Jennifer Iacopelli — Goldmädchen

Kasimira11.Juli 2021

Gold­mäd­chen” ist ein Roman der ame­ri­ka­ni­schen Autorin Jen­ni­fer Iaco­pel­li, die selbst ein gro­ßer Turn­fan ist und bereits über die olym­pi­schen Spie­le in Rio berich­te­te. Sie erzählt die Geschich­te eines jun­gen Mäd­chens, die eine begna­de­te Tur­ne­rin ist und die gro­ße Chan­ce erhält an den olym­pi­schen Spie­len teil­zu­neh­men. Doch alles gerät durch­ein­an­der als ihr Coach eine Anzei­ge wegen sexu­el­len Miss­brauchs erhält. Ein wirk­lich her­aus­ra­gen­des Buch — unter­halt­sam, mit­rei­ßend und dra­ma­tisch. In die Welt der Tur­ne­rin­nen ein­zu­tau­chen liest sich höchst fas­zi­nie­rend! Ganz kla­re Lese­emp­feh­lung!! Für Jugend­li­che ab 13 Jah­ren und Erwachsene.

Die 17-jäh­ri­ge Audrey ist Tur­ne­rin. Beherrscht vor allem den Bar­ren per­fekt. Eben­so wie ihre bes­te Freun­din Emma. “Emma ist eine groß­ar­ti­ge Tur­ne­rin, aber selbst an ihren bes­ten Tagen ist sie am Bar­ren nicht bes­ser als ich. Dafür ist sie sonst in allem bes­ser als ich, was die eine Sache mehr als aus­gleicht. Wir trai­nie­ren zusam­men, seit unse­re Müt­ter uns im Alter von drei Jah­ren zum Mut­ter-Kind-Tur­nen ange­mel­det haben.” (Zitat aus “Gold­mäd­chen” S.6). Jetzt haben die bei­den es geschafft sich mit ihrem Team für Olym­pia zu qua­li­fi­zie­ren! Eine sagen­haf­te Chan­ce. Vor allem für Audrey. Und es wird ihre letz­te sein. Denn sie hat­te bereits einen Band­schei­ben­vor­fall. Hat oft Schmer­zen, die sie vor den ande­ren ver­birgt. Beson­ders vor Kasimiraihrem Coach. “Eine nach der ande­ren gehen wir an den Sprung­tisch, den Schwe­be­bal­ken, den Stu­fen­bar­ren oder auf die Boden­flä­che und zei­gen unse­re Küren, wäh­rend das Publi­kum den Atem anhält. Den Atem anhält wie ich. Wür­de ich es nicht tun, könn­te alles zu viel wer­den, und nie­mand darf mer­ken, wie sehr mein Rücken schmerzt. Schon gar nicht er. Trai­ner Gib­son (Zitat S.5) Die Ärz­te haben ihr bereits gera­ten auf­zu­hö­ren. Doch das konn­te sich Audrey nicht vor­stel­len. Schließ­lich haben sie sich auf einen Kom­pro­miss geei­nigt. Sie wird mit dem Tur­nen nach Olym­pia auf­hö­ren. Coach Gib­son jedoch ist streng und unbarm­her­zig. Er sucht nach ihren Schwä­chen, übt Druck aus. Dass Audrey es über­haupt ins Olym­pia-Team geschafft hat, ist unglaub­lich. Aber dann über­schla­gen sich plötz­lich die Ereig­nis­se. Ein Mäd­chen aus ihrer Grup­pe wird des Dopings bezich­tigt und fliegt aus dem Team. Kurz danach wird Coach Gib­son auf ein­mal vom FBI fest­ge­nom­men. Er soll sel­bi­ges Mäd­chen sexu­ell miss­braucht und den Doping-Test gefälscht haben! Bald wird das gan­ze Trai­ner­team vom olym­pi­schen Komi­tee aus­ge­schlos­sen. Aber wer soll die Mäd­chen denn jetzt auf Olym­pia vor­be­rei­ten? Doch auch inner­halb des Mäd­chen­teams kommt es bald zu gro­ßen Spannungen…

