Josh Silver — Happy Head

29.März 2026

“Hap­py Head” ist das Debüt des bri­ti­schen Autoren Josh Sil­ver. Der dys­to­pi­sche Thril­ler und Band 1 einer zwei­tei­li­gen Rei­he wur­de für zahl­rei­che Prei­se nomi­niert und aus­ge­zeich­net, auch die Film­rech­te wur­den sich vor Ver­öf­fent­li­chung bereits gesi­chert. Im Mit­tel­punkt ein Men­tal-Health-Pro­gramm — ein Expe­ri­ment — in das zahl­rei­che Jugend­li­che ver­pflich­tend ein­ge­la­den wer­den. Eben­so der 17-jäh­ri­ge Sebas­ti­an, genannt Seb, der eher unsi­cher und zurück­hal­tend ist, für sei­ne Eltern zu sen­si­bel. Das zwei­wö­chi­ge Pro­gramm soll die “Epi­de­mie der unglück­li­chen Teen­ager” hei­len und sie fürs Leben stär­ken. Die Metho­den: etwas anders und unge­wöhn­lich. Seb lernt dort Finn ken­nen, dem er uner­war­tet näher kommt. Die­ser glaubt, dass es in dem Retre­at nicht mit rech­ten Din­gen zu geht. Bald stellt sich her­aus, dass Finn recht hat… Ein sehr gelun­ge­nes Set­ting! Der Autor arbei­te­te selbst als Kran­ken­pfle­ger im Bereich der psy­chi­schen Gesund­heit. Tem­po­reich, span­nend und mit Tief­gang. Für Jugend­li­che ab 14 Jah­ren und inter­es­sier­te Erwachsene.

Der 17-jäh­ri­ge Sebas­ti­an, genannt Seb, ist laut sei­ner Mut­ter ein “Sen­si­bel­chen”, er zer­denkt vie­les, ist nicht beson­ders Kasimiraglück­lich. “In einem Punkt sind mei­ne Eltern und Lehr­kräf­te sich schon seit einer gan­zen Wei­le einig: dass ich etwas brau­che, was mich mal ordent­lich auf­rüt­telt, und ler­nen muss, auf eige­nen Bei­nen zu ste­hen. Als dann der Brief kam, waren alle total begeis­tert. Hap­py­Head war die Ant­wort. Muss­te die Ant­wort sein.” (Zitat S.10) Als dann lan­des­weit aus­ge­wähl­te Jugend­li­che einen Brief bekom­men, der zur Teil­nah­me an einem beson­de­ren Pro­jekt ver­pf­li­chet, scheint dies zu einem Wen­de­punkt in Sebs Leben zu wer­den. Sei­ne Fami­lie fährt ihn schließ­lich dort­hin. “Hier bei Hap­py­Head seid ihr Teil eines Pro­jekts, das von welt­weit füh­ren­den Exper­tin­nen und Exper­ten ent­wi­ckelt wur­de.” (Zitat S.35) Es ist eine Art Sozi­al­ex­pe­ri­ment, ein Rück­zugs­ort, ein Test­pro­gramm. “Wir leben in einer Epi­de­mie. Einer Unglück­s­epi­de­mie. Stu­di­en zei­gen, dass ihr, unse­re Jugend, unse­re Zukunft, einer Viel­zahl von Gefah­ren aus­ge­setzt seid, aber die größ­te Gefahr für euch seid ihr selbst. Es ist offen­sicht­lich, dass ihr Hil­fe benö­tigt. Einen Aus­weg.” (Zitat S.33) Außer­ge­wöhn­li­che Chal­lenges erwar­ten die Jugend­li­chen dort. Füh­ren­de Wis­sen­schaft­le­rin­nen und Wis­sen­schaft­ler haben diese ent­wi­ckelt. Um den Jugend­li­chen bei­zu­brin­gen nach­hal­tig glück­lich zu sein. “Die Absol­vie­ren­den ler­nen, ihr vol­les Poten­zi­al aus­zu­schöp­fen, und wer­den dabei mit dem nöti­gen Hand­werks­zeug für eine erfolg­rei­che Zukunft aus­ge­stat­tet.” (Zitat S.5) Alles klingt viel­ver­spre­chend. Doch der Unru­he­stif­ter und Rebell Finn lässt Zwei­fel in Seb wach­sen. Heim­lich steckt er ihm eine Bot­schaft zu. “Es gibt kei­nen Weg hier raus, Seb. Muss dir was zei­gen. Mor­gen. Sag kei­nem was.” (Zitat S.116) Ist bei Hap­py­Head viel­leicht doch nicht alles so in Ord­nung wie es scheint? Bald fin­den die bei­den Erschre­cken­des heraus…

