Julie Leuze — Das Glück an meinen Fingerspitzen

Julie Leuze - Das Glück an meinen Fingerspitzen25.September 2018

Die deut­sche Autorin Julie Leu­ze beehrt uns mal wie­der mit einem neu­en Roman: “Das Glück an mei­nen Fin­ger­spit­zen” ent­führt in die Wild­nis Kana­das, in wel­cher zwei Jugend­li­che unfrei­wil­lig ums Über­le­ben kämp­fen und nicht nur von ihren Pro­ble­men, vor denen sie bei­de weg­lau­fen woll­ten, ein­ge­holt wer­den, son­dern auch von der Lie­be. Eine wun­der­schö­ne Lek­tü­re zum Abtau­chen — bes­tes Lese­fut­ter für Roman­ti­ker, Aben­teu­rer und alle ande­ren, die ein­fach rich­tig gut unter­hal­ten wer­den möch­ten! Für Jugend­li­che ab 14 Jah­ren und für Erwach­se­ne.

Was im letz­ten Früh­jahr war, das möch­te Jana am liebs­ten ein­fach ver­ges­sen. Doch es hat sie ver­än­dert. Und das wahr­schein­lich für immer. Sich gemein­sam mit ihrer bes­ten Freun­din aufs Stu­di­um freu­en — jetzt nach­dem sie ihr Abi geschafft hat — das kann sie nicht mehr. Am liebs­ten zieht sie sich in ihr Zim­mer zurück. Auch ihre Eltern wis­sen nicht mehr viel mit ihr anzu­fan­gen. Des­halb schi­cken sie Jana schließ­lich für eine Wei­le nach Kana­da, zu ihrer Tan­te und ihrem Onkel, die bei­de als Natur­for­scher arbei­ten. Bei ihrem neu­es­ten Pro­jekt wol­len sie eini­ge Zeit in der
Julie Leuze - Das Glück an meinen FingerspitzenWild­nis leben. Nord­west­lich von Camp­bell Island, im Her­zen des Gre­at Bear Rain­fo­rest, stie­ßen sie bei einer Erkun­dungs­fahrt mit dem Boot auf eine abge­schie­de­ne Pazi­fik­in­sel. Sie ist gut zwan­zig Kilo­me­ter lang und im Schnitt sie­ben Kilo­me­ter breit, durch­zo­gen von meh­re­ren Flüss­chen, mit Hin­wei­sen auf die Anwe­sen­heit von Wöl­fen und Bären.” (Zitat S.20) Auf die­ser Insel haben sie sich eine klei­ne Holz­hüt­te bau­en las­sen, von wel­cher aus sie ihre For­schun­gen anstel­len wol­len. Da ihre Tan­te ander­wei­tig noch zu tun hat, beschlie­ßen Jana und ihr Onkel mit dem Pro­jekt ein­fach schon ein­mal etwas eher zu begin­nen. Die Ein­sam­keit und völ­li­ge Abge­schie­den­heit der Insel wird auch Jana sicher­lich gut tun. “Denn wenn ich ein­fach so tue, als sei nie etwas gesche­hen… dann schaf­fe ich es viel­leicht doch noch, über all das hin­weg­zu­kom­men. Wie­der nor­mal zu wer­den. Ande­ren offen in die Augen bli­cken zu kön­nen.” (Zitat S.21) Doch von einer sei­ner Tou­ren mit dem Boot kommt ihr Onkel eines Tages nicht mehr zurück. Und zugleich stran­det ein jun­ger Mann auf ihrer Insel, der mit sei­nem Boot geken­tert ist und sei­ne gesam­te Sur­vi­val­aus­rüs­tung ver­lo­ren hat: der 18-jäh­ri­ge Luke. Er woll­te einen Film für sei­nen recht erfolg­rei­chen You­tube-Kanal dre­hen, hat­te extra eine teu­re Action-Kame­ra vor­ne an sei­nem Boot mon­tiert. Und Julie Leuze - Das Glück an meinen Fingerspitzennun ist alles weg… Mit Jana und ihrem selt­sa­men Ver­hal­ten kann er nicht viel anfan­gen, will mit ihren Pro­ble­men eigent­lich auch gar nichts zu tun haben. Und den­noch — nach­dem sich her­aus­ge­stellt hat, dass Janas Onkel wahr­schein­lich etwas pas­siert sein muss, da er immer noch nicht zurück­ge­kom­men ist — müs­sen die Zwei sich zusam­men­tun und ver­su­chen das Ende der Insel zu errei­chen. Denn dort wohnt wohl noch ein Ein­sied­ler­pär­chen in der Wild­nis, bei dem sie per Satel­li­ten­te­le­fon um Hil­fe bit­ten könn­ten. Aber dazu müs­sen sie sich ein gutes Stück erst ein­mal durch die raue Natur kämp­fen. “Durch einen rela­tiv offe­nen Wald spa­zie­ren, ist das eine. Doch mit Pflan­zen und Tie­ren auf direk­te Tuch­füh­lung zu gehen, weil man über Stäm­me klet­tern und sich durch Büsche zwän­gen muss, ist etwas ganz ande­res. Was immer sich in die­sem Gestrüpp ver­birgt, mag es klein sein oder groß, satt oder hung­rig, gif­tig oder mit Raub­s­tier­in­stinkt: Wir wer­den ihm ver­dammt nahe kom­men! Und die­ses Wis­sen treibt mei­nen Puls unan­ge­nehm in die Höhe. (Zitat S.104ff) Jana ist alles ande­re als begeis­tert. Hat sie den Wald doch bis­her immer gemie­den. Zudem hat Luke eine gefähr­li­che Ver­let­zung an sei­nem Arm, die ihm gro­ße Schmer­zen berei­tet. Unwei­ger­lich kom­men die bei­den sich auf ihrem Trip näher. Doch die Schat­ten der Ver­gan­gen­heit las­sen sie nicht los. Denn jeder von ihnen hat etwas zu ver­ber­gen…

