Josefine Sonneson — Wie man einen Bammel auf Hosentaschengröße schrumpft

24.Januar 2025

Wie man einen Bam­mel auf Hosen­ta­schen­grö­ße schrumpft” ist ein Roman der deut­schen Autorin Jose­fi­ne Son­ne­son. Sie erzählt die Geschich­te von Elli und Jaro, die — seit sie 5 Jah­re alt sind — die aller­bes­ten Freun­de sind. Sie woh­nen im sel­ben Miets­haus, ver­krie­chen sich ger­ne auf dem Dach­bo­den in ihrem Geheim­ver­steck und schmie­den Plä­ne. Nun wol­len sie sich ihren Ängs­ten stel­len. Jaro hat Angst vor Hun­den, Elli traut sich nicht in tie­fes Was­ser. Als ein neu­es Mäd­chen in ihrem Haus ein­zieht, gerät ihr Gefü­ge lang­sam durch­ein­an­der. Plötz­lich unter­nimmt Jaro auch etwas mit Tami, ohne Elli zu fra­gen. Dabei woll­ten sie sich doch ihren Ängs­ten stel­len! Doch das will Jaro plötz­lich auch nicht mehr. Angst haben ist doch okay, sagt Tami. Bald kommt es zu einem gro­ßen Streit… Eine unter­halt­sa­me Geschich­te über Freund­schaft, Eifer­sucht und Ängs­te. Bewe­gend, lie­ben­wert und mit viel Humor erzählt. Für Jugend­li­che ab 10 Jah­ren und alle ande­ren Angst­ha­sen, die über sich hin­aus­wa­chen wollen;-)

Elli und Jaro sind bes­te Freun­de. Gefühlt schon fast immer. Elli wohnt mit ihren zwei Müt­tern, von denen eine bald ein Baby erwar­tet, im vier­ten Stock. Jaro wohnt mit sei­nem Vater in der Woh­nung dar­un­ter. Wenn sie sich ver­ab­re­den wol­len, muss Elli nur an das Hei­zungs­rohr schla­gen, dann weiß Jaro Bescheid. Sie unter­neh­men viel mit­ein­an­der. Tref­fen sich regel­mä­ßig auf dem Dach­bo­den, wo sie ein klei­nes Geheim­ver­steck ein­ge­rich­tet haben und oft Agen­ten­auf­trä­ge, die sie sich aus­den­ken, erle­di­gen. Und natür­lich vie­le Kek­se essen. Nun hat Jaro eine neue Idee für einen Auf­trag: “…ich will kei­nen Bam­mel mehr haben. Und auch kein Muf­fen­sausen. Und kei­ne Angst! Ich will nicht immer Stra­ßen­sei­ten wech­seln und Umwe­ge gehen. Ich will ein­fach da lang­ge­hen, wo ich lang­ge­hen will. Ohne dass mir der Bam­mel im Weg steht.” Jaro meint es ernst. Jaro hat schon drü­ber nach­ge­grü­belt. Und jetzt hat er was beschlos­sen. “Okay, sage ich. “Dann ist das unser neu­er Auf­trag!” (Zitat aus “Wie man einen Bam­mel auf Hosen­ta­schen­grö­ße schrumpft” S.6) Denn Jaro hat Angst vor Hun­den. Weil er ein­mal eine sehr schlech­te Erfah­rung mit einem Hund gemacht hat. Auch Elli hat vor man­chem Angst. Aber eine Sache beun­ru­higt sie doch am meis­ten: “Und ich habe einen gro­ßen Bam­mel, dass aus tie­fem trü­ben Was­ser irgend­was um mei­ne Bei­ne schlin­gert beim Schwim­men. “Ich hab Bam­mel vor dem tie­fen See- und Meer­was­ser, weißt du doch”, mur­me­le ich. Und dabei klopft mein Herz ein biss­chen schnel­ler und lau­ter. Man­che Bam­mel machen sogar Bam­mel, sie nur aus­zu­spre­chen.” (Zitat S.9) Also beschlie­ßen die bei­den sich den Ängs­ten zu stel­len. Lei­hen einen Hund aus, mit dem Jaro üben kann. Anfangs läuft er nur auf der ande­ren Stra­ßen­sei­te par­al­lel zu Elli, die den Hund führt. Aber nach einer Wei­le traut er sich mehr zu. “Und Jaro strei­chelt Otto über den Kopf uns sagt: “Hab noch nie so einen grin­sen­den Hund gese­hen!”, und lacht und dann sit­zen wir lachend um Otto her­um und der wedelt mit dem Schwanz und weiß nicht, was los ist, oder viel­leicht weiß er es doch, dass wir gera­de einen Bam­mel ein biss­chen klei­ner geschrumpft haben.” (Zitat S.61ff) Doch dann taucht plötz­lich ein neu­es Mäd­chen in dem Wohn­haus auf. Tami. Jaro fin­det sie sofort pri­ma. Sie kommt sogar in sei­ne Klas­se. Elli kann sie hin­ge­gen nicht aus­ste­hen. Auf ein­mal unter­nimmt Jaro auch immer mehr mit Tami. Taucht in der Pau­se nicht mehr am ver­ab­re­de­ten Treff­punkt. Trifft sich mit Tami sogar in ihrem Geheim­ver­steck. Das ver­än­dert alles…