Das Cover wirkt fas­zi­nie­rend und auf­fäl­lig, passt her­vor­ra­gend zum Inhalt. Das Buch steigt äußerst unter­halt­sam ein, zeigt die Anrei­se der Fami­lie zu Hap­py­Head und wirft einen wun­der­bar skiz­zier­ten Ein­druck auf das Fami­li­en­le­ben von Seb. Der dys­to­pi­sche Thril­ler spielt in Schott­land. Das Gelän­de von Hap­py­Head ist weit abge­le­gen. “Ich wer­fe einen Blick zurück auf das rie­si­ge Gebäu­de. Es wirkt, als wäre ein Raum­schiff mit­ten in der schot­ti­schen Ein­öde gelan­det. Erst jetzt sehe ich das Kasimirakup­pel­för­mi­ge Glas­dach. Das war mir bei mei­ner Ankunft im Dun­keln gar nicht auf­ge­fal­len.” (Zitat S.124) Die Grund­idee in “Hap­py­Head” ist äußerst gut gelun­gen. Das Pro­jekt wirkt wie eine Mischung aus Reha, Sek­te, Boot­camp und einer ordent­li­chen Por­ti­on “1984”. Doch kann man unglück­li­che Teen­ager mit die­sem Pro­gramm glück­lich machen? “Eure Gene­ra­ti­on steckt in der Kri­se. Ich will euch kei­ne Angst machen und wir geben euch natür­lich nicht die Schuld dar­an. Ihr seid die Opfer. Die Regie­rung sucht schon län­ger fie­ber­haft nach einer Lösung für die­se Kri­se, aber lei­der ohne Erfolg. Bis jetzt. Denn nun haben sie sich end­lich bereit erklärt, einen Test­lauf für unser Pro­jekt, für Hap­py­Head, zu finan­zie­ren.” (Zitat S.41ff) Die Initia­to­ren von Hap­py­Head ver­su­chen es. Seb erzählt durch­gän­gig in der Ich-Per­spek­ti­ve. Ein sym­pa­thi­scher Erzäh­ler, dem man sei­ne Gefüh­le und Emp­fin­dun­gen abnimmt. Durch sei­ne Sicht wird man mit dem Pro­jekt lang­sam ver­traut. Die wei­ßen Zim­mer, die Rang­fol­ge der Jugend­li­chen, die jeden Mor­gen ihr Zim­mer wech­seln müs­sen (abstei­gen­de Zim­mer­num­mer = höhe­rer Rang). Kein Han­dy, kein Kon­takt zur Außen­welt. Kom­plett wei­ße Zim­mer. Und dazu noch ein Chip, der ihnen ein­ge­pflanzt wur­de. “Der Scan­ner liest euren Chip aus, um zu erken­nen, ob es euch an irgend­wel­chen Nähr­stof­fen man­gelt. Dann bekommt ihr eine indi­vi­du­ell ange­pass­te Mahl­zeit ver­ord­net, mit allem, was ihr braucht.” (Zitat S.65) Die Chal­lenges sind außer­ge­wöhn­lich, die Span­nung hält sich durch­ge­hend. Auf­merk­sam und erwar­tungs­voll fie­bert man als Leser:in mit, was den Prot­ago­nis­ten noch alles erwar­ten wird. Und zugleich stellt sich die Fra­ge, was wirk­lich hin­ter Hap­py­Head steckt und ob die Metho­den, die ange­wandt wer­den, das recht­fer­ti­gen, was die Jugend­li­chen erle­ben müs­sen. Hin­zu kommt noch eine — aber sehr dezent ein­ge­floch­te­ne — Love­sto­ry mit Finn, der für ers­te Zwei­fel hin­sicht­lich des Pro­gramms bei Seb sorgt und dem er lang­sam näher kommt. “Hap­py­Head” setzt sich mit Men­tal Healt, der Suche nach Glück und dem Funk­tio­nie­ren in vor­ge­ge­be­nen Struk­tu­ren, dem Leis­tungs­druck rich­tig und per­fekt sein zu müs­sen, inten­siv aus­ein­an­der. Im hin­te­ren Teil des Buches steigt die Span­nung noch ein­mal ordent­lich. Das offe­ne Ende macht klar, auf die Fort­set­zung kann man sich jetzt schon freu­en. Die­se erscheint im Herbst 2026.

