Jana Schäfer — Rosebery Avenue: Acting Brave

2.Februar 2023

“Acting Bra­ve” ist der ers­te Roman der geplan­ten, zwei­bän­di­gen “Rose­be­ry Ave­nue”-Rei­he der deut­schen Autorin Jana Schä­fer (die Bücher kön­nen auch unab­hän­gig von­ein­an­der gele­sen wer­den). In die­ser New-Adult-Romance gibt es nicht nur jede Men­ge roman­ti­sches Knis­tern, son­dern auch die char­man­te Stra­ße einer Klein­stadt als Wohl­fühlort-Set­ting. Eine jun­ge Frau, die eine ein­ma­li­ge Chan­ce erhält, als ange­hen­de Dra­ma­tur­gin einem Thea­ter­stück bei­zu­woh­nen, das sie selbst geschrie­ben hat. Und die auf einen jun­gen Mann trifft, den sie eigent­lich nie wie­der­se­hen woll­te, der aber aus­ge­rech­net die Haupt­rol­le erhal­ten hat! Gefühl­voll und sehr bewe­gend geschrie­ben mit erns­ten Hin­ter­grund­the­ma­ti­ken, die lang­sam zum Vor­schein kom­men. Von einer Autorin, die sich für die Ent­wick­lung ihrer lieb­voll gezeich­ne­ten Cha­rak­te­re viel Zeit nimmt. Für Jugend­li­che ab 14 Jah­ren und Erwachsene.

Die 22-jäh­ri­ge Audrey ist in das (fik­ti­ve) Städt­chen Chest­hill umge­zo­gen. Hat Lon­don ver­las­sen. “Ich hole tief Luft und wider­stand dem Drang, mich zu knei­fen. Mein Traum ging tat­säch­lich in Erfül­lung: Heu­te war der Tag, auf den ich jah­re­lang hin­ge­fie­bert hat­te.” (Zitat aus “Acting Bra­ve” S.9). Denn sie lernt nun am Thea­ter, wel­ches in der male­ri­schen Rose­be­ry Ave­nue liegt, das ers­te Mal das Team ken­nen, das das Thea­ter­stück auf­füh­ren wird, das sie geschrie­ben hat! Audrey hat gera­de frisch ihr Stu­di­um abge­schlos­sen und durch eine Koope­ra­ti­on ihrer Aka­de­mie und des Thea­ters die ein­ma­li­ge Chan­ce erhal­ten, ihre Arbeit in weni­gen Mona­ten auf der Büh­ne zu sehen: “Jedes Jahr gab es für die Absol­ven­ten der Aka­de­mie für Thea­ter­wis­sen­schaf­ten und Dra­ma­tur­gie die Mög­lich­keit, im Rah­men des Kur­ses Sze­ni­sches Schrei­ben ein eige­nes Stück zu ent­wi­ckeln. Die bes­ten wur­den im Anschluss an einem von ins­ge­samt fünf aus­ge­wähl­ten Thea­tern auf­ge­führt […] Und mein Stück war unter den bes­ten gewe­sen!” (Zitat S.10) Über­glück­lich über die posi­ti­ve Ent­wick­lung in ihrem Leben hat sie auch eine WG mit zwei sym­pa­thi­schen Mit­be­woh­nern gefun­den und freut sich auf ihren begin­nen­den, beruf­li­chen All­tag am Thea­ter. Bis sie erfährt, wer der Haupt­dar­stel­ler in ihrem Stück ist: “Ich hol­te scharf Luft, als ich ihn erkann­te. Mein Puls schnell­te nach oben und ich blin­zel­te mehr­mals, doch der Kerl lös­te sich nicht wie durch ein Wun­der in Luft auf. […] Miles Wil­son. Knapp vier Jah­re war es her, seit ich ihn das letz­te Mal gese­hen hat­te. Trotz­dem zog sich bei sei­nem Anblick alles in mir zusam­men. Als wäre es erst ges­tern gewe­sen. Ich rang nach Atem. Das konn­te nur ein schlech­ter Scherz sein.” (Zitat S.14ff) Denn eigent­lich woll­te sie Miles nie wie­der sehen. Miles, der sie geküsst hat an jenem Abend, als das Schreck­li­che geschah. Das, über das Audrey nicht mehr nach­den­ken will. Miles schlägt ihr vor, neu anzu­fan­gen. “Die Ver­gan­gen­heit ver­ges­sen? Wenn er wüss­te, wel­cher Alb­traum mich bis heu­te ver­folg­te, was ich alles getan hat­te, um zu ver­ges­sen, was damals gesche­hen war, wür­de ihm das Lächeln ver­ge­hen.” (Zitat S.17) Audrey ver­sucht ihm aus dem Weg zu gehen, so gut sie kann. “Wie schaff­te er das? Aus den Augen­win­keln sah ich, wie Joan­ne aner­ken­nend nick­te und sich eine Notiz mach­te. Ich wünsch­te, ich könn­te mit der­sel­ben pro­fes­sio­nel­len Distanz reagie­ren, aber ich war Miles’ Aus­strah­lung auf der Büh­ne gna­den­losKasimira aus­ge­lie­fert.” (Zitat S.76) Lang­sam kom­men die bei­den sich wie­der näher und Audrey bleibt nichts Ande­res übrig, als sich den Schat­ten ihrer Ver­gan­gen­heit zu stellen…

