3-401-60249-3
Erscheinungsdatum: 2.Januar 2017
Einbandart: Hardcover
Preis: 14,99€ 
Seitenzahl: 328  
Übersetzer: Bea Reiter
Originaltitel: "The lifeboat clique" 
Originalverlag: Harper Collins

Amerikanisches Originalcover: 
Kathy Parks Echt mieser Zufall











Amerikanischer Trailer:
 

Kasimiras Bewertung:

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(4 von 5 mög­li­chen Punk­ten)

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Amerikanisches Cover: Homepage von Harper Collins

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