Das Cover wirkt fast ein biss­chen alt­ba­cken, der Titel macht jedoch neu­gie­rig. Erzählt wird “Wie man einen Bam­mel auf Hosen­ta­schen­grö­ße schrumpft” durch­ge­hend aus Ellis Sicht in der Ich-Per­spek­ti­ve. Eine sehr sym­pa­thi­sche Haupt­fi­gur, die ihre Welt auf eine ganz eige­ne, beson­de­re Art betrach­tet. Ihre Freund­schaft zu Jaro ist ihr vor allem sehr wich­tig. Die bei­den sind sogar gleich groß. Doch dann ver­än­dert sich nicht nur das. Elli ist auf ein­mal einen Zen­ti­me­ter grö­ßer als Jaro. Das gab es ja noch nie. Dann taucht auch noch Tami auf und Jaro ver­bringt plötz­lich nicht mehr aus­schließ­lich Zeit mit Elli. Der Roman greift ganz behut­sam die The­men einer sich ver­än­dern­den Freund­schaft auf, das Erwach­sen­wer­den, Eifer­sucht und Ver­än­de­run­gen. Aber auch das The­ma Ängs­te wird sehr sen­si­bel behan­delt. “Bam­mel zu haben” klingt lapi­dar, aber die Jugend­li­chen schaf­fen es den­noch sich ihren Ängs­ten zu stel­len. Mut zu zei­gen, über sich hin­aus­zu­wach­sen. Die Spra­che ist ange­nehm und mit vie­len Wort­spie­le­rei­en durch­zo­gen wie zum Bespiel: Ver­knal­len inter­es­siert mich nicht. Ich mag es es sowie­so nicht, wenn’s knallt.” (Zitat S.49) Aber auch manch schö­ne Bil­der lässt Jose­fi­ne Son­ne­son in den Köp­fen ihrer Leser:innen ent­ste­hen: “Und Jaro sagt: “Logisch”, und mehr kön­nen wir beim Ren­nen nicht reden. Zwei Ecken wei­ter bie­gen wir in unse­re Stra­ße, hal­ten an und holen unse­re Pus­te wie­der ein.” (Zitat S.18) Etwas irri­tier­te mich nur am Anfang. AKasimirals man noch nicht weiß, ob sich hin­ter dem Name Jaro ein Jun­ge oder ein Mäd­chen ver­birgt, schreibt die Autorin: “Jaro und ich. Ich und Jaro. Kom­pli­zen. Agen­tin­nen. Und aller­bes­te Freun­de.” (Zitat S.5). Man denkt sich auf­grund von “Agen­tin­nen” also, das sind zwei Mäd­chen. Bis dann fol­gen­der Satz auf­taucht: “Jaro hat schon die gan­ze Bus­fahrt nichts gesagt, viel­leicht hat sich was in ihm zusam­men­ge­bro­delt.” (Zitat S.5ff). Jaro ist — auch wenn man mehr liest, wird dies deut­lich — also doch ein Jun­ge. “Agen­tin­nen” wird den­noch (ohne Gen­dern wie Agent:innen z.B.) häu­fi­ger ver­wen­det. Spä­ter heißt es bei Ellis Tan­te dann doch mal “Freund*innen”. Am Ende gibt es eini­ge Tur­bu­len­zen und dra­ma­ti­sche Momen­te, die sich dann aber alle wie­der in Wohl­ge­fal­len auf­lö­sen und ein pas­sen­des Hap­py End liefern.

LesealternativenDir gefällt der Erzähl­stil von Jose­fi­ne Son­ne­son? Sie hat noch ein wei­te­res Buch geschrie­ben: “Stol­per­ta­ge”, das ab 12 Jah­ren emp­foh­len wird. Ängs­te über­win­den und mutig sein, das müs­sen auch die Prot­ago­nis­ten in dem Roman “Nachts wer­den alle Wün­sche wahr” von Zoë Jen­ny (ab 9). Oder lies das bezau­bern­de “Wün­sche an die Wel­len” von Katya Balen, hier hat ein Jun­ge auch vor vie­len Din­gen Angst. Mit Ängs­ten und Freun­schaft set­zen sich auch fol­gen­de Bücher aus­ein­an­der: “Wolf” von Saša Sta­nišić, “Atlas, Ele­na und das Ende der Welt” von Anna Woltz und “Hasen­herz: Held aus Ver­se­hen” von Julia Bles­ken.  

Bibliografische Angaben:
Schilder was wo wer wannVerlag: Carlsen
ISBN: 978-3-551-55847-3
Erscheinungsdatum: 26.September 2024
Einbandart: Hardcover
Preis: 12,00€
Seitenzahl: 160
Illustrator*in: Stefanie Jeschke

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Kasimiras Bewertung:

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(4,5 von 5 mög­li­chen Punkten)

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