“Rose­be­ry Ave­nue: Acting Bra­ve” besticht durch ein auf­fal­lend schö­nes Cover, das den Cozy-Charme des New-Adult-Titels per­fekt in Sze­ne setzt. Erzählt wird der Roman aus zwei Sicht­wei­sen. Sowohl Audrey, als auch Miles berich­ten in der jewei­li­gen Ich-Per­spek­ti­ve. Die gezeich­ne­ten Stra­ßen­la­ter­nen und die davon flie­gen­den Blät­tern lei­ten die Kapi­tel­an­fän­ge optisch hier­bei pas­send ein. Gera­de das Set­ting mit der Stra­ße fand ich sehr gelun­gen, es schafft eine wun­der­ba­re Wohlfühl­at­mo­sphä­re inner­halb der Geschich­te und ist mal etwas ganz ande­res: “Am Him­mel däm­mer­te es bereits, und die Stra­ßen­la­ter­nen ver­brei­te­ten ein war­mes, hel­les Licht. Zusam­men mit den beleuch­te­ten Schau­fens­tern ver­lie­hen sie der Stra­ße eine fast schon roman­ti­sche Atmo­sphä­re. Kurz blieb ich ste­hen und sah zu er Kathe­dra­le rüber, die von Strah­lern erhellt wur­de und dadurch fast noch ein biss­chen majes­tä­ti­sche wirk­te als bei Tag. Eine plötz­li­che Wär­me brei­te­te sich in mei­ner Brust aus. Die­ser Ort war mein neu­es Zuhau­se.” (Zitat S.54) Jana Schä­fers Spra­che ist sehr flüs­sig und ange­nehm. Da gibt es so schö­ne Sät­ze wie: “Die Leich­tig­keit zwi­schen uns leg­te sich wie eine hoff­nungs­vol­le Umar­mung um mich, von der ich nicht gewusst hat­te, dass ich sie brauch­te.” (Zitat S.233). Sie nimmt sich viel Zeit für die Ent­wick­lung ihrer Cha­rak­te­re und Neben­fi­gu­ren. Auch wenn man­ches etwas straf­fer hät­te erzählt wer­den kön­nen, will man doch unbe­dingt wis­sen, wie Audreys und KasimiraMiles Geschich­te wei­ter­geht. Vor allem das Geheim­nis um Audreys Ver­gan­gen­heit gibt lan­ge Zeit ein Rät­sel auf. Was ist damals pas­siert, an jenem Abend, der ihr Leben unwei­ger­lich ver­än­der­te? “Sie wirk­te rei­fer, selbst­be­wuss­ter und auch distan­zier­ter. Zwar hat­te sie für die ande­ren Team­mit­glie­der jeder­zeit ein offe­nes Lächeln, aber mir ent­ging die Vor­sicht in ihren Augen nicht. Als wür­de sie nicht mehr blind ver­trau­en kön­nen, und die Ahnung, dass sich dazu bei­getra­gen hat­te, nag­te lei­se an mir.” (Zitat S.45) Eine erns­te, trau­ma­ti­sche Erfah­rung ver­birgt sich in “Rose­be­ry Ave­nue: Acting Bra­ve”, die die Autorin mit viel Fein­ge­fühl und Authen­ti­zi­tät ans Tages­licht der Later­nen beschie­nen Klein­stadt holt. Vor allem die Zer­ris­sen­heit von Audrey, ihre wider­sprüch­li­chen Gefüh­le in Bezug auf Miles sind sehr gut getrof­fen: “Wenn Miles wüss­te, was hin­ter dem StückKasimira steck­te — was ich dar­in ver­ar­bei­tet hat­te und war­um der Schock, dass aus­ge­rech­net er die Rol­le bekom­men hat­te, so groß gewe­sen war -, wür­de er mein Ver­hal­ten dann bes­ser ver­ste­hen? Mein Schwan­ken zwi­schen dem Wunsch nach Distanz und der Sehn­sucht nach Nähe?” (Zitat S.167) Doch nicht nur Audrey scheint ein Päck­chen zu tra­gen, eben­so hin­ter Miles Fas­sa­de kann man immer mehr bli­cken: “Für mei­ne Mit­schü­ler war ich immer nur der Typ mit den rei­chen Eltern und dem per­fek­ten Leben gewe­sen, der eine Aus­sicht auf eine Schau­spiel­kar­rie­re hat­te. Dass das vor allem eine Illu­si­on war, hin­ter der sich Ein­sam­keit und Lee­re ver­bar­gen, hat­te nie­mand gese­hen.” (Zitat S.46) Ein jun­ger Mann, er das Gefühl hat nie genug zu sein und sich nach der Aner­ken­nung sei­ner Eltern sehnt, die er aber nicht bekommt. Gegen Ende ver­liert sich der Kon­flikt kurz­zei­tigKasimira ein wenig, um dann in einem dra­ma­ti­schen Aus­klang wie­der umso hef­ti­ger her­vor­bre­chen. Die letz­ten Sei­ten sind unglaub­lich packend, ner­ven­auf­rei­bend, aber auch gefühl­voll geschrie­ben und sor­gen für Gän­se­haut. Eine tol­le Bot­schaft hält die Autorin für ihre Leser*innen eben­so bereit: “Denn dar­um ging es letzt­end­lich, oder? Zu lie­ben und das Leben zu neh­men, wie es kam. Offen für jede Über­ra­schung und jede Wen­dung zu sein und zwi­schen­durch in die ein­zel­nen Momen­te ein­zu­tau­chen und sie voll aus­zu­kos­ten.” (Zitat S.471). Außer­dem ver­rät Jana Schä­fer in einem Nach­wort ihren per­sön­li­chen Bezug zu dem Roman. Eine Lese­pro­be am Ende macht neu­gie­rig auf die Fort­set­zung, die aber auch kom­plett unab­hän­gig von Band 1 gele­sen wer­den kann. In “Rose­be­ry Ave­nue: Brea­king free” spie­len Miles bes­te Freun­din Pey­ton die Haupt­rol­le und Audreys Mit­be­woh­ner Wyatt.

