“Uncovered: Dein Selfie zeigt alles” ist ein Roman der deutschen Autorin Ilona Einwohlt, das sich mit besonderen Themen im Jugendbuch auseinandersetzt: Sexting und Cybermobbing. Was das Versenden freizügiger Fotos für Folgen haben kann, das muss ein junges Mädchen feststellen, als sie ein besonderes Selfie von sich verschickt. Ein Buch, das nah an der Sprache der Jugendlichen ist und wichtige Aufklärungsarbeit leistet. Für Teenager ab 12 Jahren.
Milan sieht gut aus und das weiß er auch. Er ist der Klassenschwarm und hatte schon haufenweise Freundinnen. “Längst hatte er seinen Ruf weg. Dabei war er gar nicht so bad, wie Tobi behauptete. In Wahrheit hätte er gerne mal eine richtige Freundin gehabt. Aber irgendwie hielt er es nie lange mit einer aus. Und außerdem hatte er gemerkt, dass die Mädchen es mochten, wenn er wild und unangepasst und unberechenbar blieb.” (Zitat aus “Uncovered: Dein Selfie zeigt alles” S.6ff). Alle aus seinem Jahrgang schwärmt für ihn. Wenn er wollte, könnte er jede haben. Während er mit den Mädchen keinerlei Probleme hat, ist es
die Schule, die ihm Schwierigkeiten bereitet. Aufgrund seiner leichten Lese-Rechtschreibschwäche hat er Angst sitzenzubleiben. Ella hingegen ist neu an der Schule. Weil ihre Eltern sich getrennt haben, ist sie mit ihrer Schwester und ihrer Mutter “von Norddeutschland nach Hessen gezogen, vom platten Land in die Berge, vom Dorf in die Stadt.” (Zitat S.15ff) Ella ist eher unscheinbarer, im Gegensatz zu ihrer Schwester, die nebenbei als Model arbeitet. Sie findet nur langsam Anschluss in der neuen Klasse. Mag die Oberflächlichkeit der anderen Mädchen nicht: “Alle tragen die neuesten Sneaker, teure Klamotten und die Mädchen sind mega geschminkt. Und ins Gym gehen sie nur, um Hantel-Selfies vor dem Spiegel zu posten. Richtig trainieren tut von denen keine” (Zitat S.24) Ella liebt den Sport. Sie hat jahrelang Judo betrieben, auch viele Wettkämpfe gemeistert und will nun unbedingt den schwarzen Gürtel
erreichen. Was sie in der Klasse auch nicht besonders toll findet, ist das “Bitch-Bingo”, das vor allem die Jungs betreiben: “Tobias hatte die zugegebenermaßen ziemlich coole Idee gehabt, von den Mädchen Bilder zu sammeln, bis ihr Bingo vollständig war: lila lackierte Fingernägel, Spitzenhöschen, Bauchnabel, Schamhaar, Kussmund, Pofalten, Nippel… logisch, dass Tobias schon die meisten Fotos zusammenhatte. Er hatte mitgekriegt, dass Alina, Bijan und Vanessa immer mal wieder Selfies von sich auf Instagram posteten.” (Zitat S.39) Sich gegenseitig freizügige Bilder schicken, ohne Gesicht und nur mit Teilen des Körpers, scheint ein richtiger Klassensport geworden zu sein, bei dem auch die Mädchen irgendwann fleißig mitziehen und Fotos der Jungs fordern. Ist ja schließlich nur ein Spiel. Und schließlich gibt es nur noch Ella, die in der Fotosammlung der Jun
gs fehlt: “Wetten, dass du es nicht schaffst, ein Nacktfoto von ihr zu bekommen?” “Spinnst du? Natürlich bekomme ich ein Foto von ihr!” Milan richtete sich auf, hielt Tobis Blick stand und schlug ein. Klar bekam er ein Foto. War er nun Mister Klassenschwarm oder nicht?” (Zitat S.67) Doch je näher Milan Ella kommt, desto mehr merkt er, was hinter dem unscheinbaren Mädchen steckt. Und auch wenn er die Wette irgendwann in den Hintergrund gerät, weil er sich ernsthaft in Ella verliebt, so hat sein Kumpel Tobi diese nicht vergessen…
Ein auffälliges, passend gestaltetes Cover erwartet den Leser bei “Uncovered: Dein Selfie zeigt alles”. Der Roman ist recht kompakt, die Geschichte selbst hat 219 Seiten. Ideal auch für eine Buchvorstellung oder als Klassenlektüre. Das Buch ist in personaler Erzählperspektive geschrieben aus der
