“The hope we find” ist der zweite Roman aus der “Edinburgh”-Reihe von der deutschen Autorin Jana Schäfer, welcher jedoch auch eigenständig gelesen werden kann. Diesmal ist es die kleine Schwester Maisie, die in den Mittelpunkt der Geschichte rückt. Ein Mädchen, das immer noch Schwierigkeiten hat, ihre Stimme zu finden und auf einen jungen Studenten trifft, der sie gehörig durcheinanderbringt, aber auch sein eigenes Päckchen zu tragen hat. Ein Buch, das sich Zeit nimmt für die Entwicklung der Charaktere. Sehr gefühlvoll und bewegend geschrieben. Für Jugendliche ab 14 Jahren und Erwachsene.
Die 20-jährige Maisie arbeitet bereits seit zwei Jahren in einem Kindergarten. Sie hat viel Freude am täglichen Umgang mit den Kindern. Kommt auch mit ihrer Arbeitskollegin Bree sehr gut aus. “Sie wusste, dass ich vor allem früher Schwierigkeiten hatte, die Sätze herauszubringen, die mir auf der Zunge lagen. Dass ich zwar schon immer unglaublich viele Gedanken in meinem Kopf herumtrug, doch wenn es darum ging, sie laut auszusprechen, jahrelang gegen unsichtbare Barrieren angekämpft hatte. Und wenn ich dagegen verloren hatte, war ich still geblieben.” (Zitat aus “The hope we find” S.16ff) Lange Zeit hat Maisie nicht viel sprechen können, war nach dem Unfalltod
ihrer Eltern, ohne Worte geblieben. Vor allem ihre Schwester Amelia hat sich neben ihrer Tante, bei der sie lebt, viel um sie gekümmert. Doch Maisie hat stark an sich gearbeitet und ist auch jetzt noch in Therapie. Ihr Leben ein wenig auf den Kopf stellt jedoch ein 22-jähriger Mann namens Weston, den sie schlafend auf einer Parkbank vorfindet, als sie mit den Kindern auf den Spielplatz gehen will und den sie wohl oder übel wecken muss. “Er trug Jeans und Lederjacke. Markenklamotten, wie ich bei näherem Hinsehen erkannte. Der Kerl war höchstens Mitte zwanzig und unverschämt attraktiv. Auch das noch. Mein Blick verharrte eine Spur zu lange auf seinen dunklen Haaren und den markanten Gesichtszügen.” (Zitat S.13) Nach einem kleinen Schlagabtausch, bei dem es ihr seltsamerweise gar nicht schwer fällt, die passenden Worte zu finden, treffen die beiden fortan öfters aufeinander. Denn Teddy, ein Junge aus ihrer Kindergartengruppe, ist Westons Neffe. “Als spürte Weston mein
e Anwesenheit, hob er den Kopf. Unsere Blicke trafen sich quer durch den Raum, und spätestens jetzt war es amtlich. Der Tag war gelaufen. Niemals würde ich mich irgendwo dazusetzen und schreiben können, wenn diese Augen mich verfolgten.” (Zitat S.52) Irgendetwas an Weston fasziniert Maisie. Und auch wenn sie ihm zunächst eine Korb gibt und sich nicht mit ihm treffen will, als er sie zu einem Kaffee einlädt, lässt sie sich schließlich darauf ein ihn näher kennenzulernen. “Weston war attraktiv, strahlte Selbstbewusstsein und Lässigkeit aus. Eigenschaften, um die ich normalerweise einen großen Bogen machte, weil solche Menschen beliebt und cool waren — und beliebte und coole Menschen fanden eine schweigsame Frau mit zu vielen Gedanken meist nicht besonders interessant. Dennoch konnte ich nicht leugnen, dass ein Teil von mir sich fragte, was sich hinter seinem Lächeln verbarg, denn kein Mensch konnte immer fröhlich und gut gelaunt sein.” (Zitat S.70) Allmähl
ich kommt sie dahinter, dass auch er etwas vor ihr verbirgt…
Das Cover von “The hope we find” ist wunderschön gestaltet, das helle Blau und der Goldglitter passen sehr gut zusammen. Im Hintergrund ist wieder ein Stadtplan (wahrscheinlich Edinburgh) zu sehen. Der Roman wird sowohl aus Maisies, als auch aus Westons Sicht in der Ich-Perspektive erzählt. Man ist schnell wieder drin in der Geschichte, begegnet auch den “alten Bekannten” aus dem ersten Teil wieder, wenn auch nur eher am Rande, wie zum Beispiel Jasper: “Inzwischen hatte ich mich an seinen Anblick und die Tatsache, dass meine Schwester mit einem meiner absoluten Lieblingsschriftsteller zusammen war, gewöhnt. Es hatte zwar eine Weile gebraucht, und ein Teil von mir flippte immer noch heimlich aus, wenn wir über seine Ideen und Bücher redeten, aber zumindest äußerlich hatte ich mich im Griff.” (Zitat S.27) Denn