Fun Fact: Auf S.240 gibt es einen inter­es­san­ten Ver­weis: “Außer­dem lese ich auch his­to­ri­sche Fan­ta­sy­ro­ma­ne, und die sind ziem­lich düs­ter”, sag­te er, und tat­säch­lich ent­deck­te ich den neu­es­ten Roman von Jas­per Haven, einem erfolg­rei­chen Schrift­stel­ler aus Schott­land.” (Zitat S.240) Jas­per Haven ist eine Figur aus Jana Schä­fers Roman “The way we fall” ;-)

Du magst Jana Schä­fers Erzähl­stil? Dann lies noch ihre ande­ren New-Adult-Bücher: die “Beau­tiful bro­ken”-Rei­he: “Soul: Avery & Caden” und “Dream: June & Tre­vor”. Davor Lesealternativenschrieb sie noch “Com­ple­te me: Tara & Maxim”, “Reve­al me: Ella & Jonah” und “Pro­mi­se me: Han­na & Finn”. 2021 erschien noch das roman­ti­sche “Make my wish come true”, das ein eher win­ter­li­ches Set­ting hat. Dar­auf­hin folg­te die eben­falls in Schott­land spie­len­de “Eding­burgh”-Rei­he “The way we fall” (Band 1) und “The hope we find” (Band 2). Du liebst Roma­ne, die am Thea­ter spie­len? Dann greif zu fol­gen­den Büchern: “Fast schon büh­nen­reif” von Lisa Rosin­sky, “Som­mer­nachts­traum” von Til­man Spre­ckel­sen und Tanya Lies­ke und “Som­mer­nachts­zau­ber” von Ellen Alps­ten. Schau­spie­le­rei spielt eine Haupt­rol­le in “Glücks­ge­fühl” von Karo­lin Kol­be, “3000 Arten, Ich lie­be dich zu sagen” von Marie-Aude Murail, “Kiss me in Lon­don” von Cathe­ri­ne Rider und “You in five acts” von Una LaMar­che.

Bibliografische Angaben:
Schilder was wo wer wannVerlag: Ravensburger
ISBN: 978-3-473-58627-1
Erscheinungsdatum: 1.Februar 2023
Einbandart: Broschur
Preis: 14,99€
Seitenzahl: 448
Übersetzer: -
Originaltitel: -
Originalverlag: -
Originalcover: -

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Kasimiras Bewertung:

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