KasimiraDas Cover ist wirk­lich ein Hin­gu­cker. Gra­fisch per­fekt zum Inhalt des Buches gestal­tet (abge­se­hen davon, dass die Haupt­fi­gur eine Far­bi­ge ist, eine Ame­ri­ka­ne­rin mit korea­ni­schen Wur­zeln). Wenn man das Cover dreht, erkennt man, dass das Mäd­chen eigent­lich auf den Kopf gestellt wur­de und sich im Hand­stand mit gespreiz­ten Bei­nen befin­det. Was das Gefühl der Prot­ago­nis­tin, als alles aus den Fugen gerät, per­fekt wider­gibt: “Es fühlt sich an, als hät­te sich die Welt um 180 Grad gedreht, als ich gera­de im Hand­stand war und als müss­te ich die Fin­ger­nä­gel mit aller Kraft in die Erde boh­ren, um nicht zu fal­len.” (Zitat S.105ff) Eine klas­se Bild­spra­che! Erzählt wird “Gold­mäd­chen” durch­ge­hend aus Audreys Sicht in der Ich-Per­spek­ti­ve. In ihre Welt ein­zu­tau­chen liest sich höchst unter­halt­sam. Wie anstren­gend der sport­li­che All­tag für sie und die ande­ren Mäd­chen ist, wird gleich zu Beginn nach einem Wett­kampf ersicht­lich: “Die ande­ren Mäd­chen sind eben­falls mit ihren Inter­views fer­tig. Eini­ge umar­men noch ihre Eltern, aber die meis­ten wol­len so schnell wie mög­lich zu ihrer Behand­lung — Mas­sa­ge, Wär­me, Eis -, die die Schmer­zen für den Rest des Tages in Kasimiraerträg­li­chen Gren­zen hal­ten wird.” (Zitat S.25) Doch Audrey gibt nicht auf, ver­sucht trotz ihrer Ver­let­zung vor eini­ger Zeit — ihrem Band­schei­ben­vor­fall — kei­ne Schwä­che zu zei­gen. Wie sie über sich hin­aus­wächst, wie sie immer wie­der um ihren Traum, an Olym­pia teil­zu­neh­men, kämpft, ist äußerst bewe­gend mit­zu­ver­fol­gen. “…dann kommt mei­ne ers­te Sal­to­kom­bi­na­ti­on, ein getreck­ter Vor­wärts­sal­to mit zwei­ein­halb Schrau­ben und gleich im Anschluss ein Schraub­s­al­to, die Höl­le für mei­nen Rücken. […] “Ich kann dei­ne Ver­bin­dung zur Musik nicht sehen, Audrey. Zeig sie mir!”, for­dert Pau­li­ne. Am liebs­ten wür­de ich die Augen ver­dre­hen. Es ist schwer eine emo­tio­na­le Ver­bin­dung zur Musik zu zei­gen, wenn der Rücken so weh tut wie mei­ner, trotz­dem ver­su­che ich es.” (Zitat S.59) Gera­de auch die Wett­kämp­fe mit­zu­er­le­ben, ihre Übun­gen an Bar­ren, Schwe­be­bal­ken, Sprung­turm und auf dem Boden (sich kur­ze Vide­os anschau­en, wie so etwas aus­se­hen kann, lohnt sich;-) sie­he unten) erzeugt enor­me Span­nung. Selbst wenn man nicht wirk­lich eine Ahnung vom Kunst­tur­nen, von Wett­kämp­fen und Olym­pia hat, Jen­ni­fer Iaco­pel­li beschreibt all das so bild­lich und gut vor­stell­bar, dass man abge­se­hen von ein paar Fach­be­grif­fen dem Gan­zen sehr gut fol­gen kann und es Kasimiraunfass­bar fes­selnd ist die Punk­te­be­wer­tun­gen abzu­war­ten und zu sehen, wie weit Audrey kom­men wird. Auch eine klei­ne (ver­bo­te­ne) Lie­bes­ge­schich­te ist in “Gold­mäd­chen” ein­ge­bun­den, da Audrey dem Sohn ihrer Trai­ne­rin näher kommt: “Es ist Leo Adams, der Sohn von Janet Dor­sey-Adams und Juni­or-Welt­meis­ter im Snow­boar­den. Sei­ne Mut­ter hat ihn immer zu Wett­kämp­fen mit­ge­schleppt, als wir klein waren. Wir sind online befreun­det, aber im ech­ten Leben habe ich ihn seit Jah­ren nicht mehr gese­hen.” (Zitat S.13). Das The­ma Miss­brauch wird nicht all­zu inten­siv behan­delt, Schil­de­run­gen die­ser Hand­lun­gen wer­den gar nicht näher erwähnt, daher ist “Gold­mäd­chen” auch für Leser*innen ab 13 Jah­ren bereits geeig­net. Die­ser Roman hat für mich alles, was ein wirk­lich gutes Buch braucht: eine star­ke Haupt­fi­gur, ein fas­zi­nie­ren­des Set­ting, einen Tick Roman­tik und jede Men­ge Frau­en­power! Dazu setzt es ein Zei­chen gegen Gewalt an Frau­en (#metoo), für Soli­da­ri­tät, für Team­geist und an sei­ne Träu­me zu glau­ben! Eine Geschich­te, die mich ver­ein­nahmt, beein­druckt und emo­tio­nal mit­ge­ris­sen hat. Das Ende ist genau passend.

Dir gefällt Jen­ni­fer IacoLesealternativenpel­lis Schreib­stil? Im Eng­li­schen gibt es bereits wei­te­re Bücher von ihr. Im Deut­schen ist “Gold­mäd­chen” bis­her ihr ers­ter Roman, dem hof­fent­lich bald noch mehr fol­gen wird. Zwei Olym­pia-Roma­ne, die ich wirk­lich emp­feh­len kann sind “Free­sty­ler” von Kat­ja Bran­dis, wel­ches wirk­lich sehr fes­selnd geschrie­ben ist und ein Olym­pia in der Zukunft zeigt und “Bro­ken: Der Moment, in dem du fällst” von Tabi­tha Suzu­ma. Letz­te­res setzt vor allem das The­ma Miss­brauch in den Vor­der­grund, noch viel stär­ker als “Gold­mäd­chen”, das die­se The­ma­tik zwar erwähnt, aber nicht genau schil­dert. Olym­pia spielt auch eine Rol­le in dem Roman “Lou und ihr Män­ner­bal­lett” von Nat Luurtse­ma.

Bibliografische Angaben:
Schilder was wo wer wannVerlag: Dragonfly
ISBN: 978-3-7488-0032-3
Erscheinungsdatum: 22.Juni 2021
Einbandart: Hardcover 
Preis: 18,00€
Seitenzahl: 320
Übersetzer: Maren Illinger
Originaltitel: "Break the fall"
Originalverlag: Razorbill

Amerikanisches Originalcover: 
Kasimira











Trailer zum Buch (auf Englisch:)
 
Beispiel Geräteturnen Mehrkampf Frauen:

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Kasimiras Bewertung:

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(5 von 5 mög­li­chen Punkten)

Die­ser Titel hat es in fol­gen­de Kate­go­rie geschafft: **Kasi­mi­ras Lieb­lings­bü­cher**

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Amerikanisches Cover: Homepage von Penguin Random House

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