och lässt sich “The hope we find” auch völlig unabhängig von “The way we fall” lesen. Eine Kernthematik der Autorin ist auf jeden Fall das Verfolgen eigener Träume abseits von Erwartungshaltungen anderer, was für die Protagonisten jedoch nicht immer ein einfacher Schritt ist. Hierbei geht Jana Schäfer auf sehr sensible Weise auf ihre Protagonisten ein. Während sich zu Beginn noch sehr auf alltägliche Situationen konzentriert wird, baut sich der Spannungsfaden erst allmählich auf. Die Autorin verwendet hierbei eine sehr angenehme, schöne Sprache: “Über mir spannte sich ein klarer Sternenhimmel, und es kribbelte in meinen Fingern, die Nacht mit meinen Worten einzufangen. Abende wie der heutige machten mein Leben leicht. Sie konnten mich zwar nicht vergessen lassen, was ich verloren hatte, oder die Sehnsucht nach meinen Eltern mindern, aber sie zeigten, dass es sich lohnte, nicht aufzugeben. Dass ich trotzdem Leichtigkeit spüren und aus tiefstem Herzen lache
n konnte.” (Zitat S.71) Eine interessante Wendung im hinteren Teil des Buches lässt noch mehr in die Vorgeschichte der Hauptfigur eintauchen. Vor allem Unsicherheiten und Ängste werden sehr behutsam geschildert, man nimmt zu dem als Leser auch Anteil an der Therapie, die Maisie durchläuft, um beispielsweise in der Öffentlichkeit leichter vor anderen sprechen zu können. “Hier im Erdgeschoss befand sich die Schreibwerkstatt. Ich atmete tief durch und wiederholte in Gedanken noch mal Dr.Raes Frage: Was ist das Schlimmste, was dir passieren kann? Richtig, nicht viel. Ich würde diese Stunde ganz sicher lebend überstehen.” (Zitat S.41) Der Roman enthält eine Triggerwarnung, die jedoch spoilern kann und findet sich daher am Ende des Buches. Sie bezieht sich auf Westons Geschichte und ist in der Ausarbeitung sehr treffend umgesetzt worden. Das Ende ist passend und gemächlich ausklingend.
Du kennst den ersten Teil der Edingburgh-Reihe noch nicht? Dann lies “The way we fall”, in dem Maisies Schwester Amelia eine Hauptrolle spielt, welches mir fast noch ein wenig besser gefiel.
Du magst Jana Schäfers Erzählstil? Greif am besten noch zu ihren anderen New-Adult-Büchern: die “Beautiful broken”-Reihe: “Soul: Avery & Caden” und “Dream: June & Trevor”. Davor schrieb sie noch “Complete me: Tara & Maxim”, “Reveal me: Ella & Jonah” und “Promise me: Hanna & Finn”. Außerdem erschien noch das romantische “Make my wish come true”, das ein eher winterliches Setting hat. Dir gefallen Romane, die in Irland spielen? Eine romantische Geschichte, an die ich sofort denken musste, ist “By your side” von Beth Ann Miller. Toll sind auch “Nichts zu verlieren. Außer uns.” von Lea Coplin und “Sommer der blauen Wünsche” von Antje Babendererde, die beide sehr romantisch zu lesen sind. Andere Romane mit gleicher Lokalität wären “Für immer dein Prinz” von Stephanie Kate Strohm, “If only” von A.J. Pine oder die “Royals”-Reihe von Rachel Hawkins.
Bibliografische Angaben:Verlag: Ravensburger ISBN: 978-3-473-58612-7 Erscheinungsdatum: 1.Juni 2022 Einbandart: Broschur Preis: 14,99€ Seitenzahl: 512 Übersetzer: - Originaltitel: - Originalverlag: - Originalcover: -
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ISBN: 978-3-473-58612-7
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Seitenzahl: 512
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