Julie Leuze - Das Glück an meinen FingerspitzenDas Glück an mei­nen Fin­ger­spit­zen” war­tet mit einem wirk­lich bild­hüb­schen Cover auf und macht bereits neu­gie­rig auf den Inhalt. Erzählt wird der Roman abwech­selnd aus Janas und aus Lukes Sicht in der jewei­li­gen Ich-Per­spek­ti­ve. Aber auch eine drit­te Sicht — die der Insel, in der ein Erzäh­ler geheim­nis­vol­le Andeu­tun­gen macht über den Ver­bleib des Onkels macht und die Ent­wick­lun­gen der Natur, ergänzt die zwei Hand­lungs­strän­ge. Die Cha­rak­te­re sind schön gezeich­net und gera­de, dass man lan­ge Zeit nicht weiß, wel­che Vor­ge­schich­ten die bei­den Figu­ren haben, macht einen beson­de­ren Reiz beim Lesen aus. Immer wie­der durch­zie­hen Andeu­tun­gen die Hand­lung, mit denen man nur ver­su­chen kann das Puz­zle Stück für Stück zusam­men­zu­set­zen. Und je näher Jana und Luke sich kom­men, umso mehr droht das Unter­drück­te an die Ober­flä­che zu gera­ten. War­um hat Jana Flash­backs und Panik­at­ta­cken? Was ist in jenem Früh­jahr pas­siert, über das sie nicht mehr spre­chen will? Eben­so Luke läuft vor irgend­et­was weg. Was ist mit sei­ner Schwes­ter pas­siert? War­um kann er sei­ner Zukunft nicht gelas­sen ent­ge­gen­se­hen? Was hält ihn zurück? Die Dra­ma­tik stei­gert sich nicht nur durch die vie­len, zunächst unbe­ant­wor­te­ten Fra­gen, son­dern auch durch die all­mäh­lich ent­ste­hen­den Anzie­hung zwi­schen den bei­den. Etwas scheint sich da zwi­schen ihnen zu ent­wi­ckeln. Etwas, das Luke mit allen Mit­teln zu unter­drü­cken zu ver­sucht… Julie Leuze - Das Glück an meinen Fingerspitzen Schön fand ich auch die atmo­sphä­ri­schen Schil­de­run­gen der Natur des beein­dru­cken­den Kana­das: “Ich lie­be die Wild­nis. Gemäch­lich glei­tet mein Kanu auf dem brei­ten Fluss dahin. Eine abso­lu­te Stil­le liegt über Was­ser und Wald, über den unsicht­ba­ren Tie­ren und sogar über mir, dem ein­zi­gen Men­schen in die­ser voll­kom­me­nen, bei­na­he mys­ti­schen Land­schaft, in er sich alle Sor­gen ver­flüch­ti­gen. Es ist, als gön­ne die Welt sich und mir eine nebe­li­ge Atem­pau­se.” (Zitat S.31) Auch Sur­vi­val­fans kom­men in “Das Glück an mei­nen Fin­ger­spit­zen” voll auf ihre Kos­ten, denn wäh­rend ihrem Trip erle­ben die bei­den die aben­teu­er­lichs­ten Din­ge und begeg­nen eini­gen wil­den Tie­ren. Das Ende: dra­ma­tisch, berüh­rend und pas­send.