Sicht von Ella und der von Milan. Praktischerweise grenzen sich die beiden Charaktere zusätzlich durch ein unterschiedliches Schriftbild voneinander ab. Als Kapitelüberschriften werden Hashtags gewählt. Die Sprache ist sehr einfach, vor allem sehr jugendsprachlich und mit vielen Dialogen gespickt, manches wirkt erzählerisch etwas oberflächlich. Dennoch ist “Uncovered: Dein Selfie zeigt alles” unerwartet aktuell: “Während Tobi an der Westküste herumpaddelte, war Milan in Südfrankreich gewesen, Surfcamp und Ferienhaus, wie jedes Jahr. Trotz Corona.” (Zitat S.6) Auch später wird Corona noch einmal kurz erwähnt, während das Buch weit in den Herbst hineingeht. Das Thema des ständigen Onlineseins und der Selbstpräsentation in sozialen Netzwerken nimmt großen Raum in dem Roman ein: “Snapchat, Instagram, wie immer hatten ihm unzählige Mädchen Likes und Herzchen hinterlassen, die üblichen Kommentare wie “Süß”
oder “Du bist der Beste” dazu. Geschmeichelt fuhr sich Milan durch seine dunklen Haare, natürlich war er der Beste und der Coolste noch dazu.” (Zitat S.43ff) Es scheint für die Jugendlichen völlig natürlich zu sein, sich in Szene zu setzen und ihr Leben online zu teilen. Selbst Ella, die zurückhaltender ist, hat damit kein Problem: “Ella lächelte stolz und ließ noch ein paar Filter über das ausgewählte Foto laufen, bevor sie es auf ihrem Account online stellte. Keine zehn Minuten später hatte sie fast fünfzig Likes. Als ob alle nur auf ihr Bild gewartet hätten.” (Zitat S.26) Doch auf die Gefahren, die das Versenden manch freizügige Bilder, nach sich ziehen kann, weist die Autorin durch ihre Geschichte deutlich hin. Gegen Ende wird es höchst spannend mitzuverfolgen wie die Charaktere agieren. Das Ende regt zu eigenen Überlegungen an und gibt in einem Anhang einen Überblick über rechtliche Hintergründe. Einzelne Wörter wie Sexting, Sextortion oder Victim Blaming werden dort näher erläutert. Und ganz wichtig: es wird Hilfe angeboten in Form der bundesweite Online-Beratungsplattform Juuuport.de.
Dir gefällt Ilona Einwohlts Erzählstil? Sie hat im Jugendbuch bisher einiges geschrieben. Lies von ihr zum Beispiel die “Erdbeersommer”-Reihe oder die “Wild und wunderbar”-Reihe, beka
nnt wurde sie auch durch ihre “Sina”-Reihe (z.B. “Mein Pickel und ich”, “Das Model und ich”). Zum Thema Onlinesein hat sie zum Beispiel zudem “Nonstop online? Grenzenlos digital unterwegs” geschrieben. Dich interessiert die Thematik in “Uncovered: Dein Selfie zeigt alles”? Inhaltliche Alternativen dazu sind zum Beispiel “Oben ohne” von Jutta Nymphius (einfühlsam geschrieben), “For your eyes only: 4YEO” von Carolin Philipps (realistisch und sehr flüssig erzählt), “#Selbstschuld: Was heißt schon privat” von Thomas Feibel (bewegend). Etwas heftiger geht es zu in “Hass gefällt mir” von Johanna Nilsson, in dem ein Foto und ein Sexvideo das Leben eines Mädchens völlig verändern. Oder lies “Weil es nicht aufhört” von Manfred Theisen, in welchem ein “Oben ohne”-Foto ebenfalls zu einer Hetzkampagne führt. Andere Titel mit ähnlicher Thematik sind “Liebe ist so scheißkompliziert” von Sabine Schoder, “Blitzlichtgewitter” von Christian Linker und “Homevideo” von Karin Kaçi.
Bibliografische Angaben:Verlag: Arena ISBN: 978-3-401-60549-4 Erscheinungsdatum: 28.Januar 2021 Einbandart: Taschenbuch Preis: 8,00€ Seitenzahl: 232 Übersetzer: - Originaltitel: - Originalverlag: - Originalcover: -
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Verlag: Arena
ISBN: 978-3-401-60549-4
Erscheinungsdatum: 28.Januar 2021
Einbandart: Taschenbuch
Preis: 8,00€
Seitenzahl: 232
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