Julie Berry — Lasst uns schweigen wie ein Grab

Julie Berry Lasst uns schweigen wie ein Grab19.September 2014

Eine herr­li­che, his­to­ri­sche Kri­mi­ko­mö­die hat die ame­ri­ka­ni­sche Autorin Julie Ber­ry geschrie­ben: “Lasst uns schwei­gen wie ein Grab”. Über zwei plötz­li­che Todes­fäl­le, ein Mäd­chen­in­ter­nat und der Raf­fi­nes­se von sie­ben Mäd­chen. Mit raben­schwar­zem, groß­ar­ti­gem Humor — da macht das Lesen wirk­lich Spaß! Für Jugend­li­che ab 12 Jah­ren und inter­es­sier­te Erwach­se­ne.

Ely. Ein klei­nes Städt­chen in Eng­land gegen Ende des 18. Jahr­hun­derts. Sie hät­ten es im Leben nie­mals für mög­lich gehal­ten, doch es ist tat­säch­lich gesche­hen: die stren­ge, unbe­lieb­te Inter­nats­lei­te­rin Mrs Pla­ckett ist beim sonn­täg­li­chen Essen tot auf ihrem Stuhl zusam­men­ge­sackt. Eben­so ihr Bru­der Mr Aldous, nach­dem er einen Bis­sen Kalbs­fleisch gekos­tet hat­te, wel­ches nur die bei­den, nicht aber die sie­ben Inter­nats­schü­le­rin­nen beka­men, die sich vor­be­rei­tend auf ihr spä­te­res Ehe­le­ben im Ver­zicht üben muss­ten. Das Fleisch wur­de ver­gif­tet, doch von wem? War es eines der Mäd­chen? Oder lief der Mör­der noch frei drau­ßen her­um? Fest steht für die sie­ben unter­schied­lich alten Mäd­chen jedoch eines: sie wol­len kei­nes­falls nach Hau­se geschickt wer­den, son­dern wei­ter­hin zusam­men im Inter­nat blei­ben und die­ses in eige­ner Regie füh­ren. Kann das klap­pen? Dum­mer­wei­se tau­chen am sel­ben Abend bereits eini­ge uner­war­te­te Gäs­te auf, die zu Mr. Aldous Über­ra­schungs­par­ty anläss­lich sei­nes Geburts­ta­ges ein­ge­la­den waren. Auch ein Arzt ist dabei, der zuvor Mrs Pla­ckett noch ein­mal auf ihr Leber­lei­den unter­su­chen woll­te. Die Mäd­chen müs­sen sich eini­ges ein­fal­len las­sen, um die Lei­chen ver­schwin­den und den Anschein, dass alles beim Alten wäre, zu wah­ren…

Julie Berry Lasst uns schweigen wie ein GrabLasst uns schwei­gen wie ein Grab” liest sich sehr sehr ange­nehm. Die Geschich­te fin­det eine inter­es­san­te Ein­lei­tung, in der die Namen der Mäd­chen vor­stellt wer­den: Rober­ta “Lie­bens­wert”, Mary Jane “Unge­niert”, Mar­tha “Ein­fäl­tig”, Ali­ce “Robust”, Kit­ty “Schlau”, Loui­se “Pocken­nar­big” und Eli­nor “Düs­ter”. Gera­de die­se Bei­na­men erleich­tern dem Leser schon zu Beginn des Romans die Mäd­chen aus­ein­an­der­zu­hal­ten und pas­sen ide­al zum Stil des Buches. Auch wer­den anschlie­ßend in kur­zen Absät­zen die Per­so­nen erwähnt, die nicht in “Lasst uns schwei­gen wie ein Grab” vor­kom­men. Dies sind die Verwandten/Bekannten der Mäd­chen, mit deren Nen­nung die Umstän­de geschil­dert wer­den, war­um die sie­ben Mäd­chen im Inter­nat gelan­det sind und auch nicht unbe­dingt mehr nach Hau­se zurück möch­ten. Ein all­wis­sen­der Erzäh­ler wech­selt zwi­schen den Per­spek­ti­ven der ein­zel­nen Mäd­chen, so dass man sich gut in sie hin­ein­ver­set­zen kann.
Die Geschich­te spielt wäh­rend des vik­to­ria­ni­schen Zeit­al­ters und war­tet mit typi­schen, gut recher­chier­ten Merk­ma­len jener Epo­che auf, auf wel­che die Autorin in einem kur­zen Nach­wort noch ein­mal ein­geht.
Stän­di­ge unvor­her­ge­se­he­ne Ereig­nis­se machen das Buch zu einer ent­spann­ten, äußerst unter­halt­sa­men Lek­tü­re, die sich wirk­lich zu lesen lohnt! Auch das Cover ist gran­di­os gestal­tet.

LesealternativenEine Lese­al­ter­na­ti­ve zu “Lasst uns schwei­gen wie ein Grab”  wäre zum Bei­spiel “Das Haus der ver­schwun­de­nen Kin­der” von Clai­re Legrand. Auch hier begeg­nen dem Leser viel Witz und Iro­nie und ein Mäd­chen, das eben­falls durch Raf­fi­nes­se ver­sucht zur Frei­heit (ihres bes­ten Freun­des) zu gelan­gen. Sehr pas­send ist auch die “Fla­via de Luce”-Rei­he von Alan Brad­ley, Kri­mis mit sehr viel schrä­gem Humor. Oder lies noch ein ande­res Buch von Julie Ber­ry: Ich bin die, die nie­mand sieht”. Das hat mir auch sehr sehr gut gefal­len, mit his­to­ri­schem Hin­ter­grund (Sied­ler­zeit) und eben­falls mit dem The­ma Schwei­gen.

Bibliografische Angaben:
Schilder was wo wer wannVerlag: Thienemann
ISBN: 978-3-522-20199-5
Erscheinungsdatum: 17.September 2014
Einbandart: Taschenbuch
Preis: 12,99€
Seitenzahl: 320
Übersetzer: Eva Plorin
Originaltitel: "The scandalous sisterhood of Prickwillow Place"
Originalverlag: Roaring Brook Press

Amerikanisches Originalcover:
Julie Berry Lasst uns schweigen wie ein Grab
 Trailer zum Buch (englisch):

Kasimiras Bewertung:

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(5 von 5 mög­li­chen Punk­ten)

 

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2.Bild v. oben: © Maria Lanznaster/pixelio.de
Englisches Cover: Homepage von Julie Berry



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