Fazit: Eine gelun­ge­ne, schö­ne Mischung aus Aben­teu­er,- Lie­bes­ge­schich­te und Ado­les­zenz­ro­man!

Dir gefällt Julie Leu­zes Erzähl­stil? Dann lies noch ihre ande­re Roma­ne. Für “Stern­schnup­pen­träu­me” erhielt sie sogar den DeLia-Preis 2014 für den bes­tenLesealternativen deut­schen Lie­bes­ro­man. In die­sem Roman und in “Der Geschmack von Som­mer­re­gen” fin­det sich zudem auch rela­tiv viel Ero­tik wie­der. Eben­so so in dem danach fol­gen­den “Herz­mu­schel­som­mer”, das in die Bre­ta­gne ent­führt. “Das Glück an mei­nen Fin­ger­spit­zen” ist dem­nach das ers­te Mal völ­lig jugend­frei;-) Du suchst eine schö­ne Lese­al­ter­na­ti­ve? Hier gibt es zwei tol­le Ver­gleichs­ti­tel: “Libel­len­som­mer” von Ant­je Baben­der­er­de und “Sur­vi­ve: Wenn der Schnee mein Herz berührt” von Alex Morel — bei­des Lie­bes­ge­schich­ten, die in der Wild­nis spie­len. Noch etwas aben­teu­er­li­cher geht es in “Schat­ten des Dschun­gels von Kat­ja Bran­dis zu, in wel­chem sich ein Mäd­chen allei­ne durch den Dschun­gel kämp­fen muss oder in “Wolf Moon River” von Rai­ner Maria Schrö­der. Rich­tig klas­se sind zudem die Lie­bes­ge­schich­ten “Wir flie­gen, wenn wir fal­len” von Ava Reed und “Wenn du mich küsst” von Julia­ne Stone. In letz­te­rem tref­fen zwei Jugend­li­che auf­ein­an­der, die jeder für sich mit sei­nen eige­nen Pro­ble­men zu kämp­fen haben und sich schließ­lich inein­an­der ver­lie­ben.

Bibliografische Angaben:
Schilder was wo wer wannVerlag: Ravensburger
ISBN: 978-3-473-40166-6
Erscheinungsdatum: 21.August 2018
Einbandart: Hardcover
Preis: 14,99€ 
Seitenzahl: 320 
Übersetzer: -
Originaltitel: - 
Originalverlag: -
Originalcover: -

Kasimiras Bewertung:

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(5 von 5 mög­li­chen Punk­ten)

2 Kommentare

  1. Julie Leuze

    Vie­len Dank für die­se wun­der­vol­le Rezen­si­on, die auch noch so toll und pas­send bebil­dert ist. Da geht der Autorin — also mir — das Herz auf! :)
    Lie­be Grü­ße,
    Julie Leu­ze

    Antworten
    1. Kasimira (Beitrag Autor)

      Hal­lo Julie Leu­ze,

      wel­che ein Freu­de — sogar ein Kom­men­tar der Autorin;-) Vie­len Dank!
      Ja, für ein tol­les Buch gibt es eben auch eine tol­le Rezen­si­on:-)

      Lie­be Grü­ße zurück sen­det
      Kasi­mi­ra

      Antworten

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