Jenn Bennett — Unter dem Zelt der Sterne

Kasimira2.September 2019

Die in Deutsch­land zwar gebo­re­ne, aber in Ame­ri­ka leben­de Autorin Jenn Ben­nett hat mit “Unter dem Zelt er Ster­ne” bereits ihren drit­ten Roman ver­öf­fent­licht. Eine Som­mer­ge­schich­te, ein Lie­bes­ro­man und ein Sur­vi­valtrip zugleich, der zwei Jugend­li­che aus zwei ver­fein­de­ten Fami­li­en in der Wild­nis auf­ein­an­der­tref­fen lässt. Eine wun­der­ba­re, rund her­um gelun­ge­ne Geschich­te, die Spaß zu lesen macht! Für Jugend­li­che ab 14 Jah­ren und inter­es­sier­te Erwach­se­ne.

Die 17-jäh­ri­ge Zorie liebt einen durch­struk­tu­rier­ten, per­fekt geplan­ten All­tag. “Spon­ta­ni­tät wird über­be­wer­tet. […] Hat man das erst mal kapiert, wird das Leben ein­fa­cher. So war das bei mir jeden­falls. Ich pla­ne alles bis ins letz­te Detail” (Zitat S.11) Auch für die letz­ten drei Wochen der Som­mer­fe­ri­en hat sie bereits einen 3‑Punk­te-Plan gefasst: 1.) sie will als Rezep­tio­nis­tin im Well­ness-Oase ihrer Eltern arbei­ten, die dort Mas­sa­ge und Aku­punk­tur anbie­ten 2.) als gro­ße Astro­no­mie-Lieb­ha­be­rin will sie mit ihrem Astro­no­mie-Club einen dem­nächst bevor­ste­hen­den Per­sei­den-Mete­or­strom foto­gra­fie­ren 3.) der Fami­lie Macken­zie mög­lichst nicht begeg­nenKasimira. Letz­te­re besteht aus Len­non, Zories ehe­mals bes­tem Freund, und sei­nen bei­den Müt­tern Sun­ny und Jane. Die­se haben einen Sex­shop eröff­net, aus­ge­rech­net im Haus neben Zories Eltern und ver­trei­ben seit­dem mit der allei­ni­gen Anwe­sen­heit die­ses Ladens vie­le der Stamm­kun­den der Well­ness­oa­se. “Nicht zum ers­ten Mal bedaue­re ich, dass mein Vater mit den zwei Frau­en im Clinch liegt. Vor nicht all­zu lan­ger Zeit haben sie sich wie mei­ne zwei­te Fami­lie ange­fühlt.” (Zitat S.23) Doch seit­dem ist viel pas­siert und Zorie und Len­non reden nicht mehr mit­ein­an­der. Denn irgend­wann sind sie sich näher gekom­men und das ging nicht wirk­lich gut aus: “…beim ein­zi­gen Mal, als unse­re ehe­ma­li­ge Freund­schaft gewagt hat, den klei­nen Zeh über die Linie zu set­zen — eine Pha­se, die wir das Gro­ße Expe­ri­ment tauf­ten -, habe ich mir bei der Home­co­m­ing-Par­ty die Augen aus­ge­heult und mich gefragt, was schief­ge­lau­fen ist. Ich Kasimirahabe es nie her­aus­ge­fun­den. (Zitat S.27) Des­halb hat sie jetzt erst mal genug von der Fami­lie Macken­zie. Als Zorie jedoch etwas völ­lig Uner­war­te­tes über ihre eige­ne Fami­lie her­aus­fin­det — Mein Magen tut weh. Mein Herz tut weh. Die gan­ze Sache ist falsch, falsch, falsch.” (Zitat S.33) — kommt ihr der Vor­schlag ihrer Mut­ter gera­de recht mit ihrer Schul­freun­din Rea­gan und ein paar ande­ren zel­ten zu gehen. Raus aus alle­dem. Weg von Zuhau­se. Aber dann stellt sich her­aus, dass einer der Freun­de, die eben­falls auf dem Trip dabei sind, nie­mand ande­rer als aus­ge­rech­net ihr Nach­bar Len­non ist…

