“Louder than Hunger” ist ein Roman des amerikanischen Autoren John Schu, welcher von seinen eigenen Erfahrungen als Teenager beeinflusst wurde. Er erzählt die Geschichte des 13-jährigen Jakes, der unter Magersucht leidet, sich dies aber nicht eingestehen will. Er, der in der Schule gemobbt wird und am liebsten wenig Raum einnehmen möchte, hat eine äußerst laute Stimme in seinem Kopf. Eine, die lauter als der Hunger ist und die ihm sagt, dass er abstoßend sei und kein Essen verdiene. Schließlich landet Jake in einer Klinik, die er lange Zeit nicht verlassen darf. Bis er allmählich anfängt, zu heilen und der Stimme in seinem Kopf etwas entgegenzusetzen… Ein Versroman, der mit viel Gestaltungsfreiheit und wenigen Worten pro Seite daherkommt, der unheimlich ergreifend und einschlagend ist. Intensiv, sprachgewaltig und eindringlich geschrieben. Eine Geschichte, die wirklich unter die Haut geht! Für Jugendliche ab 12 Jahren und interessierte Erwachsene.
Der 13-jährige Jake ist ein Außenseiter. In der Schule wird er gemobbt. Freunde hat er keine. Seine Mutter ist ständig traurig und sein Vater nie da. Dafür ist aber seine Großmutter wie eine beste Freundin für ihn. Jedes Wochenende darf Jake bei ihr verbringen — das Highlight seiner Woche. Vor allem die Liebe zu
Musicals verbindet ihn und seine Großmutter. Doch bei einer Sache lügt Jake auch seine Großmutter an. Beim Essen. Denn er isst nicht mehr viel. Will wenig Raum einnehmen und fürchtet sich vor jedem Gramm, das er zunehmen könnte. Und da ist auch diese laute Stimme in seinem Kopf, die ihm immer wieder sagt, was er tun soll. “Die Stimme sagt:/ DU DARFST KEINE SPAGHETTI ESSEN./ Ich versuche, sie nicht zu beachten./ Ich laufe in der Küche auf und ab/ und wiederhole in meinem Kopf:/ Du darfst Spaghetti essen./ Du darfst Spaghetti essen./ Du darfst Spaghetti essen./ Die Stimme sagt: DU DARFST KEINE SPAGHETTI ESSEN./ Ich werfe die Spaghetti in den Müll.” (Zitat aus “Louder Than Hunger” S.52ff) Dass er eine Essstörung haben könnte, leugnet er. Doch dann ruft eine Frau aus dem Seniorenheim, der Jake regelmäßig vorliest, seine Mutter an und beichtet ihm ihre Sorgen. Und schließlich kommt Jake in eine Klinik. Dort will er nicht sein. Er will auch nicht essen und beim Therapieprogramm mitmachen. Er ist schließlich nicht krank. Erst allmählich lernt er Vertrauen zu einer anderen Patientin zu fassen und auch zu seinen Therapeuten. Aber dann geht es seiner Großmutter plötzlich immer schlechter…
Das Cover fällt auf, der zerbrochene Teller und der Titel deuten bereits das Thema an. John Schu schreibt in seiner Widmung unter anderem: “Für mein dreizehnjähriges Ich, das ein Buch wie dieses gebraucht hätte.” (Zitat S.5) und auch die Autorin Kate DiCamillo, die ein Vorwort geschrieben hat, weist auf die Wichtigkeit des Romans hin: “Jakes Geschichte wird dich verändern. Vielleicht stellst du fest, dass auch du jemandem dein Herz zeigen, jemandem die Wahrheit sagen willst. Deine Geschichte zu erzählen kann dein Leben retten. Vielleicht auch das Leben von jemand anderem. Jake weiß das. John Schu weiß das. Deshalb hat er dieses Buch geschrieben. Für dich.” (Zitat S.7) Das Buch spielt im Jahr 1996 (bis 1998), ist durchgehend aus Jakes Sicht in der Ich-Perspektive geschrieben und ist in Kapitel eingeteilt, die meist kurze Titel tragen, später aber auch nur die Tage herunterzählen, die Jake in der Klinik verbringen muss. “Louder Than Hunger” wirkt relativ umfangreich (528 Seiten), liest sich aber als Versroman tatsächlich relativ schnell. Gefühlt ist man nur am Umblättern, da manche Seiten mit wirklich wenigen Wörtern und viel Zeilenabstand gefüllt sind. Zudem sind die Wörter oft sehr kunstvoll arrangiert. Da wird groß, klein, eng zusammen und weit