Der zwei­te Teil von Josh Sil­ver heißt “Dead Hap­py”. Der Autor hat noch einen wei­te­ren Thril­ler für Jugend­li­che geschrie­ben namens “Trau­ma­land”. Die­ser ist unab­hän­gig zu lesen und bis­her nur im EnLesealternativengli­schen erschie­nen. Du suchst noch Lese­al­ter­na­ti­ven zu “Hap­py Head”? Dann könn­test du zu den dys­to­pi­schen Rei­hen “Maze Run­ner” von James Dash­ner, “All Bet­ter Now” von Neal Shus­ter­man oder sogar auch zu “Die Tri­bu­te von Panem” von Suzan­ne Coll­ins grei­fen. Oder aber zu “Rotes Licht, grü­nes Licht: Wie weit wür­dest du gehen?” von Lou All­ori (in Anleh­nung an Squid Game). Eine Alter­na­ti­ve könn­te eben­so “Am Ende ster­ben wir sowie­so” von Adam Sil­ve­ra sein. Bücher, die in Boot­camps spie­len, da könn­test du dir “Acht Wochen Wüs­te” von Wen­de­lin van Dra­a­nen (sehr gelun­gen) anschau­en. Mit har­ten Erzie­hungs­me­tho­den arbei­tet auch die Ein­rich­tung in “Zusam­men wie Schwes­tern” von Gayle For­man. Oder lies “Brea­kout” von April Hen­ry und “Camp 21: Gren­zen­los gefan­gen” von Rai­ner Wekwerth. Ande­re Bücher, die in Boot­camps spie­len, sind “Das Camp” von Harald Ton­dern und der Klas­si­ker “Boot­camp” von Mor­ton Rhue. Roma­ne, in denen die Prot­ago­nis­ten eben­falls in einer Art Anstalt lan­den und dort aus­bre­chen, sind “Wir waren hier” von Nana Rade­ma­cher und “Arti­kel 5″ von Kris­ten Sim­mons. Eine eben­so action­rei­che, sehr pas­sen­de Alter­na­ti­ve ist “Du kannst kei­nem trau­en” und “Ihr seid nicht allein” von Robi­son Wells.

Bibliografische Angaben:
Schilder was wo wer wannVerlag: Magellan 
ISBN: 978-3-7348-5095-0
Erscheinungsdatum: 12.Februar 2026
Einbandart: Broschur
Ausstattung: Erstauflage mit Farbschnitt
Preis: 22,00€
Seitenzahl: 416
Übersetzer*in: Jessika Komina, Sandra Knuffinke
Originaltitel: "Happy Head"
Originalverlag: Delacorte Press

Britisches Originalcover:





 






Der Autor liest aus seinem Buch (auf Englisch):
 

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Kasimiras Bewertung:

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(4,5 von 5 mög­li­chen Punkten)

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Britisches Cover: Homepage von Penguin Random House

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