Ein wirk­lich schö­nes Cover hat sich der Carl­sen Ver­lag bei die­ser Neu­erschei­nung gestal­te­risch ein­fal­len las­sen. Ein Titel­bild, das Lust auf Aben­teu­er macht, eine Lie­bes­ge­schich­te bereits andeu­tet und auch die Ster­ne des Nacht­him­mels nicht außen vor­lässt. DerKasimira Roman wird durch­gän­gig in der Ich-Per­spek­ti­ve aus Zories Sicht erzählt und offen­bart — und das ist sehr gelun­gen — Cha­rak­te­re mit Ecken und Kan­ten. Außer­ge­wöhn­li­che Men­schen, die in kein 0–8‑15-Schema zu pres­sen sind. Da ist zum einen Zorie mit ihrem knall­far­bi­gen Bril­len­ge­stell, Nagel­lack und Lip­pen­stift; die auf Karo­mus­ter abfährt, Astro­no­mie liebt und eine pedan­ti­sche Pla­ne­rin ist. Und da ist Len­non, des­sen Vater ein Rock­star war und der nun mit sei­ner les­bi­schen Mut­ter und deren Freun­din zusam­men­lebt, die auch noch einen Sex­shop zusam­men eröff­net haben. Der sich im Gothic Stil klei­det und Schlan­gen und ande­re Rep­ti­li­en in sei­nem Zim­mer hält. Was zwi­schen ihnen genau pas­siert ist, dem spürt man in “Unter dem Zelt der Ster­ne” erst lang­sam nach. Gera­de die­se Kom­bi­na­ti­on aus zwi­schenKasimiramensch­li­chem, all­mäh­li­chen Ent­de­cken und fes­seln­den Über­le­bens­kämp­fen in der Wild­nis hat mir außer­or­dent­lich gut gefal­len. Der Roman ist span­nend, an man­chen Stel­len höchst emo­tio­nal und mit beson­de­rer Klug­heit erzählt, die auch die Prot­ago­nis­tin am Ende eine glaub­wür­di­ge Ent­wick­lung durch­ma­chen lässt und zeigt, dass sich im Leben nicht immer alles pla­nen lässt, man manch­mal ein­fach los­las­sen muss. Dazu unter­halt­sa­me Dia­lo­ge, eine ange­neh­me Iro­nie und immer wie­der hand­ge­zeich­ne­te Kar­ten, die Stre­cken­ab­schnit­te des Buches dar­stel­len — ein schö­nes Gesamt­pa­ket!

Fazit: Für Ster­nen­gu­cker, Out­door­fans, Lie­bes­roman­le­ser und alle ande­ren, die ein­fach gut unter­hal­ten wer­den möch­ten — Prä­di­kat: lohnt sich!

Dir gefällt “Unter dem Zelt der Ster­ne”? Dann greif noch zu den ande­ren zwei Roma­ne von Jenn Ben­nett, die bis­her im Deut­schen erschie­nen sind und kom­plett eigen­stän­di­ge Geschich­ten sind: “Annä­hernd Alex” und “Die Ana­to­mie der Nacht”. Eine schö­ne Leser­al­ter­na­ti­ve ist auch “Das Glück an mei­nen Fin­ger­spit­zen” von JLesealternativenulie Leu­ze, in dem zwei Jugend­li­che ums Über­le­ben in der Wild­nis kämp­fen und sich inein­an­der ver­lie­ben. Zwei wei­te­re Lie­bes­ge­schich­ten, die in der Wild­nis spie­len, sind “Libel­len­som­mer” von Ant­je Baben­der­er­de (roman­tisch!) und “Sur­vi­ve: Wenn der Schnee mein Herz berührt” von Alex Morel. Klas­se fand ich zudem den Selbst­fin­dungs­trip “Off­line ist es nass, wenn’s reg­net” von Jes­si Kir­by, deren Prot­ago­nis­tin sich auf einer Wan­de­rung eben­so ver­liebt. Der ehe­mals bes­te Freund, der plötz­lich wie­der in das Leben der Haupt­fi­gur tritt, nach­dem er eini­ge Zeit weg war, das pas­siert auch in fol­gen­den, sehr gelun­gen geschrie­be­nen Büchern: “Lass mich nicht los” von Sarah Alder­son, “Der Som­mer, als du wie­der­kamst” von Emi­ly Mar­tin, “Das tie­fe Blau der Wor­te” von Cath Crow­ley und in “Nichts ist gut. Ohne dich” von Lea Coplin

Bibliografische Angaben:
Schilder was wo wer wannVerlag: Carlsen
ISBN: 978-3-551-58398-7
Erscheinungsdatum: 1.August 2019
Einbandart: Broschur
Preis: 15,00€
Seitenzahl: 400
Übersetzer: Claudia Max
Originaltitel: "Starry eyes"
Originalverlag: Simon Pulse

Amerikanisches Originalcover:
Kasimira

Kasimiras Bewertung:

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