John Boyne — Der Junge im gestreiften Pyjama

John Boyne Der Junge im gestreiften Pyjama1. Janu­ar 2015

Der Jun­ge im gestreif­ten Pyja­ma” des iri­schen Autoren John Boy­ne ist fast schon ein moder­ner Klas­si­ker, wenn es um das The­ma “Holo­caust” geht. Ein bemer­kens­wer­ter Roman, der den Autor in aller Welt (es wur­de in 46 Spra­chen über­setzt!) bekannt mach­te und über­all sehr gute Kri­ti­ken bekam. Das wahr­lich beson­de­re an dem Roman: er erzählt die Geschich­te aus der Sicht eines 9-jäh­ri­gen Jun­gen, der den Ernst der Situa­ti­on um sich her­um gar nicht so rich­tig begreift, ihn sei­nem Leser aber dadurch unwei­ger­lich umso näher bringt. Ein Roman über das Kon­zen­tra­ti­ons­la­ger in Ausch­witz, eine Geschich­te über Freund­schaft und Mensch­lich­keit. Inten­siv, nach­denk­lich machend, über­aus bewe­gend! Für Jugend­li­che ab 12 Jah­ren und vor allem für Erwach­se­ne.

Bru­no ist neun Jah­re alt. Er ist klug, höf­lich und ver­sucht immer ehr­lich zu sich zu sein. Er lebt mit sei­ner Mut­ter, sei­nem Vater, einem erfolg­rei­chen Mann, des­sen Beruf er sich aber nicht so recht erklä­ren kann und sei­ner Schwes­ter, die für ihn ein hoff­nungs­lo­ser Fall ist, in Ber­lin. Am liebs­ten rutscht er das Trep­pen­ge­län­der hin­un­ter oder spielt mit sei­nen drei bes­ten Freun­den. Bis der Vater eines Tages John Boyne Der Junge im gestreiften Pyjamasei­ne Arbeits­platz wech­seln und die Fami­lie umzie­hen muss. Das neue Heim, das sich in einer kar­gen, trost­lo­sen Land­schaft befin­det, gefällt Bru­no gar nicht. Kei­ne Nach­bar­häu­ser, nie­man­dem zum Spie­len. Selt­sa­me gro­ße Bara­cken hin­ter einem Zaum, in dem vie­le Men­schen leben und arbei­ten. Er ver­sucht den Vater zu über­zeu­gen, dass sie doch wie­der zurück nach Ber­lin zie­hen sol­len. Doch mit die­sem Ver­such schei­tert er. Aus Lan­ge­wei­le beschließt Bru­no sei­ner Lieb­lings­tä­tig­keit nach zu gehen. Er will schließ­lich For­scher wer­den. Also läuft er, obwohl der Vater es ver­bo­ten hat, am Zaun ent­lang, eine gan­ze Stun­de lang. Bis er schließ­lich auf eine Per­son trifft. Einen Jun­gen im gestreif­ten Pyja­ma…

Wenn man die Hin­ter­grün­de des Romans nicht kennt, erfährt man wirk­lich erst deut­lich auf Sei­te 71 in wel­chem zeit­li­chen Rah­menDer Jun­ge im gestreif­ten Pyja­ma” spielt. Denn Bru­no soll sich auf eine gewis­se Wei­se von sei­nem Vater ver­ab­schie­den, als er den Raum ver­lässt, er sagt “Heil Hit­ler”, was für ihn gleich­be­deu­tend mit “Na dann, auf Wie­der­se­hen und einen schö­nen Nach­mit­tag” (Zitat aus “Der Jun­ge im gestreif­ten Pyja­ma” S. 71) ist. Auch wenn vor­her bereits Satz­fet­zen erah­nen las­sen, wo er spie­len könn­te: “Aus-Wisch?”, frag­te Bru­no, “Was ist ein Aus-Wisch? […] Was aus­wi­schen?” “Das ist der Name des Hau­ses”, erklär­te Gre­tel, “Aus-Wisch.” […] “Und was bedeu­tet das?”, frag­te er unge­hal­ten, “Was aus­wi­schen?” “Na, die Leu­te, die hier vor­her gelebt haben, neh­me ich an”, sag­te Gre­tel, “Ver­mut­lich hängt es damit zusam­men, dass sie kei­ne gute Arbeit geleis­tet haben und jemand mein­te, weg mit ihnen, holen wir einen Mann her, der es rich­tig macht.” (Zitat aus “Der Jun­ge im gestreif­ten Pyja­ma” Sei­te 3536). Gera­de die­se naiv-kind­li­che Sicht­wei­se mit­zu­er­le­ben und sich als Leser gleich­zei­tig auf erschre­cken­de Wei­se bewusst zu sein, was wirk­lich dahin­ter­steckt, John Boyne Der Junge im gestreiften Pyjamamacht eine beson­de­re Qua­li­tät des Buches aus, so dass man stel­len­wei­se nicht weiß, ob man lächeln oder das Gesicht ver­zie­hen soll. Bei­spiels­wei­se erklärt Bru­no sei­nem Vater über­aus über­zeugt von sei­nem Gedan­ken, dass die­ser doch sicher­lich etwas falsch gemacht haben muss gegen­über dem “Furor”, sonst hät­te der ihn nicht an solch einen schreck­li­chen Ort (ohne Freun­de und in kar­ger Land­schaft) geschickt. Er sol­le sich bei die­sem doch bes­ser ent­schul­di­gen.

In Bru­no kann man sich sehr gut hin­ein­ver­set­zen und sei­ne kind­li­chen Gefüh­le tei­len. Die Spra­che ist sehr ein­fach und klar und lie­fert eine authen­ti­sche Sicht­wei­se des Neun­jäh­ri­gen. Der Erzähl­stil ist flüs­sig und lässt das gera­de mal 266 Sei­ten rasch vor­über­flie­gen. Jedoch wird das Ende der Geschich­te sei­ne Leser erst ein­mal scho­ckiert zurück­las­sen. “Der Jun­ge im gestreif­ten Pyja­ma” wirkt noch lan­ge nach und ist ein Buch, das man defi­ni­tiv gele­sen haben soll­te!

Es schlie­ßen sich eine Dank­sa­gung und ein Nach­wort des Autors an. 2008 wur­de der Roman ver­filmt. Du kannst dir unten den Trai­ler zum Film anse­hen.

Wenn dir “Der Jun­ge im gestreif­ten Pyja­ma” gefal­len hat, dann kannst du auch noch die Lesealternativenande­ren Jugend­bü­cher von John Boy­ne lesen (chro­no­lo­gisch nach Erschei­nen): “Der Schiffs­jun­ge: Die wah­re Geschich­te der Meu­te­rei auf der Boun­ty”, Zu schnell” ( The­ma: Schuld), “Der Jun­ge mit dem Herz aus Holz” (eine Para­bel über den Trost des Erzäh­lens), “Die unglaub­li­chen Aben­teu­er des Barna­by Bro­cket” (The­ma: Anders­sein), So fern wie nah” (The­ma: Ers­ter Welt­krieg). Eine inhalt­li­che Alter­na­ti­ve zu “Der Jun­ge mit dem gestreif­ten Pyja­ma” zu fin­den ist schwie­rig, daher eine Emp­feh­lung zu einem eben­falls außer­ge­wöhn­li­chen Buch über den Natio­nal­so­zia­lis­mus: Die Bücher­die­bin” von Mar­kus Zusak. Erns­te The­men mit kind­li­cher Leich­tig­keit (und Humor) ver­bin­det auch die fran­zö­si­sche Autorin Marie-Aude Murail. Hier gibt es einen Roman über die Abschie­bung einer aus­län­di­schen Fami­lie, der sehr berüh­rend geschrie­ben ist: “Ein Ort wie die­ser”.

Bibliografische Angaben:
Schilder was wo wer wannVerlag: Fischer
ISBN: 978-3-596-80683-6
Erscheinungsdatum: 6.Februar 2009
Einbandart: Taschenbuch
Preis: 7,95€
Seitenzahl: 272
Übersetzer: Brigitte Jakobeit
Originaltitel: "The boy with the striped pyjamas"
Originalverlag: Definitions (Random House)

Englisches Originalcover:
John Boyne Der Junge im gestreiften Pyjama











Trailer zum Film:
 

Kasimiras Bewertung:

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(5 von 5 mög­li­chen Punk­ten)

 

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Englisches Cover: Homepage von Random House
2. Bild v. oben (Häftlingskleidung): Konrad Kurzacz Pimke via Wikipedia Commons

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