“Nachrichten aus dem Inneren der Katze” ist ein Roman der deutschen Autorin Judith Burger und ihr erstes Jugendbuch. Für die 17-jährige Sylvie ist Gellrode ein Kaff, das sie möglichst schnell verlassen möchte. Deshalb jobbt sie in dem ortsansässigen Kunstmuseum. Doch dann wird ein Bild geklaut: “Nachrichten aus dem Inneren der Katze” und der fiese Mueumsdirektor Brunse entlässt sie. Aber warum zeigt er den Diebstahl nicht an? Dann taucht auch noch der charmante Paul auf, in den Sylvie sich ein wenig verguckt. Was für eine geheime Mission hat er und warum verhält sich ihre Tante Käthe plötzlich so seltsam? Ein sehr sensibel erzählter Coming-of-Age-Roman, eine Suche nach der eigenen Identität, ein Kunstkrimi und eine Familien- und Liebesgeschichte zugleich. Mit einer glasklaren, punktgenauen Sprache und perfekt getroffenen Gefühlsbildern schafft es die Autorin dem Innenleben einer Heranwachsenden auf authentische Weise Ausdruck zu verleihen. Der besondere Roman für Jugendliche ab 12 Jahren und interessierte Erwachsene.
Langweilig ist es in dem Kaff Gellsrode. Eintönig. Jeder kennt jeden. Es passiert nichts Neues. Das findet die 17-jährige Sylvie. Deshalb will sie so schnell wie möglich weg von hier. Am besten schon vor dem Abitur, aber da spielen ihre Eltern nicht mit, denen der Schulabschluss sehr wichtig ist. Was Sylvie machen will und wohin sie gehen will, das weiß sie noch nicht, aber
Geld braucht sie auf jeden Fall, um auf alle Eventualitäten gerüstet zu sein. Darum jobbt sie jetzt in den Winterferien in einem Kunstmuseum, auch wenn sie den Direktor Brunse nicht wirklich mag, ebenso wie ihre Tante Käthe, die irgendwelche tiefergehende Differenzen mit diesem hat, es aber dennoch geschafft hat ihr diesen Job zu vermitteln. Tante Käthe ist tatsächlich gar nicht ihre Tante, aber eine Bekannte ihrer Eltern, die beide im sich abwechselnden Schichtdienst im Krankenhaus arbeiten und diese hat schon oft auf Sylvie aufgepasst. Auch wenn sie — die gleichzeitig Künstlerin ist — manchmal ein wenig verschroben ist. “Hier ist es einfach nur langweilig. Deswegen gehe ich geradewegs zu Tante Käthe nach Hause, sie ist nicht langweilig, sondern speziell. Tante Käthe sitzt mit verschränkten Armen in ihrer Küche, so als würde sie dahinter was verbergen.” (Zitat aus “Nachrichten aus dem Inneren der Katze” S.12) Doch dann passieren zwei Dinge, die Grellrode plötzlich ganz anders und aufregend wirken lassen. Erstens: ein Bild wird im Museum geklaut. Ein Bild, das Sylvie sogar gefällt. “Völlig zu Recht hat es
eine ganze Wand für sich allein. Es heißt Nachrichten aus dem Inneren der Katze. Und nein, es ist keine Katze auf dem Bild. Da ist nicht wirklich was zu sehen, nur Farbe. Aber trotzdem guckt es zurück. Ich weiß: Ein Bild kann nicht gucken. Aber wenn man davorsteht, wird es in einem drin ganz weit.” (Zitat S.9ff) Die Alarmsicherung im Mueseum greift leider nur für ein Kunstwerk von van Gogh, alle anderen Bilder sind nicht alarmgesichert. Aber anstatt die Polizei zu rufen, behält Mueumsdirektor Brunse den Diebstahl für sich und entlässt Sylvie, die er dafür verantwortlich macht. “Sie können gehen.” “Sie schmeißen mich raus?” “Was denn sonst! Gleich morgen fängt hier jemand an, der den Job zehn Mal besser macht als Sie!”! Oh, es gibt schon Ersatz für mich? Das ging ja schnell.” (Zitat S.11) Und zweitens: Paul taucht auf. Sylvie lernt ihn in der Burg kennen, in der sie daraufhin Punsch an Touristen ausschenkt. “Ich weiß nicht, wann ich zuletzt jemanden getroffen habe, der Sachen sagt, mit denen man nicht rechnet und die so wahnsinnig klug klingen und gleichzeitig so, als hätte ich sie gesagt.” (Zitat S.35) Paul ist toll. In den kann man sich schon gut vergucken
. Doch dann ist ausgerechnet er es, der Sylvies Job im Museum übernommen hat. Und was hat Paul für eine seltsame Mission, über die er nicht sprechen kann?
Der Roman mit dem grünen Hintergrund und der auffälligen Katze sticht hervor. Aber das Grandioseste ist der Titel, unter dem man sich zunächst gar nichts vorstellen kann, der das gestohlene Kunstwerk bezeichnet, aber auch innerhalb der Geschichte inhaltlich aufgegriffen wird. Das Buch ist in zwei Teile aufgeteilt und die einzelnen Seiten sind immer wieder grafisch mit einem Faden verbunden, werden aber auch optisch manchmal unterbrochen, wenn es Rückblenden gibt oder die Hauptfigur ihren Erzählfaden verliert, was sehr geschickt gemacht ist. Die Protagonistin, ihre Art zu denken, ihre von viel Klugheit durchzogenen Gedankengänge und ihre scharfsinnige Beobachtungsgabe, das sind die großen Stärken des Romans. “Jetzt wird erst mal gegessen”, sagt sie. Jetzt wird erst mal ist ein Satzanfang der Vernichtung. Er täuscht von hinten links an mit der Ansage, es gäbe viel zu tun, und zieht dann rechts vorbei, indem er alles aufschiebt. Am Ende ist nichts erledigt und alles bleibt offen. Also essen wir. Das muss jetzt sein. Unbedingt. Ein Teller Suppe aus der Dose duldet keinen Aufschub. Ich muss lachen. Mama schaut mich irritiert an.” (Zitat S.25) Sylvie ist authentisch, greifbar und al
s Charakter sehr feinfühlig skizziert. Die Sprache von Judith Burger ist zudem auf den Punkt gebracht. Viele kurze Sätze reihen sich aneinander. Viel Klarheit und Schlichheit, aber auch viel Tiefe und Raum zwischen den Zeilen. Dazu verwendet sie eine Vielzahl von äußerst kreativen Bildern, um die Empfindungen ihrer Hauptfigur noch treffender in Worte zu fassen. “Ich würde auch lieber wieder gehen. Aber es ist etwas passiert. Etwas Schreckliches. In meinem Kopf löst sich gerade eine Brausetablette auf. Keine Chance für klares Denken.” (Zitat S.7) Aber auch für banalste Beobachtungen findest sie eindringliche Beschreibungen. “Die Grillhühnchen-Verkäuferin ist knallrot im Gesicht, trinkt einen Schluck Proseccoa aus einer Dose und schmeißt eine glimmende Kippe durch das Verkaufsfenster in den Schnee. Dort japst die Kippe noch einmal, dann ist sie tot.” (Zitat S.21) Nicht nur das verschwundene Kunstwerk, sondern auch Paul, bringen Chaos in Sylvies Leben. Sorgen für die Abwechslung, nach der Sylvie sich schon immer gesehnt hat. “Und er guckt wirklich ganz schön verzweifelt, dieser Paul. Mit einem durcheinandergeratenen Leben. Ganz anders als
bei mir. Mein Leben ist ein Lineal.” (Zitat S.62) Doch die neuen, ungewohnten Aufregungen stellen zugleich auch eine Herausforderung für die junge Protagonistin dar. Lassen sie an ihre Grenzen kommen, als sie eines Nachts Hals über Kopf in einen Zug steigt und Grellsrode verlässt, um einen klaren Kopf zu bekommen. “Nachrichten aus dem Inneren der Katze” ist auch eine Sinnsuche — Wo will ich hin? Wer will ich sein? Mit wem will ich sein? Hierzu macht sich Sylvie manch höchst philosophische Gedanken. “Ich bin siebzehn Jahre, ich habe auch schon ein kleines früher, meine Kindheit. Aber im Moment ist für mich doch eher das morgen wichtig. Was mit Paul wird. Ob ich aus Grellrode weggehe. Oder nicht? Vielleicht wird das so, dass, je älter man wird, dieses früher immer wichtiger wird? Weil sich da immer mehr anhäuft. Ein ganz schön großer Berg ist dieses früher.” (Zitat S.123) Neben der Liebesgeschichte spielt auch die Familie eine wichtige Rolle und ein gut gelüftetes Geheimnis tritt noch zutage, dass das Leben einiger Personen grundlegend verändern wird. Das Ende ist rund und schlüssig.
Bibliografische Angaben:Verlag: Gerstenberg ISBN: 978-3-8369-6354-1 Erscheinungsdatum: 26.Januar 2026 Einbandart: Hardcover Preis: 16,00€ Seitenzahl: 176
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Verlag: Gerstenberg
ISBN: 978-3-8369-6354-1
Erscheinungsdatum: 26.Januar 2026
Einbandart: Hardcover
Preis: 16,00€
Seitenzahl: 176