auseinander geschrieben. Alles passend zur Bedeutung der jeweiligen Stelle. Auch mit Wortwiederholungen spielt der Autor: “Ich zwinge zwinge zwinge zwinge zwinge zwinge zwinge zwinge zwinge zwinge zwinge zwinge zwinge zwinge zwinge zwinge zwinge zwinge zwinge zwinge zwinge zwinge zwinge zwinge zwinge zwinge zwinge zwinge DIE EIER UND DAS MÜSLI HINUNTER und die Stimme schreeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiittttt. Zwanzig Minuten später Als Ruth mich zurück/ auf die Jugenstation bringt,/ fühle ich, wie meine/ Arme,/ Beine/ und mein/ Bauch D I C K E R W E R D E N.” (Zitat S.106) Und vor allem die Stimme, die Jake immer wieder in seinem Kopf wahrnimmt, wird grafisch perfekt dargesteltl und fett gedruckt. Die Stimme, die er schon seit der siebten Klasse hört: “Sie/ ist/ lauter/ als/ der/ Hunger/ in/ meinem/ Bauch.” (Zitat S.22ff) Auch Dialoge werden nur mit dem Namen der jeweiligen Person und einem Doppelpunkt eingeleitet. Dass Jake Hilfe braucht, wird ihm immer wieder bewusst. Er berichtet einer Engelstatue im Park, die er “Frieden” nennt, beispielsweise seine Geheimnisse: “Frieden, ich habe heute unter Tränen einen Apfel gegessen./ Frieden, ich habe Grandma heute dreimal angelogen./ Frieden, mir fallen die Haare au
s./ Frieden, auf meinen Schultern wächst weicher Flaum./ Frieden, warum bestrafe ich mich?/ Frieden, ich habe die Kontrolle verloren./ Frieden, ich habe Angst./ Frieden, ich brauche Hilfe.” (Zitat S.61ff) Doch bis Jake es tatsächlich zulässt, sich zu öffnen, dauert es eine Weile. Dieser Prozess, aber auch seine Empfindungen in Bezug auf die Krankheit werden äußerst intensiv und bewegend geschildert. “Louder Than Hunger” geht an die Substanz. Ist ein Buch, das man so schnell nicht vergessen wird. Und dennoch eines, das letzten Endes Hoffnung macht. Dass zeigt, dass Heilung möglich ist und dass vieles Zeit und Geduld und liebevolle Menschen um sich herum, aber auch Selbstfürsorge und Akzeptanz braucht. Im Anhang werden noch Hilfemöglichkeiten für Betroffene genannt.
Es gibt unzählige Romane über Essstörungen im Jugendbuch, allerdings dominieren hier wirklich die Mädchen als Protagonistin. Jungs mit einer Esstörung im Jugendbuch, das gibt es kaum. Du könntest hierzu zum Beispiel das bewegende “Dünner als du denkst” von Christine Fehér lesen. Oder die “Heartstopper”-Reihe von Alice Oseman (Comicroman), in Band 4 der Re
ihe spielt auch eine Essstörung bei einem Jungen eine Rolle. Ansonsten gibt es (für Mädchen) unheimlich viel Auswahl im Jugendbuch: Lies zum Beispiel von Jana Frey “Luft zum Frühstück”, von Brigitte Blobel “Meine schöne Schwester” und von Birgit Schlieper “Herzenssucht”. Etwas literarischer sind “Wintermädchen” von Laurie Halse Anderson, „Und auch so bitterkalt“ von Lara Schützsack, “Was fehlt, wenn ich verschwunden bin” von Lily Lindner (brillant! mit autobiografischen Zügen) und “Hello Paris” von Catharina Geiselhart. Gut gefielen mir auch “Zertrennlich” von Saskia Sarginson und “Stone girl” von Alyssa B.Sheinmel. In einer Klinik spielen ebenso diese Bücher: “Nichts leichter als das” von Marnelle Tokio, “Mein Lollimädchen-Ich” von Christina Helmis (autobiografisch), “Heute will ich leben” von Nora Price (sehr bewegend!), “Das Lächeln der Leere” von Anna Sofia Höpfner (dieses beschreibt vor allem den Prozess der Heilung), “Alles so leicht” von Meg Haston (dramatisch und schmerzhaft, mit autobiografischen Zügen) und “Mein Sommer auf dem Mond” von Adriana Popescu. Oder lies „Engel haben keinen Hunger“ von Brigitte Biermann, welches rückblickend von einem Mädchen erzählt, das an ihrer Essstörung gestorben ist.
Bibliografische Angaben:Verlag: Fischer Sauerländer ISBN: 978-3-7373-4397-8 Erscheinungsdatum: 29.Januar 2025 Einbandart: Hardcover Preis: 19,90€ Seitenzahl: 528 Übersetzer*in: Maren Illinger Originaltitel: "Louder Than Hunger" Originalverlag: Candlewick Amerikanisches Originalcover:
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Verlag: Fischer Sauerländer
ISBN: 978-3-7373-4397-8
Erscheinungsdatum: 29.Januar 2025
Einbandart: Hardcover
Preis: 19,90€
Seitenzahl: 528
Übersetzer*in: Maren Illinger
Originaltitel: "Louder Than Hunger"
Originalverlag: Candlewick
Amerikanisches Originalcover:
