Jilly Gagnon — #Famous

Jilly Gagnon #Famous 11.März 2018

#Famous” von der ame­ri­ka­ni­schen Autorin Jil­ly Gagnon ist ein Roman über ein ver­häng­nis­vol­les Foto, das plötz­lich um die Welt geht. Eine Geschich­te über uner­war­te­te Berühmt­heit, Mob­bing und die Lie­be in Zei­ten von Soci­al Media. Eine tur­bu­len­te, unter­halt­sa­me Lek­tü­re. Für Mäd­chen ab 12 Jah­ren und inter­es­sier­te Erwach­se­ne.

Schon seit Ewig­kei­ten schwärmt die jun­ge Rachel für den 18-jäh­ri­gen Kyle aus der 12.Klasse. Es gibt nur eine ein­zi­ge Über­schnei­dung ihrer bei­der Leben: der Kurs “Krea­ti­ves Schrei­ben”, den sie bei­de besu­chen. Umso über­rasch­ter ist Rachel, als sie Kyle eines Tages im Ein­kaufs­zen­trum ent­deckt — als Mit­ar­bei­ter eines Fast­foodre­stau­rants: “Und dann sah ich ihn. Kyle Bon­ham. Instink­tiv senk­te ich den Kopf, dreh­te mich zur Sei­te und tat so, als sei ich voll und ganz in mein Han­dy ver­tieft, damit nur ja nicht der Ein­druck ent­stand, ich wür­de ihn anstar­ren. In Wahr­heit tat ich genau das — Kyle muss­te man ein­fach anstar­ren.” (Zitat aus “#Famous” S.10) Heim­lich macht Rachel ein Foto von ihm, um es ihrer bes­ten Freun­din Moni­que zu schi­cken. Und zwar über die Platt­form Flit, auf der sie ihr sonst auch ihre Bil­der schickt. Dar­un­ter schreibt sie: “Echt lecker, was die bei Bur­ger Barn heu­te im Ange­bot haben. #DAZU­hät­teich­gern­Pom­mes”. (Zitat S.20) Doch dann bekommt sie schlag­ar­tig Panik: “Was, wenn er es sah? Er wür­de sofort wis­sen, dass es von mir kam. Aber das wür­de nicht pJilly Gagnon #Famousassie­ren. Ich hat­te viel­leicht zehn Fol­lo­wer — und Kyle war nicht dar­un­ter. Seit Mona­ten schick­te ich Moni­que Bil­der, und bis jetzt schien das nie­mand groß­ar­tig bemerkt zu haben.” (Zitat S.19) Doch dann pas­siert genau das, womit Rachel nie­mals gerech­net hät­te, ihr Foto wird geteilt. Und wie­der geteilt. “Dann ging die Sache rich­tig durch die Decke. Es sah aus, als wür­de die gesam­te Schu­le das Foto reflit­ten. Erst die Mäd­chen, die mit Erin im Tanz­team waren, dann ein paar von den Leicht­ath­le­ten und dann lau­ter Namen, die ich noch nie im Leben gehört hat­te.” (Zitat S.37) Stun­de um Stun­de wird es hef­ti­ger: “1.385 Benach­rich­ti­gun­gen. Bei­na­he hät­te ich mich an mei­ner Kirsch­to­ma­te ver­schluckt. Das waren mehr Leu­te, als es Schü­ler an der Apple Prai­rie High gab. Ohne nach­zu­den­ken klick­te ich auf “Öff­nen”. Ich muss­te ein­fach wis­sen, was über mich geschrie­ben wur­de.” (Zitat S.42) Und es sind nicht wirk­lich posi­ti­ve Din­ge, die über Rachel geschrie­ben wer­den. Sie wird beschimpft, als fett und häss­lich bezeich­net und das sogar von wild­frem­den Men­schen. Auch Kyle wun­dert sich, was da wäh­rend sei­ner Schicht im Fast­foodre­stau­rant abgeht: “Ich hat­te in mei­nen Leben noch nie so vie­le Mäd­chen Pom­mes bestel­len sehen. […] NorJilly Gagnon #Famousmaler­wei­se war wäh­rend mei­ner gesam­ten Schicht tote Hose. Doch heu­te waren bereits um Vier­tel vor sechs alle Pom­mes aus­ver­kauft. Das war uns noch nie pas­siert. (Zitat S.23) Und jedes Mäd­chen, in der end­lo­sen Schlan­ge, die selt­sa­mer­wei­se auch ein Foto von ihm machen wol­len, bestellt ihre Pom­mes mit dem Spruch: “Dazu hät­te ich ger­ne Pom­mes.” Als er schließ­lich sein Han­dy in die Hand bekommt und sei­ne Benach­rich­ti­gun­gen ent­deckt, wird ihm end­lich klar, war­um. “Ich spür­te, wie mein Herz zu rasen begann. Es häm­mer­te regel­recht gegen mei­nen Brust­korb. Was war hier los? War­um teil­te plötz­lich die hal­be Welt ein Foto von mir? (Zitat S.29) Doch wäh­rend Rachel immer mehr Opfer gemei­ner Mob­bing­at­ta­cken wird, wird Kyle über Nacht zum gefei­er­ten Star. Bis eines Tages sogar das Fern­se­hen vor sei­ner Türe steht und er in einer Show auf­tre­ten soll. Das ver­än­dert alles. Denn auf ein­mal soll auch Rachel dabei eine Rol­le spie­len…

#Famous” wird abwech­selnd aus Kyles und Rachels Sicht in der Ich-Per­spek­ti­ve erzählt. Die Spra­che ist locker und teil­wei­se jugend­sprach­lich, aber pas­send. Der Roman ent­hält eini­ge inter­es­san­te The­ma­ti­ken: Wie gehe ich mit uner­war­te­ter Berühmt­heit um? Was für Vor­tei­le kann ich dar­aus zie­hen? Das Buch Jilly Gagnon #Famouszeigt aber auch die Schat­ten­sei­ten des Ruhms: unge­woll­te Bekannt­heit und Mob­bing. Gera­de Rachel macht dies sehr zu schaf­fen: Beim Auf­wa­chen hat­te ich 23.208 wei­te­re Benach­rich­ti­gun­gen gehabt (zusätz­lich zu den vie­len Loves und Reflits), und die meis­ten davon waren extrem gemein. Dem­nach war ich fett, häss­lich, arm­se­lig und grö­ßen­wahn­sin­nig. Nicht, dass ich so was nicht schon ab und zu selbst gedacht hät­te, aber es von so vie­len Leu­ten lesen zu müs­sen, war doch mal etwas ganz ande­res. So, als wür­de es dadurch irgend­wie wahr wer­den. Mir wur­de rich­tig schlecht davon.” (Zitat S. 62) Es ist sehr bewe­gend zu lesen, wie der All­tag des jun­gen Mäd­chens sich ver­än­dert, wie sie, die eigent­lich eher immer im Hin­ter­grund blei­ben woll­te, plötz­lich mit­ten auf den Prä­sen­tier­tel­ler gerät. Wie alte, pein­li­che Fotos von ihr auf ein­mal her­aus­ge­kramt und ver­öf­fent­licht wer­den; wie ihr Spint ver­un­stal­tet wird; wie ihre Auto­schei­be über und über mit Pom­mes deko­riert wird. Wie das Mob­bing über­hand nimmt: “Ich hat­te immer gedacht, wenn ich mich mit einer Hand­voll Künst­ler­freun­den umgab und am Rand auf­hielt, könn­te so etwas nicht mehr pas­sie­ren. Aber Jes­sies Fol­lo­wer stan­den bereits in den Start­lö­chern. Mög­lichst unsicht­bar zu sein, war mein per­sön­li­cher Schutz­wall. Doch sie roll­ten wie ein Flut­wel­le dar­über hin­weg und lie­ßen mich wehr­los zurück… (Zitat S.40) Zur Ver­deut­li­chung der Ent­wick­lung in den sozia­len Medi­en wer­den immer wie­der Aus­zü­ge auJilly Gagnon #FamousFlit zitiert oder Text­nach­rich­ten abge­bil­det, die Rachel ver­fasst oder bekommt. Das liest sich zwi­schen­drin immer ganz ange­nehm, auch wenn die Bezeich­nung der Nach­rich­ten (“Von Mo” und “An Mo”) manch­mal etwas ver­wir­rend ist und eine schlich­te Bezeich­nung des Urhe­bers in bei­den Fäl­len wohl ein­fa­cher gewe­sen wäre. Gut gefal­len hat mir hin­ge­gen die Zeich­nung man­cher Cha­rak­te­re — auch wenn die­se in dem Buch natür­lich eher etwas ober­fläch­li­cher sind — wie zum Bei­spiel den hip­pie­haf­ten Eltern von Rachel, die von ihren Kin­dern nach einem Tag ein­fach mal Fol­gen­des wis­sen wol­len: “Jona­than, erzählt doch mal, wie du heu­te dei­ne Per­sön­lich­keit zum Aus­druck gebracht hast.” (Zitat S.42) Nach der Hälf­te des Buches wird sich nach dem Mob­bing-Schwer­punkt auf die ent­ste­hen­de Lie­bes­ge­schich­te zwi­schen Rachel und Kyle kon­zen­triert, was die roman­ti­sche und zugleich ein wenig mär­chen­haf­te Facet­te des Romans her­vor­hebt. Denn wenn die unsi­che­re Rachel, die sich nicht für schön hält, von Kyle gesagt bekommt, dass sie eben genau das ist, da kom­men schon ein paar “vom häss­li­chen Ent­lein zum schö­nen Schwan”- Sen­ti­men­ta­li­tä­ten auf. Beson­ders als Kyle sie schließ­lich im Auf­trag des Fern­seh­sen­ders auf den Home­co­m­ing-Ball ein­la­den soll, dort aber eigent­lich sei­ne On-Off-Freun­din Emma mit ihm hin­ge­hen woll­te, die plötz­lich wie­der Inter­es­se an ihm zeigt… Zum Schluß hät­te ich ger­ne noch etwas mehr über die (medialen/gesellschaftlichen) Aus­wir­kun­gen der Lie­bes­ge­schich­te gehört, da war das Buch lei­der etwas zu schnell zu Ende.

Fazit: Ein schö­ner Lese­spaß für die Genera­ti­on “Soci­al Media” und die, die mär­chen­haf­te Lie­bes­ge­schich­ten mögen.

Eine Lie­bes­ge­schich­te vor den Augen der Medi­en, das fin­dest du auch in der “Famous in Love”-Rei­he von Rebec­ca Ser­le. Berühmt­heit und sozia­le Medi­en, das kannst du in der bekann­ten “Girl online”-Rei­he von Zoe Sugg eLesealternativenntde­cken. Wie hef­tig Cyber­mob­bing sein kann, dar­über berich­tet Sarah Darer Litt­man in dem bewe­gen­den “Die Welt wär bes­ser ohne dich”, das ich sehr emp­feh­len kann. Oder lies Bücher von dem deut­schen Autoren Tho­mas Fei­bel, der sehr viel über sozia­le Netz­wer­ke geschrie­ben hat, zum Bei­spiel: “Like me. Jeder Klick zählt” oder “#Selbst­schuld: Was heißt hier schon pri­vat”. Wie sich das Leben eines bezie­hungs­wei­se meh­re­rer Mäd­chen über Nacht prak­tisch ver­än­dern kann, das fin­dest du sehr gut umge­setzt in “Nur ein Lis­te” von Siob­han Vivi­an. Ein Foto, das das Leben ver­än­dert, die­se The­ma­tik kannst du eben­falls in die­sen zwei Büchern ent­de­cken: “For your eyes only: 4YEO von Caro­lin Phil­ipps und “Hass gefällt mir” von Johan­na Nils­son. Bezüg­lich Selbst­be­wusst­sein und “Häss­li­ches Ent­lein-schö­ner Schwan”-Prinzip habe ich auch sofort an die Neu­erschei­nung “Dum­plin’: Go big or go home” von Julie Mur­phy den­ken müs­sen — ein wun­der­ba­res Buch mit einer schö­nen Bot­schaft.

Bibliografische Angaben:
Schilder was wo wer wannVerlag: Planet! (Thienemann-Esslinger Verlag)
ISBN: 978-3-522-50586-4
Erscheinungsdatum: 13.Februar 2018
Einbandart: Broschur
Preis: 14,00€ 
Seitenzahl: 400 
Übersetzer: Ulrike Köbele
Originaltitel: "#famous" 
Originalverlag: HarperCollins

Amerikanisches Originalcover: 
Jilly Gagnon #Famous











Video von Jilly Gagnon (auf Englisch):
 

Kasimiras Bewertung:

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(4,5 von 5 mög­li­chen Punk­ten)

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Amerikanisches Cover: Homepage von Jilly Gagnon

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